Die besten Fußball Talente 2020 | Australien & Ozeanien

Abseits der besten Talente der Welt brachte die Region Australien und Ozeanien in den letzten Jahren immer wieder talentierte Fußballer hervor. Diese Talente müssen sich keineswegs vor der Konkurrenz verstecken.

Ihre Stärken und Schwächen machen sie gerade für kleinere Vereine interessant. So ist es nicht verwunderlich, dass u.a. der FC Bayern München mittlerweile die besten Talente aus Australien und Ozeanien auf dem Schirm hat.

Wir möchten euch eine Reihe der besten Talente aus dieser Region vorstellen.

Die besten Fußball Talente aus Australien & Ozeanien 2020:

Noah BoticTSG 1899 Hoffenheim U19
Liberato CacaceWellington Phoenix
Jacob ItalianoBorussia Mönchengladbach II
Leon KofanaHenderson Eels
Raphael Le’aiHenderson Eels
Max MataGrasshopper Club Zürich U21
Moana PitoAS Tefana
Kishan SamiBa FC
Sam SuttonWellington Phoenix Reserves
Tevaitini TeumereFC Toulouse U19


 

Noah Botic Porträt

Noah Botic

von Thomas Reichart

Als sich die TSG Hoffenheim im August 2019 die Dienste des damals 17-jährigen Noah Botic sicherte, war noch nicht abzusehen, dass der Australier mit kroatischen Wurzeln wenige Wochen später eine der Überraschungen der U17 WM werden würde.

Beim Turnier in Brasilien erzielte der Rechtsfuß in vier Spielen vier Tore, konnte damit aber das Ausscheiden im Achtelfinale gegen Frankreich nicht verhindern.

Zurück im Kraichgau machte Botic umgehend dort weiter, wo er in Südamerika aufgehört hat, traf seitdem in der U19-Bundesliga in vier Spielen zweimal und legte einen weiteren Treffer auf.

Noah Botic Skills

Der 1,81m große Mittelstürmer kam vor der Saison von den Rockdale City Suns, einem Klub aus der National Premier League in New South Wales, der zweithöchsten australischen Spielklasse, und entschied sich dabei bewusst für das beschauliche Hoffenheim, trotz angeblichem Interesse von Schwergewichten wie dem FC Bayern München oder Manchester United.

Der in Sydney geborene Botic ist der Cousin von Tomi Juric, der aktuell für den bulgarischen Rekordmeister ZSKA Sofia auf Torejagd geht und 2018 bei der WM in Russland für die australische Nationalmannschaft auflief.

Obwohl Botic auch für Kroatien spielberechtigt wäre, entschied er sich, ebenso wie Juric, für sein Geburtsland und gegen den Vizeweltmeister. Sein erklärtes Ziel ist es wie sein älterer Cousin für die „Socceroos“ bei großen Turnieren anzutreten.

Der Hoffenheimer Jung-Profi ist ein aggressiver, für das Team arbeitender Stürmer der sich durch hohe Lauf- und Pressingbereitschaft auszeichnet, womit er geradezu prädestiniert ist für die Philosophie moderner Trainer wie beispielsweise dem Hoffenheimer Ex-Coach Julian Nagelsmann.

Ein Vergleich mit Mario Mandzukic drängt sich auf, auch wenn der junge Australier noch nicht an das Kopfballspiel des ehemaligen Bayern-Profis herankommt. Außerdem lässt sich Botic gern ins Mittelfeld fallen, wo sein gutes Auge für den Mitspieler und seine zweifellos vorhandene Spielintelligenz zur Geltung kommt.

Man könnte sich ihn daher auch gut als hängende Spitze oder auf der Zehnerposition vorstellen.

Neben dem oben bereits erwähnten Kopfballspiel kann er jedoch noch an seiner Ballbehandlung, insbesondere der An- und Mitnahme arbeiten. Hier verspringen ihm noch des Öfteren die Bälle. Aktuell kann er dieses Manko durch seine körperliche Stärke kompensieren, dies dürfte jedoch im Herrenbereich deutlich schwieriger werden.

