CAVANIS FRISEUR 110 – Linksverteidiger

Olivier Boscagli // 19 // OGC Nizza

Wie Malang Sarr kommt Olivier Boscagli direkt aus dem Nachwuchs von Nizza (obwohl er in Monaco geboren ist). Er war eine der Entdeckungen der Saison 2015-2016, in der Nizza erstaunlich gut abschnitt, zeigte sich vielfältig in defensiven Rollen, spielt dennoch mit Vorliebe links hinten. Zwar sind Zweikämpfe oder Kopfballduelle nicht seine Stärke, dafür liest er das Spiel hervorragend und kommt so zu vielen Interceptions. Der junge Franzose schlägt hervorragende Flanken und spielt tolle Pässe. Mit seiner Geschwindigkeit ist er daher vor allem für das Umschaltspiel ein idealer Spieler. Trotz einiger guten Leistungen konnte er sich nicht auf der Dauer behaupten, in dieser Saison wird er relativ wenig eingesetzt, denn auf seinem Posten steht meistens Neuankömmling Dalbert aus Brasilien. Boscagli muss also noch auf seine Stunde warten, vielleicht muss er sich trauen die derzeit erfolgreiche Mannschaft von Nizza zu verlassen um endlich an Spielminuten zu kommen. In der französischen U20 ist er aber immer noch gern gesehener Gast.

 


Aarón Caricol // 19 // Espanyol Barcelona

Ein spielmachender Linksverteidiger. So etwas gibt es auch in Spanien tatsächlich nicht oft. Und so ist es der Brasilianer Marcelo, der gerne als Vergleich herangezogen wird, wenn es um den jungen Aarón Caricol von Espanyol geht. Der junge Katalane, seit seinem achten Lebensjahr dort aktiv, besticht mit seinen Fähigkeiten im Dribbling und seinen hervorragenden öffnenden Pässen. Zu Beginn der Saison noch im Reserveteam eingesetzt, ist der 19-Jährige mittlerweile nicht mehr Wegzudenken aus Espanyols Defensive. Seit er Anfang Oktober zum Team stieß hat sich nicht nur die defensive drastisch gebessert (von 2,3 Gegentore/Spiel auf 0,8), er sorgte auch offensiv für Belebung, variiert dabei immer wieder zwischen Ausflügen die Linie entlang und Einrücken ins zentrale Mittelfeld – ein Talent, das er auch schon zeigte, als er mit Spanien 2015 den U19 EM-Titel holte. Zuweilen kann man ihm noch eine gewisse Fahrlässigkeit vorwerfen, ihm unterlaufen im Aufbauspiel ab und an wirklich gravierende Fehlpässe. Doch mit seinen 19 Jahren hat er noch genug Zeit das abzustellen. Sollte ihm dies gelingen, stehen ihm alle Türen offen, womöglich zieht es ihn in ein paar Jahren ja als Nachfolger von Marcelo zu Real Madrid.

 


Federico Dimarco // 19 // Empoli/Inter Mailand

In Italien ticken die Uhren immer etwas anders. Da wäre beim FC Empoli ein hochtalentierter, junger Außenverteidiger, der bei der „Squadra Azzurra“ bislang alle Jugendmannschaften bis zur U20 durchlief, den Vorzug bekommt mit Manuel Pasqual aber meist ein 34-jähriger Routinier. Federico Dimarco spielt, wenn er ran darf, aber stets überzeugend. Mit 1,75 Metern Körpergroße ist der Linksverteidiger quirlig, technisch versiert und immer auf Achse. Das Eigengewächs von Inter Mailand spielt auch nur leihweise in der Toskana und debütierte bereits im Alter von 17 Jahren bei den Profis der Nerazzurri. Sein größtes Ausrufezeichen setzte Dimarco aber wohl bei der U19 EM 2016 in Deutschland, als er mit der „Squadra Azzurra“ bis ins Endspiel kam und im Laufe des Turniers insgesamt vier Treffer erzielte.

