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Wie gut war eigentlich… Michael Laudrup?

18. Mai 1994, Olympiastadion zu Athen. Im Champions-League-Finale trifft der AC Mailand im Duell zweier internationaler Schwergewichte auf den FC Barcelona. Das Finale findet ein Jahr vor dem Bosman-Urteil statt – somit dürfen nur drei ausländische Spieler in der Startelf der beiden Vereine stehen.

Besonders Johan Cruyff stellt das vor eine komplizierte Entscheidung, stehen bei Barca mit Ronald Koeman,  Michael Laudrup, Romário und Hristo Stoichkov doch gleich vier hochkarätige Ausländer unter Vertrag. Cruyff entscheidet sich dafür, den Dänen Laudrup außen vor zu lassen – und trifft damit wohl die falsche Entscheidung.

Milans Coach Fabio Cappello gibt später zu Protokoll, er sei bereits entspannt gewesen, als er erfahren habe, dass Barcelona ohne den Dänen antritt. Ohne ihn ist der FC Barcelona gegen die engmaschige Verteidigung des AC Mailand um Paolo Maldini und Marcel Desailly nicht in der Lage, gefährliche Situationen zu kreieren – und geht mit 4:0 unter.

Johan Cruyff mag Gründe gehabt haben für seine Entscheidung, Michael Laudrup nicht einzusetzen – letztlich hätte es sich wohl gelohnt, anstatt des Dänen einen der beiden Stürmer Hristo Stoichkov oder Romário auf der Bank zu lassen: Ohne die Ideen des Spielmachers hingen die beiden Stürmer sowieso in der Luft.


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Spielgestalter im Offensivdrittel

In seiner Zeit in Barcelona von 1989 bis 1994 war er sicher einer der wichtigsten Bausteine in Cruyffs Mannschaft, dem „Dream Team“. Während Ronald Koeman und Pep Guardiola aus der Defensive als Architekten agierten und den Grundstein für Barças Spielanlage legten, lag es meistens vor allem an Laudrup, im letzten Drittel Hristo Stoichkov oder die anderen Angreifer der Blaugrana in Szene zu setzen.

Der Däne war für diese Aufgabe wie geboren: Ein außergewöhnlicher Techniker mit einer absurden Übersicht und Spielintelligenz. Laudrup hatte einen Abschluss wie kaum ein Anderer und bediente sich bereits Tricks, für die später andere Stars bekannt werden sollten – Iniestas La Croqueta z.B. oder die Zidane-Rolle.

Bereits diese beiden Faktoren machten ihn zu einem permanenten Unruheherd, unangenehm bis schwierig zu verteidigen. Quasi unmöglich wurde es durch seine größte Stärke: Wie es sich für einen klassischen Zehner gehörte, beherrschte Laudrup den „tödlichen Pass“ durch die Viererkette des Gegners.

 

Einzigartige Steckpässe

Aufgrund seines Spielverständnis und seiner Übersicht wurde Laudrup oft bescheinigt, er könne vorhersehen, was als Nächstes geschah. Eine bemerkenswerte Fähigkeit, die allerdings erst so richtig zum Tragen kam, wenn der Däne am Ball war: In diesen Momenten konnte er starken Einfluss auf das Spiel nehmen und gepaart mit seiner großartigen Technik das erfolgversprechendste Szenario auswählen.

Meist bediente er sich dabei eines Schnittstellenpasses – unter offensiven Mittelfeldspielern ein weit verbreitetes Stilmittel. Nahezu perfekt war dabei häufig das Timing: Laudrups Pässe verschafften dem Mitspieler einen großen Vorteil gegenüber dem Gegenspieler, ohne dass dieser dabei im Abseits stand.

Insbesondere Laudrups rechter Fuß wurde an dieser Stelle zur Waffe: Er konnte seine Pässe mit Außen- und Innenrist genauso gut wie mit der Hacke oder dem Vollspann anbringen, ohne dabei zuvor eine klare Ausholbewegung zu zeigen. Somit wurden seine Aktionen für den Gegner unberechenbar.

Häufig stellten sich vielen Fans die Frage, wie seine kleinen Bewegungen ausreichten, um den Ball mit einer solchen Schärfe zwischen den Gegnern hindurchzustecken – perfekt für den anrauschenden Mitspieler, der den Ball mühelos verarbeiten konnte. Es wirkte manchmal gar so, als habe er den Ball gar nicht richtig berührt, aber das Leder verhungerte nur äußerst selten auf dem Weg zum Adressaten.

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Guardiolas bester Mitspieler

Und als ob das nicht genug wäre, war Laudrup häufig auch darum bemüht, den Stürmer seines Teams in einer möglichst zentralen Position in Szene zu setzen – damit sich für diesen eine vielversprechendere Abschlussposition ergab.