Alles in allem ist Noah Botic ein sehr spannender Spieler, denn torgefährliche, spielstarke und gleichzeitig hart arbeitende Mittelstürmer sind rar im Weltfußball.


 

Liberato Cacace Porträt

Liberato Cacace

von Alex Rudies

Liberato Cacace hat italienische Wurzeln, spielt aber bereits für die neuseeländische Nationalmannschaft, die aktuell eine Verjüngungskur durchläuft. Aushängeschild dieser ist Sarpreet Singh, der mittlerweile bei Bayern München spielt.

Vor einem halben Jahr lief Singh noch zusammen mit Cacace bei Wellington Phoenix in der australischen A-League auf. Dort wird der 19-Jährige, dessen Vertrag im Sommer 2021 endet, wohl aber nicht lange bleiben.

Bereits zum Ende der Saison 2017/18 sammelte er seine ersten Einsatzminuten in der A-League als Linksverteidiger. In der folgenden Saison absolvierte er 25 von 27 Spielen über 90 Minuten, alle im linken Mittelfeld.

In dieser Saison ist er wieder zurück auf seiner angestammten Linksverteidiger-Position, auf der er auch in der Nationalmannschaft spielt.

Liberato Cacace Skills

Cacace verkörpert einen sehr modernen Außenverteidiger, der sich nicht nur offensiv einschaltet, sondern dessen Offensivspiel auch sehr flexibel und intelligent ist.

Er legt sich den Ball gerne von seinem starken linken Fuß auf den nominell schwächeren rechten Fuß und dribbelt mit hoher Dynamik diagonal ins Zentrum. Dadurch lässt er zumeist einige Gegenspieler stehen und findet sich selbst in sehr offenen Räumen.

Wenn es darum geht, diese Räume auszunutzen und seine Mitspieler zu bedienen, zeigt er sich noch nicht durchgehend effektiv, streut aber teils starke Schnittstellenpässe ein.

Seine Übersicht im Passspiel ist für einen Außenverteidiger in seinem Alter beachtlich. Er spielt wenig Fehlpässe, beschränkt sicher aber nicht nur auf Sicherheitspässe. Er versucht auch Drucksituationen flach zu lösen.

Dabei hilft ihm besonders sein überdurchschnittlich starker „schwacher“ rechter Fuß, mit dem er vor allem zentrale Anspielstationen öfter findet als eindimensionalere Außenverteidiger.

Im typischeren Aufgabenbereich eines Außenverteidigers weiß er ebenfalls zu überzeugen. Er nutzt seine Dynamik aus, um die Linie runterzumarschieren und flache, scharfe, präzise Flanken zu schlagen.

Seine größte Schwäche ist noch die Ballbehandlung in engen Räumen und unter hohem Tempo. Das kann teils zu etwas ungenauen Ballkontakten und letztlich auch Ballverlusten führen, die besonders gefährlich sind, wenn er, wie er es so gerne tut, in tiefen Zonen andribbelt.

Für einen offensiv so guten Außenverteidiger ist er mit seinen 19 Jahren auch defensiv schon sehr weit. Hier sticht seine Ruhe und Spielintelligenz am meisten hervor.

Cacace verteidigt selten überhastet, leitet den Gegenspieler gut, gibt wenig Fouls her und geht im richtigen Moment auf den Ball und erobert diesen mit hoher Erfolgsrate.

Nach den Ballgewinnen schaltet er gedanklich schnell um und leitet so einige vielversprechende Konter ein. Ebenso schnell schaltet er auch nach Ballverlusten um. Er entscheidet meist richtig, ob er ins Gegenpressing gehen soll oder sich lieber zurückfallen lässt.

Im Pressing ist er unnachgiebig, verhindert das Aufdrehen des Gegenspielers ohne Fouls zu begehen oder erobert den Ball oft sogar direkt zurück. Liberato Cacace spielt in der A-League bereits sehr gut und zeigt Woche für Woche, dass er ein sehr moderner, vielversprechender Außenverteidiger ist.

