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Die Geschichte eines besonderen Tores – Patrick Valéry

In unmittelbarer Nähe zum Côte d’Azur, integriert in die umliegenden Wohnhäuser und von außen kaum als Fußballstadion zu identifizieren: Mitten im Herzen des Fürstentum Monaco liegt das Stade Louis II, das Architekturfans wohl regelmäßig zum Schwärmen bringt.

Vom einzigartigen Dach, gebildet durch ein Mosaik aus kleineren Dächern, bis zur Spielfläche, die knapp acht Meter oberhalb der umliegenden Straßen liegt, hat das 1985 eingeweihte Stadion so einige Überraschungen zu bieten.

Auch ein Schwimmbad und eine Sporthalle sind innerhalb des Gebäudekomplexes mitten im monegassischen Stadtteil Fontvieille untergebracht. Die offene Architektur zu einer Seite ermöglicht manch einem Besucher einen Blick auf den Pont de Cap-d’Ail und das Mittelmeer – behindert nur durch zehn riesige Betonsäulen, die sich oben mit eleganten Bögen zu einem Gesamtkunstwerk verweben.

Durch die seltene Vollauslastung und die Laufbahn hat das Stadion unter Fußballfans häufig trotzdem einen schweren Stand: Doch wenn an frühlingshaften Abenden im Europa-Pokal eine laue Brise vom Mittelmeer durch das vollbesetzte Stade Louis II weht, wird wohl auch der letzte Nörgler schlussendlich warm mit der Heimspielstätte der AS Monaco.

 

Kein Abend wie jeder andere

Als am 1. April 1992 die Zuschauer zum Halbfinal-Hinspiel im Europapokal der Pokalsieger in ebenjenes Stade Louis II strömten, war wohl keinem von ihnen klar, dass sie an diesem Abend Zeuge einer ganz besonderen Geschichte werden sollten.

Die AS Monaco, trainiert vom aufstrebenden Arsène Wenger, hatte dabei einige aufregende Spieler zu bieten: Die Vereinslegenden Jean-Luc Ettori und Claude Puel waren ebenso Teil des Kaders wie Emmanuel Petit, Youri Djorkaeff und Lilian Thuram, allesamt Weltmeister von 1998. Nicht zu vergessen George Weah – der Balon-d’Or-Gewinner von 1995.

Fast immer mit dabei war in diesen Jahren auch der französische Rechtsverteidiger Patrick Valéry, der dem Verein insgesamt über zehn Jahre lang die Treue hielt. Ein Spieler, auf dessen Leistungen stets Verlass war – mit einem unspektakulären, aber dafür umso konstanterem Spielstil.

 
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Die Konstanz als größte Stärke ist häufig auch das Vermächtnis genau dieses Spieler-Typs: Sie werden in der Retrospektive von Fans zwar gewürdigt – aber nicht verehrt, und so gut wie nie haben sie sich mit spektakulären Heldentaten unsterblich gemacht.

Auch bei Patrick Valéry, der mit der AS Monaco immerhin französischer Meister und Pokalsieger wurde, sieht das eigentlich nicht anders aus. Eigentlich – der Europapokal-Abend gegen Feyenoord sollte für Valéry trotzdem zu einem unvergesslichen Abend geworden sein.

Dabei startete das Spiel für die Rot-Weißen trotz der vielen prominenten Namen und dem Heimvorteil mit einer kalten Dusche: Schon nach neun Minuten brachte der niederländische Nationalspieler Rob Witschge Feyenoord per Fernschuss in Führung.

Die in grün gekleideten Gäste waren insbesondere in der Anfangsphase des Spiels drückend überlegen. Witschge vergab zwei weitere Abschlussmöglichkeiten, ehe die Partie nach 20 Minuten zugunsten der Gastgeber kippte.


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Kein Tor wie jedes andere

Infolgedessen wurde auch Feyenoord-Keeper Ed de Goey mehr beschäftigt und wurde insbesondere vom Liberianer George Weah zu einigen Glanztaten gezwungen.

