Ciro Immobile

Immobile

Ciro Immobile stammt aus Torre Annunziata, einem Vorort von Neapel, am Fuße des Vesuvs. Das Fußballspielen erlernte er im Nachwuchs von Sorrento Calcio, wo sein Talent schon früh auffiel, ein Wechsel zu Inter scheiterte aber, weil er beim Probetraining nicht überzeugen konnte. Später wäre er fast bei Messina gelandet, das damals noch in der Serie A spielte. Schließlich wechselte er mit 18 Jahren zum italienischen Rekordmeister, zu Juventus. Entdeckt wurde er als er einen Doppelpack gegen Torino erzielte – eines von ganzen 30 Toren in dieser Saison – woraufhin er nicht mal ein Probetraining benötigte.

In Turin traf Ciro auf sein Idol Alessandro del Piero, den er nach dem Training noch beim Freistoßschießen beobachtete. Außerdem sah der junge Süditaliener zum ersten Mal in seinem Leben Schnee. Trotz Heimwehs war seine Zeit im Nachwuchs des italienischen Rekordmeisters äußerst erfolgreich. Mit Juventus gewann er 2009 das berühmte Torneo di Viareggio, an dem die besten Nachwuchsmannschaften Italiens und auch bekannte Teams aus der restlichen Welt teilnehmen. Noch mit 18 Jahren konnte er sein Debüt in der Serie A feiern und wurde dabei ausgerechnet für sein Idol Del Piero eingewechselt. 2009/2010 brachte er es auf zwei Kurzeinsätze in der Serie A, zudem konnte er 2010 erneut das Torneo di Viareggio gewinnen, wo er sogar zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde.

Juventus entschied, dass Immobile nun regelmäßig Spielpraxis benötige und es folgten Leihen zu Siena und Grosseto, doch bei beiden Stationen konnte er sich nicht durchsetzen. Zur Saison 2011/2012 wurde er dann an Pescara Calcio verliehen. Pescara spielte gerade seine zweite Saison in der Serie B und hatte mit Zdenek Zeman eine Trainerlegende geholt. Zeman spielte vielleicht eine der wichtigsten Rollen in Immobiles bisheriger Karriere. Mit seinem intensiven Training und seiner extrem offensiven Ausrichtung verhalf der für seine Jugendförderung bekannte Trainer Ciro Immobile zum Durchbruch. Immobile hatte von Anfang an einen Stammplatz als Mittelstürmer in Zemans 4-3-3 und erwischte sofort einen super Saisonstart. In den ersten drei Runden erzielte Immobile bereits vier Tore und legte zudem drei weitere auf. In dieser Tonart ging es dann auch weiter. Zemans Mannschaft begeisterte die Liga, am Ende landete Pescara auf Platz 1 und erzielte dabei ganze 90 Tore. Zum Vergleich, der zweitplatzierte FC Torino traf nur 57 Mal. Immobile beendete die Saison mit 28 Toren in 37 Spielen als Torschützenkönig der Serie B. Pescara Calcio stieg auf, musste aber einige Abgänge verkraften. Zeman verhalf drei der größten italienischen Talente zum Durchbruch, hatte seinen Job erfüllt und zog daraufhin zur Roma weiter. Eigenbauspieler Marco Verratti wurde an die Startruppe von Paris St. Germain verkauft, Lorenzo Insigne musste zurück zu seinem Stammverein Napoli.

