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Keylor Navas: Substituierbare Weltklasse?

Dreifacher Champions League-Sieger, vierfacher Clubweltmeister, dreifacher Supercup-Sieger, spanischer und französischer Meister. Dazu zahlreiche Pokalsiege auf nationaler Ebene und diverse Einzelauszeichnungen. Für viele gilt er seit Jahren unbestritten als bester Torwart aus Zentralamerika.

Doch wo landet Keylor Antonio Navas Gamboa im weltweiten Ranking? Die Bewertungen reichen von „King Keylor“ bis hin zum skeptischen Naserümpfen. Die einen halten ihn für einen unterschätzen Keeper von Weltklasseformat. Die anderen sehen in ihm einen durchschnittlichen Schlussmann, der in seiner Karriere das Glück hatte, in herausragenden Mannschaften zu spielen.

 

Keylor Navas: Über den Zuckerhut ins Bernabéu

Als im Frühsommer 2014 Gerüchte aufkamen, dass Keylor Navas von UD Levante zu den Königlichen von Real Madrid wechseln könnte, reagierten nicht wenige mit Skepsis.

Klar, der Costa-Ricaner wurde in der vorangegangenen Saison als bester Torhüter in La Liga ausgezeichnet und spielte mit dem Team aus Valencia bereits in der Europa League doch der Sprung zu einem Weltclub wie Real Madrid schien dann doch etwas zu groß.

Seine Performance bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ließ die Zweifler und Skeptiker dann aber ein wenig verstummen. Mit herausragenden Leistungen hatte der damals 27-Jährige maßgeblichen Anteil am überraschenden Viertelfinaleinzug der Ticos.


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Hinzukamen gleich drei Man-of-the-Match-Auszeichnungen für Navas, der nicht nur im Elfmeterschießen gegen Griechenland, sondern auch in der regulären Spielzeit schier unüberwindbar wirkte. Im gesamten Turnierverlauf kassierte er nur zwei Gegentreffer. Nach Tim Howard (27), Manuel Neuer (23) und Viktor Enyeama (22) zeigte der Lateinamerika mit 21 Paraden die viertmeisten im Turnier.

So gab es für die Königlichen keinen Grund mehr zu Zweifeln, ob man mit Keylor Navas eine gute Entscheidung getroffen trifft und so zog man Anfang August 2014 letztlich dessen Ausstiegsklausel in Höhe von zehn Millionen Euro.

Er wurde zunächst als Nummer Zwei hinter San Iker Iker Casillas eingeplant, welcher einer wenig erbaulichen Weltmeisterschaft mit Spanien und einem überstandenen Handbruch zum Trotz, das Vertrauen der Madrilenen genoss.

Erst im darauffolgenden Sommer sollte El Halcón (der Falke) seine große Chance bekommen. Casillas verließ den Verein und es musste ein Nachfolger gefunden werden.

Die Posse um David de Gea und das ominöse kaputte Faxgerät von Madrid ist hinlänglich bekannt. Mit Navas sollte es nun also in die Saison 2015/16 gehen. Es schien aber nur eine Frage der Zeit, ehe eine „richtige“ Nummer Eins ins Bernabéu kommen würde.

Die Zweifel sollten Navas ab jetzt für den Rest seiner Karriere begleiten. Immer wieder wurden bei Real Madrid und später bei PSG diverse potenzielle Nachfolger für ihn gehandelt.

 

Keylor Navas: Der Big Game Player

Dabei ist es rückblickend nur schwer verständlich, wieso der Schlussmann aus Pérez Zeledón nie den Stellenwert anderer Champions League-Gewinner innehatte.

Sicherlich: Keylor Navas ist nicht perfekt. Mit 1,85 Meter Körpergröße hat er nicht die optimalen Maße für einen Torwart, auch wenn Ex-Kollege Iker Casillas das beste Gegenbeispiel für diese These ist. Auch seine Torwart-Technik ist nicht immer die sauberste, da er im seitlichen Abdruck oft nach hinten kippt und es ihm dadurch zusätzlich an Reichweite fehlt.

Dafür hat er allerdings sensationelle Reflexe und zeigt auch dank seiner Explosivität spektakuläre Paraden. Jene Paraden waren es auch, die ihm in so manchem „großen Spiel“ zum Matchwinner avancieren ließen.

Ob nun in der Champions League gegen den FC Bayern, als er sowohl im Trikot der Königlichen als auch von PSG die Münchener reihenweise zur Verzweiflung brachte.

Im Viertelfinalrückspiel gegen die Bayern 2021 parierte Keylor Navas zehn Schüsse und hatte so maßgeblichen Anteil am Halbfinaleinzug seiner Mannschaft. Dass diese überhaupt so weit kam, lag abermals an ihm. Im Achtelfinalrückspiel hielt er gegen Barça einen Elfmeter und konnte neun weitere Paraden vorzuweisen.

Auch im Trikot von Los Ticos war er nicht nur bei der Weltmeisterschaft 2014 ein Garant in den K.O.-Spielen, sondern auch bei den Gold Cup-Teilnahmen 2009 und 2011 ein wichtiger Baustein.

 

Gewinnertyp oder Nutznießer?

Würde der Text an dieser Stelle enden, wäre die Story um Keylor Navas wohl: Hat in großen Spielen abgeliefert und wurde zu Unrecht immer wieder kritisch hinterfragt.