Dann kam die 26. Minute – und damit der große Moment Patrick Valérys. Über den rechten Flügel rollte der nächste Angriff der Monegassen heran: Youssouf Fofan verpasste die Flanke am kurzen Pfosten, ehe Feyenoords Innenverteidiger Sjaak Trost den Ball gerade rechtzeitig vor dem lauernden George Weah entschärfte.

Als ordentlich angedrehte Bogenlampe näherte sich das Spielgerät dem rechten Strafraumeck, aus dem Hintergrund stürmte Patrick Valéry heran – und nahm den Ball volley, mit vollem Risiko. Kurz vor der Torlinie setzte das Leder noch auf den Boden auf, auch Ed de Goey bekam noch seine Fingerspitzen heran – und trotzdem schlug der Ball im rechten unteren Eck ein.

Vor einigen Jahren hätte man dieses Tor noch gut und gerne als Unikat betiteln können – doch seit der WM 2018 dürfte so ziemlich jeder sofort Benjamin Pavards Volley gegen Argentinien mit Valérys Tor assoziieren.


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Einzigartig bleibt das Tor aus dem Frühjahr 1992 aber dennoch – aufgrund der damit verbundenen Geschichte. Knapp fünfzehn Jahre lang war der in Brignoles geborene Valéry im Fußball-Geschäft unterwegs.

Seine Karrierestationen sorgen dabei wohl bei dem einen oder anderen Fußball-Nostalgiker für Glücksgefühle: Neben der AS Monaco war der Rechtsverteidiger für Toulouse und Bastia in der Ligue 1 aktiv, aber auch die Blackburn Rovers und Aris Saloniki finden sich in seiner Vita wieder.

„Wenn ich an die Saison 1992 zurückdenke, erinnere ich mich an unbeschreibbare Momente wie den Sieg gegen die Roma mit Rudi Völler. Aber gegen Feyenoord war es nochmal anders, weil ich in Monaco den Ausgleich geschossen habe.“ – Patrick Valéry

In über 350 Pflichtspielen brachte der Franzose zwar defensiv einige Gegenspieler zur Verzweiflung, durch übertriebene Torgefahr zeichnete er sich aber nicht aus. Nur ein einziges Tor gelang ihm in seiner gesamten Karriere, ebenjenes im Europapokal-Halbfinale gegen Feyenoord.

 

Keine Karriere wie jede andere

Gleichzeitig spiegelt sich in diesem famosen Volley auch Valérys gesamte Karriere wider: Ein wichtiges Tor, verhalf es Monaco doch als wichtiger Baustein mit ins Europapokal-Endspiel.

Für den ganz großen Wurf reichte es dann aber eben nicht, weil man im Finale Otto Rehhagel und Werder Bremen unterlag.

Dieses Bild zieht sich durch die ganze Karriere des Rechtsverteidigers, der im Gegensatz zu seinen Teamkollegen Thuram, Petit, Djorkaeff, Puel oder Ettori nie für die französische Nationalmannschaft auflaufen durfte.

 


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Als er sich 1998 den Traum von der Insel mit seinem Wechsel zu den Blackburn Rovers erfüllte, kam Valéry auch zu spät für den großen Coup:

1995 war Blackburn mit Englands Stürmer-Legende Alan Shearer und Liverpool-Ikone Sir Kenny Dalglish als Trainer englischer Meister geworden, drei Jahre später waren beide bereits weitergezogen.

Am Ende seiner Karriere blieb es für Valéry bei gerade einmal zwei Titeln, die Meisterschaft mit Monaco 1988 sowie der nationale Pokaltriumph drei Jahre später.

Hinter seinen zahlreichen prominenten Teamkollegen ging der Rechtsverteidiger in der besten Phase seiner Karriere in Monaco dabei häufig unter und wurde vergessen – und trotzdem erzählte er mit seinem Tor gegen Feyenoord im April 1992 eine ganz besondere Geschichte.

 
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Simon
Simon
Wenn mich der Journalist bei Fußball Manager früher gefragt hat, von welcher Sportart sich der Fußball etwas abschauen kann, war meine Antwort stets: "Ich bin generell ein sehr sportbegeisterter Mensch."

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