Nicht nur den großen Stars wie Messi, Coutinho oder Cavani gehört bei der Copa America 2019 die Bühne. Auch die Spieler, die in Europa größtenteils noch unbekannt sind, wollen in Brasilien groß aufspielen.

Was zeichnet unsere „Players to Watch“ aus? Zunächst einmal die Tatsache, dass sie vor Turnierbeginn 25 Jahre oder jünger sind, und noch unter dem Radar spielen. Manche von ihnen spielen wie Kolumbiens Jefferson Lerma bereits in einer Top-5-Liga.

Andere, wie zum Beispiel Ecuadors Cristian Ramírez, spielen sich in kleineren Ligen in die Notizbücher großer Clubs. Ob nun im ersten oder im zweiten Anlauf: Unsere Players to Watch haben bei der Copa America 2019 allesamt das Zeug im Turnier für eine Überraschung zu sorgen.

Die Copa America 2019 Players to Watch im Überblick:

Gruppe A
Brasilien – Everton
Bolivien – Luis Haquín
Venezuela – Wuilker Fariñez
Peru – Renato Tapia

Gruppe B
Argentinien – Renzo Saravia
Kolumbien – Jefferson Lerma
Paraguay – Derlis González
Katar – Akram Afif

Gruppe C
Uruguay – Gastón Pereiro
Ecuador – Cristian Ramírez
Japan – Takefusa Kubo
Chile – Paulo Díaz

Hier geht’s zu den kompletten Teamportraits unserer Copa America 2019 Vorschau



Brasiliens Player to Watch: Everton

Auch in diesem Sommer blieb wieder eine Vielzahl von Stars zu Hause, die andere Fußballnationen mit Kusshand nehmen würden. Spieler wie Douglas Costa, Felipe Anderson oder Vinícius Júnior nominierte Tite aus den unterschiedlichsten Gründen nicht für die Copa.

Für Aufsehen sorgte hingegen die Nominierung von Grêmios Everton Sousa Soares, der hierzulande nur wenigen ein Begriff sein dürfte.

Mit 23 Jahren ist der Linksaußen beileibe kein Youngster mehr, den man als Trainer fast schon obligatorisch nominiert.

Der in Maranacaú geborene Offensivmann schaffte 2014 den Sprung in den Profikader Grêmios und steht Gerüchten zu folge auf den Wunschzetteln von Manchester City, Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen.

Seinen Vertrag verlängerte er vor knapp einem Jahr bis Ende 2022 und ließ sich in diesen eine Freigabesumme von über 60 Mio. Euro eintragen.

Was hat Everton also, was Douglas Costa & Co. nicht haben? Zunächst einmal muss man sagen, dass es in Brasilien sehr ungern gesehen wird, wenn kein junger Spieler aus der eigenen Liga in den Kader der Seleção nominiert wird. Das dürfte ein Pluspunkt Evertons sein.

Der andere ist, dass er anders als Douglas Costa auf dem linken Flügel spielen und von dort aus nach innen ziehen kann.

In seinen Fähigkeiten erinnert der Grêmio-Star schon stark an den ehemaligen Bayernspieler. Everton driftet gerne vom linken Flügel in den anliegenden Halbraum und vereinzelt sogar ins Zentrum.

Seine teils chaotische Spielweise gibt seinem Team immer eine gewisse Durchschlagskraft, die er in Brasiliens erster Liga bei schwächeren Gegenspielern gut ausspielen kann, insbesondere, wenn er im Konterspiel große Räume überbücken kann.

Auf höchstem europäischem Niveau ist er noch nicht ganz angekommen, da er manches Mal noch zu sehr mit dem Kopf durch die Wand will und sich noch immer oft verrennt.

Einen Mehrwert kann Everton seinem Team insbesondere in der Schlussphase von engen Partien bringen. Mit seiner quirligen Art kann er in engen Spielen noch ein Gamechanger für sein Team sein und Fouls ziehen.

Zudem verfügt er über einen straffen Abschluss, mit dem er auch aus der Distanz gefährlich werden kann. Aber auch hier hat er noch eine zu große Streuung drin, als dass er als Scharfschütze bezeichnet werden könnte.

