CAVANIS FRISEUR 110 – Tormänner



Augusto Batalla // 20 // River Plate

Schüsse können sie alle parieren und das auf jede erdenkliche Weise. Das Problem, was viele der jungen Torhüter haben, ist die Ausstrahlung in der Strafraumbeherrschung. Im richtigen Moment zu entscheiden, wann dem Ball entgegengeht und wann man besser reagieren sollte. River Plates Augusto Batalla ist in dieser Hinsicht bereits sehr weit, was ihn vielleicht am meisten von seinen Kollegen abhebt. Er ist charakterlich stark genug, um in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zudem besitzt er mit seinen fast 21 bereits die Ausstrahlung eines echten Anführers. Es gibt da ein sehr schönes Video, das Batalla inmitten seiner Kollegen zeigt, als er sie auf das kommende Spiel einschwört. Mein letzter Spanischunterricht ist mittlerweile auch ein paar Jahre her und ich verstehe kein Wort von dem, was Batalla da sagt, aber wäre ich in diesem Moment einer seiner Mitspieler gewesen, mich hätte er zweifellos motiviert. Rein torwarttechnisch profitiert der Argentinier zum einen von seinen enormen Reflexen. Gerade bei Schüssen, die aus kurzer Distanz seitlich neben den Körper fliegen, ist er sehr schnell am Boden. Im Eins-gegen-Eins hat er ein gutes Timing im Herauslaufen, wodurch er dem Stürmer meist geschickt die Optionen nimmt. Signifikante Schwächen hat er aktuell keine, wenngleich er beim seitlichen Hechten mitunter etwas instabil im Rumpf wirkt und dabei leicht nach hinten fällt. Insgesamt steht Batalla jedoch eine große Zukunft bevor, sollte er in den nächsten zwei Jahren den Schritt nach Europa wagen.

Gianluigi Donnarumma // 17 // AC Milan

Wer mit 17 Jahren schon 53 Pflichtspiele für einen siebenfachen Königsklassen-Gewinner absolviert hat, der hat sein Talent vermutlich bewiesen und den Sprung zu den Profis geschafft. Gerade letzteres ist bei Gianluigi Donnarumma sogar noch reichlich untertrieben. Der in Castellmare di Stabia, leicht Südlich von Neapel, geborene Italiener darf sich wohl, ohne rot zu werden, als das aktuell größte Torwart-Talent der Welt bezeichnen lassen. Der 2015/16 von Sinisa Mihajlovic ins kalte Wasser geworfene Donnarumma – mittlerweile auch Nationalspieler und dort legitimier Nachfolger von Legende Gigi Buffon – ist auch unter Vincenzo Montella gesetzt und ist den, in den vergangenen Jahren nicht gerade verwöhnten, Fans der Rossoneri das größte Versprechen an eine rosigere Zukunft. Donnarumma hat im Grunde kaum nennenswerte Schwächen. Er beherrscht mit seinen 1,96m den Milan-Strafraum und ist trotz dieser Größe erstaunlich schnell schnell am Boden, wenn es sein muss. Verbesserungspotenzial gibt es sicher noch in der Kommunikation mit der nicht immer sattelfesten Hintermannschaft – aber das ist auch eine Frage der Erfahrung. Um ein moderner Top-Keeper zu sein, muss er vor allem auch das Mitspielen noch weiter trainieren – macht er aber bereits und hat sich dabei ein Vorbild genommen, das besser nicht passen würde. Beim vereinseigenen Milan-TV sagte Donnarumma jüngst: „Ich versuche, Manuel Neuer zu imitieren, der bei der Einleitung von Spielzügen praktisch als fünfter Verteidiger auftritt.“

Bartlomiej Dragowski // 19 // AFC Fiorentina

Etwas mehr als drei Millionen zahlte der AC Florenz im vergangenen Sommer an den polnischen Erstligisten Jagiellonia Bialystok, um Bartlomiej Dragowski unter Vertrag zu nehmen. Obwohl der Torhüter erst 19 Jahre alt ist, hat er für seinen Ex-Klub bereits 69 Profispiele auf dem Konto. In Italien wartet Dragowski allerdings noch auf seinen ersten Einsatz, bei der Fiorentina ist er hinter Ciprian Tatarusanu und Neuzugang Marco Sportiello erst einmal nur die Nummer drei. Ende letzten Jahres zog sich Dragowski darüber hinaus eine Knieverletzung zu, welche die Idee einer eventuell angedachten Leihe zerschlagen hat. Mit 1,91 Metern Körpergröße verfügt Dragowski über Gardemaße für einen Schlussmann, neben hervorragenden Reflexen wird dem U21-Nationalspieler Polens darüber hinaus ein modernes Torwartspiel nachgesagt.