In den kommenden Jahren muss er dies auf höherem Niveau beweisen. Dafür dürfte es wie auch für Sarpreet Singh bald von Neuseeland nach Europa gehen.


 

Jacob Italiano Porträt

Jacob Italiano

von Thomas Reichart

Bereits im Alter von 16 Jahren sicherte sich Borussia Mönchengladbach die Rechte am hochveranlagten Jacob Italiano, um ihn direkt wieder zurück zu seinem Ausbildungsverein Perth Glory an die australische Westküste zurückzuleihen.

Pünktlich zu seinem 18. Geburtstag siedelte der beidfüßige Aussie mit den italienischen Wurzeln dann an den Niederrhein um und wurde dort mit einem Profivertrag ausgestattet.

Der zweitjüngste Debütant der A-League kam mit der Empfehlung von 18 Spielen in der höchsten australischen Spielklasse zu den Fohlen, konnte sich aber Down Under noch nicht in die Torschützenlisten eintragen.

Dies gelang ihm in der Saison-Vorbereitung mit den Gladbacher Profis jedoch umgehend, als er im Testspiel gegen Istanbul Basakeshir traf. Derzeit wird Italiano hauptsächlich in der Gladbacher U23 in der Regionalliga West eingesetzt, wo er in dieser Saison in 13 Spielen bereits zweimal netzte.

Jacob Italiano Skills

Italiano war einer der letzten Absolventen der Elite-Kaderschmiede des Australischen Fußballverbandes (FFA Centre of Excellence) in Canberra, bevor diese 2017 abrupt geschlossen wurde. In seiner Heimat stand Italiano daher schon früh im Rampenlicht und wird bereits als große Hoffnung gehandelt.

Auch sollte ihm der Umzug von Perth nach Canberra als 14-jähriger, sowie unerwartet früh wieder zurück, geholfen haben, um den Schritt nach Europa etwas besser zu verkraften.

Aktuell versuchen die Gladbacher Offiziellen die Erwartungen an den flexibel hinter den Spitzen einsetzbaren Offensivspieler noch zu dämpfen. Die feine Technik, mit der der 1,77 m große Flügelspieler gesegnet ist, sowie der fliegende Start, den der Neuzugang an den Tag legte, versprechen Fohlen-Fans großes Potential.

Die Ballbehandlung erinnert an andere Dribbler im Kader wie Patrick Herrmann oder Ibrahima Traore, wobei ihm derzeit natürlich noch deren Erfahrung fehlt.

Mit Jacob Italiano holt sich Borussia Moenchengladbach einen hochtalentierten Offensivspieler ins Haus, der für sein Alter bereits relativ viel Erfahrung mit sich bringt.

Sollte sich der Australier gut in Europa einleben und verletzungsfrei bleiben, dürfte er sich mittelfristig einen Platz im ersten Team sichern, nicht zuletzt aufgrund der Verletzungsanfälligkeit der oben genannten, direkten Konkurrenten.


 

Leon Kofana Porträt

Leon Kofana

von Eric Hielscher

Leon Kofana konnte sich der breiten Öffentlichkeit mit drei Auftritten als Kapitän der salomonischen Auswahl bei der U17-WM 2019 in Brasilien präsentieren. Der Innenverteidiger zeigte drei durchschnittliche Vorstellungen und war gegen die namhafte Konkurrenz vor allem körperlich unterlegen.

Die Konkurrenz war schier übermächtig, was auch nach dem Lospech der Salomon-Inseln so erwartet wurde. Gegen Italien, Paraguay und Mexiko setzte es zwanzig Gegentore und das absolut verdiente Gruppenaus. Der Vergleich mit einer der anderen Konföderationen wäre sicher besser gewesen.

Kofana wurde zwar bester Defensivspieler seines Landes, hatte jedoch gegen viele gleichaltrige Spieler, die zumeist in den besten Nachwuchsakademien ihrer Nation groß geworden sind, deutliche körperliche Defizite.

