Fußball in den kleinsten Verbänden der Welt – Cook-Inseln und Tonga

Premier League, Serie A, Bundesliga, La Liga. Das sind die großen und bekannten Ligen der Welt. Wer jedoch hier etwas über Spieler erfahren möchte, die im Cook-Islands Round Cup oder der Tonga Major League spielen, dem müssen die Rahmenbedingungen bekannt sein, die Rahmenbedingungen der unbekanntesten und schwächsten Konföderation der Welt, die lediglich alle paar Jahre für Aufsehen sorgt, wenn beispielsweise die Fidschi-Inseln gegen Deutschland eine Packung kassieren oder die Frage aufkommt, warum Tahiti denn zum Confed-Cup darf. Doch wie organisiert sich die Oceania Football Confederation und wer gehört dazu?

Strukturen

Die OFC (Oceania Football Confederation) ist mit elf Mitgliedern zwar nicht die numerisch, jedoch finanziell und prestigetechnisch kleinste Konföderation der FIFA. Diese elf Mitglieder teilen sich im dortigen Sprachgebrauch in die „Big Seven“ und die „Small Four“ auf. Wenn man es jedoch noch ein klein wenig differenzierter betrachtet, gibt es nur eine Nation, die das Prädikat „Big“ verdient – Neuseeland.

Das Inselland, das vor allem unter deutschen Backpackern sehr beliebt ist, gewann seit dem Ausstieg Australiens im Jahr 2006 14 von 17 möglichen Titeln. Lediglich die U20-Championship 2008 und der OFC Nations-Cup 2012 gingen an Tahiti, während man bei der U23-Championship 2015 aufgrund eines unberechtigt eingesetzten Spielers im Halbfinale ausschied und das Team der Fidschi-Inseln zur Olympiade nach Rio reiste.

Nicht nur auf nationaler Ebene sticht die Dominanz des Landes der langen weißen Wolke heraus. Exemplarisch für den großen Unterschied kann dabei auch das Finale der OFC-Champions League – dem größten und prestigeträchtigsten Clubwettbewerb Ozeaniens – gelten. Denn auch hier schickt sich Auckland City an zum siebenten Mal in Serie den Titel zu gewinnen. Seit 2006 konnte auch auf Klubebene ausschließlich Hekari United (Papua-Neuguinea) 2010 die Vormachtstellung der Neuseeländer durchbrechen. Die Dominanz des Landes wird nur allzu deutlich, wenn die Namen zweier Nationalmannschaftskapitäne verglichen werden. Auf der einen Seite Neuseelands Winston Reid (West Ham United) auf der anderen Seite Papua-Neuguineas Michael Foster (Malaita Kingz FC) und Papua wurde beim OFC Nations Cup Zweiter. Obschon Neuseeland ein absoluter Fußballriese innerhalb der OFC ist, bleibt weltweit nur eine Außenseiterrolle. Wie ist es dann erst um die anderen Verbänden des OFC gestellt?

Dem Powerhouse in Ozeanien folgen sechs kleinere Nationen, welche derzeit ungefähr ein Level, jedoch unterschiedliche Entwicklungsrichtungen aufweisen. Dies sind Papua-Neuguinea, Fidschi, Neukaledonien, die Salomon-Inseln, Tahiti und Vanuatu. Im Folgenden soll es jedoch vorrangig um die „Small Four“ gehen. Diese Länder haben den Terminus „Small“ nicht nur auf fußballerischer Ebene verdient. Ihre Einwohnerzahl übersteigt teilweise kaum die einer mittelgroßen deutschen Stadt. Dies sind neben Samoa und Amerikanisch-Samoa unsere zwei Protagonisten Tonga und die Cook-Inseln.

Die Champions League-Qualifikation – eine Chance für die Kleinen?

Die Meister der „kleinen Nationen“ spielen in der „OFC-Champions League-Preliminary“ zwei Teilnehmer für die Endrunde aus. Diese Champions League-Preliminary besteht aus nur einer einzigen Qualifikationsrunde – eine in einem der Teilnehmerländer veranstaltete Gruppenphase, in der jedes der vier Teams einmal gegeneinander spielt. Somit entscheiden 270 Minuten über das Weiterkommen und die Teilnahme an einer Champions League-Endrunde. Seit diesem Jahr wurde die ozeanische Königsklasse zudem von 12 auf 16 Teilnehmer aufgestockt und es werden statt bisher nur einem, zwei Teilnehmer der kleinen Nationen in die Endrunde gelangen. Dies ist das achte System, welches in den letzten zehn Jahren von der Oceania Football Confederation etabliert wurde und für die kleinen Teams ist es so einfach wie noch nie die Endrunde zu erreichen. Der Weg zum Finale der Königsklasse ist dabei der kürzeste aller Konföderationen. Dieses Jahr mussten die zwei Finalisten lediglich fünf Partien bis zum Endspiel bestreiten.

