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Marcos Llorente – Die Verwandlung von Liverpool

(Grafiken: Erstellt von Cavanis Friseur / © Footyrenders)

11. März 2020, Anfield Road. Liverpool empfängt als Titelverteidiger der Champions League den spanischen Vertreter Atlético Madrid im Achtelfinal-Rückspiel. Atléti hat das Hinspiel mit 1:0 gewonnen und ist für seine bombenfeste Defensive bekannt – es verspricht ein nervenaufreibender Abend für den LFC zu werden.

Nach Toren von Wijnaldum (in der regulären Spielzeit) und Firmino kurz nach Anpfiff der Verlängerung sieht Liverpool schon wie der sichere Sieger aus, so ungefährlich sind Los Colchoneros an diesem Abend.

Doch dann schlägt die Stunde von Marcos Llorente, am Ende gewinnen die Rojiblancos das Spiel sogar – dank zweier Tore und einer Vorlage Llorentes.


 

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Corona-Pause?  Marcos Llorentes Form hält an

Nach Liverpool ist für Atlético übrigens vor der Corona-Pause: Das nächste Pflichtspiel steht erst knapp drei Monate später auf dem Plan. Aber Llorente gelang es, den Schwung aus dem Spiel in Liverpool zu konservieren – und genau so weiterzumachen, wie er aufgehört hatte.

Bereits gegen Athletic Bilbao weiß Llorente im Sturm neben Diego Costa zu gefallen, mit einem Treffer und zwei Vorlagen ist er dann an Atlétis 5:0-Sieg gegen Osasuna maßgeblich beteiligt. Der Unterschied zum ersten Teil der Saison, in dem Llorente nur selten zum Einsatz kam: Diego Simeone setzt ihn jetzt als Stürmer oder im rechten Mittelfeld ein.

„Wir haben gesehen, wie Llorente im Training Tor um Tor geschossen hat“, sagt El Cholo: „Wenn sich eine solche Chance ergibt, muss man sie nutzen.“ Und bisher rechtfertigt Llorente das Vertrauen, dass Simeone ihm auf seiner neuen Position entgegenbringt.

Immerhin 30 Millionen Euro hatte Atlético für den ausgebildeten Sechser an Real Madrid überwiesen. Ursprünglich war wohl der Plan, das zentrale Mittelfeld nach dem Abgang von Rodri zu ManCity zu verstärken.

Auch Héctor Herrera kam vom FC Porto für den Kampf um eine der zentralen Mittelfeldpositionen in die spanische Hauptstadt.

Das Problem: In Diego Simeones 4-4-2 ist nur für zwei zentrale Mittelfeldspieler Platz – und im Kampf um diese beiden Plätze hatten gegenüber Marcos Llorente besonders Sául Ñíguez und Thomas Partey die Nase vorn, mit Koke und Héctor Herrera stehen weitere Konkurrenten im Kader der Rojiblancos.

Nur acht Startelfeinsätze bis zu besagtem Abend an der Anfield Road waren sicherlich nicht der Grund für Llorentes Wechsel, der sich bei Reals Stadtrivalen regelmäßigere Spielzeit erhofft hatte.

Nun scheint Llorente seine Position gefunden zu haben.

Simeone verglich ihn unlängst gar mit Antoine Griezmann, den er einst vom Flügel in die Sturmzentrale beorderte – oder mit Lucas Hernández, den Innenverteidiger stellte Simeone bei Atléti regelmäßig als Linksverteidiger auf. Beide verließen den Verein erst im letzten Sommer für Ablösesummen von insgesamt 200 Millionen Euro.


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Marcos Llorente im Porträt: Vom Sechser zum Stürmer – und warum das passt

Dabei ist es aber durchaus ungewöhnlicher, einen defensiven Mittelfeldspieler in den Sturm zu stellen. Beispiele von Flügelspielern, die auch als Mittelstürmer eingesetzt werden, gibt es im Vergleich deutlich häufiger – etwa Serge Gnabry oder Gabriel Martinelli.

Eine Gemeinsamkeit, die Llorente mit diesen beiden Spielern und eben auch den meisten Mittelstürmern zu teilen scheint, ist sein überlegter und eiskalter Abschluss. Llorente ist im Atléti-Training nach Aussagen Simeones schon länger mit vielen Toren aufgefallen. Im Spielbetrieb kam er wohl bisher schlicht nicht zu genug Abschlüssen (nur vier Schüsse in LaLiga vor der Corona-Unterbrechung).

