Mein Jahr mit Peterhead FC

Peterhead

Am Ende der letzten Saison hatten wir unsere Serie ,,Mein Jahr mit…‘‘ angekündigt, für das sich einige unserer Reporter bei Cavanis Friseur UK eine Saison lang einem Verein anschließen und über diesen regelmäßig berichten werden. Als Schottlandreporter fiel meine Wahl auf den Drittligisten Peterhead, den ich euch bereits vor einiger Zeit eingehender vorgestellt hatte.

Die Saison für Blue Toon hat inzwischen bereits begonnen. Das scheint euch vielleicht zu früh zu sein und ich will kurz erklären, wie es dazu kam: Wie in vielen Ländern ist auch in Schottland der Ligapokal- der übrigens eine Erfindung des schottischen Fußballverbandes war- oft nur ein schwacher Ersatz für den nationalen Vereinspokal, in unserem Fall den Scottish Cup. Erst ab dem Viertelfinale steigt das Interesse an diesem Wettbewerb und davor bestimmen niedrige Zuschauerzahlen und die Begegnungen von B-Mannschaften an verregneten Dienstagabenden das Bild des Scottish League Cup.

Um dem entgegenzuwirken, beschlossen die Organisatoren die Einführung einer Gruppenphase für den Sommer, so dass Mannschaften aus allen vier Ligen im warmen Juliwetter die Saison beginnen können. Der Erfolg dieser Maßnahme sei dahingestellt, aber auf jeden Fall begann der Ligapokal damit schon am ersten Wochenende nach der Europameisterschaft. Alle Mannschaften der ersten vier Ligen und die Meister der beiden Regionalligen unter der League Two (4. Liga) begannen in acht Gruppen von jeweils fünf Mannschaften. Die Gruppensieger und die vier besten Zweiten qualifizierten sich für das Achtelfinale, wo die vier schottischen Europapokalteilnehmer (Celtic, Aberdeen, Heart of Midlothian, Hibernian) dann einsteigen.

Die Auslosung der geographisch nach Nord und Süd getrennten Gruppen brachte für unser Blue Toon folgende Gegner:

Dumbarton (2. Liga)

Dundee FC (1. Liga)

East Fife (3. Liga, Aufsteiger)

Forfar Athletic (4. Liga, Absteiger)

Ein Gegner aus jeder Liga also, und Peterheads Saison begann mit einem Heimspiel gegen den schwächsten Gegner, die Loons aus Forfar. Vor 508 Zuschauern am Abend des 19. Juli, einem Dienstag, gewann Peterhead souverän mit 2:0. Ein Eigentor von Andy Munro sowie ein verwandelter Elfmeter von Torjäger Rory McAllister stellten das Endergebnis schon vor der Pause her.

Vier Tage später ging es nach Methil, wo der künftige Ligarivale East Fife wartete. Nach 25 Minuten schoss Rory McAllister einen Freistoß aufs Tor, den der Torhüter nur abklatschen ließ- Jordon Brown stand richtig und staubte zum 0:1 ab. Doch Jonathan Page köpfte noch vor der Halbzeitpause den Ausgleich, bevor East Fife durch einen Elfmeter kurz nach der Unterbrechung sogar in Führung ging. Peterhead konnte sich von diesem Rückschlag nicht mehr erholen und unterlag mit 1:2.

