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Besser als Éverton? – Grêmios nächster Superstar!

Was haben Ajax Amsterdam, Atalanta Bergamo, PSG, die AS Roma, der FC Sevilla, Everton, West Ham United, Wolfsburg und Bayern München gemeinsam? All diese Vereine wurden in den letzten Monaten mit einem Spieler des brasilianischen Erstligisten Grêmio Porto Alegre in Verbindung gebracht.

Bei besagtem Spieler handelt es sich aber nicht etwa um den im Sommer zu Benfica abgewanderten Éverton Cebolinha oder um Mittelfeld-Juwel Matheus Henrique. Die Rede ist von Flügelflitzer Pepê, der überhaupt erst durch den Abgang Cebolinhas zum Schlüsselspieler der Südbrasilianer avancierte.

 

„Pepê ist etwas Besonderes“

Eduardo Gabriel Aquino Cossa wurde 1997 im Länderdreieck zwischen Brasilien, Paraguay und Argentinien im Schatten der atemberaubenden Iguazú-Wasserfälle geboren. Erste Berührungspunkte mit dem runden Leder sammelte er derweil beim Futsal. „Ich habe versucht zu spielen, aber wegen meiner Geschwindigkeit habe ich mich auf dem kleinen Feld oft verletzt. Besonders beim Hinfallen.“ Also wurde die Futsal-Halle durch den Rasen des Lokalvereins Foz do Iguaçu FC ersetzt.

In seiner Heimatstadt und als Leihspieler in der Akademie von Coritiba entwickelte er sich prächtig. Durch seine guten Leistungen in der Staatsmeisterschaft von Paraná und der viertklassigen Série D weckte er das Interesse von höherklassigen Vereinen und wurde im Alter von 19 vom Erstligisten Grêmio unter Vertrag genommen. Damit setzten sich die Blau-Schwarz-Weißen gegen Paranaense und Stadtrivalen Internacional durch.

Allerdings dauerte es mehr als vier Jahre, ehe Pepê im Sommer 2019 als Backup des Nationalspielers Éverton Cebolinha fester Bestandteil der Rotation wurde.

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„Pepê ist etwas Besonderes. Seine Entwicklung dauerte etwas länger, bis zum Beginn der aktuellen Saison war er nicht einmal regulärer Stammspieler. Grêmio-Trainer Renato Gaúcho weigerte sich, Pepê und Éverton Cebolinha zusammen spielen zu lassen. Von dem Moment an, als Cebolinha im August zu Benfica ging, bekam Pepê endlich seine Chance. Und er hat es geschafft, die verlorene Zeit auszugleichen“, erklärte uns Marcus Alves, brasilianischer Sportjournalist und in dieser Funktion u.a. für Bleacher Report und FourFourTwo tätig.

In der Tat weiß der Linksaußen derzeit zu überzeugen. In der laufenden Spielzeit kommt der quirlige Tempodribbler wettbewerbsübergreifend auf 11 Tore und 7 Vorlagen in 30 Spielen und hat Cebolinhas Abgang schnell vergessen gemacht. „Er war hervorragend bisher und kombiniert unglaubliche Dribbling-Fähigkeiten mit Ruhe und einer guten Übersicht im letzten Drittel“, attestiert Alves.

In Renato Gaúchos 4-2-3-1 bekleidet er aktuell die Rolle des linken Mittelfeldspielers. Der 1,75 m große Brasilianer (der auf dem Feld noch kleiner wirkt) – nimmt den Ball oft schon kurz hinter der Mittellinie auf. In Strafraumnähe schneidet er tendenziell häufiger in den Halbraum, als von der Grundlinie zu flanken. Dort und im Sechzehner kann er sein starkes Kurzpassspiel auch auf engstem Raum zur Geltung bringen.


Pepê Analysis
Heatmap vom Spiel gegen Ceara am 14.11.2020 (© WhoScored)

Pepê Analysis
Heatmap vom Spiel gegen Corinthians am 22.11.2020 (© WhoScored)

Der Rechtsfuß ist zudem ein starker Finisher, der vor dem gegnerischen Tor meist cool bleibt und einen überlegten Abschluss wählt.

Grêmios Nummer 25 geht 5,4 Mal pro Partie ins Dribbling, etwas mehr als die Hälfte dieser Aktionen kann er für sich entscheiden. Seine Dribblings zeugen dabei sowohl von brasilianischem Flair als auch von entschiedener Zweckmäßigkeit. Nicht selten legt er sich den Ball sehr weit vor, um dann am Gegenspieler vorbeizuziehen. Wenig verwunderlich ist Pepê ein äußerst agiler Spieler, der blitzartig an Tempo aufnehmen kann und ein gutes Gespür für das Aufdrehen in den freien Raum hat.

Fast schon typisch für einen kleinen, quirligen südamerikanischen Edeltechniker, wird unser Protagonist oft mit unlauteren Mitteln zu Fall gebracht. Zweieinhalb Mal pro Spiel wird er durch Fouls gestoppt und gehört damit zu den meistgefoulten Spielern der brasilianischen Série A.