Nichtsdestotrotz gilt es den jungen Brasilianer im Auge zu behalten. Gut möglich, dass Everton sich bei der Copa América auch in Europa Bekanntheit erspielt.



Boliviens Player to Watch: Luis Haquín

Der Kader der La Verde gibt wenige Talente her und besticht eher durch eine homogene Zusammensetzung lokaler Spieler. Doch haben sie 2 Spieler in ihren Reihen, deren Talent sie in die weite Welt, nach Mexiko, geführt hat.

Zum einen ist das der erfahrenere Alejandro Chumacero, ein technisch starker Spieler. Er gilt als fußballerisch bester Spieler der Bolivianer. Der kleine, variable Mittelfeldspieler spielt für den Puebla FC und ist dort genauso gesetzt wie in der Nationalmannschaft.

Sein Club-Kamerad in Mexiko ist Luis Haquín. Der 1.89 Meter große Innenverteidiger ist mit 21 Jahren eines der größten Hoffnungen des Landes.

Der junge Spieler, der Anfang des Jahres für knapp 200.000 Euro von Oriente Petrolero nach Mexiko gewechselt ist, bringt ein interessantes Spielerprofil mit.

Er bringt alles mit, was ein moderner Verteidiger benötigt. Haquin zeigt bereits in jungen Jahren ein gutes Auge im Stellungsspiel und antizipiert Zweikämpfe gut.

Durch seine Körpergröße bringt er ein gutes Kopfballspiel und Robustheit mit. Und trotz seiner Größe ist er schnell, technisch versiert und hat ein sicheres Passspiel.

In der Offensive bringt er sein Gardemaß und seine Kopfballstärke ebenfalls gut ein, zeigt bei Standards Torgefahr und weiß seine Athletik zu nutzen.

Positionell kann er in der Innenverteidigung variabel eingesetzt werden, spielt aber meist den rechten Innenverteidiger. Wenn Bolivien zu einer 5er Kette zusammenrückt, spielte er dort oft den zentralen Mann. Dann genießt er räumliche Freiheiten um kann seine technische und spielerische Stärke auszuspielen.

Trotz bereits gesammelter Erfahrung in der bolivianischen Primera Division ist er auf höherem Niveau noch unerfahren. Bei Puebla hat er zwar erste Einsatzzeiten erhalten, sitzt aber meistens noch auf der Bank.

Es wird spannend zu sehen sein, wie er sich gegen stärkere Teams und individuell bessere Spieler beweisen kann.



Venezuelas Player to Watch: Wuilker Fariñez

Einer der wohl besten Spieler Venezuelas findet sich nicht auf dem Feld sondern im Tor. Mit Wuilker Fariñez steht ein erst 21-Jähriger im Kasten der „Vinotintos“, doch trotz dieses noch jungen Alters mangelt es dem Venezolaner keineswegs an Erfahrung.

Bereits im zarten Alter von nur 15 Jahren unterschrieb Fariñez seinen ersten Profivertrag – ein Drei-Jahres-Vertrag beim erfolgreichsten Verein Venezuelas, Caracas FC. Sein Debüt folgte nur wenig später.

Für die Torneo Apertura wurde der damals erst 17-jährige Wuilker Fariñez zum Stammtorhüter von Caracas einberufen.

Bereits in seiner zweiten Saison wurde der 1,83m große Torhüter in die Elf der Saison gewählt und zum Keeper des Jahres gewählt. Kurz nach seinem 18. Geburtstag gab der Venezolaner sein Debüt für die Nationalmannschaft.

Aufgrund dieser starken Leistungen zog der junge Torhüter das Interesse vieler südamerikanischer Großklubs auf sich.

Nach einer fantastischen U20-WM 2017, bei der Wuilker Fariñez mit seinen herausragenden Paraden einen großen Anteil am Finaleinzug der jungen „Vinotintos“ hatte, wurden jedoch auch europäische Top-Klubs auf das Top-Talent aufmerksam.

Anstatt eines Wechsels nach Europa entschied sich der Torhüter, der bei der U20-WM in 7 Spielen lediglich drei Tore kassierte, für einen Transfer nach Kolumbien. Bei den Millonarios unterschrieb der junge Keeper einen Vertrag bis 31.12.2020.

