Evertons goldener Transfersommer

Das Transferfenster hat erst seit wenigen Tagen geöffnet und schon jetzt ist der FC Everton einer der Gewinner auf dem Transfermarkt. Ronald Koeman schickt sich an, die Toffees in dieser Saison ins internationale Geschäft zu führen. Vielleicht schafft der Holländer sogar mehr als das. 

Bereits im letzten Jahr war Everton ein harmonisches Team, gespickt mit überdurchschnittlich starken Spielern wie Lukaku, Barkley, Deulofeu, Coleman und Williams. Weiterhin besaß man mit Holgate, Davies und Calvert-Lewin talentierte Spieler aus der eigenen Nachwuchsschmiede, die in jungen Jahren bereits viel Verantwortung übernahmen. Dazu gesellten sich prädestinierte Teamspieler wie Baines, Mirallas und ab Winter Schneiderlin.

In seiner ersten Amtszeit vertraute Koeman zu Beginn noch auf eine Dreier- bzw. Fünferkette. Innen verteidigten Holgate, Funes Mori und Jagielka eher tief. Sie beschränkten sich auf die einfachen Sachen, klärten Bälle resolut und gaben diese im Ballbesitz an Barry oder den Kreativspielern Baines und Barkley. Interessanterweise verzichtete man in den ersten beiden Spielen zunächst auf Mittelstürmer Lukaku und setzte stattdessen auf eine bewegliche Doppelspitze aus Deulofeu und Mirallas. Dies war insofern für das eigene Ballbesitzspiel nicht zuträglich, als dass die eigene Ballzirkulation noch nicht stabil genug war, um sicher aus der ersten Linie heraus ins zweite Drittel zu gelangen. Insbesondere die Bewegungen der Zentrumsspieler Barry, der ein technisch überschaubarer Sechser mit strategischen Problemen ist, verbunden mit dem weiträumig agierenden Gueye, sorgten für eine merkwürdige Präsenz im Sechserraum. Kreativpunkte waren daher die beiden Außenverteidiger.

Baines und zu Beginn der letzten Saison eröffneten das Spiel häufig diagonal in Richtung Ross Barkley bzw. auf die bogenartig startenden Mittelstürmer Mirallas und Deulofeu. Vor allem Baines konnte hier von seinem Spielverständnis und seinem sauberen Passspiel profitieren. Im Verlaufe der Hinrunde wechselte Koeman jedoch zurück zur Viererkette. Zum einen, weil die EM-Fahrer Williams und Coleman wieder ins Team integriert wurden und zum anderen wollte man die Flügelspieler Bolasie, Deulofeu und Mirallas besser in Szene setzen. Diese sollten wiederum Lukaku bedienen, der in der vergangenen Saison 25 Treffer erzielte. Sein Backup war in der Regel Enner Valencia oder der junge Calvert-Lewin.

Generell funktionierte die Viererkette nicht vollständig besser als die Dreier-/Fünferkette. Everton war in der vergangenen Saison ein sehr inkonstantes Team, welches am letzten Spieltag 14 Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze und 15 auf den achten Platz hatte. Man befand sich tabellarisch also irgendwo im Nirgendwo. Die Gründe lagen zum einen an der eigenen Strategie, deren Erfolg sehr abhängig von Lukakus Form war. Alle Wege führten zum 24-Jährigen. Selbst Ross Barkley, der meiner Ansicht nach die besseren Anlagen als der Belgier besitzt, wurde nicht so fokussiert von Koeman eingebunden, als dass er seine Qualitäten hätte entfalten können.

