CAVANIS FRISEUR 110 – Stürmer


Jean-Kévin Augustin // 19 // Paris Saint-Germain

In der berühmten Schule von PSG lernte Jean-Kévin Augustin das Fußballspielen und erhielt 2014 im Alter von 17 Jahren seinen ersten Profivertrag. Im Jahr 2016 wurde er nicht nur U19-Europameister mit Frankreich sondern wurde Torschützenkönig und sogar zum besten Spieler des Turniers ernannt, womit er sich in eine Liste mit Fernando Torres, den Bender-Brüdern, Davie Selke und Marco Asensio einträgt. Damit sollte eigentlich schon genug zu Augustin gesagt sein, um zu rechtfertigen, weshalb der PSG-Stürmer in unserer Liste ist. Doch was macht den Franzosen so stark? Augustin ist zwar nur 1,77m groß, doch mit seinen langen Beinen läuft der schnelle Spieler seinen Gegner davon und zieht mit enormen Tempo zum Tor. Er verfügt über eine überragende Technik und führt den Ball stets eng am Fuß und ist nur schwer vom Ball zu trennen. Er weiß seinen Körper gegen den Gegner einzusetzen und lässt sie mit Körpertäuschungen oft stehen. Am gefährlichsten ist aber wahrscheinlich sein First-Touch und sein Stellungsspiel. Sobald der Ball zu Augustin kommt, startet der schnelle Stürmer in den freien Raum und läuft seinen Kontrahenten davon. Selbst wenn ein Verteidiger es schaffen sollte, dem Pariser nachzukommen, so setzt sich der 19-Jährige mit seinem starken Körper gegen den Verteidiger durch. Von da folgt meist ein perfekter Abschluss – egal aus welchem Winkel, Augustin weiß den Ball im Tor unterzubringen. Naja, fast immer. Augustin mangelt es jedoch vor allem im Entscheidungsvermögen. Oft agiert der Stürmer zu egoistisch oder er verdribbelt sich, bis er an einem Spieler nicht mehr vorbeikommt, er von mehreren Verteidigern umzingelt wird und alleine versucht die Gegner auszuspielen. Augustin ist der perfekte Stürmer, wenn er selbst nicht am Ball ist. Wenn Augustin im Strafraum ist und den Ball bekommt, dann gibt es nur wenige in seinem Alter, die mehr Torgefahr ausstrahlen als er. Jedoch so stark Augustin im Strafraum auch ist, so schwach sind seine Leistungen, wenn er sich am Flügel befindet. Etwas, das er womöglich mit mehr Spielpraxis lernen könnte, doch derzeit bekommt er bei PSG wenig Spielzeit, weshalb einige Vereine (BVB, Stade Rennes, Bastia, Lorient, Betis Sevilla, uvm) an Augustin interessiert sind.

Moussa Dembele // 20 // Celtic Glasgow

Im Sommer 2016 sicherte sich der schottische Meister die Dienste des jungen Stürmers von Fulham FC aus der zweiten englischen Familie für eine nominelle Ausbildungsentschädigung. Der Franzose, dessen Familie aus dem Mali stammt, schlug in Schottland ein wie eine Bombe. In 36 Pflichtspielen erzielte er bisher bereits 19 Tore (Stand 09.01.2017), eines schöner als das andere. Selbst wenn er mal geschont wurde, reichten oft kurze Einsätze von der Bank, um noch einen Treffer oder eine Vorlage beizusteuern. Seine Schnelligkeit und Dynamik, gepaart mit überragender Technik und Ballbehandlung, machen ihn für jeden Gegner zu einer kaum auszuschaltenden Bedrohung – wie im September eben auch Pep Guardiola erfahren musste. Im Champions-League-Gruppenspiel zwischen Celtic und Manchester City in Glasgow stand es 2-2. Der junge Franzose nahm eine Tierney-Flanke in der Drehung an und hob dann das rechte Bein, um mit dem Rücken zum Tor über seinen Kopf hinweg zu schießen – und zu treffen. Der Celtic Park explodierte in unglaublichen Lärm, während Dembele und seine Mannschaftskameraden ekstatisch jubelten. Das Spiel ging schlussendlich mit einem 3:3 aus und Celtic schied in der Champions League aus, doch spätestens seit diesem Moment ist Moussa Dembele weit über Glasgow hinaus bekannt. Schon jetzt ist Dembele eines der spannendsten Talente im Weltfußball und ein Multimillionen-Transfer zu einem der internationalen Spitzenvereine scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Kasper Dolberg // 19 // Ajax Amsterdam