Immobile wäre Zeman damals gerne zur Roma gefolgt, landete dann aber beim Genoa CFC und blieb weiterhin in Co-Ownership mit Juventus. Genoa hatte sich bereits im Winter für 4 Mio. € 50% der Transferrechte gesichert. So ganz vertraute man in Genua dann doch nicht in Immobiles Qualitäten und verpflichtete zusätzlich noch den erfahrenen Marco Borriello, der zuvor bereits bei Milan, Roma und Juventus gespielt hatte. Immobile erwischte erneut einen sehr guten Saisonstart, traf in den ersten drei Spielen zwei Mal, verlor aber später dank einer Systemumstellung seinen Stammplatz an Borriello. Genoa spielte meistens ein 4-3-3 oder ein ziemlich defensives 3-5-1-1 mit Borriello als einzigem Mittelstürmer. Immobile verbrachte viel Zeit auf der Bank, insgesamt gelangen ihm lediglich 5 Tore, kein einziges davon in der Rückrunde. Trotzdem zeigte sich immer wieder sein großes Potential. Mit seiner Schnelligkeit und seinen guten, oft ausweichenden Laufwegen konnte er nach seinen Einwechslungen oft etwas Schwung in die Partie bringen. Er arbeitete auch viel, aber vor dem Tor verlief es für Immobile nicht ganz nach Wunsch. „Das Umfeld in Genua hat mir nicht geholfen und auch die Trainerwechsel haben es mir schwer gemacht“, zeigte sich Immobile unglücklich, gab aber auch zu, dass er seine Chance selber vergeben hatte. In der Saison 2012-2013 benötigte Genoa gleich drei verschiedene Trainer: Gigi De Canio wurde schon früh durch Luigi Del Neri ersetzt, beendet wurde die Saison dann mit Davide Ballardini. Wahrlich eine schwierige Situation für den jungen Stürmer, er ist dabei aber bei weitem nicht das erste große Talent, das bei Genoa scheiterte und sich später woanders durchsetzte. Da sowohl der Verein als auch Ciro mit der Situation unzufrieden waren, ließ man den Stürmer weiterziehen, zu seinem fünften Verein innerhalb von nur drei Jahren.

Immobile landete schließlich beim FC Torino, der für nur 2,75 Mio. € die Hälfte seiner Transferrechte erwarb. Die andere Hälfte blieb immer noch bei Juventus. Kritiker meinten damals, dass Immobile vielleicht zu schwach für die Serie A sei und damals nur von Zemans Offensivfußball profitierte. Bei Torino setzte man dennoch volles Vertrauen in das neu erworbene Stürmertalent. Vertrauen, dass Immobile mit Toren zurückzahlen sollte. Er explodierte regelrecht und brachte den Ball ganze 22 Mal im Tor des Gegners unter, nicht ein einziges Mal davon per Elfmeter. Immobile wurde Capocannoniere, also Torschützenkönig der Serie A. Gemeinsam mit Alessio Cerci, der 13 Tore erzielte, bildete er das gefährlichste Sturmduo der Serie A und schoss Torino in die Europa League, wobei Torino den Startplatz dafür eigentlich am letzten Spieltag verpasste, dann aber von einer Entscheidung am grünen Tisch profitierte: Parma blieb nämlich die Lizenz für die Europa League verwehrt, Torino rückt nach und darf nun international antreten.

Trotzdem wird Immobile nicht in der Europa League spielen. Er wird bekanntlich nächste Saison im Dress von Borussia Dortmund auflaufen und dort sogar Champions League spielen. Obwohl Ciro zur Hälfte bereits einem internationalen Topklub gehörte, lockte seine Trefferquote mehrere Interessenten an. An eine Rückkehr zu Juventus glaubte Ciro wohl schon länger nicht mehr, die Tore gegen seinen Stammverein feierte er besonders intensiv. Vor einiger Zeit äußerste er dagegen einen anderen Wunsch für seine Karriere: “Ich bin aus Torre Annunziata und bin schon seit ich ein kleines Kind bin ein Fan von Napoli. Das blaue Trikot zu tragen wäre ein Traum, auch weil es schön wäre wieder nach Hause zu kommen, nach vielen Jahren, die ich weg war.” Napoli allerdings ist sehr zufrieden mit Higuain und zeigte kein Interesse an Immobile. Umso interessierter zeigte sich dafür Jürgen Klopps Dortmund, das einen Ersatz für Robert Lewandowski suchte. Ein Wechsel nach Deutschland zeichnete sich schon länger ab, mit Immobile konnte früh eine Einigung erzielt werden. „Dortmund ist eine große Mannschaft und Champions League zu spielen wäre sehr wichtig für meine Entwicklung“, gab sich Immobile einem Wechsel gegenüber sehr offen. Probleme machte nur sein Verein Torino, dessen Präsident Urbano Cairo schon zu Verhandlungsbeginn beleidigt spielte, da Dortmund nur mit Juventus verhandelte und von Torino gar kein Verantwortlicher eingeladen wurde, und dann immer mehr Geld verlangte. Am Ende konnte man sich auf eine Ablösesumme von 19,5 Mio. € einigen, 10 Mio. für Torino, 9,5 Mio. für Juventus. Eine Ablösesumme, die wohl für alle Beteiligten in Ordnung geht. Immerhin wurde Immobile Torschützenkönig, allerdings war es für den 24-jährigen auch das erste gute Jahr in Italiens höchster Spielklasse. Juventus hätte Torinos Anteile zurückkaufen können, um Immobile selber zu behalten, zeigte allerdings nur wenig Interesse daran. Er würde nicht wirklich zu Contes Spielweise passen. Zu Borussia Dortmund dagegen passt er vielleicht sogar ausgezeichnet.