Problematisch war nach wie vor die Besetzung und Nutzung des Sechserraums. Barry ist kein Spielmacher, Barkley wird mit seiner Durchschlagskraft und Dribbelstärke hingegen in höheren Zonen benötigt. Ein wichtiges Puzzle-Teil zum Lösen dieser Problematik war Tom Davies. Der Jungspieler der Toffees brachte mit seinen Fähigkeiten eine Mischung aus Gueyes Weiträumigkeit, Barkleys Dribblingfähigkeiten und Barrys Zweikampfgeschick auf den Platz. Aufgrund seiner relativ geringen Körpergröße von 1,80m ist er sehr wenig, ohne dabei an körperlicher Präsenz zu verlieren. Er schloss meist als aufrückender Achter im 4-3-3 oder als zweiter Sechser im 4-2-3-1 die Lücken im Spielaufbau und war eine wichtige Komponente beim Spiel im zweiten Drittel.

Im Winter verpflichtete man deshalb Morgan Schneiderlin aus Manchester. Der bei United verschmähte Franzose besticht durch seine Spielkontrolle gepaart mit einem starken Zweikampfverhalten. Mit ihm an Board stellte Koeman auf ein 4-3-3 um, in welchem Schneiderlin den alleinigen Sechser vor der Abwehr gab. Da er nicht der aller schnellste ist, wurde er von Gueye, Davies oder Barkley flankiert. Vereinzelt spielte er auch mit Barry zusammen auf der Doppelsechs. Insgesamt gab Schneiderlin den Toffees größere Stabilität: Im Schnitt holten sie mit ihm auf dem Feld 2,14 Punkte pro Spiel. Ohne ihn waren es nur 1,61 Punkte. Sicherlich wird diese Statistik etwas durch seine 14 Einsätze verfälscht, dennoch ist seine Bedeutung für den Erfolg der Mannschaft nicht von der Hand zu weisen. Hier bewies Koeman also bereits, dass er ein gutes Gespür für Transfers hat. Schneiderlin kam für eine verhältnismäßig günstige Summe von umgerechnet 23 Mio. €, die sich auf knapp 28 Mio. € erhöhen kann, an die Mersey.

Dieses strategische Geschick bei Transfers zeichnete Ronald Koeman in diesem Transferfenster bereits aus. Mit Davy Klaassen, Sandro Ramírez, Jordan Pickford und Michael Keane verstärkte man sich nicht mit herausragenden Akteuren, die in absehbarer Zeit zur Elite gehören werden. Allerdings sind sie allesamt gute Teamspieler, die über gute bis sehr gute taktische sowie technische Fertigkeiten verfügen, um der Spielweise des Holländers gerecht zu werden. Insofern will sich Everton darauf besinnen, das Kollektiv über den Einzelnen zu stellen.

Everton sorgte mit der Verpflichtung Jordan Pickfords für Aufsehen. Der 23-Jährige Torhüter war in der vergangenen Saison beim Absteiger aus Sunderland unter Vertrag. Dass sich seine Ablöse auf bis zu 34 Mio. € erhöhen kann, ist für einen Torhüter seines Profils nicht ungewöhnlich: Er ist jung, Engländer und verfügt über ein ordentlichen Torhüterspiel. Solche Spieler gehen auf der Insel stets für viel Geld über die Ladentheke. Pickford hat jedoch solch gute Anlagen, dass er Jack Butland in der Nationalmannschaft Konkurrenz machen könnte. Er besitzt trotz seiner 1,85m Körpergröße eine große Reichweite auf der Linie. Fußballerisch hatte er während der U-21-EM gerade bei mittellangen Pässen auf den Außenverteidiger eine große Streuung. Sein Passspiel wirkt manchmal auch zu scharf, als dass ein Pass leicht vom Passempfänger angenommen werden kann. Ansonsten bringt Pickford alles mit, um ein guter Torhüter zu werden. Für die Top-20 wird es später nicht reichen, dafür ist sein Gesamtpaket nicht umfassend genug.