Die „OFC-CL-Preliminary“ wurde erst in der Saison 2012/2013 wieder eingeführt, nachdem es für die „Small Four“ aus finanziellen und sportlichen Gründen drei Jahre lang gar keine Möglichkeit gab sich zu qualifizieren. Das überhaupt international gespielt werden kann, wird sicher auch der FIFA verdankt. Die Gründe der Investitionen, um das System der Stimmvergabe, bei der Tongas Stimme genauso viel zählt wie die Deutschlands, würden einen weiteren Artikel füllen. Dennoch stellt sowohl auf Tonga als auch auf den Cook-Inseln die im Jahr 2016 in Projekte zur Verbesserung des Fußballs investierte Summe von insgesamt 250.000 USD einen immensen Betrag dar und lässt internationale Vergleiche zu.

Die Tabelle aus der Preliminary-Runde der aktuellen Champions League-Saison

In diesem Jahr spielen Utulei Youth (Amerikanisch-Samoa), Puaikura (Cook-Inseln), Veitongo (Tonga) und Lupe Ole Soaga (Samoa) die zwei Teilnehmer der Endrunde aus. Mannschaften die selbst eingefleischten Kennern des Fußballs nur schwerlich ein Begriff sein werden und wohl kaum Gegenstand stundenlanger abendlicher Kneipendiskussionen über Systeme, Aufstellung und Trainerwechsel sind. Dennoch kann anhand dieser Vereine nicht nur die weltweite Durchdringung des Fußballs, sondern auch der Stellenwert desselben in seiner periphersten Region ansatzweise verstanden werden. In diesem Zusammenhang soll ein Spieler vorgestellt werden, der wohl wie kein Zweiter eine Idee vermitteln kann, wie denn der Fußball in den kleinen Nationen Ozeaniens zu verstehen ist: Tongas Linksaußen Kilifi Uele.

Tongas Dauerbrenner

Kilifi Uele ist mit 19 Länderspielen (1 Tor) Rekordnationalspieler Tongas. 19 Länderspiele und Rekordspieler? Dies ist weder einem Tippfehler noch einer hohen Fluktuationsrate geschuldet, sondern das Resultat der geographischen Lage und des geringen Interesses am Fußballsport. So ist Tonga 800 km Luftlinie von den Fidschi-Inseln als nächster Nation entfernt. Für einen fairen fußballerischen Vergleich müssten die Inselkicker schon 1200 km nach Avarua, der Hauptstadt der Cook-Inseln, fliegen und solche Auswärtsfahrten sind nun mal teuer. Da der Volkssport im 105.000 Einwohner zählenden Inselstaat jedoch zweifelsohne Rugby ist (Tonga ist 13. der Welttabelle), bestritt das Nationalteam des Pazifikidylls in den letzten 20 Jahren nur ganze 29 Spiele und Uele war schlussendlich viele Jahre ein entscheidender Stützpfeiler des Teams.

Zu seinem durchaus unüblichen Werdegang ist zu berichten, dass der Mittelfeldspieler, der wahlweise auch Außenverteidiger spielen kann im November 1996 im Alter von 21 Jahren sein Nationalmannschaftsdebüt bei einem 2:0-Sieg über die Cook-Inseln gab. Bis zur 8:0-Niederlage gegen Neukaledonien im Jahr 2004 und des damit verbundenen Ausscheidens aus der WM-Qualifikation stand Uele in allen 16 ausgespielten Länderspielen auf dem Platz. Dabei erzielte der ballsichere Mittelfeldmann im Sommer 2003 im Spiel gegen Mikronesien sein bisher einziges Tor für das Nationalteam, welches jedoch keine offizielle Geltung erfährt, da Mikronesien zwar an den Pacific Games teilnehmen durfte, jedoch kein offizielles Mitglied der FIFA ist.

Kilifi Uele, rechts im Bild

Der Rechtsfuß beendete daraufhin Ende 2004 – vor 13 Jahren – seine Nationalmannschaftskarriere und kickte lediglich im Verein weiter. Kurze Zeit später wurde dem Rekordspieler vom Nationalverband ein Posten als Chefcoach der Nationalmannschaft Tongas offeriert. Diese Option nahm er an und führte seine Nation 2007 in die WM-Qualifikation. Nach einem 4:0-Sieg gegen Amerikanisch-Samoa (der bis 2011 schlechtesten Nationalelf der Welt) und drei Niederlagen war jedoch der Traum von einem guten Abschneiden dahin und Tonga verschwand für längere Zeit von der Fußballbühne.

