Ein Rückblick auf Rodgers

Rodgers

In der Saison 2012/13 wurde Brendan Rodgers zum neuen Trainer von Liverpool ernannt. Ein Traditionsverein auf dem absteigenden Ast. Ein für englische Verhältnisse moderner Trainer, der mit seinem Team aus Swansea zu begeistern wusste. Doch seine Aufgabe war nicht einfach. Brendan Rodgers musste erst einen schwerwiegenden Umbruch vornehmen. Der Verein hatte einiges in den letzten Jahren falsch gemacht, die Aufgabe daher womöglich sogar schwieriger als erwartet. Doch das größte Problem schien der Druck gewesen zu sein.

In der Saison 2012/13 läutete er den wichtigen Umbruch bei den Reds ein. Kein Stein blieb auf dem anderen. Neuzugang Joe Allen konnte, trotz seiner starken Leistungen bei Swansea, für die er noch mit Barcelonas Iniesta verglichen wurde, nicht an seine Leistungen aus den Vorjahren anknüpfen. Ein Satz, der später auf mehrere Spieler unter Rodgers zutreffen sollte. Sein Umbruch schlug fehl, erst als der Verein im Winter mit Coutinho und Sturridge zwei richtige Schnäppchen machte, ging dem Verein halbwegs der Knoten auf. Für einen Umbruch sprang dabei ein zufriedenstellender 7. Platz heraus, während man im FA-Cup, in der Europa League und dem Ligapokal schwer enttäuschte.

Es sollte eine lehrreiche Saison werden, weshalb man im Sommer 2013 viele Flops verkaufte, so mussten beispielsweise Stewart Downing und Andy Carroll die Anfield Road verlassen, wenn auch mit hohem Verlust. Im Gegenzug verpflichtete der Verein Mamadou Sakho und Simon Mignolet, um die Defensive zu stabilisieren. Simon Mignolet war gerade einer der Shootingstars der Premier League, während Mamadou Sakho bereits mit jungen Jahren Stammspieler, Kapitän und Fan-Liebling der Pariser war. Dennoch waren die Leistungen aller Neuzugänge enttäuschend.

Einzig die Leistungen des Offensiv-Trios Sterling, Suarez, Sturridge retteten Rodgers und die Reds und verhalfen ihnen zu einer Rekordsaison. Trotz defensiv schwacher Leistungen schlitterten die Reds nur knapp am Gewinn der Meisterschaft vorbei, großen Anteil daran hatte ihre Siegesserie, in welcher sie 11-mal ohne Punktverlust blieben, meist nur dank Toren von Sterling, Suarez oder Sturridge, einen Großteil des Vereinsrekords von 101 Toren erzielte das Trio. Beeindruckend. Genauso wie die Anzahl der Gegentore. Ganze 50 Gegentore bekamen die Reds und dennoch landete Liverpool auf Platz zwei. Die Defensive weiterhin eine große Baustelle. Brendan Rodgers setzte in dieser Saison alles auf Offensive, von dem vor allem Suarez, Sterling und Sturridge aber auch Coutinho und Henderson profitierten, zudem wurde Steven Gerrard entlastet und seine Stärken anders genutzt, ein zweiter Frühling war die Folge. Doch dabei wurde vor allem die Defensive vernachlässigt.

Nach dieser Rekordsaison war Luis Suarez nicht mehr zu halten. Er verließ England und wechselte zu Barca. Liverpool bekam 81 Millionen Euro für den Stürmer, doch anstatt in ein bis zwei Spieler von Weltklasseformat zu investieren, versuchte man das Geld für mehrere gute Spieler auszugeben und damit die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. An und für sich auch keine falsche Idee, doch der Druck war zu groß. Viele Spieler wurden für viel Geld geholt, womit die Erwartungen stiegen und der Druck für sie noch größer wurde. Wie bereits bei Joe Allen hatten die Reds Spieler aus einem funktionierenden System gekauft und versucht diese in Rodgers System zu implementieren, scheiterte aber oft beim Versuch den Neuzugängen seine Ideen vom Fußball beizubringen und konnte sie nicht in seinen Spielstil integrieren. Auf die neuen Spieler kamen oft große Umstellungen zu, Rodgers konnte mit ihnen aber kein funktionierendes System mehr bilden.