 


Theo Hernández // 19 // Deportivo Alavés/Atletico Madrid

Als großes Talent zwar, aber noch gänzlich ohne Profi-Erfahrung, wagte Theo Hernandez im Sommer einen ersten Anlauf im Seniorenbereich. Stammverein Atlético Madrid verlieh ihn an Erstliga-Aufsteiger Deportivo Alavés, der mit einer wilden Einkaufstour nicht viel von seiner vorigen Aufstiegself übrig ließ. Kein einfaches Pflaster für einen 18-Jährigen, doch der Bruder von Atléticos Innenverteidiger Lucas Hernandez meisterte die Herausforderung mit Bravour. Auf der linken Abwehrseite ist er unangefochtener Stammspieler, nur zwei Mal blieb er wegen Sperren außen vor. Bei seinen Auftritten fällt besonders das offensive Potenzial auf. Mit geradlinigen Sprints flitzt der inzwischen 19-Jährige die Linie rauf und runter. Teils zwar noch etwas übermütig im Dribbling, angesichts des jungen Alters aber kein Aspekt, an dem sich nicht arbeiten ließe. Ebenfalls nicht unüblich für das erste Jahr im Profibereich: Ein Formtief nach starkem Beginn. Zuletzt startete er jeweils gut in die Spiele, ließ mit zunehmender Spielzeit physisch aber sichtlich nach, mit sieben Gelben Karten und zwei Platzverweisen in 19 Pflichtspielen zeigt auch der Blick in die Sünderkartei Verbesserungsbedarf. Die dennoch mehrheitlich positiven Eindrücke waren mehr als ausreichend, um bereits internationale Interessenten anzulocken. Manchester City würde die Hernandez-Brüder gerne im Paket verpflichten und Olympique Marseille warb intensiv darum, Theo in seine Geburtsstadt zu locken. Alavés schob den Gerüchten aber schnell einen Riegel vor, bis Saisonende wird der Rohdiamant im Baskenland geschliffen, anschließend ist fest davon auszugehen, dass der weitere Verlauf der Entwicklung unter den Fittichen von Diego Simeone erfolgt.

 


Jorge // 20 // AS Monaco

Vor wenigen Tagen unterschrieb der 20-Jährige Brasilianer Jorge beim AS Monaco. Der Außenverteidiger wechselte für knapp neun Millionen Euro von Flamengo an die Côte d’Azur nach Frankreich. Jorge galt als der beste Linksverteidiger der brasilianischen Liga und als einer der konstantesten Verteidiger des Landes. Der schnelle Außenverteidiger trumpft vor allem mit seiner Geschwindigkeit, seinen energischen Tacklings und seinen zielgenauen Hereingaben, selbst bei Bedrängung des Gegners, auf. Der Brasilianer hinterläuft seine Mitspieler, um am Flügel mit viel Tempo an seinen Gegner vorbeizuziehen und von dort mit seiner brillianten Technik den Gegner auszuspielen oder einen Stürmer im Strafraum perfekt anzuspielen. Jorge bewegt sich jedoch nicht nur vertikal, sondern auch horizontal. Von der Mitte spielt er viele Key Pässe, die sogar noch besser sind als seine Hereingaben vom Flügel. Auch defensiv kann sich Jorge sehen lassen: Vorige Saison gehörte er zu den Spieler mit den meisten Interceptions, sowie mit den meisten gewonnen Zweikämpfen. Der 20-Jährige ist ein solider Außenverteidiger, der viel Potential besitzt und wenn er offensiv sogar noch effektiver werden kann – was er beim AS Monaco sicherlich lernen kann – könnte aus dem Brasilianer zukünftig ein fantastischer Verteidiger werden.