Erst im Jahr 2009 wurden zwei Freundschaftsspiele gegen die Cook-Inseln organisiert, wobei sich beim ersten Spiel der mittlerweile 34-Jährige Chefcoach Uele, mangels Qualität im Kader, kurzer Hand selbst aufstellte. An der 1:2-Niederlage seines Teams konnte er jedoch auch nichts ausrichten. Nun vergingen erneut zwei Jahre bis im Jahr 2011 ein neuer Modus in der WM-Qualifikation etabliert wurde, sodass die „Small Four“ aufgrund vernichtender Ergebnisse in den vorherigen Qualifikationen in einer Vorrunde einen Platz in der zweiten Runde gegeneinander ausspielten. Da Tonga dies als Chance wahrnahm Spielpraxis auf einem ähnlichen Niveau zu erhalten und unbedingt eine Runde weiterkommen wollte, verpflichtete der Verband den jungen Australier Chris Williams als Cheftrainer. Der Spieler Kilifi Uele wurde nach dem kurzen Intermezzo des Jahres 2009 nicht mehr berücksichtigt. Der Trainer Kilifi Uele nahm ab diesem Zeitpunkt den Posten eines Technischen Direktors des nationalen Fußballverbandes an, welchen er bis heute innehat. Nachdem Williams, wie alle seine Vorgänger, ebenfalls in Runde 1 scheiterte und das Team verließ, wurde für die nächsten vier Jahre kein Spiel mehr vereinbart.

2015 trat Tonga nun wieder unter Neucoach und Ex-Spieler Timote Moleni gegen den Ball, denn für die WM 2018 in Russland eröffnete Ozeanien am 31. August 2015 den Qualifikationsmarathon. Das Auftaktspiel: Cook-Inseln gegen Tonga; im Kader: Kilifi Uele. Der nun 40-jährige Uele wurde erneut nach sechsjähriger Abstinenz in den Kader berufen. Veitongos Mittelfeldmann stand sogar im letzten Gruppenspiel gegen Samoa 79 Minuten auf dem Platz und leitete mit einem Diagonalpass die beste Chance zum Treffer für Tonga ein. Nun steht ebendieser Kilifi Uele mit 42 Jahren, hauptberuflich Technischer Direktor des tongaischen Fußballverbands, im Jahr 2017 nicht nur im Kader sondern auch in der Startelf des Meisters Veitongo und eröffnet überdies noch das Torekonto des tongaischen Vereins in der Champions League-Preliminary mit einem satten indirekten Freistoß, welchen er in der 13. Minute, nach Ablage des 38-Jährigen Halepua Falepapalangi, dessen 16-Jähriger Sohn Tuia ebenfalls zur Startelf gehört, humorlos ins linke untere Eck schoss. So sieht also die Kurzbiographie eines Spielers aus, welche die Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten, aber auch die schönen Momente des Fußballs in Ozeanien beschreibt.

Stagnation als Einsicht in die Notwendigkeit?

Fußball wird auf Tonga fast ausschließlich durch die FIFA gefördert und unterstützt. Der Staat setzt vollkommen auf die Nationalsportart Rugby bei der regelmäßig große Erfolge gefeiert werden. Das Land ist zudem das einzige der „Small Four“, welches sowohl auf Klubebene als auch auf nationaler Ebene ohne Legionäre auskommt. In der ersten Liga spielen sechs Teams viermal gegeneinander und ermitteln damit den Meister. Der Fußball stagniert seit vielen Jahren und Tonga ist somit nicht zu Unrecht auf den letzten Platz der FIFA-Weltrangliste abgerutscht. Zudem konnten sie auch auf Klubebene kein einziges Mal die erste Runde überstehen.

Die Cook-Inseln wählten einen leicht konträren Weg, sodass der Staat die an der Champions League-Preliminary teilnehmenden Teams finanziell unterstützt und mit dieser Finanzhilfe Spieler aus Neuseeland geholt werden können, welche dem Team nur für den kurzen Zeitraum der Qualifikation einen entscheidenden Impuls geben und es stark vereinfachen eine Runde weiterzukommen. Die Endrunde ist zwar finanziell nicht lukrativ, jedoch entscheidend für die sportliche Entwicklung von vielen Nationalspielern und damit die einzige Möglichkeit des Jahres Wettbewerbserfahrungen außerhalb der heimischen Liga zu bekommen und möglicherweise einen Kontrakt in Neuseeland zu vermitteln.