Marco van Basten, Dennis Bergkamp, Zlatan Ibrahimovic, Luis Suarez und Arkadius Milik. Sie alle haben eines gemein: Sie alle waren (und sind) hervorragende Stürmer aus der Ajax-Schmiede. Ab sofort kann die Liste durch einen weiteren Namen ergänzt werden: Kasper Dolberg. Der in Silkeborg geborene Däne ist einer der Senkrechtstarter der laufenden Saison. Nachdem er bei seinem Heimatclub 2015 sein Profidebüt gegen Brondby gab, wechselte er im Sommer des gleichen Jahres nach Amsterdam. Hier kam er zunächst in der U19 zum Einsatz, vornehmlich auf dem Flügel. Seine guten Leistungen brachten ihm in der Saison 2016/17 den ersten Einsatz in der Eredivisie gegen Sparta Rotterdam ein. Im Spiel darauf folgte bereits der erste Startelfeinsatz. Ein Grund, warum Trainer Peter Bosz auf ihn vertraut, ist Dolbergs starker Abschluss. Neben Distanzschüssen behält er auch in direkten Duellen mit dem Keeper die Ruhe. Seine Schusspräzision beträgt in dieser Saison knapp über 50%. Eine weitere Stärke des Dänen ist seine taktische und strategische Flexibilität, mit der er sich immer wieder an die Situation anpassen kann oder aus dem Nichts gefährliche Situationen entstehen lassen kann. Sein Tempo und seine ordentliche Statur erlauben es ihm, sich sowohl als klassischer Wandspieler als auch ausweichend auf den Flügel oder zurückfallend einzubinden. Attackiert er die Schnittstellen zwischen den Verteidigern, kann er die Gegner ebenso vor große Probleme stellen, wie bei seinen schnellen Drehungen mit dem Rücken zum Tor. Dolberg besitzt einen hervorragenden ersten Kontakt. Gerade wenn er sich mit dem Rücken zum gegnerischen Tor befindet, kann er dadurch immer wieder schnell seine Körperposition ändern und sofort das Spiel nach vorn fortsetzen. Schwächen hat der Ajax-Stürmer aktuell noch im Passspiel (73% Erfolgsquote). Körperlich dürfte er auch bei einem Wechsel keine größeren Probleme haben. Er wirkt zwar recht schmächtig, ist aber im Rumpf sehr stabil und lässt sich auch in Laufduellen nicht aus der Balance bringen. Bei ihm hat man nicht das Gefühl, dass er in irgendeiner Weise von Grobschlächtern á la Robert Huth von den Beinen geholt werden könnte und dann keinen Mut mehr hat, in direkte Duelle zu gehen. Er hat schlichtweg die technischen und physischen Voraussetzungen, um immer wieder Druck auszuüben. Kasper Dolberg steht eine große Zukunft bevor.