Angesichts des schwierigen Modus des Ligapokals stand Blue Toon damit vor dem Duell mit dem Erstligisten Dundee schon vor dem Aus. Knapp 1000 Zuschauer strömten dennoch ins Balmoor Stadium, um das Spiel des Jahres zu sehen. Trotz des Rückschlages in Fife spielte Peterhead dieses Mal stark auf und brachte ein 0:0 in die Pause. Allerdings musste ein Sieg her, wenn man noch weiterkommen wollte, doch Dundee brauchte diesen ebenso. In der 62. Minute trat Rory McAllister erneut zu einem Freistoß an- und hämmerte ihn direkt in die Maschen! Der Außenseiter führte sensationell, und als die Dees auf den Ausgleich drückten, stahl sich McAllister bei einem Konter davon, raste in den Strafraum der Gäste und wurde zu Fall gebracht- Elfmeter! Der Torjäger verwandelte souverän und ein später Treffer von Greg Stewart für Dundee konnte den Ausgang des Spiels auch nicht mehr ändern. Eines der besten Ergebnisse der Vereinsgeschichte war eingefahren worden, und das nur wenige Tage nach Saisonstart. Kann man mal so machen!

Beim Zweitligisten Dumbarton musste zum Abschluss dennoch ein weiterer Sieg her, um das begehrte Achtelfinale zu erreichen und die Sensation perfekt zu machen. Zu den Neuerungen des Ligapokals gehört auch ein Elfmeterschießen bei einem Unentschieden nach 90 Minuten, das dem Sieger zwei Punkte einbringt. Eine einschneidende Neuerung, die am letzten Spieltag auch Peterhead betreffen sollte. Doch danach sah es lange nicht aus. Zwar brachte Kevin Dzierkawski die Gäste früh in Führung, doch sorgten drei Tore der Sons für eine sichere 3:1- Führung für die Gastgeber in Westschottland. Allerdings gab sich Peterhead im Gegensatz zum Spiel in Fife nicht auf und kam in der 57. Minute durch Leighton McIntosh zum Anschlusstreffer. Blue Toon drückte nun verzweifelt auf den Ausgleich und wurde zehn Minuten später mit einem weiteren Elfmeter belohnt. Rory McAllister trat wieder einmal aus elf Metern an und der Ausgang war von vornherein klar- 3:3.

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Danach fiel kein weiteres Tor mehr und Peterhead feierte sein Debüt im Elfmeterschießen nach 90 Minuten. Der gute Rory und Jamie Stevenson verwandelten die ersten beiden Elfer, während Dumbarton seine ersten drei Elfmeter alle verschoss! Doch das ließ sich Peterhead nicht nehmen und verschoss unglaublicherweise selbst die nächsten drei Elfmeter. Mit einem 2:2 ging es also in die Verlängerung des Elfmeterschießens. Nun trafen Dzierkawski und Nathan Blockley für die Gäste, doch auch Dumbarton zeigte keine Blöße. Als nächstes trat Peterheads Torhüter Graeme Smith selbst an… keine gute Idee. Zum Glück hatte der anderen Seite auch der Senegalese Kassarate verschossen und nach 16 Elfmetern stand es 4:4. Stirling und Noble trafen danach beide zum 5:5. Als zehnten Schützen schickten die Sons Craig Pettigrew ins Rennen. Der Rechtsverteidiger lief an, schoss – und fand in Graeme Smith seinen Meister! Der eingewechselte Nicky Riley hatte nun die Entscheidung auf dem Fuß. Würde er treffen, wäre Peterhead als Gruppensieger durch, würde er verschießen, ginge es weiter und im Falle einer Niederlage wäre East Fife weiter. Aber Riley war eiskalt, verwandelte und bescherte Peterhead das für unmöglich gehaltene Achtelfinale!

Nach diesem großartigen Start in die Saison wird Peterhead sicherlich auf den Aufstieg in die zweite Liga schielen. Die Neuzugänge haben sich bisher gut eingefügt, und einige Nachwuchs- und Ersatzspieler sind noch verliehen und werden während der Saison zurückkehren und damit die Optionen von Trainer Jim McInally, der bereits seit Ende 2011 die Blauen aus Schottlands Nordosten betreut, noch einmal erweitern.

Ach ja, im Ligapokal geht es dann im Achtelfinale ins Ibrox, gegen die Rangers. Ist ja nicht so, als wenn Peterhead dort nicht schon einmal gewonnen hätte…

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