So wurde Puaikura nicht nur mit dem ehemaligen neuseeländischen Meistertrainer und amtierenden Nationaltrainer der Cook-Inseln Matt Calcott, welcher 24 Tage das Amt des Cheftrainers übernahm, sondern auch im gleichen Zeitraum mit acht Spielern aus Neuseeland verstärkt. Das Team „leiht“ sich sozusagen den Erfolg, indem Legionäre für einen Monat zurückgeholt werden. Dies ist eng mit der heimischen Ligastruktur verwebt. Denn was für viele europäische Fans sicherlich für immer ein Traum bleibt – mit 15 guten Spielen einmal in der Endrunde der Königsklasse zu stehen – wird in Ozeanien jedes Jahr zur Realität. Puaikura musste lediglich zwölf Ligaspiele austragen und konnte dann als Meister der Cook-Inseln zur CL-Qualifikation reisen. Gegner im dortigen Erstligaformat – dem „Cook Islands Round Cup“ – ist dabei beispielsweise der Avatiu FC, dessen Heimspielstätte den klangvollen Namen „Avatiu Swamp Field“ trägt.

Schon einmal gab es bei uns einen Text über den ozeanischen Fußball. Lest hier unseren Text über Fidschis Nationalhelden Roy Krishna >> Klicke auf das Bild um den Text zu lesen.

Allerdings ist fraglich ob der Heimvorteil bei sieben inselweit existierenden Mannschaften tatsächlich entscheidend ist. Die längste Auswärtsfahrt des Avatiu FC gegen Takuvaine beträgt einmal vom Norden in den Süden der Insel ganze 15 km und ist für die Fans ungleich zeitraubender zu erreichen als das „Derby“ gegen Matavera, für das lediglich die Hälfte der Kilometerzahl zurückgelegt werden muss. Mit sieben Teams ist der Spielerpool auf der Insel auf ca. 150 beschränkt. Wer Lust auf Kicken hat, darf sich im Inselstaat schon Erstligaspieler nennen, eine zehnjährige Ausbildung in einer Eliteakademie ist dabei nicht von Nöten.

Der Nachteil bei 12 Ligapartien ist jedoch, dass die Liga innerhalb von vier Monaten ausgespielt ist und den Spielern im Rest des Jahres keinerlei Wettbewerb, Training oder Punktspiele bleiben. Ein Fakt, der durch die Teilnahme an der OFC-Champions League zumindest annähernd ausgeglichen werden sollte. Diese geringe Spielpraxis führt gepaart mit dem kleinen Spielerpool zur Entwicklung von Strategien bei denen Jugendspieler in Australien oder Neuseeland für die Nationalmannschaft ausgebildet werden beziehungsweise neuseeländische Spieler die Möglichkeit erhalten und sowohl in der Champions League als auch in der Nationalmannschaft für den Inselstaat spielen. Da die Bewohner der Cook-Inseln per Verfassung Bürger Neuseelands sind, gibt es keine Probleme in Passfragen oder Verfügbarkeit von Spielern.

Zwei Systeme – Zwei Ziele – Eine Grenze

Die Cook-Inseln wählen einen deutlich offensiveren Weg zur Verbesserung des Fußballs als Tonga. Auf Tonga wird einmal in vier Jahren Bezug zum Fußball aufgebaut und das Nationalteam versucht eine Runde weiterzukommen – bisher stets ohne Erfolg. Das Ziel der Cook-Inseln ist ein anderes, so wollen diese dauerhaft um den ersten Platz konkurrieren und waren dementsprechend die letzten beiden Male deutlich näher am Erfolg als Tonga.

Es wird zunehmend auf Erfahrung aus dem Ausland gesetzt, doch dabei kommt die Frage auf was Spieler aus Schweden bei Puaikura oder eigene Jugendspieler in neuseeländischen Drittligateams an Ertrag für die Nation einbringen können. Die Antwort ist einfach und gilt in der Champions League wie in der WM-Qualifikation: Runde 2! Die Ziele sind unterschiedlich, die Grenze bleibt gleich.