Kelechi Iheanacho // 20 // Manchester City

Der Nigerianer erreichte erstmals Aufmerksamkeit, als er 2013 für sein Land die U17-Afrikameisterschaft und im selben Jahr noch die U17-WM bestritt. Bei der Weltmeisterschaft erhielt er dank seiner sechs Treffer in sieben Spielen den Silbernen Schuh. Logisch, dass da die Vereine für ihn Schlange standen. Unter anderem sollen Porto, Benfica, Arsenal und Manchester City an ihm interessiert gewesen sein. Dass er am Ende dennoch zu den Citizens und nicht zu Porto wechselte, die bekannt sind für ihre Talenteförderung, konnte er sich laut eigenen Aussagen zunächst selbst nicht erträumen. City war und ist für ihn ein Club voller Stars, bei dem er sich nach eigenem Selbstverständnis erst noch beweisen muss. Dabei ist Iheanacho ein ungemein wertvoller Spieler für die Skyblues: Ihn kannst du als Trainer auf jede Offensivposition stellen, ohne signifikante Schwächen erwarten zu müssen. Er kann sowohl als alleiniger Stürmer, als hängende Spitze, als Zehner oder auf beiden Flügeln einsetzen. Iheanacho wird gemeinhin als klassischer Stürmer gesehen, was nur bedingt zutrifft. Im Grunde ist er aber ein enorm kreativer Angreifer, der sich im Spielaufbau zurückfallen lässt. Und anschließend spielgestaltend seine Kollegen in Szene setzen kann. Deshalb ist er gerade im Verbund mit einem abschlussorientierten Sturmpartner gut zu gebrauchen. Ein wenig erinnert er in seiner Spielweise an Karim Benzema, auch wenn Iheanacho ein wenig brachialer wirkt und auch sonst nicht diese taktische Ausgereiftheit des Franzosen besitzt. Weiterhin hat er noch Probleme darin, als Zielspieler für lange Bälle zu fungieren und für seine Mitspieler in Drucksituationen bei langen Bällen präsent zu sein. Dennoch ist der Nigerianer gerade im Passspiel bereits schon sehr weit, im Schnitt bringt er 77% an den Mann. Er beschränkt sich aber wie bereits erwähnt nicht nur auf simple Ablagen. Er kann je nach Spielsituation und –rhythmus flexibel zwischen kurzen und mittellangen Pässen wechseln. Damit passt er sehr gut in den Ballbesitzfußball Guardiolas. Gerade durch die Verletzung Gabriel Jesus‘ könnte Ihenacho fortan mehr Spielzeit bekommen und sich im Sturmzentrum zeigen. An Agüero dürfte er vorerst nicht vorbeikommen. Aber im Sommer werden die Karten wieder neu gewürfelt, wie Oli Kahn sagen würde. Agüero wurde in den letzten Wochen immer wieder mit Wechseln in Verbindung gebracht und auch Guardiola scheint den Argentinier aufgrund seiner Spielweise nicht zu Hundertprozent zu vertrauen. Gut möglich, dass Iheanacho sich diesen Umstand zu nutzen macht.

Alexander Isak // 17 // Borussia Dortmund

Der Schwede Alexander Isak galt im vorigen Jahr als eine der heißesten Transferaktien der Welt. Ähnliche wie Martin Odegaard, galt auch das schwedische Talent, als „the next big thing“ und wurde angeblich von Real, Barca, Chelsea, Manchester United, Manchester City, PSG, Bayern München und vielen vielen anderen umworben. Der erst vor wenigen Monaten 17 Jahre alt gewordenen Stürmer wird aufgrund seiner Körpergröße von 1,90m gerne mit dem Schweden Zlatan Ibrahimovic vergleichen, auch wenn er was seinen Spielstil betrifft eigentlich nicht wirklich viel mit dem schwedischen Stürmer gemein hat. Der 17-jährige wechselte vor kurzem für 8,6 Millionen Euro von AIK Solna zu Borussia Dortmund. In der Allsvenskan erzielte der Stürmer in 24 Spielen zehn Tore und machte zudem eine Vorlage. Trotz seines jungen Alters ist er physisch sehr stark und weiß sich für sein Alters oft gegen starke Verteidiger durchzusetzen. Isak befindet sich zumeist in den Halbräumen oder am Flügel und ist trotz seiner Größe extrem schnell, womit er den Verteidigern davon läuft und diagonal mit viel Tempo Richtung Tor zieht. Der großgewachsene Schwede spekuliert auf der rechten Seite oft auf Konter und bietet sich dort entweder als Anspielstation an oder wartet auf den Pass in den freien Raum. Der junge Stürmer lässt sich jedoch kaum ins Mittelfeld fallen und ist daher bei eigenem Ballbesitz kaum aktiv, erst bei Ball- oder Tornähe schaltet sich der Stürmer ein und weiß dann mit seinen Qualitäten aufzuzeigen. Mit einer starken Technik, viel Tempo und starken Körpertäuschung lässt er seine Gegner stehen, ehe er den Ball trocken im Tor unterbringt. Der 17-Jährige ist kopfballstark und sehr schnell und kann auch bei Gegenangriffen mit seiner Geschwindigkeit oft den gegnerischen Spieler einholen und so den Ball zurückerobern. Sein größtes Manko ist jedoch die Inaktivität bei ballfernen Situation, bei denen er nicht eingebunden scheint. Nichtsdestotrotz ist Alexander Isak ein großes Talent mit enormen Potential, das sich bei Dortmund weiterentwickeln kann und in ein paar Jahren ein wichtiger Bestandteil werden könnte.

