Monaco – Von Supersize zum Downsizing

AS Monaco

Monaco. Das klingt in aller Welt nach Glanz und Gloria, Promis, Yachthafen, Kasino. Doch seit zwei Jahren ist auch auf dem Fußballplatz Monaco ein Stichwort für galaktische Stars geworden. Dank eines Mannes: Dimitry Rybolovlev, ein russischer Oligarch, der seit Dezember 2011 Hauptaktionär des AS Monaco geworden ist. Er gehört laut Forbes mit 7 Milliarden Euro zu den 150 reichsten Personen der Welt und hat jede Menge freies Kapital, um in die besten Spieler der Welt zu investieren. Nach Ankunft der Katarer in Paris ist er also der zweite No-Limit-Investor, der den Weg in die Ligue1 gefunden hat.

Seine Ankunft und die Ankündigung von Riesentransfers hatten die Ligaführung durchaus erleichtert: nachdem sie die Katarer Willkommen-hießen kam die Kritik auf, dass das Interesse an der Ligue1 schwinden sollte falls nur noch das Pariser Starensemble um die Meisterschaft spielt. Mit Rybolovlev konnte Ligapräsident Thiriez stolz verkünden, dass sein Produkt „Ligue1“ nun ein Duell zwischen zwei zukünftige Größen des europäischen Fußballs sei. Toll.

Die Investitionen ließen nicht lange auf sich warten, obwohl Monaco in der Saison 2011/2012 noch in den Tiefen der zweiten Liga steckte: im Winter lag Monaco nämlich noch auf dem letzten Tabellenplatz, da galt es zuerst einen weiteren Abstieg zu verhindern. Der erste Meilenstein der Rekrutierungspolitik war der kroatische Torhüter Subasic, der heute noch bei Monaco den Kasten sauber hält. Für die geplante Aufstiegssaison 2012/2013 wurde dann ein Team aus verheißungsvollen Youngsters gebildet, sogar mit internationalem Flair: Lucas Ocampos zum Beispiel, der begehrte Nachwuchsspieler von River Plate, der sich seitdem auf dem rechten Flügel des Sturms seinen Stammplatz erkämpft hat. Oder auch der Stürmer Emmanuel Rivière, damals erst 22 und schon ein eingesessener Ligue1-Spieler, der sich zu einem Wechsel in die Ligue2 überreden ließ. Ergänzt wurde auch durch Nachwuchsspielern aus den eigenen Reihen, wie etwa Ferreira-Carrasco; somit pflegte man weiter die monegassische Tradition des Entdeckerclubs, denn in den goldenen Jahren brachte Monaco immer wieder brillante Jugendspieler auf dem Rasen. Man denke doch nur an das Stürmerpaar Thierry Henry/David Trézéguet in der Meistermannschaft von 1997.

Und als Krönung kam als Trainer Claudio Ranieri hinzu. Man stelle sich doch vor: ein italienischer Meistertrainer übernimmt einen französischen Zweitligisten. Unglaublich! Dafür braucht man eine außergewöhnliche Überzeugungskraft und ein wirklich solides Projekt.

Dieser Kader hat den Aufstieg im Flug überwindet, und mit sehr hohen Erwartungen kamen die Monegassen 2013 in die erste Liga. Diese Erwartungen wurden noch gesteigert, als Rybolovlev in unerwarteten Maßen das Portemonnaie öffnete: galaktische Einkäufe wie Falcao, der eine unglaubliche Saison bei Atletico Madrid hinter sich hatte; James Rodriguez, das kolumbianische Supertalent; oder zuletzt auch Joao Moutinho, Leistungsträger beim FC Porto. Ganze 170 Millionen Euro lies sich Monaco das Mercato 2013 kosten, ein sehr seltener Geldsegen für französische Verhältnisse. Dies ergab eine durchaus gute Saison 2013/2014, die Monaco mit einen zweiten Platz und einer sehr ansehnlichen Punktzahl beendete. Trotz dieser positiven Bilanz verabschiedete sich Monaco von Trainer Ranieri. Eingefleischte Fans hielten dies als ein Zeugnis dafür, dass der zweite Platz für Monaco nicht gut genug war, und warteten gespannt auf ein noch heißeres Mercato. Was aber in den nächsten Monaten ablief war doch eher eine kalte Dusche.

Der Fall

Als Ranieris Abgang feststand, kursierten die wildesten Gerüchte in Monaco. Deschamps, Mourinho, Spaletti, … Die Ankunft von Jardim, bis dahin Cheftrainer beim Sporting Portugal, war schon eine Überraschung. Und eine Ernüchterung. Aber immerhin konnte er einigermaßen als Geheimtipp unter den Taktikern fungieren. Das war aber noch die geringste Überraschung. Als Nächstes folgte für die Fans ein ganz bitterer Abgang: James Rodriguez, der bei der WM der ganzen Welt in die Augen stach, wechselte zu Real Madrid. Natürlich kann man es aus wirtschaftlicher Sicht verstehen, dass sich ein Verein eine solche Ablöse nicht entgehen lässt, mit einem sehr hohen Mehrwert. Aber Monaco? Da hatte man einen Trumpf in der Hand, eine seltene Perle gefunden… und trotz angeblich unbegrenzter finanzieller Möglichkeiten lässt man solch einen Spieler gehen?