Auf den Salomon-Inseln gibt es solche Akademien nicht, stattdessen existieren nur die Jugendteams, die ähnlich wie im deutschen unterklassigen Fußball zwei- bis dreimal in der Woche nach der Schule trainieren und am Wochenende eine Partie bestreiten. So verwundert es nicht, dass Kofana noch große Schwächen aufweist.

Diese können jedoch durch seine Stärken mehr als kompensiert werden. Der 17-Jährige hat eine starke Technik, beweist Übersicht im Spielaufbau und verfügt über eine gute Zweikampfführung.

Er führte zudem sein Land mit teils überragenden Vorstellungen und nur einem Gegentor im ganzen Turnier souverän zur U17-WM.

Kofana, der bei den Henderson Eels in der Hauptstadt groß wurde, wechselte im Anschluss an seine überragenden Auftritte per Scholarship zusammen mit Raphael Le’ai nach Wellington.

Dort wurde er in der Jugend des A-League-Clubs Wellington Phoenix professionell ausgebildet – ein Schritt, den so früh noch kein Spieler der Salomon-Inseln wagte.

Vor wenigen Wochen entschieden sich aber beide Spieler dazu in ihre Heimat zurückzukehren und bei den Henderson Eels als Stammspieler durchzustarten. Die Eels sind diese Saison in der OFC Champions League vertreten, wo beide auf sich aufmerksam machen wollen.


 

Raphael Le'ai Porträt

Raphael Le’ai

von Eric Hielscher

Raphael Le’ai ist Ozeaniens bestes Talent der Dekade. Der Stürmer der Henderson Eels wurde erst im späten Alter von 16 beim Futsal entdeckt und konnte damit erst im letzten Jahr seine ersten Erfahrungen im Großfeldfußball sammeln.

So war es nicht nur sein Erstliga- sondern gleichzeitig sein Großfelddebüt bei dem er für Marist FC (Salomon-Inseln) direkt sein erstes Tor schoss, während er beim darauffolgenden Debüt für die U17-Nationalmannschaft direkt viermal ins gegnerische Netz traf.

Dies war der Beginn eines unglaublichen Laufes bei dem der beste Spieler der U17-OFC Championship 2019 in seinen Einsätzen zwei bis sechs auf dem Großfeld acht Tore selbst erzielte und sechs weitere vorbereitete.

Raphael Leai Skills

Der Lohn war ein Probetraining beim argentinischen Erstligisten Godoy Cruz FC. Le’ai entschied sich jedoch im Sommer letzten Jahres gegen Südamerika und für dem vermeintlich kleineren Schritt Wellington.

In der Jugend des Wellington Phoenix FC unterlief das Talent einer umfassenden taktischen Ausbildung und erhält wichtige Spielminuten im 11vs11-Fußball.

Sein Potential ist schier riesig, da er auch bei der U17-WM in Brasilien der beste Akteur der Salomon-Inseln war und alles in allem als „Oceanias Brightest Prospect“ betitelt wird.

Auch beim Olympischen Jugendfutsalturniers 2018 in Buenos Aires wusste der Stürmer aus Honiara zu überzeugen. Trotz seiner damals erst 15 Jahre wurde der flinke Ozeanier mit sieben Toren Torschützenkönig.

Le’ai ist unglaublich schnell, technisch versiert und löst Situationen im engsten Raum. Interessant ist, dass er mit seiner Klasse nicht nur Tore selbst erzielt, sondern sie auch regelmäßig auflegt und damit zum gefährlichsten U20-Spieler Ozeaniens aufstieg.

Seine Lieblingsposition ist die des zweiten Stürmers, der aus der Tiefe kommt. Diese Position ist für seinen Antritt und seine Grundgeschwindigkeit perfekt zugeschnitten.

Le’ai glänzt vor allem mit einem Mittelstürmer, der Bälle abschirmen und verteilen kann und löst viele 1-gegen-1-Situationen schon jetzt meisterhaft. Trotz der komplett anderen Anforderungen auf dem Großfeld vermag er es sehr gut Bälle abzulegen und zu passen.