Es wäre jedoch gut möglich, dass Fariñez nicht mehr lange beim 15-fachen kolumbianischen Meister spielen wird, denn mit dem FC Barcelona hat ein Top-Verein seine Fühler nach dem Talent ausgestreckt.

Ein Grund dafür dürften die Agilität und die schnellen Reflexe von Wuilker Fariñez sein. Der junge Venezolaner ist wahnsinnig schnell und aufgrund seiner tiefen Haltung unfassbar solide bei flachen Bällen – vor allem bei Elfmetern scheint der flinke Torhüter unschlagbar.

Aufgrund seiner geringen Größe von nur 1,83m sind höhe Bälle hingegen eine der Schwächen des jungen Keepers.

Nichtsdestotrotz verfügt der 21-Jährige über eine beachtliche Sprungkraft und überrascht so auch immer wieder mit beeindruckenden Flugparaden – wohl auch bei der Copa America 2019.



Perus Player to Watch: Renato Tapia

Im Testspiel gegen Costa-Rica durfte der 23-jährige Achter sein Team zum ersten Mal als Kapitän auf den Platz führen. Eine große Ehre für den drittjüngsten Spieler im Kader der Seleccion Peruana und gleichzeitig der vorläufige Höhepunkt einer steilen Aufwärtskurve im Jahr 2019.

Nachdem Tapia, wegen einer Knieverletzung, fast die komplette Hinserie verpasst hatte, lieh sein Stammverein Feyenoord ihn im Winter zu Willem II aus.

Ein Glücksfall: In Tilburg verpasste er nur ein Spiel und war einer der Garanten für den sicheren Klassenerhalt.

Seine Fähigkeiten passten gut in das junge und offensivstarke Team. Tapia ist dynamisch und blockt viele Bälle. Außerdem hat er ein starkes Tackling, das er sehr gerne einsetzt.

Wichtige Zutaten um seine Mannschaft defensiv zu stabilisieren. Sein größtes Problem ist derzeit noch seine Konzentration.

Manchmal wirkt er abwesend oder verlässt seine taktische Position zu früh. Diese Undiszipliniertheiten führen manchmal zu guten Möglichkeiten für den Gegner.

Besonders in der sehr offensiven Ausrichtung der Peruaner sollte er das bei der Copa abstellen.

Offensiv ist besonders sein starkes Dribbling hevorzuheben, mit dem er leicht eine Reihe des Gegners überspielen oder sich auch unter Bedrängnis befreien kann, ohne den Ball zu verlieren.

Tapias Passspiel ist relativ solide. Er spielt selten Fehlpässe, tut sich aber nicht durch viele vorbereitete Chancen hervor. Auch als Torschütze tritt er eher selten in Erscheinung.

Für das Spiel von Peru sind in erster Linie Tapias Fähigkeiten als Stabilisator gefragt. Er ist einer von nur fünf Verteidigern und drei zentralen Mittelfeldspielern in Garecas Kader. Ein Umstand der für einige Aufregung im Andenstaat sorgte.

Nach dem Spiel gegen Costa Rica wiegelte er diese Kritik aber ab: „Wir sollten der Auswahl vertrauen. Wir sind alle Spielbereit.“ Gut für Gareca, denn Tapia wird ein wichtiger Baustein für den Erfolg seines Teams sein.

Und auch für den Mittelfeldspieler persönlich könnte sich der Trip nach Brasilien lohnen: Cruz Azul aus der zahlungskräftigen mexikanischen Liga hat schon Interesse angemeldet. Gute Leistungen am Zuckerhut werden seine Aktien auch bei anderen Vereinen steigen lassen.



Argentinien Player to Watch: Renzo Saravia

Normalerweise hätte hier ein Text zu Exequiel Palacios gestanden. Unglücklicherweise verletzte sich der 20-Jährige kurz vor Turnierbeginn so schwer, dass er kurzfristig aus dem Kader gestrichen werden musste.

Nichtsdestotrotz haben die Argentinier eine Vielzahl von interessanten Akteuren in ihren Reihen, auf die man ein Auge werfen sollte. Ein verstärkter Fokus sollte bei der diesjährigen Copa América auf die rechte Abwehrseite gerichtet werden.

