CAVANIS FRISEUR 110 – Zentrales Mittelfeld

Carles Aleñá // 19 // FC Barcelona

Was wäre eine Talentschau ohne La Masia, ohne die Fußballschule des FC Barcelona. Tatsächlich, ein Kandidat ist dabei und wie es sich gehört: Es ist ein zentraler Mittelfeldspieler. Carles Aleña ist in vieler Hinsicht ein absoluter Vorzeigeabsolvent des „Steinbruchs“, der Barca-Akademie. Aufgewachsen im Einzugsgebiet der Küstenmetropole, seit seinem achten Lebensjahr in den Jugendteams der Blaugrana und fast ebenso lang als großes Juwel gehandelt – aktuell gibt es keinen Jugendspieler in Barcelona, auf dem so große Erwartungen liegen. Dabei gäbe es in Barcelona genug Spieler mit denen man ihn vergleichen könnte, doch der Ruf nach Nachfolgern, für wen auch immer, ist oft genug verhallt. Aleñá spielt sein eigenes Spiel, ist etwas größer als seine Vorgänger Xavi und Iniesta, dabei dennoch wendig und unglaublich ballsicher. Wenn er Pässe spielt, dann kommen sie so genau in den Fuß, dass Pep Guardiola seine Freude daran hätte. Wenn er nicht grade Bälle verteilt, dribbelt er auch gerne mal selber los, er hat den Antritt, ebenso wie die Ballkontrolle bei hoher Geschwindigkeit. Was fehlt da eigentlich noch? Ach ja, im November gab Carles Aleñá sein Pflichtspieldebut in der ersten Mannschaft der Katalanen. In der Copa, beim Drittligisten Hércules Alicante agierte er an der Seite von Arda Turan, Denis Suárez und Rafinha Alcántara. Barca spielte schwach und letztlich blieb es am 18-Jährigen hängen, sein Team vor einer Blamage zu bewahren. Mit einer tollen Einzelaktion krönte der Kapitän der spanischen U19-Auswahl sein Debut und erzielte den 1:1-Endstand. Nach Jahren unglaublicher Leistungsdichte hat nun seit Sergio Busquets kein Absolvent aus La Masia mehr den absoluten Durchbruch an die Weltspitze geschafft. In Barcelona fragen sie sich: Wenn nicht der junge Aleñá, wer dann?

Dele Alli // 20 // Tottenham Hotspur

Mit seinen 20 Jahren gehört der Engländer schon jetzt zu den besten offensiven Mittelfeldspielern der Welt. Vielleicht ist er mittel- bis langfristig auch ein Kandidat auf den Weltfußballertitel. Wobei dieser ihm nicht gerecht werden würde. Dele Alli ist keiner, der sich über Einzelleistungen definiert. Er macht seine Mitspieler besser und auf dieser Grundlage auch sich selbst. Bereits im letzten Jahr war er einer der zentralen Bestandteile in Mauricio Pochettinos Elf gewesen, die vornehmlich im 4-2-3-1 auflief und dabei für Furore sorgte. Ihm kommt generell das intensive und fluide Spiel der Spurs zugute, da er hier seine herausragenden Fähigkeiten bestens einbringen kann. Zum einen besitzt er neben seiner sehr guten Koordination eine schnelle Handlungsfähigkeit. Es wirkt beinahe so, als würde das Spiel für Alli langsamer laufen als für andere. Selbst unter Druck behält er die Ruhe und wählt im richtigen Moment die richtige Entscheidung. Im Gegensatz zu diversen anderen Spielern auf seiner Position ist er nicht nur der rationale Spieler, sondern er hat auch einen gewissen Touch von Mesut Özil in seinem Spiel, wenn er mit einem Pass die komplette gegnerische Abwehr aushebelt. Seine Palette an Fähigkeiten ist enorm breit aufgestellt. Er kann zum einen als raumsuchender und verbindungsgebender Zehner passiver agieren und als Unterstützer agieren, er kann aber ebenso das Spiel auf sich ziehen und spielmachend auf der Zehn agieren. Seit dieser Saison spielen die Spurs in einem 3-4-3/3-4-2-1, in dem Allis Stärken in der Positionsfindung und im Kombinationsspiel noch besser zur Geltung kommen. Da seine Grundposition sich bereits im Halbraum befindet, kann er von hieraus weitaus flexibler spielen als beispielsweise auf dem Flügel oder dem Zentrum. Er kann zum einen gemeinsam mit dem Flügelspieler die Seite überladen und kann zum anderen auch Verbindungen zum Zentrum leichter aufrechterhalten. Weiterhin kann er sich, das haben insbesondere die beiden Tore gegen Chelsea gezeigt, im ballfernen Halbraum im Rücken der Verteidiger davonstehlen und bei Hereingaben in der Box präsent sein. In diesen Szenen kommt eine Stärke an Alli zum Vorschein, die auf diesem Niveau nur Thomas Müller und Cristiano Ronaldo besitzen: die Raumdeuterfähigkeit. Der 20-Jährige hat einfach das berühmte Näschen für gefährliche Situationen. Mit ungeheurer Präzision schafft er es immer wieder sich genau im richtigen Moment von seinem Gegenspieler zu lösen, sich selbst Raum zu verschaffen und in einer guten Abschlussposition zu sein. Sowas hat man oder hat man nicht. Der Engländer gehört einfach zu jener Art von Spielern, die diesen Sport so begeisternd machen. Seine harmonische und zugleich wilde Spielweise sind als Symbiose ein Genuss für jeden, der etwas für guten Fußball übrighat.

