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Saisonvorschau Serie A 2020/21

Wenn es in den vergangenen Jahren um die nationalen Titel im italienischen Fußball ging, war ein Team stets das Maß der Dinge: Neun Mal in Serie konnte Juventus Turin den Scudetto zuletzt gewinnen.

Lazio Rom konnte die Vecchia Signora in der vergangenen Saison zumindest zeitweise in Bedrängnis bringen, und nicht zuletzt durch das Erstarken von Atalanta Bergamo sowie den beiden Mailänder Klubs Internazionale und AC Milan wird die Serie A in der kommenden Saison wohl auch im Titelkampf spannend wie lange nicht.

Aber nicht nur die Jagd nach dem Scudetto verspricht Spannung: Für die restlichen europäischen Plätze stehen einige Klubs Schlange. Hinter Napoli, der Roma und Lazio schielen auch andere Vereine wie Bologna, Sassuolo oder die Fiorentina auf die Plätze fünf und sechs.

Mit Benevento und Crotone kehren zudem zwei Teams in die Serie A zurück, die sich anders als bei ihren letzten Auftritten in Italiens höchster Spielklasse dort festsetzen wollen.

Die Weichen sind somit gestellt – für positive Ausreißer von Teams in unerwartet hohen Tabellenregionen, aber eben auch für potenzielle Abstiegsdramen. Manche Neuzugänge werden die an sie gerichteten Erwartungen erfüllen, andere werden vermutlich als “Transfer-Flop” enden.

Saisonvorschau Serie A 2020/2021:

Der Meister -Juventus Turin 
Der Herausforderer – AC Milan
Die größte Überraschung -AC Florenz 
Die größte Enttäuschung -Lazio Rom
Der Player to Watch – Sofyan Amrabavat
Der beste Transfer – Mikkel Damsgaard


Serie A Titelverteidiger

Serie A 2020/2021: Der Titelverteidiger

von Simon

Im Gegensatz zu den meisten anderen Titelverteidigern in ihren jeweiligen Ligen hat sich im Sommer bei Serie-A-Seriensieger Juventus Turin vergleichsweise viel getan: Da der erst vor der Saison verpflichtete Maurizio Sarri mit der alten Dame insbesondere in der Champions League die Erwartungen nicht erfüllen konnte und im Viertelfinale gegen Lyon ausschied, suchte man in Turin nach einem neuen Trainer.

Etwas überraschend fiel die Wahl auf die Vereinslegende Andrea Pirlo, der ursprünglich für Juves zweite Mannschaft als Cheftrainer eingeplant war und über keinerlei Erfahrungen als Trainer verfügt.

Zur Seite steht im dabei der Kroate Igor Tudor, der bereits seit knapp 10 Jahren als Trainer aktiv ist und in dieser Zeit unter anderem Udinese, Galatasaray und Hajduk Split betreute.

Wie die Handschrift von Andrea Pirlo und seine fußballerischen Anforderungen und Vorstellungen aussehen, wird sich wohl erst im Saisonverlauf zeigen – und ebenso, ob der ehemalige italienische Nationalspieler einer Herausforderung der Größenordnung Juventus Turin zu Beginn seiner Trainerkarriere gewachsen ist.


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Klar ist: In Norditalien ist man allein mit dem nationalen Meistertitel nicht zufrieden, auch die Champions League soll Juve erstmals seit 1996 wieder gewinnen.

Helfen sollen dabei auch eine Reihe neuer Spieler: Arthur kam im Tausch gegen Pjanic aus Barcelona, Weston McKennie wird wohl den nach Miami abgewanderten Blaise Matuidi ersetzen. Juve verjüngt also das Mittelfeld – mit Sami Khedira darf auch der letzte Ü30-Spieler auf dieser Position sich nach einem neuen Verein umsehen.

Auch in der Offensive versucht man bei der alten Dame zumindest teilweise, jüngere Spieler mit erheblichem Entwicklungspotenzial zu verpflichten: Während Dejan Kulusevski wohl zum erweiterten Stammpersonal zählen dürfte, wird der 19-Jährige Neuzugang Félix Correia von City wohl eher als Rotationsspieler fungieren.