Raúl Gudiño // 20 // FC Porto

Der Mexikaner wurde von Guadalajara im Sommer 2014 im Alter von nur 18 Jahren an Porto verliehen. Im darauffolgenden Sommer und nach guten Leistungen zog der portugiesische Serienmeister die Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen Euro und verpflichtete den jungen Tormann. Raúl Gudiño gilt als Perfektionist des Minimalismus. Der Mexikaner ist meist auf der Linie zu finden, nur sehr selten außerhalb des Fünf-Meter-Raums. Mit der richtigen Positionierung und der richtigen Haltung weiß Gudiño jedoch beinahe jeden Ball zu parieren. Der athletische Tormann ist nicht gerade bekannt für fulminante Flugeinlagen und aufsehenerregende Ausflüge außerhalb des Sechzehners, dafür jedoch für sichere Paraden und bestaunt immer wieder selbst bei Schüssen aus nächster Nähe oder bei scheinbar unhaltbaren Bällen, den Ball doch noch zu parieren. Der Mexikaner wirkt nicht gerade schnell, ist jedoch dennoch immer rechtzeitig am Boden. Raúl Gudiño ist womöglich einer der sichersten und verlässlichsten Tormänner seiner Alters und wird in Zukunft höchstwahrscheinlich zu den besseren Tormännern zählen, auch wenn er bisher noch immer nur in der zweiten portugiesischen Liga, in der Reservemannschaft von Porto zu finden ist. Bei weiterhin konstanten Leistungen und einer guten Entwicklung könnte sich der Mexikaner aber zu einer Option für die erste Mannschaft entwickeln und sich damit für noch größere Vereine empfehlen.

Goran Karaćić // 20 // Adanaspor

Nach tollen Leistungen für Zrinjski Mostar in den bosnischen Liga, folgte vorigen Sommer der Wechsel in die Süper Lig, die türkische Liga, zu Adanaspor. Nicht nur mit seinen kräftigen und weiten Ausschüssen erinnert der athletische Tormann an Manuel Neuer, sondern auch mit seiner Antizipation und seinen – bisher noch erfolgreichen – Ausflügen außerhalb des Strafraums. Bei Flanken und Eckbällen weiß sich der 1,94m große Tormann durchzusetzen und den Ball sicher wegzufausten. Auch seine Beinarbeit ist wirklich sehenswert. Zwar ist Karaćić meist sehr Fangsicher, doch selbst bei einem Fehler, ist der junge Bosnier schnell genug, um vor dem Stürmer am Ball zu sein. Auch bei Hereingaben von der Seite, ist der 20-Jährige schnell am Boden und vereitelt die Chance des Gegners. Im 1-gegen-1 weiß sich Goran Karaćić breit zu machen und damit den Winkel für den Gegner zu verkleinern. Wer jedoch ein Fan davon ist, das Spiel von hinten aufgebaut zu sehen, der wird vorerst noch keine Freude mit ihm haben, denn kurze Pässe sieht man den 20-Jährigen kaum bis gar nicht spielen. Im Grunde wirkt Goran Karaćić aber als sehr sicherer Tormann, der mit seinem jungen Alter erst am Anfang seiner Karriere steht und mit dem richtigen Training zu einem sehr guten Tormann werden kann.

