In den letzten Tagen sorgte ein Spieler für Furore, der im Gedächtnis vieler deutscher Fußball-Fans schon verschwunden war: Teemu Pukki. Der Ex-Schalker erzielte in den ersten 3 Premier League Spielen bereits 5 Tore, darunter einen Hattrick gegen Newcastle United.

Da erinnerten sich einige gerne zurück: An 2011, als der Finne, damals noch in Diensten vom HJK Helsinki, Schalke im Hinspiel der Europa League Qualifikation 2 Tore einschenkte.

Nachdem der dynamische Mittelstürmer mit den blonden Locken im Rückspiel wieder traf, war man sich bei den Knappen einig: Den wollen wir haben.

Am letzten Tag der Transferperiode landete man einen Deal, der der Anfang einer schönen Geschichte hätte sein können: Ein unbekannter junger Spieler, der in der Underdog Mannschaft gegen den Favoriten unbekümmert aufspielt und sich so für Höheres bewirbt.
 

Pukkis Zeit auf Schalke

 
Doch auf Schalke schaffte er es nie über den Ruf als Publikumsliebling und Edeljoker hinaus. In 37 Spielen erzielte er zwar 8 Tore, spielte jedoch nur 1064 Minuten. Das sind im Schnitt alle 133 Minuten ein Tor – ein mehr als respektabler Wert.

Doch es gab Gründe, weshalb seine Trainer den Finnen lieber von der Bank brachten als ihn in die Startformation zu berufen: Pukki war zu eindimensional. Der Mittelstürmer war der prädestinierte Konterspieler: Dynamisch und dribbel- und abschlussstark.

Für seine Aktionen benötigte der Finne Platz – Platz, den er auf Schalke nicht hatte. Die meisten Gegner in der Bundesliga stellten sich gegen die Knappen hinten rein und agierten selbst auf Konter.

Erst später im Spiel, wenn die gegnerischen Verteidiger bereits aus der Puste waren und sich mehr unkontrollierte Szenen ergeben, blühte Pukki auf.

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Um eine ernsthafte Option für die Startelf zu sein, war der Finne zu facettenarm. Schmächtig, in Luftduellen nicht zu gebrauchen und kein Spieler, der besonders gut am Kombinationsspiel teilnehmen kann. Schwächen, die damals zu schwer wogen, um sich in der Bundesliga als Stammspieler zu etablieren.

Pukkis Zeit auf Schalke bleibt eine schöne Erinnerung für alle Schalke Fans, auch wenn er ganz an die Leistungen aus dem Helsinki-Schalke Spiel anknüpfen konnte.

2013 wechselte er nach Schottland zu Celtic Glasgow. Dort hielt es ihn nur ein Jahr, bis er zum Brondby IF wechselte. In Dänemark traf er in 111 Ligaspielen satte 45 Mal, machte jedoch nicht mehr nachhaltig auf sich aufmerksam.

Letzten Sommer zog es ihn dann ablösefrei zum damaligen englischen Zweitligisten Norwich City. Es sollte der Anfang einer unheimlichen Erfolgsgeschichte werden – mit 29 Treffern schoss der Finne Norwich zum Aufstieg in die Premier League und wurde Torschützenkönig.
 

Teemu Pukki 2.0

 
Der inzwischen 29 Jahre alte Mittelstürmer hat äußerlich an seiner Unbekümmertheit eingebüßt, an seiner Spielweise hat sich jedoch nicht viel verändert.

Ein englischer Kommentator beschrieb es äußerst passend: „He never stops moving“. Denn Pukki ist immer noch ein Spieler, der vor allem mit seinem Tempo und seinen Laufwegen besticht.

Dabei kommt dem Finnen das englische Spiel entgegen: Es gibt viele Umschaltsituationen, in denen er seine Dynamik gegen behäbige Innenverteidiger nutzen kann. Doch ist Dynamik selbstverständlich nicht alles.

Pukki hat sein Spiel merklich weiterentwickelt. Vom quirligen Konterstürmer, den man nahezu ausschließlich den Ball geben sollte, wenn er im Vollsprint auf dem Weg Richtung Tor ist, wurde er zu einem kompletteren Mittelstürmer.

Heute ist Pukki bulliger und kann den Ball vereinzelt gut mit dem Rücken zum Tor festmachen. Mit durchschnittlich 17 Pässen pro Spiel steigerte sich seine Einbindung ins Spiel. Keine Überraschung bei seiner Kreativität: In der letzten Saison gelangen ihm starke 9 Assists.

Dabei sind seine Wege in die Tiefe und die anschließenden Hereingaben auffällig. Diese spielt er mit guter Übersicht und Präzision.

Für die gegnerischen Verteidiger ist er ein unangenehmer Mittelstürmer, weil er stets in Bewegung ist. Verliert man ihn einmal aus den Augen, ist es oft bereits zu spät.

Im Dribbling ist er insgesamt reifer geworden. Pukki probiert sich nicht an Sololäufen, sondern nutzt seine Dribbelstärke besonders vor dem Tor. Dort kommt ihm sein Tempo sehr zugute, mit welchem er aus dem Rücken der Verteidiger in den Strafraum startet.

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Da besitzt er die Fähigkeit, einen Gegner aussteigen zu lassen und sich somit in eine bessere Position zu bringen.

Der Finne ist und bleibt ein guter Stürmer für Teams, die im Spiel mit dem Ball schnell umschalten möchten. Als ständiger Unruheherd gelingt es ihm immer besser, auch Räume für seine Mitspieler aufzuziehen.

Außerdem bestach der Mittelstürmer schon immer mit seiner Abschlussstärke: Bekommt Pukki den Ball frei vor dem Tor, ist der Ball meistens auch drin. An guten Tagen ist der Finne auch mal für ein Traumtor wie gegen Newcastle gut.



Seine neue Rationalität gepaart mit seinem Tempo machen Pukki bisher zu der Überraschung der Saison. Trotz der 29 Tore 2018/2019 scheinen einige den Mittelstürmer unterschätzt zu haben. Auch mit Bart und Glatze bleibt der Finne quirlig und flink.
 

Lasst die Kirche im Dorf

 
Kommt jetzt also die große Wiederauferstehung des Teemu Pukki? Nach seinem fulminanten Saisonstart sollten die Erwartungen nicht zu hochgeschraubt werden.

Ja, der Finne ist schnell, er hat körperlich zugelegt und ist unausrechenbarer geworden; jedoch fehlt es ihm an individueller Klasse, um die Premier League weiterhin so aufzumischen.

Gegen die stärksten Innenverteidiger der Premier League wird es ihm schwerfallen, sich in Zweikämpfen zu behaupten.

Pukki lebt davon, seine Gegenspieler zu überraschen und sie mit seiner Dynamik auszuspielen. Gut organisierte Abwehrreihen können sich jedoch auf seine Laufwege und sein Tempo einstellen und ihn somit deutlich ungefährlicher machen.

Trotzdem ist Pukki auf dem besten Wege, am Ende der Saison eine zweistellige Torausbeute auf dem Konto zu haben.

Wenn es dann für Norwich noch zum Klassenerhalt reicht, können alle zufrieden sein. Auch die, die sich gerne noch einmal an 2011 zurückerinnern, als der junge Pukki sich mit seiner unbekümmerten Spielweise direkt ins Herz der Schalke Fans spielte.

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Henri Hyna
Written by Henri Hyna
Zieht bei Trainer-Lehrgängen immer sein Busquets-Trikot an und redet dann nur mit den Trainern, die seine Trikotwahl loben.