In diesem Augenblick dachten die Monegassen noch, sie können auf einen tollen Zugang hoffen, denn mit der Ablöse von Rodriguez kann man auf dem Spielermarkt einen netten Einkaufsbummel machen. Doch es wurde nur noch schlimmer: Falcao, der andere Superstar im Sturm von Monaco, wechselte zu Manchester United. Ganz Monaco steht Kopf. Fragen über die Strategie von Rybolovlev häufen sich, es wird viel spekuliert, da der Verein in diesen Tagen eher spärlich kommuniziert. Und solange die Fans auch warten: trotz riesiger Ablösen ist nirgends ein Neuzugang zu sehen.

Wie kann man einen solchen Strategiewechsel erklären? Möchte Rybolovlev nun wieder sein Geld zurückkriegen? Wird es nichts mehr mit dem Superinvestor aus dem Osten?

Die Erklärungen zu diesen Fragen sind vielseitig. Rybolovlev ist nicht weniger spendierfreudig: seiner Tochter hat er die teuerste Wohnung New Yorks gekauft und die teuerste Privatinsel von Griechenland. Sein Business läuft anscheinend gut; sein ehemaliges Kali-Imperium hat er zwar verkauft (es wird wahrscheinlich für Mitteldeutsche eine Neuigkeit sein, dass man mit Kalisalz ein Vermögen verdienen kann), dafür hat er jetzt jede Menge Bargeld. In Russland war er in zwielichtige Affären verwickelt, aber das alles hat er anscheinend hinter sich, seit seine Geschäfte nicht mehr dort ansässig sind (anscheinend ist ihm ungefähr das Gleiche wie Yukos-Besitzer Berezovski widerfahren; die Staatsmacht wollte einen Anteil an seinen Geschäften nehmen… bei ihm ging es jedoch gelassener zu). Sein Geld ist heute sicher in zypriotischen Stiftungen angelegt, es sieht also so nicht so aus als wäre Geldmangel eine Erklärung für die Strategiewende bei Monaco.

Privat hat Rybolovlev jedoch letztens einige Probleme gehabt. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden, was bei steinreichen Leuten nicht so abläuft wie bei jedermann. Die schweizerische Justiz soll seiner Frau die Hälfte des Vermögens zugesprochen haben, also vier von acht Milliarden. Das reicht vielleicht noch für den Betrieb eines Fußballklubs, aber das bedeutet wohl, dass Rybolovlev seine ganze Vermögensstruktur umändern muss und das könnte sehr wohl kurzfristige Konsequenzen für Monaco haben.

Monaco im Visier der Behörden

Zu guter Letzt muss man auch spezifisch die Lage des Vereins AS Monaco betrachten. Denn administrativ gesehen gab es einiges zu berichten. Mit der Rückkehr in der ersten Liga musste sich Monaco mit einer ersten wichtigen Debatte zu Steuerfragen befassen. Monaco hat nämlich einen Sonderstatus, der in Europa ziemlich einzigartig ist (mit Ausnahme des FC Vaduz, aber in der Größenordnung kann man das wohl schlecht vergleichen): Monaco spielt in der französischen Liga obwohl es nicht zu Frankreich gehört. Völkerrechtlich kann man darüber hinwegsehen, aber steuertechnisch hat es schwerwiegende Konsequenzen. Als Steuerparadies besteuert Monaco seinen Verein und seine Spieler bei weitem nicht so viel wie Frankreich, dessen Steuersatz ja bekanntlich höher ist. Dies sorgte im Sommer 2013 für eine erhitzte Debatte zwischen Liga und Verein, weil in der Zwischenzeit der Steuersatz in Frankreich für höhere Einkommen (eine Sparte in der viele Profispieler fallen) auf 75% gestiegen ist. Vielen Vereinspräsidenten wurde der Vorteil von Monaco einfach zu flagrant. Bester Vertreter dieser Meinung ist Lyons Präsident Jean-Michel Aulas, der schon vor dem Jahr 2000 gegen den „steuerfreien Fußball“ aus Monaco witterte.

Ursprünglich wollte die Liga erreichen, dass Monaco seinen Vereinssitz in Frankreich anmeldet und somit ein rund-um französischer Verein wird, der Steuern und betriebliche Abnahmen an den französischen Staat zahlt. Faktisch wäre es kein größeres Problem gewesen, denn Monacos Trainingszentrum und Hauptgeschäftsstelle steht in La Turbie, auf französischem Boden. Davon wollte die Vereinsführung nichts wissen, und die Streitschlichtung endete damit, dass Monaco 50 Millionen Euro direkt an die Liga zahlt, als Ausgleich für seine Sonderstellung. Laut Gerüchten war Rybolovlev durchaus verärgert, dass es zu solch einer Abfindung kommt und das sein Anrecht auf einen Platz in der Ligue1 in Frage gestellt wird.

Das war jedoch nur der erste Akt der administrativen Probleme von Monaco (wobei man nie weiß, ob dieser Akt endgültig abgeschlossen ist, denn die Abfindung mit der Liga ist nicht ewig und könnte irgendwann neu verhandelt werden). Der zweite Akt wurde diesen Sommer eröffnet: die Qualifikation für die Champions League bedeutet, dass Monaco nun dem Financial Fairplay unterworfen ist. Schon wieder steht der Verein am Pranger. Wenn man bedenkt, dass es Paris schon schlimm erwischt hat, können bei Monaco Sorgen aufkommen. Noch weiß man nichts von den Ermittlungen der UEFA-Behörde, aber man kann schon vorausahnen, dass nichts Gutes auf Monaco zukommt: die eigenen Ressourcen des Vereins sind ja noch niedriger als die von Paris, weniger Werbepartner, viel weniger Fans und Merchandising… Gegenüber den Einnahmen sind die Ausgaben also komplett überdimensioniert. Kam es also deswegen zum Verkauf der zwei Sturmspitzen, um die Bilanz auszugleichen? Dies wurde von der Vereinsdirektion verschwiegen, aber es wäre sicher ein guter Grund.

2014, ein Neuanfang?

Wie wird denn Monaco dieses Jahr aussehen, ohne seine Stars? Eigentlich scheint die Mannschaft noch immer recht ausgewogen. Im Vergleich zur Aufstiegsmannschaft immer noch ein deutliche Verbesserung; und die Aufstiegsmannschaft war ja schon ganz nett anzusehen, jung und talentiert. Die Frage ist, wie manche Spieler letztes Jahr verkraftet haben, auf einmal im Schatten der Stars zu spielen und trotz guter Leistungen nur zweite Wahl zu bleiben. Ist jetzt ihre Motivation hoch genug, um Monaco weiterhin auf Trab zu halten? Jungs wie Ferreira-Carrasco haben sicher Talent, doch jetzt so plötzlich in die Fußstapfen von James Rodriguez zu treten, das neue System von Trainer Jardim zu verinnerlichen, und dazu noch die Anhäufung der Champions League und Pokalspiele zu bewältigen… es steht eine harte Saison bevor.

Man kann die Lage von Monaco in etwa mit der von Lyon vergleichen, das in den letzten Jahren vom Starensemble zur Nachwuchsmannschaft mutiert ist. Das Beispiel Lyon zeigt wie schwer es ist, eine konstante Leistung mit einer teilweise sehr jungen Mannschaft zu bringen, doch die Fortschritte einiger Talente machen Hoffnung auf bessere Jahre. In der Defensive hat Monaco zum Beispiel herausragende Abwehrspieler ausgebildet, Kondogbia und Kurzawa, die heute schon großartig spielen und noch Entwicklungspotenzial haben (sie sind erst 21 und 22 Jahre alt). In der Offensive muss man, neben Ferreira-Carrasco, besonders auf die Entwicklung von Ocampos achten, und auch von Anthony Martial, der erst 18 Jahre ist und einst als Perle im Nachwuchszentrum von Lyon galt, bevor ihn Monaco letzte Saison für 5M€ holte.

Neben den Youngsters muss man auch erwähnen, dass jede Linie mit tollen Veteranen bestückt ist: vorne Berbatov, in der Mitte Toulalan und hinten Ricardo Carvalho. Und natürlich Joao Moutinho, der als Einziger aus den teuren internationalen Zugängen des Vorjahres geblieben ist. Das Gesamtkonzept hört sich also gar nicht so schlecht an, obwohl der Saisonstart weit unter den Erwartungen geblieben ist. Aber aus diesem Kader könnte Trainer Jardim durchaus etwas basteln; zwar nicht eine Mannschaft mit galaktischen Ansprüchen wie letztes Jahr, aber immerhin eine hochrangige Mannschaft in der Ligue1, die auch in Europa etwas zu sagen hat.

Fragt sich nur noch, ob Rybolovlev weiterhin hinter der Mannschaft stehen wird. Laut Pressegerüchten ist er verärgert, dass der Prinz von Monaco ihm noch nicht die monegassische Staatsbürgerschaft anerkannt hat, sozusagen als Gegenpart für seine Verdienste als Wohltäter von AS Monaco. Anscheinend ist ihm der monegassische Pass wichtig um sein Vermögen (… und seine Person) endgültig vor der russischen Justiz zu retten. Und weiteren Gerüchten zufolge zögert Rybolovlev immer noch, einen weiteren Anteil der geplanten 50 Millionen an die Liga zu zahlen, weil er diese Abfindung weiterhin als unrecht empfindet. Die Anhäufung von Problemen und Schikanen scheint den Mann endgültig gekränkt zu haben…

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