Doch eine Fußballerkarriere besteht nun mal nicht nur aus den „großen Spielen“. Auch wenn es laut Rudi Völler und Berti Voigts keine „kleinen Teams“ mehr gibt, so waren es genau Duelle gegen ebenjene, die die Kritik an La Pantera nie vollends abreißen ließen.

So streute er alle 10-15 Spiele immer wieder einen Patzer ein, der nicht selten zu einem Gegentor führte. Zur ganzen Wahrheit seiner bemerkenswerten Leistungen gegen den FC Bayern in der Champions League gehört auch, dass er im Halbfinalhinspiel 2018 beim 0:1 gegen Kimmich keine gute Figur machte und auch zuvor gegen Juventus patzte.
Nils Kern, Chefredakteur von REAL TOTAL brachte es in Vorbereitung auf diesen Text, wie ich finde, sehr passend auf den Punkt:

Man kann sagen, dass ein kleines Damoklesschwert immer über ihm gehangen hat, wie über fast allen anderen Blancos auch. Er hat eine der erfolgreichsten Ären des Klubs voll mitgenommen, das kann ihm keiner nehmen, und hat speziell in dieses „Zidanes Buddys“-System gepasst. Aber als es langsam bergab ging, war er dann auch eine der „Schwachstellen“.

Rückblickend steht Keylor Navas wie kaum ein anderer Spieler für diesen „Helden-Fußball“, den Zinédine Zidane in seiner ersten Phase bei Real Madrid spielen ließ. Im Ligaalltag wurschtelte man sich irgendwie durch, in der Königsklasse und in den Clásicos wuchsen einzelne Akteure über sich hinaus.

Drei Champions League-Titel kommen nicht von ungefähr, insbesondere wenn man bedenkt, welchen Anteil Navas an jedem einzelnen Erfolg hatte. Auch die Tatsache, dass er in 13 K.O.-Runden sowohl mit Real Madrid als auch PSG weitergekommen ist, nötigt Respekt ab.

In meinen Augen hat er den größtmöglichen Anteil an den Erfolgen seiner Teams, den man als Torhüter eben haben kann. Der Costa-Ricaner hatte in den Finalspielen sicherlich nicht den offensichtlichen Einfluss wie z.B. Manuel Neuer. Dass einer der besten Keeper der Fußballgeschichte aber als Maßstab genommen wird, spricht keinesfalls gegen ihn.

Sehr wohl war Navas aber Teil eines gut funktionierenden Systems, der Berichten zufolge in der Kabine großes Ansehen genoss und zu seiner Zeit in Madrid stets ein ruhiger Zeitgenosse war. Navas Leistungen brachte seine Mannschaft oft in die so wichtigen Finalspiele und er war da, wenn er gebraucht wurde.

 

Keylor Navas und die Konkurrenz

Weder bei PSG noch bei Real Madrid muss sich der mittlerweile 34-Jährige für seine sportlichen Leistungen rechtfertigen. Nie zog er den Leistungsdurchschnitt dauerhaft nach unten und hatte sich bei den Königlichen durch sein Auftreten auch außerhalb des Platzes eine Menge Kredit erarbeitet.

Sämtlichen Gerüchten um vermeintliche Neuzugänge zum Trotz, lieferte er beständig ab. Dass er nun bei PSG durch den jüngeren Gianluigi Donnarumma ersetzt wird, war dennoch absehbar.

Wie schon in Madrid mit Thibaut Courtois hatte der Club die Möglichkeit, einen jungen aber dennoch etablierten Keeper für vergleichsweise geringe Ablöse/Handgeld unter Vertrag zu nehmen. Verübeln kann man PSG diese Entscheidung sicher nicht. Die Respektlosigkeit, die ihm auch teilweise von Teamkollegen entgegengebracht wird, ist aus meiner Sicht unangebracht.

Verrattis Aussage steht beispielhaft dafür, dass die Leistungen des WM-Teilnehmers von 2014 und 2018 nicht hinreichend gewürdigt werden. Sicherlich kennen sich Verratti und Donnarumma von der Nationalmannschaft, aber inwieweit der 22-Jährige im Moment ein Upgrade darstellt, ist fraglich.

Mit Navas im Tor hatte PSG zwei der international erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte und der 93-malige Nationalspieler hatte großen Anteil am Einzug ins Halbfinale und Finale der Königsklasse. Dennoch werden seine Leistungen unterschätzt. Wie geht es nun für Keylor Navas weiter?

Obwohl er im Dezember 35 Jahre alt wird, wäre es fatal ihn jetzt schon aufs Abstellgleis zu schieben. In Paris verlängerte er im April seinen Vertrag bis 2024 und wurde von Vereinsseite als „Bester Torwart der Welt“ bezeichnet. Für eine Nummer Zwei hinter Donnarumma wäre er also noch immer zu stark.

Der Costa-Ricaner wird den Stempel als der „substituierbarste Weltklassekeeper“ wohl nie so ganz ablegen können.

(Titelbild: © IMAGO Images/Cavanis Friseur Illustration)


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Sascha
Hat genauso eine Daseinsberechtigung wie Torrichter während der Champions League Spiele. Passionierter Schachtelsatzschreiber. Gilt intern nicht umsonst als L’Akquisiteur – wenn nicht da, dann zumindest bei sich selbst. Man soll sich immerhin treu bleiben wie Javier Pinola den Überresten seiner Haare. Glaubt noch immer, dass in Enes Ünal ein Weltklassestürmer schlummert, den aber nicht einmal Houdini hervorzaubern könnte. Einziges Vorbild von Max Dettmer.

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