Der zweite Transfer für die neue Saison war Davy Klaassen; der 24-Jährige kam für umgerechnet 28 Mio. € nach Everton. Bei Ajax reifte er in den vergangenen drei Jahren zum Führungsspieler und war in der letzten Saison einer der wichtigsten Spieler beim EL-Finaleinzug der Niederländer gegen Manchester United. Klaassen ist gelernter Zehner und kam in seiner Zeit als Offensivspieler ebenso auf beiden Flügeln zum Einsatz. Als rechter Flügelspieler in Ajax‘ 4-3-3 zeigte er häufig diagonal zurückfallende und einrückende Bewegungen. Seine Spielweise ist auf raumsuchende Bewegungen und direktes Passspiel, welches die Angreifer in Szene setzen soll geeicht. Am stärksten ist Klaassen daher als aufrückender Achter bzw. in einer Rolle als Hybrid zwischen Achter und Zehner. Diese Rollen kann er als kombinierender Box-to-Box-Spieler ausfüllen, als Balancegeber im rechten Halbraum oder als ankurbelnder Kombinationsspieler, der aus dem rechten Halbraum diagonal in den Zehnerraum startet. In seinen 126 Spielen für Ajax bereitete er 30 Treffer direkt vor und erzielte 44 selbst. Als Teil einer Doppelsechs ist der Niederländer womöglich zu offensiv bzw. ist sein direktes Zweikampfverhalten ausbaufähig. An Pflichtbewusstsein mangelt es ihm aber nicht. Er ist ein Anführer, der seinem Team Sicherheit gibt. Im Gegenpressing schaltet Klaassen schnell um und übt Druck auf den Ballführenden aus. Insofern könnte der Landsmann von Ronald Koeman zu einem wichtigen Spieler werden, der sich relativ zügig an das Niveau der Premier League gewöhnen könnte.

Der dritte im Bunde ist Michael Keane. Auf ihn treffen ähnliche Attribute zu, wie auf Landsmann Pickford: jung, englisch und talentiert. Der 24-Jährige kam für umgerechnet 28 Mio. € zu den Toffees und bestach in der vergangenen Saison unter Sean Dyche. Bei Burnley präsentierte er sich als umsichtiger Innenverteidiger mit gutem Aufbauspiel und einer typisch-englischen körperlichen Präsenz. Seine Spielweise ist offensiv nicht so spektakulär wie die eines David Luiz oder defensiv so heroisch wie die eines Ashley Williams. Doch er weiß durch Kontinuität und vor allem Stabilität zu überzeugen. Er wählt meist den richtigen Pass und kann auch unter Druck die Ruhe bewahren. In manchen Szenen der letzten Saison und auch im Testspiel gegen die DFB-Elf im März zeigte er flache, scharfe Pässe auf den Achter oder den Zehner. Sein Zweikampfverhalten ist kompromisslos, auch wenn ihm das gerade im Herausrücken teilweise auf die Füße fällt. Obwohl er den Gegner meist sehr gut beobachtet und dessen Sichtfeld zu seinem Vorteil nutzen kann, mangelt es ihm manchmal an der Geduld. Man hat das Gefühl, dass er jeden Gegner stellen will, der mit dem Rücken zum Tor den Ball bekommen könnte. Das Potential ist bei ihm in jedem Fall vorhanden und Koeman ist denke ich der richtige Trainer, um aus ihm den künftigen Chef in der Abwehr zu formen. Mit den erfahrenen Jagielka und Williams an seiner Seite kann sich Keane entsprechend entwickeln.