Die rechte Abwehrseite der Albiceleste bereitet den Entscheidern bei der AFA schon seit vielen Jahren Bauchschmerzen.

Über 17 Jahre (1994-2011) war es die Heimat vom legendären Javier Zanetti, der satte 143 Länderspiele für Argentinien absolvierte und als damaliger Rekordnationalspieler, der Albiceleste seine Karriere beendete.

Seine Nachfolge wurde erst improvisiert (Otamendi, Gutierrez) und schließlich konnte mit Pablo Zabaleta und Defensivallrounder Gabriel Mercado die Lücke zumindest für ein paar Jahre eher zähneknirschend geschlossen werden.

Doch im Hintergrund drehte das große Personalkarussel auf der Suche nach einer echten Option immer schneller: Salvio, Bustos, Montiel, Gomez, Rojo, Funes Mori und Roncaglia durften sich als Rechtsverteidiger probieren – doch keiner überzeugte.

Lediglich Independientes Fabricio Bustos wurde den Erwartungen erst gerecht, fiel aber der desaströsen 1-6 WM Testspielniederlage in Madrid zum Opfer, als die Albiceleste wie eine Altherrentruppe verteidigte und von den Spaniern nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen wurde.

Nach der WM wurde die Position neu ausgeschrieben.

Mit Renzo Saravia (25) könnte nun endlich ein neuer Herrscher für rechts hinten gefunden worden sein. Ein Gegengewicht zur einzigen wirklichen Konstanten im Abwehrverbund der Albiceleste, Ajax Links-Verteidiger Nicolás Tagliafico.

UPDATE: Saravias Wechsel zum FC Porto (5,5 Millionen € Ablöse) ist schon jetzt in trockenen Tüchern.

 

Saravia verfügt über eine mehr als solide Technik, ist schnell, kann hinten dicht machen, sich aber auch vorne mit einschalten.

Dank einer aufregenden Saison beim aktuellen Meister Racing Club spielte sich Saravia – auch dank eines individuell grandiosen Saisonstarts – in den Blick von Trainer Scaloni.

Saravia durfte sich versuchen und performte, als ob er schon Jahre Teil der Albiceleste wäre. Gerade sein starker Auftritt im Testspiel gegen Brasilien, als er Superstar Neymar über die gesamte Spielzeit den Zahn zog, überzeugten Trainer und Mannschaft.

Mit Blick auf seine Karriere erkennt man, dass Saravia sich stetig weiterentwickeln konnte.

Bei seinem Heimatverein Belgrano debütierte er im Februar 2013, zwei Jahre später war er absolute Stammkraft. Zur Saison 2017/18 holte ihn Manager Diego Milito zu Racing Club, wo er sogleich zu überzeugen wusste.

Für Saravia öffnen sich durch die Nominierung gleich zwei Türen. Ein wohl gesicherter Startelfplatz bei der Copa América im Team von Lionel Messi, und zudem die Chance sich vor den Augen der europäischen Scouts für höheres zu empfehlen.



Kolumbien Player to Watch: Jefferson Lerma

Jefferson Lerma ist mit Rückenwind zur Nationalmannschaft geflogen. Der defensive Mittelfeldspieler kann auf eine starke Debütsaison bei Bournemouth zurückblicken.

Der Rekordtransfer der Cherries passte sich problemlos an die Premier League an und wurde zum Publikumsliebling.

Seine Qualitäten hat der 24-Jährige besonders in der Defensive. Lerma blockt viele Bälle und oft kann er Pässe des Gegners dank einer hervorragenden Ausdauer und Übersicht abfangen. Trotz seiner 1,79 m ist er extrem Kopfballstark.

Probleme hat er bisweilen noch dabei Bälle zu halten, die ihm häufig vom Gegner abgenommen werden. Das hängt allerdings auch mit der Gewöhnung an das wahnwitzige Tempo in der Premier League zusammen.

Für die Kolumbianer könnte er der starken Offensive den Rücken freihalten. Besonders James kann von der Defensivstärke seines Mitspielers profitieren und mit Lerma im Rücken frei aufspielen.

