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Jens Petter Hauge zum AC Milan – Der nächste Top-Fußballer Norwegens?

Es klingt wie eine Geschichte aus dem letzten Jahrhundert. Ein Spieler aus einer kleinen Fußballnation spielt für den Verein seiner Geburtsstadt großartigen Fußball, fällt jedoch den großen Vereinen nicht auf.

Erst als er in einer frühen Runde des Europapokals einen dieser großen Vereine fast aus dem Turnier schießt, klopft plötzlich genau dieser Verein an und nur elf Tage später steht der Spieler bereits das erste Mal für den Top-Klub auf dem Platz. Dies ist die Geschichte Jens Petter Hauges.

Am 12. Oktober 1999 wurde Hauge in Bodø geboren. In der Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2024 im Norden Norwegens leben knapp über 50.000 Menschen. Die beschauliche Stadt wird den Wenigsten ein Begriff gewesen sein, bevor der ortsansäsigge Verein zuletzt in der Europa-League-Qualifikation für Aufsehen sorgte. Der Aufstieg des örtlichen Fußballvereins Bodø/Glimt verlief parallel mit dem Jens Petter Hauges.

 

Von Fløya nach Mailand

Die Karriere Hauges begann vor 285 Zuschauern in Fløya. Der Drittligist empfing im April 2016 Bodø/Glimt in der ersten Runde des norwegischen Pokals. Der erst 16-jährige Hauge wurde 26 Minuten vor Schluss für seinen ersten Profi-Einsatz eingewechselt. Man führte zu diesem Zeitpunkt schon 2:0, das Weiterkommen war nur noch Formsache. Der Norweger ging auf Nummer sicher und erzielte direkt drei Tore.

In der Saison 2016 – in Norwegen wird im Kalenderjahr gespielt, also von April bis November – wurde er auch in der Liga konstant als Einwechselspieler eingesetzt. Für seinen Verein endete die Saison jedoch im Abstieg aus der ersten Liga. Bodø/Glimt war nicht mehr als ein Fahrstuhlklub.

Auch wenn er den Abstieg sicherlich lieber vermieden hätte, so half er doch der Entwicklung Hauges. In der anschließenden Zweitliga-Spielzeit konnte er sich als Stammspieler etablieren, legte auch sofort 13 Tore auf und war damit ein essentieller Faktor für den sofortigen Wiederaufstieg.

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Die folgenden anderthalb Jahre sollten jedoch die ersten schwierigeren für den Norweger werden. Neuzugang Amor Layouni nahm ihm seinen Stammplatz ab. Für eine Halbserie wurde er noch in die zweite Liga zurückverliehen, konnte sich aber auch dort nicht festsetzen.

Erst als Layouni im September des letzten Jahres zum Pyramids FC nach Ägypten wechselte, war Hauge wieder gefragt. In den letzten acht Liga-Spielen verpasste er keine Minute und verhalf Bodø/Glimt zum Erreichen des zweiten Tabellenplatzes.

Im Jahr 2020 erlebte der 20-Jährige seine bisher stärkste Saison. In 18 Spielen (1557 Minuten) erzielte er 14 Tore (3 davon Elfmeter) und bereitete elf Treffer vor. Er war der absolute Star des Teams, das den größten Erfolg seiner Geschichte feiern wird. Bodø/Glimt hat 18 Punkte Vorsprung auf Platz Zwei und verlor noch kein einziges Saisonspiel.

Die Leistungen des Vereins sowie Hauges individuell waren viel zu gut, um nicht bemerkt zu werden. So gab es in den letzten Wochen immer mal wieder Transfergerüchte.


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Richtig heiß wurde es aber erst nach seinem Gala-Auftritt gegen die AC Milan in der Europa-League-Qualifikation. Milan gewann zwar gerade noch so 3:2, der Linksaußen bereitete jedoch ein Tor vor und schoss selber eins per grandiosem Fernschuss.

Milan, die Hauge mit großer Wahrscheinlichkeit schon zuvor beobachteten, waren spätestens jetzt von seinen Qualitäten überzeugt. Eine Woche nach besagtem Spiel wanderten fünf Millionen Euro aus Milan nach Bodø. Im Gegenzug stieg Jens Petter Hauge ins Flugzeug nach Mailand.

 

Stärken & Schwächen: Jens Petter Hauge in der Analyse

Man könnte meinen, dass Top-Leistungen in der norwegischen Liga noch nicht reichen, um einen Wechsel zu einem Verein der Größe Milans zu rechtfertigen. Die Eliteserien ist schließlich unbestritten nicht auf dem Niveau der Serie A.

Hauge bringt jedoch entscheidende Fähigkeiten mit, die ihm diesen Wechsel ermöglichen. Andere Spieler wie zum Beispiel sein nun ehemaliger Mannschaftskollege Philip Zinckernagel, der sogar an sechs Toren mehr beteiligt war, ziehen währenddessen nicht das Interesse absoluter Top-Klubs an.

Der Norweger kommt am liebsten über den linken Flügel, kann jedoch auch die rechte Seite bearbeiten. Mit 1,84m ist er für einen Flügelspieler recht groß. Trotzdem geht ihm nicht die Beweglichkeit kleinerer Flügelspieler ab.