Ein weiterer Transfer, der womöglich einer der Jahrhunderttransfers für die Toffees werden könnte, ist jener von Sandro Ramírez. Der spanische U-21-Nationalstürmer kam für umgerechnet 6 Mio. € zu Everton. Ein Spottpreis, bedenkt man seine Qualitäten. In 26 Spielen erzielte er 12 Treffer für Malaga und bereitete zwei weitere direkt vor. Sandro kann als alleinige Spitze spielen oder als Außenstürmer im 4-3-3. Sein Bewegungsmuster ist ausweichend ausgelegt, das heißt, er verlässt seine zentrale Position während des Angriffsverlaufs häufig, um auf die Flügel auszuweichen. Von dort aus fordert er stets die Bälle in den Fuß, um sich anschließend mit dem Rücken zum Tor entweder um den Gegner herumzudrehen oder den Ball nur prallen zu lassen. Im ersten Szenario sieht man ihn häufig horizontal bis leicht diagonal in die Mitte dribbeln, ehe er eine Verlagerung in den anderen Halbraum spielt oder gar einen Schnittstellenpass auf einen in die Tiefe startenden Mitspieler spielt. Gerade nach seinen Verlagerungen folgt stets ein aggressiv-weiträumiger Lauf in die Spitze. Dadurch kann sich Sandro selbst Torchancen kreieren, indem er tief Bälle fordert, Räume öffnet und dann mit seiner Wucht auf die gegnerische Abwehrkette zu läuft. Inwieweit ihn Koeman einbinden wird, ist bisher unklar. Als bloßer Zielspieler der seine Position hält, ist er sicher verschenkt. Ideal wäre für ihn, wenn um ihn herum Spieler platziert werden, die auf seine zurückfallenden Bewegungen mit Läufen in die antworten und den Ball halten können, bis Sandro selbst wieder vor dem Tor auftaucht. Spieler wie Barkley oder Mirallas sind dafür sicher prädestiniert.

In Sachen Neuzugänge hat Koeman in diesem Sommer die Millionen aus dem Lukaku-Deal sehr gut investiert. Holt man noch einen Flügelspieler und einen Rechtsverteidiger, ist der Kader im Grunde komplett. Geht man davon aus, dass Wayne Rooney in den Goodison Park zurückkehrt und der Deal mit Gylfi Sigurdsson ebenfalls abgeschlossen ist, ergeben sich für die Toffies eine Menge an potenziellen Aufstellungen. Einige davon möchte ich kurz vorstellen.

Variante 1: Das 4-2-3-1

Der Defensivverbund dürfte bis auf Weiteres gesetzt sein, einzig in der Innenverteidigung könnten Jagielka und der Holgate zum Einsatz kommen. Sobald der derzeit noch verletzte Coleman wieder fit ist, dürfte er die rechte Bahn wieder übernehmen. Die Doppelsechs aus Schneiderlin und Davies ist sowohl mit als auch gegen den Ball sehr auf Kontrolle und Weiträumigkeit ausgelegt. Während Schneiderlin seine Qualitäten in der sauberen Ballzirkulation und der Antizipation im Defensivverhalten einbringen kann, gibt Davies den wilderen, dribbelnderen Part. Er könnte in dieser Ordnung immer wieder vorstoßend mit dem Ball agieren und den Ball durchs zweite Drittel tragen. Wichtig ist jedoch, dass er die Passrouten zu Klaassen nicht versperrt bzw. sie sich nicht gegenseitig auf den Füßen stehen. Der Niederländer würde nämlich als diagonal einkippender Rechtsaußen agieren, der sich vornehmlich im rechten Halbraum aufhält, um von dort aus für Dynamik im letzten Drittel zu sorgen. Davies müsste sich demnach zentral orientieren, sobald der in höhere Zonen gelangt. Möglich wäre auch ein dynamisches Wechseln zwischen diesen beiden, indem Davies sich bis auf den Flügel bewegt und Klaassen bis ins Zentrum durchschiebt. Auf der linken Seite agiert Mirallas deutlich breiter. Zusammen mit Barkley, der punktuell zurückfallen und Bälle schleppen kann, dürfte er sehr durchschlagskräftige Synergien erzeugen. Rooney hat hierbei vor allem die Aufgabe Bälle zu sichern, sich für Kombinationen anzubieten und bei Bedarf auch Räume für Mirallas frei zu ziehen. Mit Sigurdsson auf der linken Seite anstelle des Belgiers hätte man einen direkten Spielertypen, der ebenfalls mit Rooney und Barkley Kombinationen forcieren und Zug zum Tor generieren könnte.