Rodrigo Bentancur // 19 // Boca Juniors

Spielmacher bei den Boca Juniors? Den meisten würde bei dieser Frage wohl als erstes der Name Juan Riquelme in den Sinn kommen. Der hat seine Laufbahn mittlerweile bekanntermaßen beendet und den Staffelstab weitergereicht. So richtig zu vergleichen ist Rodrigo Bencantur mit Riquelme im Grunde nicht. Der 19-jährige Uruguguayer spielt weniger extravagant, verlässt sich nicht ausschließlich auf seine feine Technik und steht etwas defensiver – quasi auf der 8 anstelle der 10. Der U20-Nationalspieler gehört schon seit der Saison 2014/15 zum Stammpersonal bei Boca und zieht dort die Fäden im Mittelfeld. Bentancur ist beidfüßig, passstark und strahlt eine große Ruhe am Ball aus – wohl auch wegen dieser Fähigkeiten wird er seit Jahren mit allerlei Top-Klubs in Europa in Verbindung gebracht. Juventus Turin, auch wenn der Transfer noch nicht offiziell bestätigt wurde, wird aller Voraussicht nach den Zuschlag erhalten. Die Bianconeri halten seit dem Verkauf von Carlos Tévez nach La Boca ein Vorkaufsrecht für Bentancur und Geschäftsführer Beppe Marotta sagte im November 2016 dazu: „Wir haben immer noch Zeit, zu evaluieren und zu entscheiden, was wir machen. Aber ich denke, dass er ein interessanter Spieler ist. Deshalb werden wir alles tun, damit er nächste Saison bei uns spielt.“

Dani Ceballos // 20 // Betis Sevilla

Starkes Passspiel, gutes Gespür für offene Räume und vor allem enorm ballsicher – Daniel Ceballos ist ein spanischer Mittelfeldspieler wie er im Buche steht. Häufig sieht man ihn minutenlang nur Bälle weitergeben – bevor er mit einer geschickten Finte Zwei Gegner ins Leere laufen lässt und eine gefährliche Aktion einleitet. Auch defensiv ist der Bético durchaus engagiert, dabei teilweise allerdings noch etwas ungeschickt, wohler fühlt er sich definitiv mit dem Ball am Fuß. Bei der erfolgreichen U19-EM 2015 bildete er ein kongeniales Duo mit ->Marco Asensio, bei seinem Heimatclub Real Betis feierte er seinen Durchbruch zuvor in Liga zwei, im Oberhaus tat er sich vor allem Anfang der laufenden Saison schwer, Coach Gustavo Poyet war kein Fan des Youngsters. Erst als Anfang November Víctor Sánchez das Traineramt übernahm, ging es für Ceballos wieder aufwärts, im neuen System nimmt er eine dominante Rolle bei den Grün-Weißen ein. Eine Rolle, die ihn auch wieder in den Fokus größerer Clubs rücken dürfte. Sein Vertrag läuft noch bis 2020, er selbst bezeichnet Betis als Club seines Herzens (und ein zweijähriges Intermezzo als Jugendspieler beim Stadtrivalen als „Unglück“.), doch die Ausstiegsklausel von 15 Millionen dürfte in der heutigen Zeit für einige Vereine kein Problem mehr darstellen.

