Die Wolverhampton Wanderers sind aktuell „the best of rest“, auf Platz 7 hinter den berüchtigten Top Six.

Insbesondere die beiden portugiesischen Export-Schlager Rúben Neves und Diogo Jota werden für ihre starke Leistungen gelobt. Indes bleibt einer jedoch nahezu unerwähnt: Raúl Jiménez.

Der Mexikaner ist aktuell mit 9 Toren und 6 Vorlagen der Top-Scorer der Wolves und hat damit großen Anteil am Höhenflug des Aufsteigers.

Es dürfte die bislang beste Saisonleistung des 27-Jährigen in dessen Karriere sein. In diesem Text wollen wir Raúl Jiménez ein Porträt widmen.

Anfänge in Mexiko

Raúl Alonso Jiménez Rodríguez wurde 1991 in Tepeji, Hidalgo in Mexiko geboren. Bereits früh fing der junge Raúl mit dem Fußballspielen an und machte schon im jungen Alter Scouts auf sich aufmerksam.

Aufgrund dessen verpflichtete Liga MX-Riese Club América das vielversprechende Talent. Nach mehreren Jahren in der Akademie der Millonetas gab Raúl Jiménez im Alter von 19 Jahren sein Debüt gegen Monarcas Morelia.

Bereits drei Wochen später sollte der talentierte Stürmer sein erstes Profi-Tor erzielen. Nach nur zwei Minuten sorgte Raúl Jiménez für die Führung gegen Puebla FC – das Match wurde jedoch letztendlich mit 2:3 verloren.

Der Durchbruch ließ allerdings auf sich warten. Fast ein halbes Jahr später wurde mehr Vertrauen in das Offensiv-Talent gesetzt, welches der junge Jiménez als Flügelspieler prompt mit einem Tor und vier Vorlagen zurückzahlte.

Dank dieser Leistungen erkämpfte sich der junge Mexikaner eine Nominierung für die Olympischen Sommer-Spiele in London, bei denen er sich mit seinem Kollegen nach einem spannenden Finale gegen Brasilien (2:1) die Gold-Medaille sichern konnte, jedoch ohne Torerfolg blieb.

Nach seiner Olympia-Abstellung, wegen der Raúl Jiménez die ersten vier Saisonspiele verpasste, erkämpfte sich der 20-Jährige prompt einen Stammplatz – erstmals als Mittelstürmer.

In den verbleibenden 39 Liga-Spielen (Apertura & Clausura*) erzielte der Mexikaner 14 Tore und gab 6 Assists.

*Die mexikanische Liga ist in zwei separate Meisterschaften unterteilt ist – wobei die Apertura eine eigenständige Meisterschaft darstellung und zur “Ausspielung” der internationalen Plätze dient und die Clausura ebenso eine eigenständige Meisterschaft ist.

Diese Form sollte das Offensiv-Talent über die nächsten Jahre beibehalten und nach 83 Spielen für den erfolgreichen nordamerikanischen Verein auf 31 Treffer und 16 Vorlagen zurückblicken.

Intermezzo in Spanien und Erfolge bei Benfica

Die Leistungen des großgewachsenen Mexikaners blieben auch in Europa nicht unbemerkt. Aufgrund dessen nahm niemand geringerer als der damals amtierende spanische Meister Atlético Madrid Verhandlungen mit Club América auf.

10,5 Millionen Euro überwiesen die Rojiblancos für die Dienste des 23-jährigen Talents – zu diesem Zeitpunkt die vierthöchste bezahlte Ablöse in der Liga MX.

Eine gute Investition wie sich später herausstellen sollte, denn obwohl sich Raúl Jiménez in Spanien nicht richtig einzuleben wusste und nach 21 Spielen für die Madrilenen lediglich ein Tor erzielte und eines vorlegte, war der portugiesische Rekordmeister Benfica bereit eine hohe Summe für den Nahua zu bezahlen.