Die Titelverteidigung wird – unabhängig von den zahlreichen Veränderungen im Verein – für Juventus wohl 2020/2021 so schwer wie lange nicht mehr. In den letzten Jahren sind Vereine wie Inter oder Atalanta den Turinern immer weiter auf die Pelle gerückt und dürften auch in der kommenden Saison ein Wörtchen mitreden wollen im Kampf um den Scudetto.

 


AC Milan VorschauAC Milan – der Herausforderer

von Moritz Löhn

Auf die Frage nach dem größten Herausforderer von Juventus Turin in der Meisterschaft gibt es mehrere legitime Antworten. Die Plätze 2,3 und 4 der letzten Saison – belegt von Inter, Atalanta und Lazio – werden höchstwahrscheinlich wieder oben mitspielen. Doch neben diesen drei Mannschaft könnte ein alter Bekannter für Aufsehen sorgen: Der AC Mailand.

Zlatan Ibrahimovic sagte im Juli, dass AC den Scudetto schon in der letzten Saison gewonnen hätte, wäre er von Beginn an dabei gewesen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich nicht überprüfen, doch Zlatan kann jetzt dabei mithelfen, den Titel das erste Mal seit 2011 wieder nach Mailand zu holen.

Seitdem Ibrahimovic wieder für die Rossoneri aufläuft, hat der Verein die zweitmeisten Punkte in der Liga geholt – nur zwei weniger als Atalanta Bergamo. Trainer Stefano Pioli hat es geschafft, aus den vielen guten Einzelspielern ein funktionierendes Team zu formen, und zwar eines mit Potential.

Viele wichtige Stammspieler sind erst Anfang 20, wie zum Beispiel Donnaruma, Hernández, Bennacer oder Kessié und mit Sandro Tonali konnte man eines der größten Talente Italiens verpflichten. Dazu kommen einige Mittzwanziger, wie Rebic oder Calhanoglu und erfahrene Spieler, wie Kjaer oder eben Zlatan. Die Mischung passt und die Ergebnisse auch.

Ein entscheidender Faktor für das Abschneiden Milans wird die Form von Hakan Calhanoglu sein. Der ehemalige Leverkusener spielte eine herausragende Rückrunde und war einer der Hauptgründe für das Formhoch. Schaffen es Calhanoglu, Rebic, Ibrahimovic und Co. ihre starke Form mit in die neue Saison zu nehmen, muss mit dem AC Mailand als ernsthaftem Titelkandidaten gerechnet werden.

 


Fiorentina VorschauDie größte Überraschung: AC Florenz

von Joachim Schultheis

In der Spielzeit 2019/20 wechselten sich Licht und Schatten in der Toskana häufig ab. Die AC Florenz hatte es unter Trainer Giuseppe „Beppe“ Iachini nicht immer leicht, doch der 56-Jährige scheint nach etlichen Stationen endlich wieder Fuß gefasst zu haben und seine DNA auf die Fiorentina übertragen zu haben.

Schließlich lief es nach dem Corona-Restart deutlich besser. Die „Viola“ besitzt einen höchst interessanten Kader, gespickt mit vielen jungen und aufstrebenden Spielern, die den Verein nach vorne bringen können.

Allein auf der Position des Mittelstürmers hat Iachini die Qual der Wahl. Christian Kouamé, Dusan Vlahovic oder doch Patrick Cutrone? Das 3-5-2-System lässt ihm viele Möglichkeiten. Zumal er im Mittelfeld ebenfalls mit starkem Personal arbeiten kann.


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Gaetano Castrovilli – nur um ein Beispiel zu nennen – hat in der vergangenen Spielzeit einen großen Sprung gemacht und sich in der Zentrale als Bindeglied zwischen Offensive und Defensive etabliert.

Der derzeit aufgeblähte Kader mit über 30 Spielern aufgrund der vielen Leih-Rückkehrer sollte noch bis zum Ende der Transferperiode ausgedünnt werden, um Unruhe zu vermeiden.

Fraglich ist in der Toskana noch, ob Florenz mit seinem extrovertierten Präsdienten Rocco Commisso ausgerechnet Beppe Iachini als den Trainer ansieht, der die Viola zurück nach Europa führen kann.