Raphael Le’ai wird zugetraut, dass er der erste Spieler der Salomon-Inseln sein könnte, der mit seiner derzeitigen Bescheidenheit und seinem riesigen Talent den Sprung in Europas Top-Ligen schaffen könnte.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber alle Voraussetzungen dazu bringt der Mann aus Honiara zweifelsohne mit.


 

Max Mata Porträt

Max Mata

von Henri Hyna

3. Dezember 2015: Max Mata von den Wellington Phoenix Reserves der ersten neuseeländischen Liga trifft in der 40. Minute zum 1:1 gegen Waitakere United. Er ist 15 Jahre und 4 Monate alt.

Vier Jahre später ist einiges passiert: Nach weiteren überzeugenden Auftritten zog es ihn Anfang 2019 zu den Grasshopper Zürich. Nach einigen Einsätzen in der zweiten Mannschaft wurde er diesen Sommer bis Ende 2019 zu Nomme Kalju nach Estland verliehen.

Mata zeichnen die selben Stärken aus wie vor viereinhalb Jahren: Der 1,86m große Neuseeländer kann hervorragend Bälle festmachen und behaupten. Dabei kommt ihm sein robuster Körper zugute, den er gut einzusetzen vermag.

Max Mata Skills

Der flexibel einsetzbare Offensivspieler findet dabei saubere Positionen, um Bälle zu empfangen und weiterzuleiten. Bevorzugt wählt er seine Positionen so, dass er mit einem Kontakt auf einen anderen, „dritten“ Mitspieler klatschen lassen kann.

Außerdem sind seine Ballan- und mitnahmen sowie seine Ablagen auf Mitspieler technisch sauber. Mata beschränkt sich nicht auf das Festmachen flacher Pässe, sondern fungiert ebenfalls als Zielspieler für hohe Anspiele.

Und ja: Mata schießt Tore. Auch mit 19 Jahren. In Estland gelangen ihm neun Treffer in 14 Spielen. Der Neuseeländer erzielt seine Tore wie ein klassischer Strafraumstürmer: Entweder nach hohen Flanken per Kopf oder nach Pässen in den Strafraum mit seinem rechten oder ähnlich starken linken Fuß.

Aber reicht das für mehr als die erste Liga Estlands oder die vierte Liga der Schweiz? In dem qualitativ heterogenen Estland konnte er nur eins seiner neun Tore gegen ein Top5 Team erzielen – die Liga umfasst zehn Mannschaften.

Auch in den Champions League und Europa League Qualifikationsspielen zeigte sich, dass Mata für seine Entscheidungen schlichtweg zu lange braucht. So war der Ball oft schon weg, bevor der Neuseeländer ihn kontrollieren wollte.

Das selbe gilt für seine Arbeit gegen den Ball. Mata ist dort nicht nur inaktiv, sondern insgesamt schlecht. Er kann den Gegner nicht lenken, er findet keinen Zugriff und hilft seinem Team defensiv somit kaum weiter.

Ob Mata den hochgesteckten Erwartungen der Kiwis gerecht wird, hängt davon ab, wie schnell er sich an das deutlich höhere Spieltempo gewöhnt. Er bringt durchaus die technischen und physischen Fähigkeiten mit, um sich im Profifußball zu etablieren.

Derzeit tut er noch gut daran, bei der U21 der Grasshopper Zürich Spielpraxis zu sammeln. Auch wenn mit jedem Tor die Erwartungen der Neuseeländer steigen, kann er sich dort in Ruhe entwickeln – viereinhalb Jahre nach seinem ersten Tor in Neuseeland.


 

Moana Pito Porträt

Moana Pito

von Sascha Felter

Zugegeben, Tahiti ist nicht gerade dafür bekannt, alle paar Jahre Keeper hervorzubringen, die es in Europa zu Bekanntheit zu schaffen. Der Bekannteste unter ihnen ist Mikaël Roche, der es immerhin ins Reserveteam der AS Monaco und ins legendäre Nationalteam von 2013 schaffte.