Exakt 365 Tage nachdem der junge Mexikaner zu Atlético wechselte, verpflichtete Benfica den jungen Mexikaner für stolze 22 Millionen Euro – aufgrund unterschiedlicher Rechte am Spieler ein komplexer Deal, letztendlich aber mehr als das doppelte, das die Rojiblancos für ihn bezahlten.

Für alle Parteien sollte es ein guter Schritt sein: Atlético hatte mit Mario Mandzukic und Antoine Griezmann bereits zwei sehr gute Stürmer und keinen zwingenden Bedarf Jiménez trotz eines guten Angebots zu halten, Benfica hingegen war nach den Abgängen von Lima und Rodrigo auf der Suche nach einer Alternative zu Jonas.

Ein paar Tage zuvor war auf kuriose Art und Weise ein Wechsel nach England geplatzt: Atlético und West Ham waren sich bereits über einen Leihvertrag einig, die Spielgenehmigung bereits gesichert und der Flug des Mexikaners von Madrid nach London bereits gebucht.

Das einzige, das jedoch fehlte … war der Spieler selbst, Raúl Jiménez. Der Mexikaner gab an verschlafen und aufgrund dessen den medizinischen Test bei West Ham verpasst zu haben.

Wie sie sich selbst aber viele später zusammenreimten, schien dem Stürmer das spät hereingeflatterte Angebot des SL Benfica deutlich mehr zugesagt zu haben bzw. sein berühmter Agent Jorge Mendes seinem Klienten dieses Verhalten nahegelegt zu haben.

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Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass der Berater mit seinen Transfers und seinen Methoden auf sich aufmerksam machte.

Sein Schützling hatte indes abermals mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen, mit Jonas und Konstantinos Mitroglou hatte Rául Jiménez erneut ein kongeniales Stürmer-Duo vor sich, an dem er nicht vorbeizukommen schien.

Daher wurde der Mexikaner während seiner drei Jahre bei Benfica oftmals als Joker eingesetzt. In 2.638 Liga-Spielminuten (eine Gesamtdauer von gerade 29 ganzen Matches) erzielte „Alo“, wie ihn Freunde und Verwandte nennen, 18 Tore und legte 11 vor.

Trotz dreier erfolgreicher Jahre in Portugal war es für Rául Jiménez Zeit weiterzuziehen und sich in Europa endlich bei einem größeren Verein durchzusetzen – lukrative Angebote aus China wurden von Jiménez daher reihenweise abgelehnt.

Jorge Mendes baut ein Klienten-Team

Zu seinem Glück bastelte sein Agent Jorge Mendes indes an einem Super-Team, die zu einem großen Teil aus seinen Klienten oder Spielern von kooperierenden Spieleragenturen gehörten.

2016 wurde Wolverhampton von Fosun, einer chinesischen Investment-Firma, übernommen. Der Besitzer ist Guo Guangchang mit einem geschätzten Gesamtvermögen von rund 5,5 Milliarden Euro.

Guangchang und Jorge Mendes sind gute Bekannte – persönlich wie wirtschaftlich. So hat der chinesische Geschäftsmann unter anderem auch Anteile an der Beratungsagentur von Mendes gekauft, Mendes fungiert im Gegenzug als Berater des Vereins.

Jorge Mendes als er 2013 den Preis für den Spieleragenten des Jahres erhielt (Quelle: Bendoni Communication/Wikimedia)

Ein genialer Deal: Das von Guo Guangchang für Transfers ausgegebene Geld landet damit zum Teil wieder bei der Agentur von Jorge Mendes und damit wieder bei Guo Guangchang selbst.

Trotz mehrfacher Beschwerden von Championships-Klubs, die darauf verwiesen, dass es laut Statuten Agenten untersagt sei, direkten Einfluss auf Vereinstransfers zu haben, wurde dies nach Untersuchung der EFL zurückgewiesen.

Der Einfluss von Jorge Mendes ist jedoch unübersehbar: Trainer Nuno Espírito Santo, sein Trainerteam sowie gleich sechs Spieler des aktuellen Kaders werden direkt von Jorge Mendes beraten. Weitere, wie unter anderem Raul Jimenez, stehen bei kooperierenden Agenturen unter Vertrag.