Kenedy // 21 // Chelsea

Im Sommer 2015 wechselte der 19-Jährige Kenedy von Fluminense für acht Millionen Euro zu Chelsea. Der Brasilianer, der als Sturmtalent geholt wurde, wird von Ex-Barca-Spieler Deco beraten und wurde von vielen Topklubs in Europa beobachtet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Kenedy jedoch vom Stürmer zum offensiven Mittelfeldspieler, zum Flügelstürmer und später schließlich zum Linken Verteidiger. Übersteiger hier, ein Tunnel da, schnelle Beinarbeit, Körpertäuschungen, schnelle Haken, Außenristschüsse, angetäuschte Pässe, Rabona-Flanken … Der mittlerweile 20-Jährige lässt alles so einfach aussehen und verdreht vielen Spielern den Kopf. Mit seinem Antritt, seiner Physis und seiner Übersicht ist er prädestiniert für die Außenverteidigung. Im Zweikampf setzt er sich mit seinem starken Körper meist durch, Pässe weiß er abzufangen und leitet mit seinen starken Dribblings oft schnell Gegenkonter ein. Vor dem gegnerischen Strafraum folgt meist ein beeindruckendes Dribbling, eine Flanke oder ein unhaltbarer Schuss, sei es mit dem linken oder mit dem rechten Fuß. Um Spielpraxis zu sammeln wurde er diesen Sommer an Watford verliehen. Zwar hat er mit Holebas einen starken Konkurrenten, gegen den er sich womöglich hätte durchsetzen können, doch aufgrund einer langwierigen Knieverletzung kam der Brasilianer bisher nur auf 15 Minuten Spielzeit für die Hornets, woraufhin seine Leihvertrag aufgelöst wurde. Sobald Kenedy wieder genesen ist und er weiter an sich arbeitet, könnte er einer der interessantesten Außenverteidiger seit Jahren werden.

 


Adrián Marín // 20 // CD Leganés/Villarreal

Spanier, Linksverteidiger, Jahrgang ’97, hatten wir das nicht schon mal? Den Namen Aarón Caricol wird Adrián Marín bestimmt nicht mehr hören können. Dabei hat der seit kurzem 20-Jährige aus der Region Murcia eine gänzlich andere Auslegung dieser Position zu bieten als sein katalanischer Dauerkonkurrent. Während Caricol wie beschrieben häufig fast schon spielmachende Aufgaben übernimmt, ist Marín der deutlich linearere Außenverteidiger. Die linke Seite ist sein Revier und die beackert er wenn es sein muss auch im Alleingang von vorne bis hinten, gibt keinen Ball verloren und hat dabei durchaus auch ein feines Füßchen. Bereits mit 17 Jahren kam der Hochveranlagte bei seinem Heimatverein Villarreal immer wieder zum Einsatz, sammelte Minuten in Liga und Europacup, ehe er verletzungsbedingt die komplette Rückrunde 2015 verpasste. Nachdem er sich vergangene Saison wieder ins Team gekämpft hatte war klar, dass ihn eine weitere Saison als Back-Up für Jaume Costa nicht weiter bringen würde. Bei Leganés, im Süden von Madrid, wurde eine Leihstation gefunden. Beim Aufsteiger ist Marín wenn fit gesetzt, hat allerdings wieder einmal mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Wenn er mal fit bleibt, steht einer großen Karriere nicht viel im Weg.

 


Senna Miangue // 20 // Cagliari/Inter Mailand

Senna Miangue durchlief alle Jugendnationalmannschaften Belgiens, auch in den Kader der A-Nationalmannschaft wurde der 19-Jährige bereits berufen. Miangue wirkt mit einer Größe von 1,92 Metern zwar wie ein Innenverteidiger, spielt aber vorzugsweise links in der Viererkette. Dort überzeugt er durch einen starken Offensivdrang, starke Physis sowie hohe Laufbereitschaft, wirkt bei schnellen Kombinationen aber noch etwas überfordert. Bei Inter Mailand kam er unter Trainer Frank De Boer sowohl in der Serie A als auch in der Europa League häufig zum Einsatz, seit Stefano Pioli übernahm machte Miangue allerdings kein einziges Spiel mehr. Die positiven Leistungen blieben allerdings nicht unbemerkt, im Wintertransferfenster bekundeten viele europäische Klubs Interesse am Linksverteidiger. Den Zuschlag bekam Cagliari Calcio, wo Miangue von nun an weitere Schritte in seiner Entwicklung machen will. Die Sarden sicherten sich bei diesem Leihgeschäft eine Kaufoption, doch Inter Mailand weiß um das Potenzial seines Eigengewächses und sicherte sich eine Rückkaufoption.