Da Roche mittlerweile schon 37 Jahre alt ist, benötigt man im fußballverrückten Tahiti dringend einen neuen Nationalkeeper. Insbesondere, da der eigentliche Nachfolger, Stevens Hiriga, laut Transfermarkt.de gar keinen Verein hat.

Doch Hilfe naht. Es ist der erst vor kurzem 20 Jahre gewordene Moana Pito, welcher das aktuell größte Torwart-Talent Tahitis ist.

Pito erregte erstmals bei der U20 Weltmeisterschaft 2019 größeres Interesse. Und das nicht etwa, weil Tahiti in gerade mal drei Gruppenspielen 14 Gegentreffer kassierte. Ohne ihren im Gesicht etwas feisten Torhüter wären es vermutlich noch mehr geworden.

Zunächst muss man sagen, dass Pito nicht das klassische Torwart-Talent ist, bei dem man bereits nach wenigen Szenen mit der Zunge schnalzt. De facto ist die Ausbildung von Torhütern gerade in “Fußball-Entwicklungsländern” wie Tahiti & Co. ein schwieriges Unterfangen.

Die meisten Trainingsplätze sind alles andere als im Topzustand und Strafraumlinien werden zur Orientierung eher selten gezogen. Daher wird hier viel improvisiert.

Das zeigt sich vor allem im Stellungsspiel Pitos. Dringt ein Gegenspieler in den Strafraum ein oder bekommt einen Steckpass gespielt, stürzt sich der Tahitianer in den allermeisten Fällen auf den Stürmer.

Mag es nach europäischen Maßstäben eher unkonventionell sein, ist es für Pito der Grund, wieso er als neue Torwarthoffnung in Tahiti gesehen wird.

Er geht in diesen Szenen meist volles Risiko und setzt den Stürmer somit unter starken Druck. Da die aller wenigsten Stürmer auf diesem Niveau die Ruhe behalten, kann er hier durchaus gute Supersaves zeigen.

Tahiti Confed Cup
Tahiti beim Confed Cup 2013. Mit Klick aufs Bild gelangt ihr zum Text.

Trotz eines leichten Übergewichts hat er pfeilschnelle Reflexe und eine überraschend gute Geschmeidigkeit. Aufgrund derer ist er auch auf der Linie ein durchaus solider Keeper – auch für europäisches Niveau.

Gerade hier liebt er es geradezu durch die Luft zu segeln und Bälle mit einer gewissen Theatralik über die Latte zu lenken.

Zwar fällt er manches Mal noch zu oft nach hinten bzw. zeigt unsaubere Bewegungen im seitlichen Abdruck und dem Block, aber letzten Endes kann er mit seiner unkonventionellen Art einige Tore verhindern.

Seinem Verein AS Tefana hält er seit er vier Jahre alt ist die Treue. In der letzten Saison spielte man in der OFC Champions League, wo er bereits mit 19 Jahren Stammkeeper war.

Dies ist neben den Turnieren mit der Juniorennationalmannschaft für Moana Pito die große Bühne, auf der er sich beweisen kann. Und wer weiß: Vielleicht gelingt ihm dadurch ein Wechsel auf das Festland.


 

Kishan Sami Porträt

Kishan Sami

von Eric Hielscher

Kishan Ravinesh Sami ist den meisten sicherlich unbekannt und das einzige hier vorgestellte Talent, welches auf den Fidschi-Inseln spielt.

Der Außenverteidiger, der schon im Alter von 17 Jahren Stammspieler des amtierenden Meisters Ba FC wurde, ist jedoch sowohl in der Nationalelf als auch bei den „Men in Black“ derzeit eine gefragte Größe.

Sein Aufschwung begann zur Rückrunde 2017 als Fidschis Top-Talent vom Jugend in den Herrenbereich des Ba FC wechselte und dort auf Anhieb bis zum Ende der Saison jedes Spiel bestritt.

Seit diesem Zeitpunkt ist der Fidschianer mit indischen Wurzeln im modernen 3-5-2 des Meisters sowohl als Linksverteidiger/linker Flügel als auch als Rechtsverteidiger/rechter Flügel eine Bank.