Das Spielermaterial ist vorhanden und Topstar Federico Chiesa gehört weiterhin zum Team. Ein weiterer Vorteil für die Viola: ein angenehmer Spielplan. Haben es andere Anwärter auf vordere Plätze in der Saison immer wieder mit einigen Krachern hintereinander zu tun, hat die Fiorentina immer wieder Spieltage gegen vermeintlich leichtere Gegner zwischen den Partien gegen die Teams aus den aktuellen Top 6.

 


Serie A Enttäuschung

Lazio Rom – die Enttäuschung der Serie A 2020/2021

von Joachim Schultheis

Mit so viel Vorschusslorbeeren in die Zeit nach der Covid-19-Zwangspause gestartet, hat Lazio Rom sich schon frühzeitig aus dem Rennen um die Meisterschaft verabschieden müssen.

Es hatte den Anschein, als könnte die Mannschaft von Simone Inzaghi es nicht verkraften, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende über einen längeren Zeitraum zu spielen. Stichwort: Kadertiefe.

Inzaghi baute eigentlich nur noch auf seine Stammelf, mit den Eckpfeilern Acerbi, Milinkovic-Savic, Luis Alberto, Immobile. Großartige Änderungen nahm er kaum vor – eigentlich nur, wenn er verletzungsbedingt (Correa) oder aufgrund Gelb- beziehungsweise Rotsperren musste.

Weshalb Lazio nicht das Niveau der Vorsaison halten wird, liegt auf der Hand. Die Laziali haben zwar ihre wichtigsten Spieler halten können, allerdings mussten sie Rückschläge in Sachen Neuzugänge hinnehmen.

David Silva sollte dem Offensivspiel eine neue Note geben, er wechselte dann doch zu Real Sociedad. Auch bei anderen Transfer hat es Theater gegeben. Vedat Muriqi von Fenerbahce wird wohl noch hinzukommen – doch ist der Torjäger aus dem Kosovo wirklich eine passende Verstärkung, wenn man Ciro Immobile hat?

Die Trainer der Serie A wissen um die Stärken der Hauptstädter, Inzaghi lässt in seinem 3-5-2 gerne vertikal spielen. Großartige Änderungen in seinem Matchplan sind in der Rückrunde – auch bei Rückständen – nicht vorgesehen gewesen.

Die taktische Diversität hat er vermissen lassen. Wird das den Biancocelesti schaden? Vermutlich schon, sind die Match-Pläne auf diesem Wege alles andere als überraschend für den Gegner.

Die Champions League wird eine schöne Erfahrung für den Verein sein. Alles andere als ein Ausscheiden in der Vorrunde wäre eine Überraschung. Doch ob sie diese Saison ebenfalls wieder auf einem Champions-League-Platz landen, steht in den Sternen – gut möglich, dass am Ende vier oder mehr Teams vor Lazio landen.


Sofyan Amrabat Analysis

Player to watch: Sofyan Amrabat

von Steffen Rank

Als Hellas Verona im vergangenen Sommer Sofyan Amrabat als einen der Neuzugänge nach dem Aufstieg in die Serie A präsentierte, wurde der Klub für vermeintlich konzeptlose Transfers belächelt.

Amrabat, als Leihspieler mit Kaufoption aus Brügge ins Veneto gekommen, entwickelte sich schnell zum Stammspieler. Bereits im Januar zog Verona die Kaufoption in Höhe von 3,5 Millionen Euro – um ihn direkt im Anschluss für das Dreifache nach Florenz weiterzuverkaufen.

Die Viola ließ Amrabat aber per Leihe noch bis zum Saisonende in Verona – und kann sich nun auf einen Spieler freuen, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter dem Radar läuft und doch einer der besseren Spieler der abgelaufenen Serie-A-Saison war.

Der Ex-Feyenoord-Spieler aus der Jugend des FC Utrecht galt lange als Zukunftsversprechen der niederländischen Elftal, nach durchwachsenen Jahren spielt er inzwischen jedoch für Marokko (wie sein Bruder Nordin).

Dass die in Amrabat gesteckten Hoffnungen nicht aus der Luft gegriffen waren, konnte der Mittelfeldspieler aber in der vergangenen Saison in Verona zeigen. Das richtige Umfeld, der richtige Trainer sowie vor allem dessen bedingungsloses Vertrauen ließen Amrabat leistungstechnisch explodieren.