Moise Kean // 16 // Juventus

Elf Scorerpunkte (7 Tore/4 Vorlagen) in acht U19-Spielen. Als 16-Jähriger. Weil die anderen Jugendmannschaften nicht mehr fordernd genug für ihn sind. Jüngster Juventus-Profi-Debütant seit 25 Jahren – Spiele in der Liga sowie in der Champions League. Es ist kaum vermessen, zu sagen, dass Moise Kean neben Gianluigi Donnarumma aktuell wohl das größte Talent im italienischen Fußball ist. Der in Vercelli geborene Mittelstürmer bringt alle Fähigkeiten für einen modernen Top-Stürmer mit: Technik, Abschluss, Explosivität, Timing und vor allem Physis. Die Vergleiche mit Mario Balotelli, der aufgrund seines Talents eigentlich zu den besten Stürmern der Welt gehören müsste, kommen nicht von ungefähr. Auch der italienische U17-Nationalspieler ist kein reiner Strafraumspieler, sondern weicht gern auf die Seite oder in den Rückraum aus, um von dort aus entweder selbst in die Mitte zu dribbeln oder unbemerkt einzulaufen und so das Tor zu schießen. Dabei ist bei Kean aber kein besonderer Egoismus wie er manchen Stürmern anhaftet, festzustellen, da er durchaus auch das Auge für den besser postierten Nebenmann hat. Und natürlich wird auch er von Mino Raiola beraten, der aktuell mit Juventus einen Profi-Vertrag aushandelt. Wie Balotelli können eigentlich nur der eigene Kopf und Verletzungen Keans Durchbruch verhindern.

Marcus Rashford // 19 // Manchester United

Spieler wie Marcus Rashford sind schwer zu bewerten. Der Offensivmann von Manchester United wurde aufgrund seiner Leistungen in seiner Debütsaison teils oberflächlich über den grünen Klee gelobt. Supertalent, Englands Hoffnung im Angriff und kommender Superstar bei den Red Devils. Dabei ist Rashford nicht so gut, wie er gerne dargestellt wird, wofür er selbst zunächst erstmal nichts kann. Er hat ein bisschen was von einem Alibi-Stürmer. Er ist nicht dieser komplette Stürmer, zu dem er gerne hochstilisiert wird. Er definiert sich eher über simple Flügeldurchbrüche mit anschließender Hereingabe, als über kreative Aktionen am Flügel. Bedenkt man, dass er häufig als Rechtsbeiner auf der linken Seite eingesetzt wird, wo die Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung von Haus aus höher sind als auf der anderen Seite. Rashford ist nicht sonderlich kreativ. Er kommt sehr viel über sein Tempo, legt sich den Ball am Gegner vorbei und rennt hinterher. Ab und zu spielt er mal eine Ablage mit der Hacke oder baut ein anderes Kabinettstückchen ein, aber eher als Mittel zum Zweck. Dass er in seiner ersten Saison bei jeden seiner Debüts traf, lag viel eher daran, dass er gerade im Torabschluss bei Abprallern richtig stand oder schlichtweg Glück hatte. Rashford besitzt nicht wie beispielsweise Harry Kane die Fähigkeit, sich selbst in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Auch ist er nicht dieser eiskalte Torjäger zu dem er gerne gemacht wird. Laut Squawka schießt er pro 90 Minuten 2,13-mal auf das Tor und erzielt im Schnitt 0,26 Tore in 90 Minuten. Sein Timing im Freilaufen ist hingegen recht ordentlich. Er schafft es sehr oft, sich passend vom Gegenspieler zu lösen oder in eine Schnittstelle zu starten. Dahingehend hat er sich seit seinen ersten Partien in jedem Fall weiterentwickelt. Zunächst profitierte er in diesen Szenen noch von seinem Tempo, wohingegen das gesamttaktische Verständnis für den Angriffsverlauf noch nicht so stark ausgeprägt war. Mittlerweile ist dies besser geworden, wenngleich er immer noch einige individualtaktische Schwächen im Bewegungsspiel zeigt. Gruppentaktisch sind seine Aktionen deutlich klarer. Das Freiziehen des Raumes für seine Mitspieler beherrscht er vielleicht am besten. Rashfords Spielweise und seine Fähigkeiten sind aktuell noch sehr weit weg von Weltklasseniveau. Dieses Niveau wird er auch in Zukunft nicht erreichen. Für sein junges Alter ist der Engländer trotzdem sehr weit, ohne Frage. Seine Palette an Fähigkeiten ist einfach nicht so ausgebildet, wie die eines Gabriel Jesus, Brandts oder Dembélés.