Außerdem ist Lerma ein besserer Aufbauspieler als sein Konkurrent Barrios und sorgt gerne mit wuchtigen Distanzschüssen für Torgefahr.

Eine starke Copa wird den Marktkwert Lermas weiter erhöhen. Zwar bekannte er sich erst jüngst zu seinem aktuellen Club, bei einem Angebot der Top-6 könnte er allerdings schwach werden.



Paraguays Player to Watch: Derlis González

Die Copa America ist ein Schaulaufen verschiedenster Spieler: Neue Talente werden entdeckt, Altstars wie Oscar Cardozo spielen ihr vermutlich letztes großes Turnier, Weltklasse-Spieler wie Lionel Messi laufen mit unbekannten Mitspielern auf und bereits vergessene Spieler werden wiederentdeckt.

Einer dieser Spieler, die fast gänzlich von der Bildfläche verschwunden sind, ist Derlis González – der Player to watch bei Paraguay.

González war rechter Flügel in der Mannschaft des FC Basels, welche 2014/2015 sensationell in einer Gruppe mit Real Madrid und dem FC Liverpool das Achtelfinale erreichten. Der Paraguayer – damals 20 Jahre alt – war Stammspieler und konnte in 8 Spielen 3 Tore erzielen, eins davon gegen Real Madrid.

Nach einer starken Saison beim FC Basel nahm ihn Dynamo Kiew für 9,4 Millionen Euro unter Vertrag. Die Spielzeit begann für den Flügelspieler mit einer Muskelverletzung, die er noch aus Basel mitgenommen hatte.

Anschließend zeigte er starke Leistungen in der Ukraine, die aber nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllten, die an ihn gestellt wurden.

So wurde González im Sommer 2018 für 2 Jahre zum FC Santos ausgeliehen. Dort kommt der inzwischen 25-Jährige jedoch fast ausschließlich als Joker zum Zug. Die Copa America ist nun die große Chance für den Flügelspieler, seine Qualitäten vor einer größeren Bühne unter Beweis zu stellen.

Der 1,72m große González überzeugt mit seiner Dribbelstärke und einem überaus kreativen Passspiel. Der Paraguayer rückt gerne vom Flügel in den Halbraum ein, um von dort seine gefürchteten Schnittstellenpässe mit dem rechten Fuß zu spielen.

Berizzo lässt González in seinem Bewegungsspiel viele Freiheiten. So taucht er manchmal gar im zentralen Mittelfeld auf, um das Spiel zu verlagern oder nach vorne zu treiben. Dabei findet er einen guten Rhythmus und trifft selten überhastete Entscheidungen.

Nach zwei enttäuschenden Jahren in Brasilien kann González seine Qualitäten nun bei der Copa America präsentieren. Berizzo scheint auf ihm zu vertrauen und seine Fähigkeiten passend einzubinden. Gegen Argentinien und Kolumbien werden die Augen nicht nur auf Messi bzw. James gerichtet sein, sondern auch auf Derlis González.

Es liegt an ihm, diese Chance zu nutzen.



Katars Player to Watch: Akram Afif

Das größte Talent im Kader der Katarer ist der 22-jährige Offensivspieler Akram Afif.

Bei der Asienmeisterschaft war er an knapp zwei Dritteln der Tore seiner Mannschaft direkt beteiligt und für seinen Leihklub al Sadd erzielte er in der Liga in 22 Spielen satte 26 Tore und 13 Vorlagen.

Nach einigen kurzen Stationen in Europa, unter anderem in Eupen, in Gijon und bei seinem Stammclub Villareal, steht er nach der Sommerpause vor der Rückkehr in La Liga.

Afif, der bei seinem ersten Aufenthalt in Spanien vor allem an der Sprachbarriere und einer mangelnden Durchsetzungsfähigkeit gescheitert war, hat im vergangenen Jahr einen großen Sprung nach vorne gemacht.

Er hat einen überragenden Abschluss, ein starkes Dribbling im Eins gegen Eins und schlägt hervorragende Flanken. Afifs gefährlichste Waffe ist jedoch der explosive Antritt, mit dem er sich mit und ohne Ball vom Gegenspieler lösen kann.