Mahmoud Dahoud // 21 // Borussia Mönchengladbach

In der bisherigen Saison stand Dahoud zwar 20-mal auf dem Platz, aber es schien lange Zeit so, als hätte der Shootingstar der vergangenen Spielzeit bei den Gladbachern an Wert verloren. Aktuell zeigt seine Formkurve jedoch wieder nach oben und er zeigte in den ersten beiden Spielen der Rückrunde ordentliche Leistungen. In der Vergangenheit war Dahoud meist das Pendant zu Spielmacher Granit Xhaka. In dieser Saison spielte er vermehrt neben Christoph Kramer, mit dem er sich die Rolle des Spielgestalters ganz gut aufteilen kann. Der Deutsch-Syrer ist schon jetzt einer der besten Mittelfeldspieler in der Bundesliga, da sein Fähigkeitenprofil breit gefächert ist. Er kann sich im Laufe einer Partie spielmachend einbringen, ohne diese unbedingte Omnipräsenz auszustrahlen, die Xhaka besaß. Dahoud weiß meist sehr genau, wann er sich ins Spiel einbringen muss, wann er Räume für seine Mitspieler öffnen oder sich als Kombinationsmöglichkeit und Durchlaufstation anbieten muss. Sein strategischer Fokus ist dabei noch nicht so stark ausgeprägt, wie es bei vergleichbaren Spielern wie Gündogan oder Thiago der Fall ist. Er hat aber zweifellos das Potenzial, ein ähnliches Level zu erreichen. Dass man ihn in einem Atemzug mit zwei der besten Spieler ihrer Zunft nennt, kommt nicht von ungefähr. Auch er besitzt wie sie sehr gute Fähigkeiten im Dribbling und ist immer in der Lage einen kreativen Pass zu spielen. Dahouds Explosivität ist sowohl mit als auch ohne Ball ein Markenzeichen seiner Spielweise. Dank dieser kann er im Aufbau einen Gegenspieler mit einer Körperfinte aussteigen lassen oder im Gegenpressing aggressiv zum Ball schieben. Am besten ist der 21-Jährige, wenn er als verbindungsgebender Achter oder als Teil einer Doppelsechs neben einem klaren Spielmacher agiert. Dort kann er nämlich sein gutes Raumgefühl gepaart mit seinen starken technischen Fähigkeiten hervorragend einbringen. Als tief aufbauender Sechser ist er teilweise verschenkt, weil er seine Pressingresistenz und Durchschlagskraft eher im zweiten Drittel beziehungsweise beim Übergang ins letzte Drittel verwenden kann. Spielmachend kann er vereinzelt trotzdem ganz gute Sachen anstellen. Dahoud ist eben ein sehr kompletter Spieler, der sich spätestens im Sommer nach einem neuen Verein umsehen sollte, damit er die nächste Entwicklungsstufe angehen kann.