Variante 2: Das 4-3-3

Hierbei würden Schneiderlin mit Barkley und Klaassen zwei dynamische und körperlich robuste Spielertypen flankieren. Der Franzose würde wieder seine Position halten und sich vor den Innenverteidigern postieren. Klaassen könnte seine Rolle als aufrückender Achter ähnlich wie bei Ajax ausführen und müsste vor allem die Bewegungen Sandros ausbalancieren. Fällt der Spanier zurück, muss Klaassen aufrücken oder sich, sollte Sandro auf der anderen Seite spielen, im ballfernen Halbraum zeigen um die angesprochenen Verlagerungen Sandros zu empfangen. Rooney würde als zurückfallender Mittelstürmer gelegentlich mit Barkley die Positionen tauschen können. Zusammen sind sie dafür zuständig, den Ball auf dieser Seite ins letzte Drittel zu tragen und Mirallas und Sandro in Szene zu setzen. Für diese ist es letztlich entscheidend, dass sie sich in Geduld üben und die Breite halten, um die gegnerischen Außenverteidiger zu binden. Sandro dürfte jedoch wesentlich mehr Zug zum Tor entwickeln. Das Timing der Außenverteidiger Baines und McCarthy (bzw. Coleman) ist daher enorm wichtig: Rücken sie zu früh auf, könnten Räume für die Achter und Rooney verschlossen werden.

Variante 3: Die Raute

Im Grunde unterscheiden sich diese Formationen in ihren Aufgabenverteilungen nicht sonderlich von denen des 4-3-3 mit Rooney als Mittelstürmer. Die Achter haben ähnliche Aufgaben, das Wechselspiel mit Barkley und Rooney dürfte nun noch besser zur Geltung kommen. Die Außenverteidiger können nun wesentlich früher aufrücken, da sie den Flügel für sich alleine haben. Gerade Baines kann mit seiner Stärke bei Flanken den nachrückenden Barkley bedienen. Da Sandro ein gutes Timing bei Läufen auf den kurzen Pfosten besitzt, kann hierdurch ebenfalls für Gefahr gesorgt werden. Im Spiel gegen den Ball können die für diese Formation typischen offenen Flügelräume durch die Dynamik Barkleys bzw. Klaassens aufgefangen werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, Sandros arbeitsame Spielweise zu nutzen, indem er sich im geordneten Spiel auf die rechte Seite fallen lässt und den Flügel verschließt. Rooney würde dann ein Stück ins Zentrum rücken. Der linke Achter, idealerweise Sigurdsson, könnte ebenfalls auf den Flügel durchschieben. Entsprechend könnten Sandro und Sigurdsson bzw. Davies die Flügel im Spiel gegen den Ball dicht machen, wodurch situativ ein 4-1-4-1/4-3-3 entstehen könnte.

Variante 4 und 5: Die Fünferkette 

Wie bereits erwähnt nutzte Koeman in der vergangenen Saison punktuell die Dreier-/Fünferkette. Mit dem neuen Personal könnte er auch in der kommenden Saison wieder darauf zurückgreifen. Holgate würde hierbei in die Innenverteidigung neben Williams und Keane rücken. Gerade in der Endverteidigung hätte man mit Williams und Schneiderlin einen enorm massiven Defensivverbund zur Verfügung an dem sich so mancher Gegner die Zähne ausbeißen könnte. Im Umschaltspiel nach vorn könnte man Gueyes Weiträumigkeit nutzen, indem er jeweils viel Raum covert. Je nach Gegner kann man Schneiderlin und Gueye auch als Doppelsechs vor der Abwehr aufstellen, die im Spiel nach vorn durch Barkley unterstützt werden. Dieser würde sich verbindungsgebend frei bewegen können. Er wäre dann mit seiner Physis dafür zuständig Bälle zu halten und auf die nachrückenden Spieler bzw. den in die Tiefe startenden Sandro zu verteilen. Mit Rooney hätte er wie gewohnt einen Kombinationspartner, mit dem er in einem 5-3-2 auch eine bewegliche Doppelspitze bilden könnte.