Antonio Sanabria // 20 // Betis Sevilla

Wenn Antonio Sanabria an seine Anfänge als Fußballspieler zurückdenkt, erinnert er sich zunächst an seine Großmutter. „Meine Oma hat mich immer in ein weit entferntes Dorf gebracht, wo ich mit dem Fußballspielen angefangen habe“, erzählt der paraguayische Angreifer mit Blick auf seine Anfänge in der Heimat. Auch wenn er spätestens 2009 mit seinem Wechsel in Barcas Jugendakademie La Masia bessere Bedingungen vorfand, verläuft die noch junge Karriere weiterhin im Zickzack-Kurs. Bei den Katalanen schaffte er vier Jahre später als frisch gebackener A-Nationalspieler den Sprung in die zweite Mannschaft, wo es ihm anschließend jedoch nicht schnell genug gehen konnte. Schon Anfang 2014 forcierte er einen Wechsel nach Italien, der seine Entwicklung anschließend ins Stocken brachte. Über anderthalb Jahre kam er in Sassuolo und anschließend beim AS Rom praktisch nicht zum Zug, Besserung kehrte erst ein, als er 2015 auf Leihbasis nach Gijón wechselte und sofort zum Leistungsträger avancierte. Mit zehn Treffern in 17 Spielen schloss er das Kalenderjahr, was in Italien noch so unbefriedigend begonnen hatte, glänzend ab. Auch wenn Betis angesichts dieser Referenzen im Sommer 7,5 Millionen Euro für seine Verpflichtung in die Hand nahm, bedeutete das Jahr 2016 wieder einen erkennbaren Rückschritt. Immer wieder blitzten zwar die großartigen Anlagen auf, Schnelligkeit und Präzision im Abschluss und die starke Verarbeitung hoher Anspiele. Doch mehrere Verletzungen und gerade einmal zwei Tore in 24 Ligaspielen sorgten für eine unbefriedigende Bilanz. 2017 will Antonio Sanabria sich nun endlich etablieren, doch der Start misslang sogleich gründlich: Eine Partie zum Auftakt und anschließend ein Monat Verletzungspause klingen verdächtig nach 2016.