„Immobile…Wie kann man mit so einem Nachnamen Stürmer sein?“ fragte einst Zdenek Zeman. Immobile bedeutet nämlich „unbeweglich“, ein denkbar unglücklicher Name für einen Angreifer. „Ich bin eigentlich das genaue Gegenteil“, sagt Ciro selbstbewusst, aber sicher nicht zu unrecht.

Denn Immobile zeichnet sich vor allem durch seine Beweglichkeit aus, ist sehr wendig und agil. Eine „Lewandowski-Kopie“, wie er in so manchen deutschen Medien bezeichnet wird, ist er jedoch nicht. Er ist ihm teilweise ähnlich, jedoch ist er einfach nicht so komplett wie Lewandowski. Immobile kann die Bälle bei weitem nicht so gut behaupten, ist dafür aber recht schnell und vor allem sehr geschickt mit seinen Laufwegen und daher wohl ideal für das Dortmunder Umschaltspiel. „Ich attackiere gerne offene Räume, bewege mich sehr viel und kreuze oft. Alles Dinge, die ich von Zeman lernte.“ Zu erwähnen ist natürlich auch noch seine Stärke im Abschluss und bei Kopfbällen. Nach Lewandowskis Abgang will Klopp die Last im Angriff auf mehreren Schulter verteilen und mit Adrian Ramos und Konterstürmer Ciro Immobile stehen ihm nun zwei verschiedene Spielertypen zur Verfügung, die sich zusammen gut ergänzen. Vermutlich hofft er, dass sich einer der beiden ähnlich gut entwickelt wie Lewandowski, der damals von Lech Posen zu Dortmund kam. Während sich aber Robert Lewandowski anfangs ruhig hinter Lucas Barrios entwickeln konnte, lastet durch die für Dortmunder Verhältnisse recht hohe Ablösesumme von etwa 20 Mio. € schon von Beginn an ein gewisser Druck auf Immobile. Wie Immobile mit der großen Umstellung nach dem Wechsel ins Ausland und mit Klopps Spielweise zurecht kommt, wird sich allerdings erst zeigen. Dortmunder Fans können aber vermutlich schon während der Weltmeisterschaft in Brasilien ein Auge auf ihren neuen Stürmer werfen.

Seine herausragenden Leistungen bescherten ihm nämlich auch einen Platz im vorläufigen WM-Kader von Teamchef Cesare Prandelli. Aufgrund Rossis Verletzungspech und der Formschwäche von Balotelli gilt Immobile derzeit als womöglich stärkster Stürmer Italiens, einen Stammplatz wird er aber wohl dennoch nicht haben. Prandelli lässt wahrscheinlich mit nur einem Mittelstürmer spielen und hier ist Mario Balotelli gesetzt, sollte es einen 2er-Sturm geben, wäre vermutlich Cassano sein Sturmpartner. Immobiles Problem ist die mangelnde Erfahrung. Er stand zwar mit der U21 letztes Jahr im EM-Finale, kam aber im A-Nationalteam bisher erst einmal zum Einsatz. Als schneller Konterstürmer stellt Immobile trotzdem eine gute Alternative für Prandelli dar, nach seinem Hattrick im letzten Vorbereitungsspiel gegen Fluminense ist nun die ohnehin schon länger erwartete Diskussion über den Mittelstürmer voll entbrannt. Sowohl Tuttosport als auch der Corriere dello Sport widmeten Immobile die Titelseite, während der Corriere dello Sport sogar einen Stammplatz für Immobile einfordert, beschäftigt sich das Turiner Hausblatt Tuttosport noch mit der Frage, ob es sinnvoll war Immobile für 20 Mio. € an Dortmund zu verkaufen.

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