Da die Position des Linksverteidigers wie auf dem gesamten Globus auch auf den Fidschi-Inseln eine sehr gefragte ist, wurde er ebenfalls sehr früh in die A-Nationalmannschaft berufen, wo er seit seinem Debüt am 22.03.2018 lediglich ein Spiel verpasste und nun schon auf 13 Einsätze zurückblicken kann.

Kishan Sami Skills

Seine Leistungen sind defensiv und im Stellungsspiel sicher noch ausbaufähig, aber gerade als offensiver Außenverteidiger kann er in der 3er- respektive 5er-Kette seine Schnelligkeit und seine Technik voll ausspielen.

Sami steht in jedem entscheidenden Spiel auf dem Platz und blieb bisher von härteren Verletzungen verschont.

Der erst 19-Jährige kann daher schon jetzt auf drei Saisons sowie sechs internationale Turniere in seiner Karrierestatistik zurückblicken. Neben seiner Offensivstärke zählt so vor allem seine Zuverlässigkeit zu den größten Pluspunkten.

Der Linksverteidiger schwankt in seinen Leistungen bedeutend weniger als viele in seinem Alter.

Nun sollte er demnächst den Schritt ins Ausland wagen, da es sonst mit der Profikarriere wohl schwierig wird. Die Qualität der Liga ist überschaubar und er ist als Stammspieler beim Meister schon derzeit zu gut für die Liga.

Der Schritt nach Neuseeland würde sich anbieten, da in der Liga seit letztem Jahr eine überarbeitete Ausländerregelung eingeführt wurde, die den Transfer eines OFC-Spielers begünstigt.

Sollte er dennoch auf den Inseln bleiben, wird er sicherlich im nächsten Jahrzehnt zu einer der prägenden Figuren der Liga und der Nationalmannschaft avancieren.


 

Sam Sutton Porträt

Sam Sutton

von Thomas Reichart

Der 18-jährige Sam Sutton von Wellington Phoenix aus Neuseeland erlebt derzeit einen enormen Karriereschub. Seit diesem Jahr trainiert er überwiegend mit den Profis des einzigen neuseeländischen Vereins, der in der australischen A-League spielt, und kam dort bereits zu mehreren Kurzeinsätzen.

Zu Beginn der Saison lief der 1,75m große Zehner noch überwiegend im Reserveteam auf, welches in der heimischen “New Zealand Premiership” antritt. Die “Premiership” ist zwar die höchste Spielklasse des Landes, vom Niveau her reicht sie aber nicht an die Franchise-Liga des großen Nachbarn heran.

Die Premiership-Bilanz des Kapitäns des Reserveteams kann sich mehr als sehen lassen: In gerade einmal fünf Spielen traf er zweimal und bereite drei weitere Tore vor.

Trotz seiner jungen Jahre geht Sutton bereits in seine vierte Saison in der höchsten Neuseeländischen Spielklasse, nachdem er 2016 bereits als 14-jähriger (!) sein Debüt gefeiert hatte. Der Schritt zu den Profis war daher nur eine Frage der Zeit.

In den drei Cameo-Einsätzen auf australischem Boden konnte er dem Spiel noch nicht seinen Stempel aufdrücken.

Sam Sutton Skills

Sutton bringt alles mit, was einen modernen Mittelfeldspieler ausmacht. Er ist schwer vom Ball zu trennen und zieht dadurch oft Fouls in der gefährlichen Zone. Da er außerdem gern Verantwortung übernimmt, tritt er die resultierenden Standards oftmals selbst.

Dank einer präzisen Schusstechnik sorgen seine Freistöße meist für Torgefahr und auch Elfmeter tritt er selbstbewusst und sicher. Ein gutes Auge für den Mitspieler, sowie seine Handlungsschnelligkeit gepaart mit akkuraten Flanken lassen auf Tore und Vorlagen auch bei den Profis hoffen.