Stets gingen seine Bemühungen dahin, eine optimale Situation entstehen zu lassen – die Mitspieler staunten über seine Pässe ebenso wie die Fans. Pep Guardiola und Romário, seine Teamkollegen in Barcelona, adelten ihn als den besten Spieler, mit dem sie je gespielt hätten.

Guardiola stellte sogar den Wert des Ballon d’Or infrage – wie viel konnte schon eine Auszeichnung bedeuten, die Michael Laudrup nie gewonnen hatte?

 

Die (hellen) Schattenseiten

Doch es gab auch Kritik an Dänemarks Zehner. Unter anderem von Michel Platini, mit dem er gemeinsam für Juventus Turin auflief: Der Franzose behauptete, Laudrup habe nie sein volles Potenzial ausgeschöpft. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Johan Cruyff, unter dem Laudrup wohl die fünf prägendsten Jahre seiner Karriere spielte.

Laudrup sei einer der schwierigsten Spieler, mit denen er je gearbeitet habe, sagte die niederländische Fußballikone. „Er ist mit Abstand der Beste, wenn er 80 bis 90 Prozent gibt. Aber ich möchte 100 Prozent haben und die gibt er nur selten.“

Sein Wechsel von Barça zu Real wurde, wie sollte es auch anders sein, breit diskutiert. Während einige in ihm einen Betrüger sahen, beteuerte Laudrup, er habe nur eine neue Herausforderung gesucht.

Vielleicht hatte der Däne auch einfach den Zerfall von Cruyffs Barcelona vorausgeahnt – und sich Real angeschlossen, einem Team um Hierro, Raúl und Zamorano. Auch durch seinen Wechsel gewannen los Blancos nach vier Jahren wieder die spanische Meisterschaft.

Die Verpflichtung Laudrups war dabei zwar sicher nicht der einzige Grund, aber der entscheidende: Neben einem Spieler mit ungeheuren Qualitäten erlangte Real einen psychologischen Vorteil gegenüber Barcelona, hatten sie doch nun einen der wichtigsten Spieler des einstigen „Dream Team“ in ihren Reihen.


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Die Nationalelf

Auch in der dänischen Nationalmannschaft sorgte Laudrup über die Jahre immer wieder für Furore: Er war der kongeniale Partner von Preben Elkjær Larsen, Teil von Danish Dynamite – einer Mannschaft, die für viel Aufruhr sorgte.

Bei der WM 1986 wurden sie vor Uruguay und Deutschland Gruppensieger, besonders eindrücklich das 6:1 gegen die Südamerikaner. In diesem Spiel steuerte Laudrup ein Tor und zwei Assists bei – die dänische Auswahl scheiterte im Viertelfinale jedoch fulminant mit 1:5 an Spanien.

Den größten dänischen Triumph auf Nationalmannschafts-Ebene verpasste Laudrup derweil: 1992 war er zwar auf dem Höhepunkt seiner fußballerischen Karriere, er hatte mit Barcelona den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Nach einem Disput mit dem damaligen dänischen Nationaltrainer und der eigentlich schon verpassten EM-Qualífikation stand Michael Laudrup nicht im Kader, als Dänemark für die EM nachnominiert wurde. Niemand glaubte an Dänemark, erst recht nicht ohne Laudrup. Der Rest ist Geschichte.

 

Was bleibt von Michael Laudrup?

Laudrup war sicher ein überragender Spieler, einer der Besten seiner Zeit. Franz Beckenbauer stellte ihn einmal in eine Reihe mit Péle, Cruyff und Maradona – alle vier bezeichnete er als beste eines jeweiligen Jahrzehnts (Laudrup in den Neunzigern). Auch Rául bezeichnete ihn als seinen besten Mitspieler, in Dänemark bekam er den Spitznamen Ambassadøren (Botschafter).

Über die Jahre war Laudrup für zahlreiche Spitzenvereine aktiv: Barcelona, Juventus, Real und auch Ajax. Er spielte unter Giovanni Trapattoni und Johan Cruyff, zwei Trainer-Legenden, die auch ihn prägten, wurde fünf Mal in Serie spanischer Meister und gewann den Europapokal der Landesmeister.

Auch wenn er nie eine der wichtigen individuellen Auszeichnungen (Ballon d’Or und Weltfußballer des Jahres) gewann, war Laudrup ein überragender Fußballer – der vielleicht nicht immer das Maximum aus sich herausholte. Aber warum auch, wenn er so schon einer der Besten war?


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Simon
Simon
Wenn mich der Journalist bei Fußball Manager früher gefragt hat, von welcher Sportart sich der Fußball etwas abschauen kann, war meine Antwort stets: "Ich bin generell ein sehr sportbegeisterter Mensch." Bei Cavanis Friseur schreibe ich trotzdem meistens über Fußball, aber interessiere mich auch für Radsport, Handball und alle möglichen Wintersportarten.

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