Denn selbst bei einer Erweiterung auf 64 Teilnehmer wird es die von unverbesserlichen Optimisten geforderten Partien wie beispielsweise Tonga gegen Dschibuti leider nicht bei einer FIFA-Weltmeisterschaft zu bestaunen geben. Dafür ist sowohl das Gesamtinteresse am Sport als auch die Einwohnerzahl viel zu gering und während die Cook-Inseln auf Spieler aus Australien und Neuseeland zurückgreifen können, spielt bei Tonga gar kein Legionär. Der Entwicklung beider Länder stehen die langen Reisewege und die geringe Struktur des Fußballs im Weg. Es gibt keinen einzigen Profifußballer und wenn bei Einwohnerzahlen zwischen 18.100 (Cook-Inseln) und 105.323 (Tonga) die Volkssportart mit einem ovalen statt runden Ball praktiziert wird, ist keine große Deduktion von Nöten, um das Zuschauerinteresse und die Jugendentwicklung der genannten Länder abzuschätzen.

Auch wenn Letztere in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert wurde, kann ohne weiteres der Vergleich mit Don Quichotes legendärem Kampf gegen die Windmühlen gezogen werden oder eben vom Kampf Kilifi Uele gegen Anthony Hobbs. Der 17 Jahre jüngere Hobbs stellte im ersten Gruppenspiel Veitongos gegen Puaikura den Gegenspieler des Tongaers dar und während der eine seine komplette 25-jährige Spielerkarriere auf Tonga verbrachte, erfuhr der andere seine fußballerische Ausbildung in Neuseeland und der USA, wurde zweimal Neuseeländischer Meister, einmal OFC-Champions League Sieger und spielte für Neuseelands U20 bei der U20-WM 2011 in Kolumbien. Ein ungleiches Duell mit klarem Sieger Anthony Hobbs – für Puaikura war jedoch auch in Runde 2 Schluss.


Romantik in der Südsee

Der knallharte moderne Fußballfan würde sich fragen, warum überhaupt Geld in die Entwicklung des Fußballs in diesen Ländern gesteckt wird. Für den Fußballromantiker ist es jedoch sicher schön zu sehen, dass es noch Orte auf der Welt gibt, in denen Fußball weder durchkommerzialisiert noch vermarktet wird und es auch fraglich ist, ob dies bei dem geringen Interesse jemals der Fall sein wird. Bei allen teilnehmenden Spielern der OFC-Champions League-Preliminary stehen die vielzitierten Begriffe „Kampf“ und „Wille“ tatsächlich noch als zentraler Punkt für ihr Spiel, sicher auch der Tatsache geschuldet, dass Technik und Zuckerpässe nicht im Repertoire sind. Die Trikots zieren weder Hauptsponsor noch Nachname, sondern nur Wappen und Nummer.

Die Qualität reiht sich irgendwo zwischen Kreis- und Bezirksklasse ein. Die Fehlerquoten sind erschreckend hoch, die Spiele sicher nicht berauschend und schon gar nichts für Genießer ala Tiki Taka, aber stets umkämpft. Kampf, Leidenschaft, Emotionen mit geringstem finanziellem Aufwand und Nutzen. Selbst Spieler die zur OFC-Champions League-Endrunde fahren, dürfen sich lediglich über eine sehr geringe Aufwandsentschädigung freuen. Dennoch besteht hier noch die Möglichkeit Fußball in seiner ursprünglichen Form zu sehen und das trotz und mit den Prädikaten „Nationalelf“ und „Champions League“. Dabei wird klar, dass der Sport hier noch mehr darstellt als schöne Spielzüge, Erfolg und Kommerzialisierung.

Vor diesem Hintergrund kann argumentiert werden warum Kilifi Uele nicht noch einmal sein Land international vertreten sollte, so dass er sich wieder präsentieren kann und möglicherweise doch noch einmal Runde 2 erreicht. Vielleicht demnächst bei der WM-Qualifikation 2019 – dem wahrscheinlich nächsten kurzen Erscheinens Tongas auf der Fußballbühne – einmal in vier Jahren.

Ein Text von Eric Hielscher, Jahrgang ’92, seit 2011 Datenscout für Neuseeland und Ozeanien bei transfermarkt.de. Aus dem Erzgebirge kommend, lila-weißes Blut durch die Adern strömend, wurde ich mit 13 Jahren Schiedsrichter beim FCE. Fünf Jahre später begann ich nicht nur mein Studium in Marburg sondern mich auch zunehmend für Fußball international zu interessieren. Ozeanien allgemein faszinierte mich als Region dabei schon immer, so dass es nur allzu logisch erschien, mich näher mit dem Fußball in dieser Region zu befassen. Da es bis dahin kaum Statistiken und Berichte dazu gab, versuche ich dieses Desiderat seitdem als Datenscout zu verbessern.

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