Adam Lallana, Dejan Lovren, Mamadou Sakho, Simon Mignolet, Joe Allen, Lazar Markovic, Alberto Moreno, … all diesen Spieler wurde ihre Qualität abgeschrieben, sie seien doch gar nicht so gut gewesen, doch sie alle bewiesen bei anderen Vereinen, in anderen Systemen, unter anderen Trainern, dass sie sehr wohl Qualität besitzen. Interessanterweise floppten stets nur die Spieler, bei denen die Erwartungen oder die Ablöse sehr hoch waren. Der Erwartungshaltung scheint bei Liverpool zu groß zu sein. Wenn selbst der Trainer mit dem Druck nicht umzugehen weiß, wie soll er dann seine Spieler darauf einstellen? Vor allem in England, wo jedes Jahr mehrere Millionen für sehr gute Spieler ausgegeben werden, werden jährlich die Spieler kritisiert, anstatt mal den Trainer zu hinterfragen. Liverpool hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren nicht schlecht eingekauft, sondern Brendan Rodgers wusste nicht die Spieler richtig einzusetzen.

Vor allem in solchen Drucksituationen scheint der Nordire hektisch die falsche Entscheidung zu treffen. Zu kritisieren wären beispielsweise die vielen Formations- und Systemwechsel oder auch die Personalentscheidungen. So beispielsweise die Personalie Balotelli. Es war von Anfang an klar, dass es keine gute Entscheidung war Balotelli als Back-Up für den verletzungsanfälligen Sturridge zu verpflichten.

Doch nicht nur Brendan Rodgers machte Fehler, auch der Vorstand. In den letzten Monaten zeigten die Amerikaner ihr „Geschick“, als sie medial offenlegten, dass Sterling mehr Geld verlangte, etwas, dass man einem so wichtigen Spieler nicht vorwerfen kann. Aber auch bei den Vertragsverhandlungen mit Steven Gerrard zeigten sich die Amis alles andere als geschickt. Das Problem scheint also bereits ganz oben anzufangen. Der Verein scheint alles andere als professionell zu arbeiten. Sei es beim Trainer, dem Spieler vor die Nase gesetzt werden, wie es im Fall Roberto Firmino war, oder bei Vertragsverhandlungen, bei denen man die wichtigsten Spieler zu vergraulen scheint und zudem die Medien weiterhin Geschichten zu füttern, welche die Spieler weiter unter Druck setzen. Druck, den es in diesem Verein bereits en masse gibt. Schon einmal haben wir Steven Gerrards Ende bei Liverpool mit einem weinenden Auge betrachtet und die Medien und ihre Macht als Hauptgrund genannt.

Nun gilt es für die Reds einen Trainer zu finden, der dem Druck gewachsen ist, einer der mit den Medien spielen kann und vielleicht sogar ein Arsch sein kann, aber natürlich auch fachlich top ist. Immer wieder hört man den Namen Jürgen Klopp und tatsächlich wäre er eine sehr gute Wahl. Wenn man dem Telegraph glauben mag, hat Klopp seinem Umfeld bereits bekanntgegeben bald wieder als Trainer zu arbeiten, zudem soll er nur unter einer Bedingung an die Anfield Road kommen: der Deutsche will das Sagen bezüglich Transfers haben. Alternativ gäbe es noch Garry Monk, der seit seinem Amtsantritt bei Swansea die Waliser zu einer Topmannschaft gemacht hat. Auch Jimmy Floyd Hasselbaink der bei den Burton Albion in der League One, der dritten Liga, fantastische Arbeit leistet, dürfte ähnlich wie Monk oder auch Brendan Rodgers zu jung und unerfahren für den Druck sein.

Schlussendlich kann man sagen, dass Brendan Rodgers definitiv ein kompetenter Trainer ist, scheint jedoch selbst mit dem hohen Druck bei Liverpool nicht umgehen zu können und kann deshalb seinen Spielern, die selbst unter enormen Druck leiden, kaum helfen. Nachdem Liverpool nach Suarez nun auch noch Sterling verloren hatte und zudem viele Top-Spieler im Kader hat, die in dieser Mannschaft einfach nicht zu funktionieren scheinen, waren die Leistungen der vergangenen Wochen fast schon vorhersehbar. Mag es am Druck, am System, am Spielstil oder an mangelnder Integration in die Mannschaft liegen. In Summe ist das für einen Trainer zu viel um erfolgreich zu sein. Nun stellt sich nur die Frage weshalb hab man erst jetzt Rodgers entlässt und nicht bereits im Sommer die Reißleine zog. Man kann jedenfalls gespannt sein in welche Richtung sich die Reds entwickeln. Liverpool hat viele sehr gute Spieler, findet der Vorstand den richtigen Trainer, so haben die Reds wieder gute Chancen weit oben in der Tabelle zu landen.

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