Marko Grujić // 20 // Liverpool FC

Marko stammt aus der berühmten Nachwuchsabteilung von Crvena Zvezda von Roter Stern Belgrad. Am letzten Spieltag in der Saison 2012/13 gab der Mittelfeldspieler einen Monat nach seinem 17.Geburtstag gegen Vojvodina sein Debüt für die erste Mannschaft. Den nächsten Schritt machte er 18 Monate später: Nachdem er die Hinrunde der Saison 2014/15 als Kooperationsspieler teilweise beim Zweitligaklub FK Kolubara Lazarevac verbrachte, aber auch bei Partizan eine Handvoll Einsätze bekam, durfte er die letzten paar Spiele der Saison durchspielen und bevor es zur U20-WM nach Neuseeland ging verlängerte er auch seinen Vertrag. Die WM konnte Serbien mit Kampf und „defensivtaktischer Disziplin“ auch überraschenderweise gewinnen – als jüngerer Spieler durfte er aber nur im Achtelfinale gegen Ungarn von Beginn an ran und wurde in einigen anderen Partien nur für die Schlussphase eingewechselt. Den Durchbruch schaffte er in der Folgesaison: als Stammspieler hatte er mit guten Leistungen einen maßgeblichen Anteil daran, dass man 19 Spiele in Folge gewann (auch in der sehr einseitigen Serbischen Liga ein Rekord für Roter Stern). Im darauffolgenden Jänner unterschrieb Grujic bei Liverpool, verbrachte die Rückrunde noch in Belgrad, gewann den Meistertitel vor Partizan und debütierte gegen Zypern für die A-Nationalmannschaft. Seine Zeit bei Liverpool startete mit zwei Einwechslungen in der Liga und zwei Startelfeinsätzen im League Cup, aber seit Ende November fällt er verletzt aus. Mit einer Größe von 1,91m bringt Grujic viel Physis mit, die er auch gut mit Dynamik kombinieren kann. In den Medien wird er gerne mit Nemanja Matic verglichen und dieser Vergleich ist nicht ganz unberechtigt, nur spielt Grujic als Achter oder sogar Zehner deutlich offensiver. Er verfügt über einen guten Distanzschuss, den er aber nicht immer richtig und oft einfach zu früh einsetzt. Seine ganze Entscheidungsfindung generell mit Ball könnte besser sein und so versucht er gerne einen riskanten 40 Meter-Diagonalball, wenn ein kurzer Pass die bessere Option wäre. Als Mittelfeldspieler, der oft mit Rücken zum Tor (und anlaufenden Gegner) steht, sollte sich auch noch seine Orientierung (+ Scanning) verbessern, dann müsste er sich in Punkto Pressingresistenz nicht nur auf seine Physis und technischen Stärken verlassen. Zusammenfassend kann man sagen, dass seine Statur sicher kein Nachteil ist, aber seine Entwicklung in den nächsten Jahren wird zeigen ob er ein typisch britischer Box-to-Box Spieler ist oder bleibt, der bis auf 4-5 Tore aus der Distanz nicht viel macht oder ein runder, durchschlagskräftiger Mittelfeldspieler wird. Man kann darüber diskutieren auf welcher Position ihn Klopp in der nächsten Zeit eher braucht, aber bei einem Positionswechsel auf die 6 wäre seine Stärken-Schwächen-Profil eventuell besser implementiert.

Kai Havertz // 17 // Bayer Leverkusen

Wenn man Kai Havertz eines schon im Alter von 17 Jahren nicht vorwerfen kann, dann ist es fehlende Nervenstärke. Als er im Oktober in seinem zweiten Spiel für die Profis von Bayer Leverkusen in der Verlängerung des DFB-Pokalspiel bei den Sportfreunden Lotte eingewechselt wurde, scheute er sich im anschließenden Elfmeterschießen nicht, als zweiter Schütze zum Punkt zu marschieren. Zwar schied Bayer 04 letztlich gegen den Drittligisten aus, doch Havertz hatte sich nichts vorzuwerfen. Anders als Nationalspieler Kevin Volland oder der zweifache chilenische Copa-América-Gewinner Charles Aránguiz hatte er seinen Elfmeter souverän im Tor untergebracht. Seit jenem Pokalabend nahe Osnabrück ist es für Bayer nicht wirklich aufwärts gegangen, für Havertz persönlich dafür umso mehr. Zwei Einsätze in der Champions League und mehrere Bundesliga-Partien in der Startelf, unter anderem gegen Bayern München, kamen hinzu. Dabei immer zu sehen: Auch Monate vor seinem 18. Geburtstag wirkt der Junioren-Nationalspieler auffallend erwachsen, überzeugt mal auf seiner Hauptposition im Mittelfeldzentrum, mal auf der rechten Außenbahn. Der Linksfuß lässt dabei etliche interessante Facetten aufblitzen, ist technisch stark, spielt mit viel Übersicht und ist dank einer Größe von 1,85 Metern auch in der Luft stark. Klar ist aber auch, dass bei einem Jugendlichen im ersten Bundesliga-Jahr nicht alles reibungslos funktionieren kann. Und so geht auch die Formkrise der Werkself nicht spurlos an ihm vorbei, wenn er es in schwächeren Spielen der Leverkusener nicht schafft, seine Qualitäten vollends auf den Platz zu bringen. Erwarten sollte man das von einem 17-Jährigen allerdings auch nicht. Wenn Kai Havertz sich weiter konstant entwickelt und kontinuierlich zu Einsätzen kommt, dann ist es in zwei, drei Jahren immer noch früh genug, dem Spiel auch bei negativer Dynamik den eigenen Stempel aufdrücken zu können.

Renato Sanches // 19 // Bayern München

Jüngst mit dem Golden Boy Award ausgezeichnet, ist der 19-Jährige eine der Neuentdeckungen der vergangenen Spielzeit. Der Hype um ihn begann bereits weit vor der Europameisterschaft 2016, als er mit bereits 18 Jahren Stammspieler bei Benfica Lissabon war. Im Nachhinein ist die Summe, die der FC Bayern im Frühjahr des letzten Jahres für ihn auf den Tisch legte, aufgrund der Vorschusslohrbeeren fast schon lächerlich. Erstrecht, als Sanches auf dem Weg zum EM-Titel zum Helden avancierte. Während er bei Benfica zunächst im Zentrum eingesetzt wurde, spielte er bei der Nationalmannschaft eine etwas andere Rolle: Im 4-3-3 der Portugiesen, das sich im Spiel gegen den Ball häufig zum 4-4-2 verwandelte, spielte Sanches einen Hybrid aus Achter im Ballbesitz und Flügelspieler im Defensivspiel. Diese Rolle brachte ihm zwei Man-of-the-Match-Auszeichnungen in der K.O.-Runde und die Auszeichnung zum Nachwuchsspieler des Turniers ein. Es schien also nur eine Frage der Zeit, ehe Sanches München im Sturm erobern wird. Der Euphorie folgte Ernüchterung. Der Portugiese stand in dieser Saison bisher bei seinen 15 Einsätzen nur siebenmal in der Startelf. In München muss er sein Spiel umstellen. Er kann nicht mehr nur der physisch robuste Mittelfeldspieler sein, der weiträumig aus seiner Position herausrückt. Bei Benficas auf Konter ausgelegter Spielweise konnte er diese Stärken hervorragend einbringen. Bei den Bayern sind nun andere Aufgaben gefragt. Er muss sich aktiver ins Spiel einbringen und geduldiger spielen – sowohl mit, als auch ohne Ball. Seine Schwächen in der Positionsfindung bei eigenem Ballbesitz, indem er sich beispielsweise zu nah am eigenen Mitspieler freiläuft und den Pass fordert, fallen in der Ballzirkulation des Rekordmeisters mehr ins Gewicht als noch in der Heimat. So war er für das Ballbesitzspiel der Münchner in dieser Saison nicht immer förderlich. Dass Sanches ein junger Spieler ist, der sich erst noch entwickeln muss, ist auch klar. Vielleicht ist er auch einfach nur ein Opfer des Hypes, der um ihn herum entstanden ist. Fakt ist aber, dass er zukünftig weniger über seine Physis und mehr über das spielerische Element kommen muss, wenn er bei den Bayern Fuß fassen will. Nach gerade einmal einem halben Jahr würde ich nicht von einem Scheitern sprechen, dafür ist er einfach zu talentiert und hat dies auch schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Es ist wichtig, dass er sich eben in jenen Punkten verbessert, um seinem Ruf als eines der größten Talente gerecht zu werden.