Alban Lafont // 18 // Toulouse

Für junge Torhüter ist es in der Regel besonders schwer, begehrte Spielminuten in der ersten Mannschaft einzusammeln. Alban Lafont hatte da Glück im Unglück. Im Kader des wenig betuchten Toulouse FC musste er gegen die zwei Pechvögel Ahamada und Goicoechea um den Platz im Tor ringen, zwei Profis die einen Patzer nach dem anderen reihten. Im Winter 2015 kam dann der Sprung ins große Becken: der Trainer des abstiegsgefährdeten TFC wollte ein Zeichen setzen und holte Lafont aus der Jugendauswahl, setzte die Profis auf die Bank. Und es lief! Lafont wurde mit seinem Einsatz als 16-Jähriger der neue Rekordhalter als jüngster Torhüter der französischen Liga, und trug maßgeblich am Klassenerhalt von Toulouse bei. Keine einfache Situation als junger Spieler, in so einem Kontext Nerven zu zeigen. Er seitdem stets auf dem Platz, und wird in Verbindung mit größeren Klubs gebracht, und in der französischen Jugendauswahl ist er auch die Nummer 1. Seine Saison 2016-2017 läuft bisher ganz ordentlich, auch wenn er keine einfache Aufgabe hat. Es wird erwartet, dass sich im nächsten Sommer die Angebote häufen.

Alex Meret // 19 // SPAL Ferrara/Udinese Calcio

Simone Scuffet ist neben Gigio Donnarumma das größte Torwart-Talent Italiens? Vor zwei Jahren hätte man wohl sogar gesagt: Das größte. Seitdem ist beim heute 20-Jährigen viel passiert. Unter anderem ist er im eigenen Verein zeitweise und in den italienischen Jugendnationalteams komplett von jemandem überholt worden, der aus der gleichen Stadt kommt, seit jeher für Udinese spielt, ein Jahr jünger und ein guter Freund ist: Alex Meret. Vielen außerhalb des Friaul war er gar kein Begriff, bis der 1,90m große Keeper im Dezember 2015 mit 18 in der Coppa Italia gegen Atalanta Bergamo sein Profi-Debüt gab – und vor allem, bis er vor der EM 2016 von Antonio Conte als 4. Torwart zum Erfahrung-Sammeln mit ins Trainingslager der Squadra Azzurra genommen wurde. Da am starken Orestis Karnezis aktuell noch kein Vorbekommen ist, wurde Meret in dieser Saison an SPAL in die Serie B verliehen und spielt dort, wenn er denn nicht verletzt ist, Stamm. Auch wegen Meret ist der Klub aus Ferrara ein Aufstiegskandidat. Meret versteht es , seine Abwehr zu ordnen und ist trotz seiner Größe sehr reaktionsstark und fischt so auch gefährliche Flachschüsse mit Bravour aus den Ecken. Gleichzeitig hilft jene Größe ihm natürlich in der Luft und auch bei Eins-gegen-eins-Situationen. Technisch ist Meret vielleicht (noch) kein Manuel Neuer, aber durchaus ein guter, moderner Torhüter.

André Onana // 20 // Ajax Amsterdam

Dass Ajax immer wieder bekannt dafür ist, jungen Talenten die Möglichkeit zu geben sich zu entwickeln, ist nicht erst seit gestern bekannt. Nach dem Abgang von Jasper Cillessen in Richtung Barcelona, galt es für Ajax abermals, eine Position mit einem Talent aus den eigenen Reihen zu schließen. Onana ist hierfür der perfekte Mann gewesen. Ich vermeide es tunlichst, den Kameruner im Folgenden als Torhüter zu bezeichnen. Onana ist ein Torspieler. Er besitzt ausgezeichnete Qualitäten mit dem Ball am Fuß, oder vielmehr, wenn der Ball den Fuß verlässt. Diese gechippten, mittellangen Bälle über 20-30 Meter, die der Spielverlagerung dienen, beherrscht er bereits jetzt schon sehr gut und er ähnelt dabei enorm Marc-André ter Stegen. Generell muss man sagen, dass diese beiden eine irrwitzig ähnliche Spielweise an den Tag legen: Läuft ein Stürmer direkt auf ihn zu, bleibt Onana häufig sehr cool, bleibt lange stehen und macht sich groß. Er muss sich in diesen Szenen dadurch häufig nicht einmal groß bewegen, sondern nur das Knie herunterbringen oder das Bein kurz ausstrecken, weil die Stürmer ihn meist anschießen. Weiterhin besitzt er eine sehr gute Athletik, die sich gepaart mit seinen Reflexen gerade bei halbhohen Bällen bemerkbar macht. Auch wenn er teilweise noch unsauber im Absprungverhalten ist, indem er sich manchmal zu sehr über das ballferne Bein abdrückt und sich in Folge in der Luft verdreht, so ist gerade das eine Sache, die durch entsprechendes Training relativ gut verbessert werden kann. Mitunter streuen sich auch ein paar Stellungsfehler beim Torspieler Ajax‘ ein, vor allem bei Schüssen aus den beiden Halbpositionen. Manchmal lässt er dabei die kurze Ecke ein Stück offen und spekuliert zu sehr auf die lange Ecke, was er jedoch dank seiner Sprungkraft bisher gut ausbügeln konnte. Aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Denn nichtsdestotrotz ist Onana gerade drauf und dran einer der größten fußballerischen Hoffnungsträger seines Landes zu werden. Er kann bereits jetzt mit Ajax auf hohem Niveau spielen und dürfte bei entsprechender Entwicklung in 5-7 Jahren in den Top 10 der Torhüter landen.