Hauge Milan San Siro
Vor wenigen Tagen gab Jens Petter Hauge sein Debüt für die AC Milan im San Siro. (© Imago Images)

Er vereint die Stärken größerer und kleinerer Flügelspieler wunderbar. So erzeugt er ein hohes Durchsetzungsvermögen und kann Gegenspieler auch unter hohem Druck durch Einsatz seines Körpers abschütteln. Sein Antritt und die Geschwindigkeit auf den ersten Metern sorgt dafür, dass er das oftmals aber gar nicht tun muss.

Dabei ist es jedoch nochmal etwas komplett Anderes, das Hauge zu einem so interessanten Spieler macht: Er zeigt sich auf dem Platz äußerst smart. Das beginnt schon mit seiner Positionsfindung.

Er kann klassisch die Breite halten und von dort Dribblings starten, aber auch eingerückt im Halbraum zwischen den Linien agieren. Hauge schafft es stets, sich freizulaufen und ist sich seiner direkten Umgebung bewusst, sodass er nach Empfangen des Balles auch intelligente Entscheidungen treffen kann.

Der Norweger ist ein brillanter Dribbler. Das liegt an seiner Entscheidungsfindung im Dribbling. Viele technisch geniale Spieler scheitern genau hieran, Hauge nicht. Hinter jedem Dribbling steckt ein klarer Plan. Fast nie läuft er sich am Gegnerspieler fest.



Stattdessen weiß er genau, wie er seine Gegenspieler durch kleine Bewegungen und Körpertäuschungen manipulieren kann, um sie in die genau entgegengesetzte Richtung zu bewegen als jene, in die er letztlich ziehen wird.

Die Anschlussaktion an seine Dribblings ist ebenfalls beeindruckend. Schnittstellenpässe hinter die Kette sowie Cut-Backs von der Grundlinie bringt der 20-Jährihge mit hoher Präzision an seine Mitspieler.

Er bereitet nicht nur Tore vor, sondern schießt sie auch selber. Im Sechzehner verwertet er die Chancen, die er verwerten sollte, auch mit seinem auf dem Papier schwächeren linken Fuß. Außerhalb des Sechzehners ist er stets für ein Fernschusstreffer gut. Gegen Milan zeigte er diese Qualität bereits.

 

Was den AC Milan mit Jens Petter Hauge erwartet

Nun darf er diese Fähigkeiten auch für eines der formstärksten Teams Europas zeigen. Die AC Milan verlor seit dem Restart kein einziges Spiel. In die Serie-A-Saison startete man mit zwei souveränen 2:0-Siegen gegen Bologna und Crotone sowie einem 3:0 gegen Spezia.

In der Europa-League-Qualifikation tat man sich etwas schwerer. Gegen Rio Ave brauchte es einen Elfmeter in der Nachspielzeit der Verlängerung sowie ein anschließendes, 24 Schüsse andauerndes Elfmeterschießen.

Jens Petter Hauge dürfte diese Qualifikation sehr zu Gute kommen. Der Terminplan Milans wird nochmal enger und garantiert dem 20-Jährigen Einsatzzeiten. Milan erhält mit ihm einen wichtigen Spieler für die Breite des Kaders.

In Stefano Piolis 4-2-3-1 ist der aktuell angeschlagene Ante Rebic die größte Konkurrenz. Der Kroate ist Stammspieler auf dem linken Flügel und hat eine hervorragende Rückrunde hinter sich, in der er alle 14 Torbeteiligungen seiner ersten Milan-Saison beisteuerte. Als Back-Up mussten hier schon Rafael Leao und Brahim Diaz aushelfen, deren Stärken eher im Sturm respektive auf der Zehn liegen.

Dauerhaft an Rebic vorbeizukommen, wird schwer – als Back-Up sollten jedoch schon einige Minuten für Hauge drin sein. Die größere Chance zum Stammspieler zu werden, besteht derweil womöglich als Rechtsaußen. Hier war zuletzt der ebenfalls vielversprechende Alexis Saelemaekers gesetzt, dessen Stärken von denen des Norwegers deutlich abweichen. Hauges Einfluss im letzten Drittel sowie dessen Endprodukt sind bereits deutlich höher.


>>> Lest auch: Alexis Saelemaekers im Porträt <<<

Jens Petter Hauge hat bereits den Schritt aus einer kleinen Stadt Norwegens zu der besten Version Milans der letzten paar Jahre geschafft. Nun ist davon auszugehen, dass er auch dort zu einem Schlüsselspieler reifen kann. Seine Entwicklung ging steil nach oben, zuletzt wurde er auch erstmals für die norwegische Nationalelf berufen.

Die Entwicklung kommt allerdings keinesfalls aus dem Nichts. Hauge verbesserte sich stetig, lernt mit jedem Spiel merklich dazu und ist mit bereits über 120 Profi-Spielen für einen 20-Jährigen äußerst erfahren. Setzt er seine Entwicklung fort, können die fünf Millionen Euro Ablösesumme zum Schnäppchen werden.

(Jens Petter Hauge-Titelbild: @Imago Images)

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Alexander Rudies
Alexander Rudies
Tennisspieler und Trainer mit noch größerer Liebe zum Fußball Schaut täglich Fußball, großer Fan von Fußball außerhalb der Top-Ligen und der Geschichte des Sports Beschäftigt sich viel zu intensiv mit Fußball. Bewunderer des Positionsspiel Guardiolas und Bielsas, trotzdem Fan von West Ham und Atletico. Leidenschaftlicher Tennis-Spieler und Cristian-Garin-Anhänger.

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