Thiago Maia // 19 // FC Santos

Der junge Brasilianer zählt zu einem der facettenreichsten und variabelsten Spieler in unserer Liste. Anfänglich als Zehner gespielt rückte der 19-jährige Thiago Maia immer weiter nach hinten, bis er in Brasilien schließlich im defensiven oder zentralen Mittelfeld zu finden ist. Obwohl er positionell gesehen deutlich weiter hinten zu finden ist als Neymar, ist er sehr wohl mit dem Barca-Star zu vergleichen. Trotz seiner defensiveren Position verdreht er seinen Gegenspielern mit seinen beeindruckenden Tricks den Kopf. Aus der Tiefe heraus dribbelt sich Thiago Maia mit unglaublichen Tempo hervor, lässt mit seiner engen Ballführung die Kontrahenten stehen und knallt den Ball außerhalb des Sechzehners ins Kreuzeck. Kein Wunder, dass sich viele ehemalige brasilianische Teamspieler als große Fans des Nadelspielers bezeichnen. Kaum ein anderer Spieler machte mehr Freude zu recherchieren als der Santos-Spieler. Seine Mischung aus Verspieltheit, Defensivarbeit, Offensivarbeit und Kampfgeist ist beeindruckend. Normalerweise ist man von verspielten Spielern gewohnt, dass sie faul sind bzw. selten zurücklaufen, aber nicht Thiago Maia. Kaum ein anderer Spieler läuft so viel wie der Brasilianer. Er ist eine Laufmaschine, omnipräsent und bringt seine Mitspieler mit seiner fantastischen Übersicht und Passgenauigkeit immer wieder in Szene. Thiago Maia ist das nächste Export-Wunder des FC Santos und wird bereits von vielen großen Vereinen wie Manchester United, PSG oder Chelsea gejagt und das vollkommen zurecht.

Youri Tielemans // 19 // RSC Anderlecht

16 Jahre und 83 Tage – so alt war Youri Tielemans bei seinem Profidebüt für RSC Anderlecht. 16 Jahre und 148 Tage – so alt war er bei seinem Champions League-Debüt, womit er der jüngste belgische Spieler in Champions League wurde. Im Alter von nur 18 Jahren absolvierte er schon unglaubliche 80 Liga-Spiele für Anderlecht. Youri Tielemans brach vor einigen Jahren einen Rekord nach dem anderen und wird auch weiterhin viele brechen, denn das belgische Talent sticht selbst bei der Vielzahl von belgischen Toptalenten heraus. Der zentrale Mittelfeldspieler spielt seit seinem fünften Lebensjahr für Anderlecht und feierte bereits in jungen Jahren viele Erfolge. Er wurde belgischer Meister, belgischer Supercupsieger, zweimal Belgiens Youngster des Jahres und einmal Belgiens Talent des Jahres. Den Anderlecht-Fans ist klar, dass sie einen Juwel in ihren Reihen haben und ihn an einen Topverein verlieren werden, die Frage ist nur noch wann. Der junge Belgier ist unglaublich schnell, verfügt über eine überragende Technik, spielt unvorstellbare Pässe und Vorlagen und erzielt Woche für Woche Traumtore. Youri Tielemans ist ein Spieler der Superlative. Trotz seiner erst 19 Jahre verfügt er über Leaderfähigkeiten und leitet das Spiel aus der Tiefe heraus. Der Box-to-Box-Spieler beackert bei den Belgiern das Feld, verdreht Verteidigern mit seinen Dribblings den Kopf und bring Tormänner mit seiner Schusstechnik und Schussgenauigkeit zum Verzweifeln. Die Art wie er sich auf dem Platz bewegt und wie er Auftritt, macht viele sprachlos, wenn man erst an das Alter des Anderlecht-Mittelfeldregisseurs denkt. Trotz seiner erst 19 Jahre ist Tielemans Publikumsliebling, Kapitän und Elfmeterschütze des Vereins. Nervösität scheint ihm ein Fremdwort zu sein. Bereits in seiner ersten Saison, im zarten Alter von nur 16 Jahren, hatte er bereits einen großen Impact auf die Mannschaft. Rund dreieinhalb Jahre nach seinem Debüt bringt es der mittlerweile 19-Jährige auf mehr als 160 Einsätze für die Belgier und verfügt trotz seines jungen Alters damit bereits über große Erfahrung. Dennoch hat er auch Schwächen, so muss er an seiner Arbeitsrate in der Defensive arbeiten, sowie seiner Effizienz in der Defensive, denn der junge Belgier ist nicht gerade zweikampfstark. Wenn er es zukünftig schafft auch noch konstanter zu werden, kann Tielemans in ein paar Jahren einer der besten Spieler der Welt werden, denn sein Potential scheint grenzenlos.

 
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