Ebenfalls geradezu charakteristisch für seinen Spielertyp, ist Pepê keine große Hilfe in der Defensive. Überraschenderweise ist er jedoch ein guter Kopfballspieler, der trotz seiner Größe knapp die Hälfte seiner Luftduelle gewinnt.

Wer sich selbst ein Bild von den Künsten des Brasilianers machen will, sollte sich unbedingt dieses Highlight-Video zu Gemüte führen.

Nicht umsonst ist Pepê auch Teil der hochtalentierten brasilianischen U23 von Kapitän Matheus Cunha, die das Land 2021 bei den Olympischen Spielen vertreten wird. Beim CONMEBOL-Qualifikationsturnier wusste er als Joker mit drei Treffern in sechs Spielen zu überzeugen.

Sollte die Formkurve des Nachkommens italienischer Vorfahren weiter steil nach oben zeigen, dürfte auch das Debüt für die Seleção nicht mehr lange auf sich warten lassen. Schließlich ist man beim CBF bemüht, immer auch einige Akteure aus der heimischen Liga zu nominieren.

 

Dreistellige Ausstiegsklausel

„Für brasilianische Verhältnisse kann man ihn durchaus als Spätstarter bezeichnen, Anfang nächsten Jahres wird er 24, was einen möglichen Transfer beschleunigen könnte. Das sollte allerdings kein Problem für ihn sein, wenn man bedenkt, dass Brasiliens mächtigster Spielerberater Giuliano Bertolucci seine Karriere betreut“, erläutert Experte Marcus Alves.

„Ohne Cebolinhas Verkauf wäre er womöglich bereits nach Europa weitergezogen. Doch Grêmio sieht sich aktuell in einer viel besseren Finanzlage, die es ihnen erlaubte, im Sommer Angebote aus Wolverhampton und Porto abzulehnen.“

Laut Medienberichten beharrt Imortal Tricolor inzwischen auf der Ausstiegsklausel von mehr als 140 Millionen € und ließ deshalb zuletzt ein Angebot von rund 25 Millionen € aus Wolverhampton abblitzen.

„Pepê wird ein kompletterer Spieler als Éverton sein. Éverton macht sich nicht gut bei Benfica. Da entscheide ich mich für Pepê“, ließ Grêmio-Vizepräsident Claudio Oderich erst jüngst in der portugiesischen Sportzeitung O Jogo verlautbaren.


Pepê Grêmio Analysis
(© Getty Images)

Ob man in Porto Alegre wusste, dass der einstige Backup, die Entdeckung der Copa América 2019 derart schnell vergessen machen würde? Immerhin gehörte Ex-Teamkamerad Éverton seit knapp einem Jahr zu den meistgehandelten Namen in der Fußballwelt und ist zentraler Bestandteil von Benficas Neuaufbau, für den die Portugiesen 20 Millionen € nach Rio Grande do Sul überwiesen.

Inzwischen können sich die Südbrasilianer kaum vor Angeboten vom alten Kontinent für Pepê retten, den ökonomischen Folgen der Covid-19-Krise zum Trotz. Doch sportlich gibt es für die begehrte Offensivkraft durchaus gute Gründe zu bleiben. Zumindest vorerst.

So hat sich Tricolor dos Pampas nach einem holprigen Saisonstart gefangen und in 22 Spielen erst drei Mal verloren. Das talentierte Team um Jean Pyerre, Matheus Henrique und Ex-Kölner Pedro Geromel hat in einer sehr ausgeglichenen Série A gar noch Chancen auf die Meisterschaft. Und in der Copa Libertadores sind die Titelträger von 2017 erst kürzlich ins Viertelfinale eingezogen.




 

Ausstiegsklausel hin oder her. Ein Wechsel des Flügelspielers, der mit Ende 23 sein erstes Jahr als Stammspieler absolviert, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Mit jedem Scorerpunkt dürfte sich die spätere Ablösesumme erhöhen.

Für finanziell angeschlagene Clubs wie den FC Porto, der zur letzten Transfer-Deadline noch als aussichtsreicher Interessent galt, dürfte Pepê bereits unerschwinglich geworden sein.

Derweil dürfte man in der Arena do Grêmio gespannt sein, wie viel Potenzial noch im Spätstarter schlummert und bis in welche Sphären dessen Rise to Stardom anhalten wird. Marcus Alves weiß, dass Éverton Cebolinhas Nachfolger ein Beispiel dafür ist, „dass sich durch harte Arbeit immer eine Chance ergeben wird. Und Pepê war mehr als bereit, als die Zeit gekommen war“.

Titelbild: @Getty Images/Cavanis Friseur Illustration

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Amadeus Marzai
Amadeus Marzai
Fun Guy und leidenschaftlicher Streetballer. Seit er denken kann schlägt sein Herz für die Toronto Raptors. Im zweiten Leben Fußball-Fan, der eine Taktik nicht einmal dann erkennen könnte, wenn sein Leben davon abhinge. Für Cavanis Friseur reicht es trotzdem. Auch deshalb, weil Edinson Cavani neben Xabi Alonso sein All-Time Lieblingsspieler ist. Aufgrund seiner vielfältigen Interessen intern als „Random Amy“ verspottet. Einer von mehreren Weltmeister-Abiturienten im Team, der ausdruckstechnisch zu den brillantesten Friseuren gehört.

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