Rund 112 Millionen Euro haben die Wolves diesen Sommer für neue Spieler ausgegeben und das als Aufsteiger – rund drei Millionen Euro wurden bislang für den Leihdeal von Rául Jiménez ausgegeben. Die Kaufoption soll bei rund 35 Millionen Euro liegen.

Durchbruch in der Premier League

Im Gegensatz zu seinen anderen Stationen hat der Mexikaner seit Saisonbeginn einen Stammplatz inne und spielte bis auf eine Hand voll Matches stets von Beginn an.

Gleich bei seinem ersten Einsatz wusste sich Jiménez in die Torschützenliste einzutragen – zehn Minuten vor Schluss gelang der Benfica-Leihgabe der Ausgleichstreffer zum 2:2-Endstand gegen Everton.

Es sollte der erste von acht weiteren Toren in der Premier League sein. Mittlerweile hält Rául Jiménez bei neun Toren und sechs Vorlagen in der Liga nach 26 Einsätzen. Im FA Cup hatte „Alo“ mit seinem Führungstreffer großen Anteil am Pokal-Aus des FC Liverpool (2:1).

Mit seinen Toren hat er sich bereits in die Herzen der Fans im Molineux geschossen, dass der Stürmer jedoch deutlich mehr kann als nur Tore schießen, blieb bislang noch unerwähnt.

Die Aufstellung von Wolverhampton im Spielaufbau. Positionen können aufgrund der Rotation variieren.

Im Spielaufbau setzen die Wolves auf ein 3-5-2 bzw. 3-4-1-2 oder 3-4-2-1. In diesem ist Jiménez als Stürmer zu finden, was jedoch viele überraschen dürfte ist, dass der kopfballstarke und bullige Mexikaner nicht bloß als Sturmtank agiert, sondern sich oft zurückfallen lässt und an der Ballverteilung beteiligt.

Nuno lässt seine Mannschaft im Spielaufbau breit stehen, um in der gegnerischen Hälfte Räume zu schaffen, welche bereits die Verteidiger mit vertikalen Pässen bespielen und so gleich mehrere Pressinglinien brechen sollen.

Als Ziel dieser Pässe gilt oftmals Rául Jiménez, der dem Ball mit viel Tempo entgegenläuft.

Daraufhin lässt er den Ball entweder direkt auf den Flügel prallen oder er weiß die situative Überzahl seiner Mannschaft zu nutzen, indem er sich den Ball mit seinem starken First-Touch gut mitnimmt und daraufhin auf den anderen Flügel spielt.

In beiden Fällen sucht der Mexikaner daraufhin umgehend den Weg in den Strafraum – zwar ist er nicht der allerschnellste, mit einem schnellen Antritt und seinem bulligen Körper (1,88m) ist er jedoch ein unangenehmer Gegenüber und dank seiner Kopfballstärke zudem ein gefährliches Ziel.

Mit diesen ist er des Weiteren auch ein absoluter Torgarant bei Standards – ob mit dem Kopf oder mit dem Fuß.

Der schnelle, vertikale Fußball von Nuno sowie der physischere statt technische Fußball auf der Insel scheint Rául Jiménez deutlich mehr zu liegen, als jener auf der iberischen Halbinsel.

Im Alter von 27 Jahren scheint der mexikanische Nationalspieler nun endlich angekommen zu sein und darf sich mit den Wolves sogar Hoffnungen auf einen Europa League-Platz machen.

Und ob er nun für seinen Spielstil die Aufmerksamkeit und das Lob bekommt, das ihm zustünde, oder nicht, dank seiner Tore lieben ihn die Wolverhampton-Fans jedenfalls auch jetzt schon.

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Marco Stein
Written by Marco Stein
Co-Gründer von Cavanis Friseur, schreibt hauptsächlich über den englischen Fußball und ist riesiger Leeds United-Fan.