In der Nationalmannschaft glänzte er zuletzt vor allem als Passgeber. Wenngleich Afif eigentlich beidfüßig ist, spielt er den Ball etwas lieber mit seinem rechten Fuß.

Von der linken Seite pendelt der 1,77 Meter große Offensivspieler gerne in die Mitte. Bekommt er hier den Ball, bieten sich ihm verschiedene Möglichkeiten.

Ein schnelles Dribbling auf die Abwehr, ein Pass in die Spitze oder auf den Flügel oder eine Ablage mit der Hacke: Afif denkt schnell und hat meistens eine passende Lösung parat.

Die Copa ist auch eine Generalprobe für neue Aufgaben in Europa. Für sein Land wäre es im Hinblick auf die Heim-WM ein gutes Zeichen, wenn sich der beste Spieler im Ausland beweisen kann.



Uruguays Player to Watch: Gastón Pereiro

Die bereits angesprochene schwache Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff könnte Gastón Pereiro beheben helfen. Der 23-Jährige spielte lange keine Rolle im Nationalteam.

Und das obwohl er seit immerhin schon vier Jahren für die PSV Eindhoven spielt und in 146 Spielen auf 47 Tore und 21 Assists für die Rood-witten kommt.

Pereiro galt einst als Wunderkind und wechselte als 20-Jähriger für 7 Millionen € von Nacional Montevideo in die Eredivise.

Weil die Ü30er Cristian Rodríguez und Carlos Sánchez seit der WM 2018 keine Rolle mehr spielen und das ewige Talent Giorgian de Arrascaeta im Nationaldress bisher nicht zu überzeugen wusste, bestand auf den offensiven Mittelfeldpositionen Handlungsbedarf.

Die regelmäßige Nominierung des vielseitigen Legionärs war längst überfällig. In sechs Einsätzen seit der WM überzeugte der zentrale offensive Mittelfeldspieler prompt und kommt auf vier Tore in sechs Spielen.

Ob es für die eher defensiv eingestellte Startelf reicht muss bezweifelt werden aber mit Pereiro hätte Uruguay zum ersten Mal seit langer Zeit eine vielversprechende Option auf der Bank.

Eindhovens Nummer 7 ist ein passstarker und torgefährlicher Zehner, der auch auf den beiden Außenbahnen eingesetzt werden kann.

Der vergleichsweise große Spieler (1,88 m) ist zudem ein starker Distanz- und Freistoßschütze. Aufgrund seiner körperlichen Vorteile und der guten Technik ist er im Dribbling nur schwer zu stoppen.

Gastón Pereiro verleiht der himmelblauen Offensive dringend benötigte Tiefe und könnte gerade in Verlängerungen zum entscheidenden Faktor werden.



Ecuadors Player to Watch: Cristian Ramírez

Cristian Leonel Ramírez ist besonders Fans des 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf ein Begriff. Der Linksverteidiger spielte zwischen 2013 und 2015 in Deutschland und konnte sich nie so wirklich durchsetzen.

Über Ferencváros Budapest ging es im Januar 2017 zu FK Krasnodar, wo er seither zum Stammpersonal der Russen. Der 24-Jährige hat einen starken Offensivdrang, mit dem er im Alleingang die linke Seite bearbeiten kann.

Ramírez ist besonders stark darin, Flanken so in die Box zu schlagen, dass der Abnehmer den Ball lange berechnen kann. Er schlägt diese gerne im hohen Bogen auf den zweiten Pfosten oder den Rückraum, wo beispielsweise Enner Valencia als Abnehmer parat stehen kann.

Im Schnitt gewinnt er 2,7 Dribblings pro Partie, was ihm zu einem potenziell geeigneten Spieler macht, der Drucksituationen souverän auflösen kann.

Ramírez könnte sich dadurch zur Geheimwaffe Ecuadors entwickeln, wenn er insbesondere im Umschaltspiel seine Pressingresistenz ausspielen und Konter vorantreiben kann.

Obgleich er seine Qualitäten auf den ersten Blick vorrangig in der Offensive besitzt, ist in der Defensive auf ihn verlass. Er gewinnt 61% seiner Tacklings und weiß sich trotz 1,74m Körpergröße im Zweikampf zu behaupten.