Variante 6: Die Dreierkette

Gegen tiefstehende Gegner wäre auch eine mutige Dreierkette mit Baines als Halbverteidiger möglich. Zwar verliert man dadurch seine Gefahr durch Flanken, aber man hätte in der ersten Aufbaulinie einen akkuraten Passspieler, der das Spiel diagonal aus dem tiefen Halbraum ankurbeln kann. Potenziell gefährlich wären dabei flache Diagonalpässe durch die Linien auf Davies oder Barkley. Da sich beide gut in engen Räumen zurechtfinden, könnte man hierdurch sehr gut Zentrumsdominanz erzielen. Ein Zurückfallen Rooneys könnte zum einen durch direkte Pässe Baines beantworten und zum andern Tiefenläufe Mirallas’ und Sandros. Ein möglicher Angriff wäre: Rooney kommt entgegen, lässt auf Barkley prallen und dieser setzt Mirallas oder Sandro in Szene, die den von Rooney geöffneten Raum anlaufen. Schneiderlin würde dadurch im Aufbau entlastet werden und man wäre flexibler. Klaassen würde auf der rechten Seite eine ähnliche Rolle einnehmen wie ihm 4-2-3-1. Er wäre jedoch anders als Mirallas defensiver orientiert und müsste sich bei Bedarf die Dreierkette zu einer Viererkette auffüllen. Diese Aufgabe kann aber ebenso McCarthy übernehmen; Sigurdsson wäre in dieser Rolle wohl verschenkt, da er seine Direktheit nicht mit der nötigen Absicherung spielen kann. Es bräuchte einen Sechser oder Halbverteidiger der die Räume hinter ihm sichert, damit der Isländer seine Aktionen starten kann, aber das wäre eine zu komplexe Rolle, als dass sie von einem Spieler aus dem Everton-Kader ausgeführt werden könnte.

Die Liste kann ewig weitergeführt werden. Evertons Kader ist in der kommenden Saison einfach so variabel. Man hat die Lukaku-Millionen in Teamspieler gesteckt, ähnlich wie es Tottenham 2013 nach dem Bale-Transfer tat. Bei den Toffees hat man jedoch das Gefühl, dass sie wesentlich gezielter Einkaufen und hinter allen Transfers eine genaue Planung steckt. Man will mit den Erfahrenen wie Williams, Baines und Rooney die nächste Generation um Davies, Holgate und Calvert-Levin heranführen. Ein absolut wichtiger und richtiger Schritt. Das Everton-Team der Zukunft sollte um Barkley, Pickford und Keane aufgebaut werden. Sie bilden künftig den Kern der Toffees. Entscheidend dafür sind wie erwähnt Rooney & Co. aber auch Spieler wie Klaassen, Sigurdsson und Schneiderlin, die gerade ihren Zenit erreichen und mit guten Leistungen den Jungen eine ruhige Entwicklung garantieren sollen. Koeman hat in der vergangenen Saison bereits gezeigt, dass er Spieler aus der eigenen Akademie ins kalte Wasser werfen kann. Man wird an der Mersey trotz vieler Transfers in diesem Sommer an dieser Strategie festhalten. In diesem Jahr werden auch diese wieder ausreichend Spielzeit bekommen: Everton spielt in der Europa League, kann den Youngsters entsprechend Spielzeit geben und die Stars für die Liga schonen. Vielleicht kann man dadurch einen Wettbewerbsvorteil erzielen und aufgrund dessen sogar um die Champions-League-Plätze mitmischen. Der FC Everton schickt sich an eine der größten Überraschungen der kommenden Premier-League-Saison zu werden.

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