Schlümpfe, Pinguine und ein französischer Spion

Ein Verein, wie er kurioser nicht sein könnte. Einmal sind sie Umpa-Lumpas aus Charlies Schokoladenfabrik, einmal sind sie Schlümpfe, vor kurzem waren sie Pinguine. Dank dem Internet entsteht jährlich ein großer Hype um den Verein aus England. Der Spitzname des Vereins ist eine Anspielung auf die Erhängung während eines Krieges. Ein ermordetes Tier ist das Maskottchen und wurde 2002 gar zum Bürgermeister gewählt. Der Verein ist legal auf den Britischen Jungferninseln registriert, wodurch ausländische Spieler eine niedrige Einkommenssteuer genießen und das Einkommen des Vereins unversteuert bleiben kann, und das obwohl der Ort 6.665 Kilometer von den Britischen Jungferninseln entfernt ist. Kurioser geht es nicht!

1908 wurde der Verein Hartlepools United Football Athletic Company gegründet, doch der Verein konnte bereits 1905 einen wichtigen nationalen Titel feiern. Wie das? Ganz einfach: Der Verein war bis zum Sieg des FA Amateur Cup, den zweitwichtigsten Bewerb nach dem FA Cup, eine Amateurmannschaft namens FC West Hartlepool. Nach dem Sieg entschied man sich das Ganze angemessen zu zelebrieren: eine Profimannschaft wurde in Leben gerufen.

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Des einem Freund ist des anderen Leid. Während der Hartlepools United Football Athletic Company gegründet wurde, ging der Rugby-Verein FC West Hartlepool bankrott, zudem stand somit das Stadion des Rugby-Teams leer. Der erste Grundstein für die Pools war gelegt.

Wie auch heute hatte der Verein immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Höhepunkt der finanziellen Miseren war sicherlich ein Bombenangriff der Deutschen im Ersten Weltkrieg, als das Stadion beinahe zur Gänze zerstört wurde. Später Reparationsansprüche blieben erfolglos.

Das Leben des Vereins war ein reiner Überlebenskampf. Ständige Schwierigkeiten, finanzielle wie sportliche. Gerade als man einen Konkurs abwenden konnte, folgte schon ein Abstieg. Schaffte man den Aufstieg, kamen wieder die finanziellen Probleme.

Seit 1977 trägt der Verein den Namen Hartlepool United, doch auch wenn der Name sich änderte, waren die Probleme die Gleichen. Ganze 14 Mal hat der Verein bei der FA um eine Wiederaufnahme in den Profibetrieb angesucht, und das obwohl man jede Saison als Letztplatzierter beendete. Bis heute ein Rekord und die nächste Kuriosität.

Bei so vielen Rückschlägen und Tiefpunkten, waren Zuseher, Jugendspieler und Interessenten Mangelware. 1987 fing der Verein an Kindern den Verein schmackhaft zu machen, indem man sich jährlich beim letzten Auswärtsspiel der Saison verkleidet traf. Dieses Kuriosum zeigte jedoch tatsächlich Wirkung. Die Zahl der Zuseher stieg, die Fans waren sich noch verbundener und das Interesse der Kinder stieg deutlich an.

Seit 1999 hat der Verein auch ein offizielles Maskottchen. Passend zur Stadtgeschichte wurde das Maskottchen ein Affe. Doch der Affe ist alles andere als ein Held, im Gegenteil. Während des Österreichisch-Neapolitanischen Krieges ging ein französisches Schiff vor der Küste unter. Einziger Überlebender: Ein Affe der zum Amüsement der Besetzung eine französische Uniform trug. Fälschlicherweise dachten die Einwohner der Stadt, dass es sich um einen Spion handle, der den Einwohner schaden wolle, woraufhin man entschied den Affen zu hängen. Aufgrund dieser Geschichte lautet der Spitzname des Vereins auch „The Monkey Hangers“.

Der Name des Maskottchens ist ein Wortspiel aus dem Wort „hängen“ und dem Namen „Angus“, „H’Angus the Monkey“. Der zweite Träger des Kostüms, Stuart Drummond, war der beliebteste H’Angus der Vereinsgeschichte. Mit seinen sexistischen und provokanten Posen machte er sich zum Vereinsliebling, doch manchmal ging er auch zu weit, vor allem im Jahr 2001: Im Mai nahm er sich eine Sexpuppe und „blödelte“ mit ihr herum, er wurde eskortiert und vernommen, später stellte sich heraus, dass er alkoholisiert war. Nur ein paar Monate später musste Drummond jedoch bereits erneut eskortiert werden. Der Grund: Er simulierte Sex mit einer Sicherheitsordnerin.

Aufgrund all der Skandale musste also ein besseres Image her. Die Wahl des Bürgermeisters stand bevor, und der Verein überlegte sich aus Spaß ein paar Plakate mit H’Angus mit Slogans wie „free bananas for schoolchildren“, doch niemand hätte sich gedacht, dass H’Angus the monkey beziehungsweise Stuart Drummond die Wahl sogar gewinnen würde. Doch der Witzbold legte sein Image schon bald ab, und erwies sich als einer der besten Bürgermeister die der Ort je hatte. Er wurde in den Jahren 2005 und 2009 wiedergewählt.

Seit einigen Jahren machen sich die Fangruppen die Kostüme aus. Dieses Jahr gingen die Fans als Pinguine verkleidet zum Spiel gegen Crawley Town. Die Stimmung war unbeschreiblich, und das trotz des schon längst feststehenden Abstiegs. Der Verein stand seit der neunten Runde auf einem Abstiegsplatz, und konnte sich nicht mehr aus der Gefahrenzone retten, doch das hinderte die Fans nicht sich einen tollen Tag im Stadion zu machen.

Voriges Jahr als Pinguine, das Jahr zuvor als Schlümpfe, vor zwei Jahren als Umpa-Lumpas, und davor als Figuren aus „Wo ist Walter?“ verkleidet, die Liste der genialen Kostüme geht ins Unermessliche. Bereits jetzt bereiten sich die Fans vor, um am letzten Spieltag perfekt kostümiert die Reise zum Spiel in Plymouth anzutreten.

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