Probleme hat er meistens, wenn sein Gegenspieler am langen Pfosten einläuft. Hier verliert er seinen Gegner gerne mal aus dem Auge.

So oder so ist Ramírez einer der interessantesten Linksverteidiger der diesjährigen Copa América auf den man definitiv ein Auge werfen sollte.



Japans Player to Watch: Takefusa Kubo

Für die Samurai Blue steht seit dem Ende der WM eine Verjüngungskur an und es gibt aktuell viele Möglichkeiten den Pool an Talenten auszuprobieren.

In den Monaten Mai und Juni nimmt zum Einen die U20-Auswahl an der Weltmeisterschaft in Polen teil, die U22 reist zum 47. Jugendturnier in Toulon und die Weltmeisterinnen von 2011, Nadeshiko, das sei hier erwähnt, spielen bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich.

Für die Herren wurden noch zwei Kader nominiert: der eine für zwei Testspiele gegen Trinidad & Tobago und El Salvador, der zweite für die Copa America.

Die Nominierungen für die Copa America und alle anderen Turniere müssen auch unter dem Aspekt, der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele im eigenen Land zu sehen sein.

Während es aus japanischer Sicht einige interessante junge Spieler aus der heimischen Liga in den Kader geschafft haben, dürfte die wohl auffälligste Nominierung das Supertalent Takefusa Kubo sein.

Wer ihn vermeintlich nicht kennt, dürfte ihn lediglich vergessen haben. Denn die Geschichte Kubos, und dessen erzwungener Abgang aus der Fußballschule des FC Barcelona, war vor einigen Jahren ziemlich präsent.

Geboren am 4. Juni 2001 in Kawasaki, südlich der Metropole Tokyo, wird Takefusa Kubo aller Voraussicht nach der zweitjüngste japanische Nationalspieler der Geschichte werden.

Das Talent des damals 10 Jahre alten Kubo hatte der FC Barcelona früh erkannt. Mit seiner Familie wurde das Wunderkind nach Spanien gelotst und genoss vier Jahre die Ausbildung in La Masia.

In seiner ersten kompletten Spielzeit in Barcas Alvin C traf Kubo 74 Mal in 30 Spielen und hinterließ in mehreren Jugendturnieren einen guten Eindruck.

Die gute Stimmung währte, solange niemand auf den Verstoß des FC Barcelona gegen Transfer-Statuen des Kontinental-Verbandes FIFA aufmerksam machte.

Denn der Umzug der Eltern in die spanische Stadt, wurde nur oberflächlich verschleiert, um Kubo in den eigenen Verein aufnehmen zu können.

Barca wurde von der UEFA bestraft und Familie Kubo kehrte nach Japan zurück, wo Takefusa seitdem in den Mannschaften des FC Tokyo spielt.

Warum sich dieser Text so viel auf die Geschichte des Spielers und nicht die Gegenwart konzentriert liegt darin begründet, dass es zu Kubo in Japan nicht viel zu schreiben gibt.

Wenngleich es nur in der U23 des FCT in der dritten (semi-)professionellen Liga Japans war, gilt Takefusa Kubo mit 15 Jahren fünf Monaten und einem Tag offiziell als jüngster Spieler des japanischen Profifußballs.

Während der vorherige Rekordhalter Takayuki Morimoto sein Debüt und Rekord 2004 noch im Oberhaus gab, wird Kubo aus demselben Grund als jüngster Torschütze der Ligageschichte gelistet – was die besonderen Fähigkeiten Kubos nicht schmälern soll.

Nach der Ankunft in Japan wurde seine Entwicklung medial stark begleitet. Die Leute wollten wissen, was der Wunderknabe auf dem heimischen Rasen anstellen würde, riesige Fotografentrauben bildeten sich um den jungen Spieler, doch kurze Zeit später fokussierten sich das Medieninteresse auf die hochkarätigen Transfers von Ligakonkurrent Vissel Kobe.

Vielleicht ein Glücksfall, denn so konnte Kubo sich fernab der medialen Berichterstattung entwickeln und steht in seiner voraussichtlich letzten Hinserie in Japan den älteren Teamkollegen beim FC Tokyo in nichts nach.