 


Blás Riveros // 19 // FC Basel

Im Frühling des vergangenen Jahres hatte Blas Riveros die freie Auswahl, was seine mittelfristige Zukunft betraf. Der gerade erst 18 gewordene Linksverteidiger des paraguayischen Erfolgsklubs Olimpia Asunción wurde von zahlreichen europäischen Topvereinen beobachtet, Talentschmieden wie Benfica Lissabon und noch größere Namen wie Manchester United und Paris Saint Germain sollen interessiert gewesen sein. Doch dann schaltete sich der FCB ein, jener aus der Schweiz, und Blas Riveros entschied sich für den FC Basel als Startpunkt seines Europa-Abenteuers. Die große nationale Überlegenheit des Serienmeisters kommt Riveros dabei grundsätzlich entgegen, er interpretiert seine Position als Linksverteidiger äußert offensiv und lässt erkennen, dass er nach einer Anfangszeit als Stürmer erst spät umfunktioniert wurde. Im Spiel nach vorne fiel besonders bei seinen Auftritten in Südamerika auf, dass er statt Läufen zur Grundlinie verstärkt diagonal in die Mitte zog, um dort mit wuchtigen Schüssen aus der zweiten Reihe den Abschluss zu suchen. Doch sportlich wie menschlich taute der bisher einmalige Nationalspieler in der Schweiz erst langsam auf. In den ersten Monaten begleitete ihn der spanischsprachige Kapitän Matías Delgado auf Schritt und Tritt, Riveros wirkte schüchtern und brauchte einige Zeit zur Eingewöhnung. Kurz vor der Winterpause mehrten sich dann allerdings die Einsätze, bei denen spielte er zwar noch immer nicht ganz befreit auf, fügte sich im eingespielten Basler Kollektiv aber gut ein. In einem seiner ersten Interviews in der Schweiz zeigte Riveros auch seine zurückhaltende Seite, wagte beim Blick in die Zukunft aber einen seiner bekannten Vorstöße: „Viele gute Linksverteidiger gibt es nicht, das spornt mich an.“

 


Kieran Tierney // 19 // Celtic Glasgow

1997 auf der Isle of Man geboren, zog er mit seiner Familie, bevor er noch ein Jahr alt wurde, nach Lanarkshire vor den Toren Glasgows, wo der junge Kieran als Celticfan aufwuchs und bereits mit 7 Jahren in den Verein kam. Er durchlief alle Jugendmannschaften und bestritt auch Spiele für die schottischen Nachwuchsselektionen, bevor er im April 2015 erstmals für die erste Mannschaft eingesetzt wurde. Dem folgte ein kometenhafter Aufstieg während der Saison 2015/2016, als der Jugendliche den Honduraner Emilio Izaguirre, einst Schottlands Spieler des Jahres, von der Linksverteidigerposition verdrängen konnte. Ähnlich wie der etwas ältere Andy Robertson, ebenfalls Schotte und Linksverteidiger, definiert Tierney sein Spiel extrem offensiv und hat so in 54 Spielen für Celtics A-Mannschaft schon 15 Torvorlagen beigesteuert (Stand 09.01.2017). Auch in der Champions League konnte der 19-Jährige in dieser Saison glänzen und überlief mehrmals gegnerische Abwehrreihen, um seine gefährlichen Flanken in den Strafraum zu schlagen oder selbst abzuschließen. Seine grandiose Entwicklung bescherte ihm im März 2016 gegen Dänemark auch ein Debüt in der schottischen Nationalelf, wenn er auch stets betont hat, gerne für die Auswahl der Isle of Man spielen zu wollen – die allerdings von UEFA und FIFA nicht anerkannt wird. Defensiv kann sich Tierney sicherlich noch steigern, und zurzeit hat ihn eine langwierige Verletzung zurückgeworfen. Doch sollte er sich danach noch stärker zurückmelden, steht ihm wohl eine goldene Zukunft bevor.

 
* Name // Alter // aktueller Verein (Leihe)/Stammverein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *