Im Sommer 2013 übernahm David Moyes das lang gehütete Amt von Sir Alex Ferguson bei Manchester United, doch Feinde, Fans, ja sogar schon Spieler stellen ihn in sozialen Netzwerken bloß. Doch was ist passiert? Bekannterweise läuft es bei den Red Devils derzeit nicht nach Plan. Man könnte fast von einem Fehlstart reden. Während die Fans in den Stadien (noch) hinter Moyes stehen, gingen soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook über vor Beleidigungen und „Moyes raus“-Beiträgen.

Ich sage es offen heraus: Moyes ist ein armes Schwein. In den letzten Jahren bei den Toffees bewies er sein Können, indem er die Mannschaft, die ständig damit zu kämpfen hatte ihre Starspieler zu ersetzen, und das trotz eines geringeren Budgets als andere Vereine, trotzdem kontinuierlich verbesserte, dabei sogar immer wieder die obere Plätze anvisierte – und oft sogar erreichte. Nun ist er viel Spott und Hohn ausgesetzt, logisch, denn in die Fußstapfen von Sir Alex Ferguson zu treten ist in der Tat kein einfacher Schritt.

Über Jahre hinweg war Manchester United eine Topmannschaft. Beinahe jährlich Titelanwärter, logisch bei Spielern wie Cristiano Ronaldo, Ruud Van Nistelrooy, David Beckham, Ryan Giggs, … Was heute der FC Barcelona ist, war damals Manchester United. Eine Mannschaft voller Stars. Es war schon fast klar, dass die Red Devils mindestens unter den besten Top-3 landen würde. Aber weshalb ist der Verein nun so tief gefallen? Die Wurzel des Problems liegt tief und begann schon vor einigen Jahren. Noch unter Sir Alex Fergusons Ägide. Nach Cristiano Ronaldos Abgang zu Real Madrid folgten über viele Jahren hinweg teure Transfer, jedoch kaum Dividende. Dem Verein mangelte es nicht an Geld. Spieler wurden oft über dem damaligen Wert gekauft, manchmal sogar ohne mit der Wimper zu zucken verpflichtet.

Erst in den letzten zwei Jahren wurden zu einem bereits sehr guten Kader die nötigen Starspieler verpflichtet um ihn ideal abzurunden. Van Persie, Kagawa und dieses Jahr Fellaini – allesamt gute Transfers. Eigentlich. Van Persie schlug in der Vorsaison ein wie eine Bombe, wie man es sich eben von einem Transfer dieser Art vorstellt. Ganz anders sieht das bei Kagawa und Fellaini aus. Kagawa machte nur Schlagzeilen durch seine Fressnächte in England als sogar sein Magen ausgepumpt werden musste. Er kam in den anderthalb Jahren in Manchester bloß auf 28 Liga-Einsätze. Nicht schlecht, aber doch ein wenig enttäuschend wenn man auf seine Jahre beim BVB zurückblickt.

Im Sommer folgte Marouane Fellaini. Er war der absolute Wunschspieler von Moyes, und wechselte für 32,5 Millionen Euro die Farben. Viele Fans erhofften sich, dass der Mann mit dem Afro die nötigen Akzente im Mittelfeld der Red Devils setzen würde. Doch sie wurde herbe enttäuscht. Auch Ex-Spieler Michael Owen äußerte sich zum Flop Uniteds: „United signed the wrong Everton man! Moyes should have bought Barkley, not Fellaini”

Mit Sir Alex Ferguson verließ auch David Gill, damaliger Geschäftsführer, den Verein. Seitdem kümmert sich Ed Woodward um die Investitionen der Engländer. Es hagelte Kritik, dass er viel zu unerfahren sei um einen so großen Verein wie Manchester United zu leiten. Ich denke eine einzige Transferperiode ist zu wenig, um über den neuen Mann zu urteilen, wenn auch Transfers wie Ander Herrera, Thiago Alcántara, Cesc Fàbregas und Leighton Baines scheiterten. Für Herrera verlangte Bilbao rund 43 Millionen. Für Baines UND Fellaini bot Manchester United Everton zusammen 40 Millionen. Die Toffees sprachen von einem „beleidigenden Angebot für den Verein“. Der Kader ist bereits gut besetzt, meines Erachtens fehlen nur an manchen Positionen richtige Starspieler. Man braucht sich sicherlich nicht vor Liverpool verstecken, doch ein Starspieler wie Luís Suarez, vor allem wenn er dann auch noch richtig eingesetzt wird, kann den Unterschied in der Tat ausmachen. Ein solcher fehlt den Red Devils im Mittelfeld. Bereits unter Sir Alex Ferguson wurde dies kritisiert. Nun wurde ein eigentlich toller Transfer vollbracht, dass ausgerechnet ein wichtiger Spieler wie Fellaini floppt, vor allem im Spiel von David Moyes, schmerzt der Mannschaft gewaltig.

Die Spieler sind am verzweifeln

Die Spieler sind am Verzweifeln

Trainer, sowie Spieler stehen in der Kritik. Die Forderunger der Fans sind hoch. Demenentsprechend wird jeder Schritt genauestens analysiert. Zum Leid der Mannschaft.

Während Dortmund, Bayern München und der FC Barcelona den „schönen, modernen Fußball“ spielen, spielt Manchester United einen ganz anderen. Die Entscheidung Sir Alex Ferguson mit David Moyes zu ersetzen war in der Tat keine schlechte. Beide lassen eher klassischen Fußball spielen, kein Tiki-Taka, keine durch die Mitte dribbeln. Moyes forciert das Spiel über die Flanken, etwas das schnell vielen Fans klar wurde. So einfach diese Änderung auch mit meiner Tastatur geschrieben ist, so schwerwiegend ist sie für die Spieler. Hinzu kommt auch noch das Altern der Spieler. Während sich Patrice Evra die letzten Jahre über als Spieler eines Weltklasse Formats ehren ließ, scheint er seinen Zenit überschritten zu haben. Wie sehen die Alternativen aus? Eher schlecht. Fábio galt, wie sein Bruder Rafael, über Jahre hinweg als großes Talent. 23-Jährig ist er fast nur auf der Bank zu finden. Öfter im Kampf um Platz 2 mit Alexander Büttner, als im Kampf um den Stammplatz mit Patrice Evra. Die erste Problemstelle sei gefunden. Ein wichtiger Starspieler der seinen Zenit überschritten hat, und unzureichend bis gar nicht ersetzt wurde.

Aber so sieht es nicht nur auf der linken Seite aus. Auch in der Innenverteidigung sind Verteidiger die den Unterschied machen können Mangelware. Vor Jahren hatte man noch Spieler wie Rio Ferdinand oder Nemanja Vidic. Spieler die die Verteidigung der Red Devils zu einer der besten der Welt machte. Aber Ferdinand ist heute bereits 35. Ein Spieler der über Jahre hinweg einer der Weltbesten war, und durch überdurchschnittliche ersetzt wurde. Neben ihm findet man Nemanja Vidic einen weiteren guten Verteidiger, doch auch er feierte im Herbst seinen 32. Geburtstag und konnte seit seinem Kreuzbandriss im Winter 2011 nie mehr zu seiner Form finden. Vor kurzem ließ der Kapitän verlautbaren, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle, und die Red Devils nach achteinhalb Jahren verlassen wolle. Die Alternativen sind allesamt nicht schlecht, doch keinesfalls ausreichend um aus dem Vereinen einen Titelfavoriten zu machen.

Die derzeit mit Abstand wichtigste Position, ist jedoch die der beiden zentralen Mittelfeldspieler. Neben Fellaini findet sich im Kader ein Michael Carrick, ein Spieler der lange unscheinbar gesehen wurde, aber immer ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft war, dies wird nun, mit dem Fehlen der Denker und Lenker im Mittelfeld, klar. Aber auch ihm ergeht es ähnlich wie Vidic und Evra, bloß mit dem Unterschied, dass er hin und wieder Mal groß aufspielt. Er ist unverzichtbar, wenn er mal in Topform ist, doch wenn nicht, dann ist er nur ein weiterer Fremdkörper wie beinahe derzeit jeder Spieler. Auch hier sind die großen Alternativen Mangelware: Andersons verlässt die Red Devils und wechselt in die Toskana zur Fiorentina. Fletcher ist auch weiterhin vom Pech verfolgt, hat hier und da wiedermal Wehwehchen. In dieser Saison kam er bisher zu drei Ligaeinsätzen, zusammen bloß 86 Minuten. Einzig Tom Cleverley lässt die Fans hoffen. Der 24-jährige Engländer zeigt immer wieder gute Ansätze, wurde bei seinen ersten Einsätzen für die englische Nationalmannschaft von Lob überschüttet. Er ist definitiv jemand, der auch in Zukunft ein wichtiger Teil des Kaders der Red Devils sein könnte.

Kurz zusammengefasst übernahm David Moyes ein sinkendes Schiff von Sir Alex Ferguson. Keineswegs einfach für David Moyes. Hätte er den kompletten Kader im Sommer umkrempeln müssen? Fellaini zu verpflichten war definitiv zu wenig, darunter leidet nun die Mannschaft, weshalb auch im Winter ordentlich investiert werden muss. Doch keineswegs in junge Talente. Will der Verein nun noch die internationalen Plätze erreichen, müssen in den nächsten Wochen Spieler verpflichtet werden, die das Spiel entscheiden können. Experimente sind fehl am Platz. Sollte Manchester United diese Saison die internationalen Plätze nicht erreichen, denke ich, dass dem Verein ähnliches blühen kann wie Liverpool nach dem Abgang Torres, der Sturz in die Mittelmäßigkeit. Erst jetzt konnte sich der Verein wieder fangen, und ist diese Saison, nach Jahren der Mittelmäßigkeit, wieder mit dabei im Titelrennen. Moyes und sein Team muss nun Taten sehen lassen, auf sowie abseits des Platzes. Dieses Transferfenster kann wegweisend für die Zukunft sein.

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Written by Marco
Co-Gründer von Cavanis Friseur, schreibt hauptsächlich über den englischen Fußball und ist riesiger Leeds United-Fan.