Wenn man etwas kritisieren müsste, so wäre dies wahrscheinlich die Rückwärtsbewegung, denn am eigenen Strafraum sieht man ihn bislang eher nur sporadisch, was allerdings auch der Taktik geschuldet sein kann.

Körperlich sollte er zu Abwehrarbeit in der Lage sein, denn in der Phoenix Akademie wird durchaus Wert auf Physis und Athletik gelegt.

Wie erwähnt bringt Sutton alles mit, um auch in Australien erfolgreich zu sein. Trotz seiner jungen Jahre besitzt der “Kiwi” bereits enorme Erfahrung und dürfte auf dem Zettel einiger europäischer Klubs stehen.

Mittelfristig sollte sich Sutton daher einen Platz im Profi-Team von Phoenix sichern können und man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster mit der Vemutung, dass auch die A-League für ihn nur eine Durchgangsstation sein wird.


 

Tevaitini Teumere Porträt

Tevaitini Teumere

von Simon

Es ist der 23. Mai 2019, an diesem Tag startet im polnischen Lublin die U-20-Weltmeisterschaft mit dem Spiel Tahiti gegen Kolumbien. Auf Seiten der Ozeanier steht von Beginn an der jüngste Spieler des gesamten Turniers auf dem Platz: Tevaitini Teumere.

Der 1,85 Meter große Innenverteidiger wurde am 2. April 2003 geboren – und ist damit zum Austragungszeitpunkt des Turniers gerade mal 16 Jahre alt.

Er ist unter allen Teilnehmern dieser Junioren-Weltmeisterschaft der einzige, der im Jahr 2003 geboren wurde – die meisten seiner Gegenspieler sind 1999 geboren und somit im Schnitt knapp 4 Jahre älter als der Tahitianer.

Dabei profitiert Teumere aber nicht nur von der geringen Breite der tahitianischen Nachwuchsjahrgänge, sondern weiß auch durchaus bereits als 16-jähriger zu überzeugen und zeigt, dass er zurecht schon bei einem Verein der europäischen Top-Ligen unter Vertrag steht, dem französischen (Noch-)Erstligisten Toulouse.

Trotz seiner jungen Jahre tritt der Innenverteidiger während dieser U20-WM gegenüber seinem Gegenspieler bereits sehr souverän auf, überzeugt besonders im Kopfballspiel – er gewinnt im Turnier rund 71% seiner Kopfballduelle.

Tevaitini Teumere Skills

Aber auch im Zweikampf gelingt es dem Tahitianer immer wieder, brenzlige Situationen zu entschärfen.

Zusätzlich zeichnet er sich auch immer wieder durch seine offensiven Qualitäten aus, er bringt den Ball fast immer zum Mitspieler (Passquote: 89%) – gleichzeitig weiß er auch etwas mit dem Ball anzufangen, wenn seine Teamkollegen nicht direkt anspielbar sind.

Dann dribbelt er den Gegner clever an, wobei er seine guten technischen Fähigkeiten unter Beweis stellt.

Tahiti kassiert in den 3 Gruppenspielen zwar insgesamt 14 Tore, trotzdem ist es für Tevaitini Teumere keinesfalls eine schlechte Junioren-Weltmeisterschaft: Er sammelt wertvolle Erfahrungen gegen ältere Gegenspieler und auf hohem Niveau.

Der junge Tahitianer zeigt in diesen 3 Spielen, das er alles hat, was einen guten Innenverteidiger ausmacht – das allerdings natürlich (noch?) auf einem deutlich niedrigeren Level als Weltklasse-Spieler wie Virgil Van Dijk oder Sergio Ramos.

Im Gegensatz zu diesen hat Teumere allerdings auch noch einige Ausbildungsjahre vor sich, und er verfügt sicherlich über die Anlagen, um einmal ein sehr guter Innenverteidiger zu werden.

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Unter diesem Account veröffentlichen wir Texte von Gastautoren oder Gruppenprojekte, an denen mehrere Autoren beteiligt waren. Mehr zu den einzelnen Autoren findet ihr in ihren jeweiligen Texten.

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