Der 24-Jährige ist ein Spieler mit vielen Facetten, ein physisch wie technisch starker Box-to-Box-Spieler. In einem Moment zerstört er noch den Spielaufbau des Gegners in Form eines Ballgewinns mithilfe seiner Zweikampstärke oder seiner hervorragenden Antizipation, nur um im nächsten Moment das Spiel und dessen Tempo nach seinen Vorstellungen zu diktieren.


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Diese Eigenschaften, seine Spielübersicht sowie die Fähigkeit, kurze und lange Pässe exakt und mit perfektem Timing zu spielen, haben ihn zuletzt in Verona zu einem absoluten Eckpfeiler der Mannschaft werden lassen.

Sollte Amrabat das Vertrauen seines neuen Trainers Beppe Iachini nun auch in Florenz spüren und auf dem Platz Freiheiten wie in Verona bekommen, kann er das Spiel der Viola gemeinsam mit Gaetano Castrovilli und Erick Pulgar auf ein neues Niveau hieven.

Und würde sicherlich auch in der Öffentlichkeit ein ganz anderes Maß an Wahrnehmung und Anerkennung genießen dürfen – wie die Fiorentina, der mit dem Transfer für 10,5 Millionen Euro dann ein Schnäppchen gelungen wäre.


Mikkel Damsgaard Analysis

Der beste Neuzugang: Mikkel Damsgaard

von Simon

Durch den Transfer von Mohammed Kudus, der in diesem Sommer zu Ajax Amsterdam wechselte, ging der für Nordsjaelland ebenso schmerzhafte Abgang von Mikkel Damsgaard fast unter: Bereits seit Februar steht der Wechsel des dänischen Rohdiamanten zu Sampdoria fest.

Ein Blick auf die Scorerpunkte erzählt zwar nur wenig über einen Fußballer, trotzdem wird an Damsgaards Beispiel schon dort recht deutlich, warum Sampdoria den 20-Jährigen verpflichtet hat. Mit 11 Toren und 7 Vorlagen war der Flügelspieler eine der Schlüsselfiguren für den FC Nordsjaelland, der sowieso für seine überragende Jugendarbeit bekannt ist.

Dabei nahmen die Verantwortlichen des italienischen Traditionsvereins immerhin neun Millionen Euro in die Hand, um Damsgaard zu Samp zu lotsen. Obwohl dieser zwar immer wieder als Flügelspieler deklariert wird, fühlt er sich auch in zentralen Räumen sehr wohl und wurde auch bereits als Stürmer und auf der Zehn eingesetzt.

Als Flügelspieler bringt er das nötige Tempo sowie eine Stärke in Eins-gegen-Eins-Duellen mit, zieht gerne auch in die Mitte – besonders machen ihn aber vor allem die klugen Anschlussaktionen. Damsgaard trifft zumeist hervorragende Entscheidungen und vermag es, seine Mitspieler hervorragend in Szene zu setzen.

Auch in den Halbräumen fühlt sich der junge Däne extrem wohl, auch Situationen mit starkem Gegnerdruck machen ihm nichts aus. Hinzu kommt ein starker Abschluss, sowohl aus der Distanz als auch als klassischer “Finisher” sind die Qualitäten des 20-Jährigen unverkennbar.

Nun also der Schritt in eine Top-Liga, mit Sampdoria Genau hat sich Damsgaard eher einen Mittelklasse-Klub ausgesucht. Ob der Verein aber das optimale Umfeld für die Entwicklung eines jungen Talentes mitbringt, darf angezweifelt werden: In den vergangenen zehn Jahren beschäftigte der Verein vierzehn Übungsleiter, Claudio Ranieri hält sich immerhin seit Oktober 2019.

Dass Mikkel Damsgaard alles mitbringt, um den nächsten Schritt zu gehen, ist so gut wie sicher. Und schlussendlich setzt sich die Klasse solcher Spieler unabhängig vom Umfeld durch.

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Simon
Simon
Wenn mich der Journalist bei Fußball Manager früher gefragt hat, von welcher Sportart sich der Fußball etwas abschauen kann, war meine Antwort stets: "Ich bin generell ein sehr sportbegeisterter Mensch."

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