Enes Ünal // 19 // Twente Enschede/Manchester City

Anders als die meisten hier aufgelisteten Stürmer ist Enes Ünal ein echter Vollblutstürmer. Seine explosiv-geradlinige und gleichzeitig elegante Spielweise erinnert vereinzelt an den echten Ronaldo oder einen jungen Wayne Rooney. Der Türke besitzt einen sehr starken Drang zum Tor und hat seine Stärken nicht nur im Abschluss, sondern auch im Bewegungsspiel ohne Ball. Er kann das Spiel sehr gut lesen und weiß sehr genau, wie und wann er sich wo zu positionieren hat. Dadurch kann er sowohl als alleinige Spitze oder in Verbindung mit einem Partner an vorderster Front agieren. Ünals Stärke im Abschluss ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal, wie es bei vielen Stürmern vorkommt. Was ihn dahingehend entscheidend von seinen Kollegen abhebt, ist seine Folgeaktion nach Dribblings, klugen Bewegungen oder Pässen: Ünal sucht sofort den Weg zum Tor und schließt ab. Seine Abschlussqualitäten sind eher ein Nebeneffekt. Sie sind das Resultat seiner intelligenten Spielweise. Der 19-Jährige ist mit dem Rücken zum Tor ebenfalls sehr brauchbar einzusetzen. Er kann den Ball dank seines sehr guten ersten Kontakts häufig schnell und erfolgsstabil verteilen und stellt für seine Mannschaft daher auch im offenen Spiel eine sichere Anspielstation dar. Der Türke ist anders als Rashford oder Dolberg nicht sonderlich schnell, was er jedoch über sein intelligentes Bewegungsspiel und seine spielerischen Qualitäten kompensiert. Im Sommer 2015 verpflichtete ihn Manchester City, von wo aus der sofort nach Genk verliehen wurde. Dort kam er wenig zurecht, weshalb ihn die Citizens zunächst in die zweite niederländische Liga und im Sommer an Twente Enschede verliehen. Dort kann Ünal seine Qualitäten deutlich besser in die Waagschale werfen, was sich aktuell auch in seinen 14 Torbeteiligungen in 23 Spielen wiederspiegelt. Um es nochmal festzuhalten: Ünal ist spielstark, spielintelligent, jung, abschlussstark und verhält sich auch außerhalb des Platzes professionell, wie man hört. Mit Pep Guardiola hat er einen Trainer in Manchester, der genau nach solchen Attributen sucht. Fraglich ist nur, ob sich Ünal gegen Agüero, Gabriel Jesus, Iheanacho und einen eventuellen Neuzugang im Sommer durchsetzen kann. Das Zeug dazu hat er in jedem Fall. Wenn nicht, gibt es eine Reihe an Vereinen in der Premier League (Arsenal, Chelsea oder Everton) und der Bundesliga (Dortmund oder Leverkusen), die den jungen Türken mit Kusshand verpflichten würden.

Timo Werner // 20 // RB Leipzig

Mit nur 20 Jahren startet der ehemalige Stuttgarter Timo Werner beim Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig so richtig durch. Der Offensivspieler gilt als eines der größten deutschen Talente, der jüngste Doppeltorschütze der Bundesliga-Geschichte, der jüngste Spieler und Torschütze in der Geschichte des VfB und der jüngste Spieler, der zu 50 Bundesliga-Einsätzen kam. Nach 14 Jahren bei den Schwaben zog es das junge Talent im Sommer für zehn Millionen Euro nach Leipzig. Beim umstrittenen Aufsteiger sollte er jedoch trotz all der Kritik an seinem Transfer aufblühen. In nur 22 Spielen erzielte der ehemalige Flügelspieler 13 Tore und machte sechs Vorlagen für den Neo-Bundesligisten und hat damit maßgeblichen Anteil am Erfolg des von Red Bull gesponserten Verein. Mit seinem Antritt und seiner Geschwindigkeit dribbelt er sich durch die Verteidigung und erzielt Woche für Woche ein Tor nach dem anderen. Mit seiner Geschwindigkeit und seiner Technik passt er damit ideal ins Konzept von Ralph Hasenhüttl und wird blüht unter der Unterstützung von Forsberg, Sabitzer & Co. groß auf. Mit seiner schier unendlichen Energie und seinem Willen reißt er mit seinen Laufwegen für sich und seine Teamkollegen immer wieder Löcher in der Verteidigung auf und schafft damit Räume, in den eng stehenden Verteidigungsreihen der Gegner. Ob mit Ball oder ohne – Timo Werner ist der Albtraum eines jeden Gegners, denn der Stürmer ist eine echte Laufmaschine und beinahe unaufhaltbar. Bei Leipzig spielt er mit Yussuf Poulsen im Zwei-Mann-Angriff, erarbeitet sich jedoch im Gegensatz zu seinem Angriffspartner vor allem selbst die Chancen. Während Poulsen damit mehr ins Zentrum rückt, nimmt Werner immer etwas mehr am Flügel Platz und ist damit vor allem bei Kontern und mit seinen diagonalen Läufen in Richtung Tor extrem gefährlich und vor allem diese Saison unvorstellbar effektiv. Aber auch der Deutsche hat seine Schwächen. Timo Werner ist eiskalt vor dem Tor und vor allem in der Offensive ein wichtiger Bestandteil der Leipziger, jedoch ist er, obwohl er früher am Flügel spielte, kein guter Passgeber und bringt nur sehr ungenaue Hereingaben. Wenn er an diesen arbeitet, könnte er zu einem der gefährlichsten Stürmer Deutschlands werden.
* Name // Alter // aktueller Verein (Leihe)/Stammverein

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