Alessandro Plizzari // 16 // AC Milan

Alle Welt spricht von Donnarumma, der AC Mailand hat aber noch ein hochkarätiges Talent auf der Torwartposition. Alessandro Plizzari ist mit einer Körpergröße von 1,87 Metern zwar fast zehn Zentimeter kürzer als sein großes Vorbild, überzeugt aber mit ähnlich starken Reflexen sowie einer, trotz des Alters von erst 16 Jahren, guten Strafraumbeherrschung. Derzeit ist der Italiener U19-Torwart der „Squadra Azzurra“, auch für die vorhergehenden Jugendnationalmannschaften stand er regelmäßig im Kasten. Ob Plizzari einen ähnlichen Senkrechtstart wie Donnarumma hinlegen wird, ist zwar nicht zu erwarten, sollte die Nummer eins im Milan-Tor aber eines Tages wechseln, steht der Traditionsklub nicht auf dem Trockenen. So oder so: Die Italiener müssen sich um die Torwartposition wohl weiter am wenigsten Sorgen machen.

Antonio Sivera // 20 // Valencia

Als sich Spaniens U19 am 19. Juli 2015 durch einen 2:0-Finalsieg über Russland zum Europameister krönte, sorgte besonders der Torhüter für Aufsehen. Doch nicht etwa Spaniens Nummer eins, Antonio Sivera, machte nachhaltig auf sich aufmerksam, sondern sein Gegenüber Anton Mitryushkin, der die Geduld der hoch überlegenen Rojita mit zahlreichen Paraden lange Zeit auf eine harte Probe stellte. Und auch wenn Rivera anderthalb Jahre später der einzige Akteur der Siegerelf ist, der noch nicht zweitklassig oder höher spielt, hält man beim FC Valencia große Stücke auf den Schlussmann aus Jávea. Fünf Tage nach dem EM-Triumph sitzt der auf der Uferpromenade seines Heimatortes, in dessen Goldenem Buch er sich anschließend verewigen darf, und philosophiert über seine Zukunft: „Jetzt gilt es, Tag für Tag zu arbeiten, um es in Valencia so weit wie möglich zu schaffen.“ Eine stete Entwicklung ist seitdem tatsächlich zu erkennen, vom Ersatzkeeper steigt er zur klaren Nummer eins in der zweiten Mannschaft auf und besitzt gute Chancen, im kommenden Jahr als Teil des Torhütertrios in den Profikader befördert zu werden. Anerkennung fanden seine Leistungen Ende 2016 auch durch die Wahl in die Top-Elf beim „Fútbol Draft“, einer bewährten Auszeichnung für die vielversprechendsten spanische Nachwuchsakteure. Zu weiten Teilen findet sich dort die Elf des damaligen 19. Juli wieder, erneut ist der Torwart im Vergleich zu den Feldspielern ein eher kleiner Name. Und auch wenn die zehn Kollegen ihren Traum bereits leben, so hat Antonio Sivera noch immer alle Chancen, auch zukünftig als Teil jener goldenen Generation genannt zu werden.

 

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