Besonders gut lässt sich Llorentes Kaltschnäuzigkeit an seinem Doppelpack gegen den FC Liverpool nachvollziehen. Beide Tore erzielte der Spanier von außerhalb des Strafraums, die xG-Werte für die Tore lagen gerade einmal bei 0.03 und 0.07 – dass ein zentraler Mittelfeldspieler innerhalb eines Spieles zwei so „kleine“ Chancen versenkt, ist eher selten.

Sowohl für die Position als Mittelstürmer als auch für Einsätze im rechten Mittelfeld bringt Llorente eine weitere Schlüsselfähigkeit mit. Er kann durch seine physische Stärken Bälle festmachen, halten und sich auch gegen seine Gegenspieler durchsetzen.

Besonders beeindruckend war sicher Llorentes Tor gegen Osasuna, als er sich nach einem Freistoß gegen drei Gegenspieler durchsetzte und den Ball schließlich mit einem überlegten Abschluss ins lange Eck schob.

 

Neue Position, alte Stärken – Marcos Llorente in der Analyse

Generell wirkt Marcos Llorente seit dem Spiel gegen Liverpool wie ausgewechselt, auch sein Selbstvertrauen dürfte dabei eine Rolle spielen. Seit dem Re-Start legt er im Schnitt alle 41 Minuten einen Torschuss auf, über die gesamte Saison gesehen gelang ihm das normalerweise nur alle 128 Minuten.

Dazu kommen seit dem Re-Start 17 Dribblings, nur eines misslang – eine Erfolgsquote von knapp über 94%.

Werte, die sich zwar auch, aber eben nicht nur mit Llorentes neuen Positionen begründen lassen.

Insbesondere bei den Torschussvorlagen profitiert der Spanier von seiner Spielübersicht, wegen der er einst als riesiges Talent auf der Sechs galt. Mit dem Rückenwind der äußerst erfolgreichen Auftritte gegen Liverpool und Osasuna scheint es ihm nun auch wieder leichter zu fallen, seine Stärken auszuspielen.

Und auch im Spiel gegen den Ball profitiert Atlético mit Sicherheit von Llorente – seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs reibt dieser sich pro Spiel im Schnitt in 6 (!) Zweikämpfen pro Spiel auf.


 

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Das Besondere am Fall Marcos Llorente

Sicher ist Marcos Llorente nicht der erste Spieler, der auf einer vermeintlich ungewohnten Position aufblüht. Immer wieder gibt es Spieler, die von ihren Trainern aus den unterschiedlichsten Gründen auf Positionen eingesetzt werden, die sie zuvor nie oder nur äußerst selten bekleidet haben.

Benjamin Henrichs wurde so zum Beispiel in Leverkusen von Roger Schmidt als Außenverteidiger eingesetzt, obwohl er in den Jugendmannschaften für Bayer primär im zentralen Mittelfeld gespielt hat. Mit 19 Jahren verdiente er sich dank starker Leistungen auf dieser Position bereits sein Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft.

Bemerkenswert im Fall Llorente ist dessen Offensiv-Transformation – und das unter Trainer Diego Simeone.

Dieser ist zwar dafür bekannt, seinen Spielern insbesondere defensiv einen ganz besonderen „Atléti-Spirit“ einzupflanzen – Spielidee und Chancenerarbeitung der Colchoneros sind dagegen wie das gesamte Offensivspiel bestenfalls mittelmäßig für ein europäisches Topteam. Insbesondere gegen tiefstehende Gegner tut sich Atlético häufig schwer.

Regelmäßige 1:0-Siege, in denen Atlético Teams wie Real Valladolid zwar niederringt, fußballerisch aber keineswegs überzeugen kann, sind gewissermaßen Grundstein für Simeones Erfolg mit den RojiblancosEl Cholo ist deshalb teilweise als Defensivtrainer verschrien.

Dass Llorente jetzt unter diesem Trainer ausgerechnet den Stürmer in sich entdeckt, war kaum zu erwarten. Einsätze in der Innenverteidigung hätte man Llorente womöglich zugetraut – dass er plötzlich zu einem (Flügel-)Stürmer mit hervorragendem Offensivoutput mutiert, hatte dagegen wohl niemand erwartet.

Weitere Einsätze Llorentes im zentralen Mittelfeld schließt Simeone aber keinesfalls aus: „Mit seiner Übersicht und seiner Qualität ist er […] eine wichtige Option für uns.“ Im Moment scheint Marcos Llorente Atlético mit seinen Stärken aber eher auf anderen Positionen weiterzuhelfen.


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Simon
Simon
Wenn mich der Journalist bei Fußball Manager früher gefragt hat, von welcher Sportart sich der Fußball etwas abschauen kann, war meine Antwort stets: "Ich bin generell ein sehr sportbegeisterter Mensch."

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