Bislang ist nur zu erwarten, dass Kubo, nach seinem 18. Geburtstag das Land verlassen wird.

Ob es der FC Barcelona sein wird, der sich die Dienste des einstigen Schützlings sichern wird oder Real Madrid, die dem ewigen Konkurrenten ein Schnippchen schlagen wollen, ist unklar.

Kubo spricht jedenfalls fließend Spanisch und präsentiert sich, in seinen letzten Spielen in Japan in herausragender Form.



Chiles Player to Watch: Paulo Díaz

Der 23-Jährige hat einen wahrlich ungewöhnlichen Karriereweg eingeschlagen. Beim zweimaligen chilenischen Meister CD Palestino ausgebildet, feierte er im Mai 2013 sein Debüt im Profibereich.

2015 ging es dann zum Kultverein Chiles CSD Colo Colo, wo er satte zwei Minuten Spielzeit verbuchen konnte. Ende Januar des Folgejahres ging es dann zum argentinischen Supercopa-Sieger CA San Lorenzo.

Díaz avancierte bei El Ciclón zum Stammspieler und erzielte in seinen 63 Spielen sechs Treffer und bereitete vier weitere vor.

Vorrangig wurde er als rechter Verteidiger eingesetzt, der in erster Linie mit defensiven Aufgaben betraut war. Díaz ist mit 1,84 Metern Körpergröße und breiten Schultern alles andere als ein flinker Außenverteidiger.

Vielmehr ist er ein sehr guter Athlet, der über die Endgeschwindigkeit und direkte Zweikämpfe kommt.

Da er aber auch mit Ball am Fuß gut dribbeln und passen kann und er in seiner Anfangszeit bei San Lorenzo einige Schwächen in der Verteidigung hatte, stellte ihn sein damaliger Trainer Diego Aguirre auf die Außen.

In der Regel ist es ja so, dass talentierte Kicker aus Südamerika das große Ziel Europa vor Augen haben, sollten sie den Durchbruch in der heimischen Liga haben. Der Chilene hingegen wählte einen unkonventionelleren Weg.

Im August 2018 wechselte er nach Saudi-Arabien zu Al-Ahli – mit nicht mal 23 Jahren. Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass sich Díaz vom Geld hat leiten lassen.

Da wir das an dieser Stelle jedoch nicht beurteilen können, konzentrieren wir uns auf seine spielerische Entwicklung seit seinem Wechsel.

Der mittlerweile 24-Jährige zeigt auch heute noch Schwächen im Herausrücken. Hin und wieder stürzt er mit schlechtem Timing auf den Gegenspieler und öffnet gefährliche Räume in der Innenverteidigung.

Das ist besonders bei dominanten Teams eine prekäre Situation, wenn die Innenverteidiger bei gegnerischen Kontern hochstehen und diese verteidigen wollen. Ein Fehler kann hierbei verheerend sein.

Hat er einen schnellen, wendigen Gegenspieler wirkt der Chilene mitunter hüftsteif und kann deshalb laut Instat auch nur etwas mehr als die Hälfte seiner Tacklings gewinnen (54% in den letzten 20 Spielen).

Mit Ball am Fuß ist er dennoch in der Lage einen durchaus sauberen Spielaufbau voranzutreiben und mit seinen Pässen mehrere Pressinglinien zu durchbrechen.

In Luftzweikämpfen ist er robust und gewinnt knapp zweidrittel seiner Duelle. Bei Standards kann er folglich eine echte Waffe für die Reinaldo Ruedas Team werden.

In der Nationalmannschaft kam er zuletzt seltener zum Einsatz, auch, weil Rueda seine Innenverteidigung aus Medel und Maripán gefunden zu haben scheint. Als Rechtsverteidiger ist Mauricio Isla aufgrund seines Offensivdrangs besser geeignet.

Nichtsdestotrotz ist Díaz ein hochinteressanter Verteidiger, der auf allen Positionen der Viererkette flexibel einsetzbar ist und auf den einige Vereine in Europa ein Auge werfen sollten.

Vielleicht bekommt er ja bei der Copa América seine Chance und spielt sich ins Rampenlicht.


Share: