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Auf welche Spieler wir uns 2021/22 am meisten freuen

Die Saison 2021/22 steht vor der Tür und anders als in den letzten Jahren wollen wir uns nicht auf Players to Watch nach Alterskriterien oder pro Liga beschränken.

Stattdessen stellen wir vier Akteure vor, auf die wir uns in der Saison 2021/22 aus unterschiedlichsten Gründen freuen.

Sie alle eint ein Wechsel zu einem neuen Verein. Einerseits sind es gestandene Spieler wie Patrício und Lamela, die in neuen Farben auflaufen werden. Andererseits taucht in unserer kleinen Aufzählung auch ein hochkarätiges Talent auf.

 

Rui Patrício: Endlich Konstanz im Roma-Tor

von Sascha Felter

Nachdem sowohl Wojciech Szczęsny 2017 als auch Alisson Becker im Sommer 2018 die Roma verlassen haben, war die Chance hoch, dass sie den nächsten Hochkaräter zwischen den Pfosten haben werden.

Drei Saisons später muss man jedoch festhalten, dass die Torwartposition in den letzten Jahren die Problemzone bei den Giallorossi gewesen ist. Während in der Saison 2018/19 nach Alissons Abgang der Schwede Robin Olson mit hohen Erwartungen in die italienische Hauptstadt wechselte, erfüllte er die Erwartungen nicht.

Ganze 43 Gegentore kassierte er in 27 Serie A-Spielen und nur viermal konnte er die Null halten. Auch Pau López, der im Folgesommer für über 20 Millionen Euro in die ewige Stadt wechselte, konnte nie restlos überzeugen. Ein Bruch des Handgelenks warf ihn immer wieder zurück und in der letzten Spielzeit kam er nur auf 21 Einsätze.

Anders als Olson, der von seiner Leihe aus Everton zurückkehrte, wurde Pau López an Marseille verkauft. Nun versuchen es die Lupi mit einem, der bereits Wolfsblut in sich hat. Nein, Rui Patrício kommt weder vom VfL Wolfsburg, noch vom Wolfsberger AC.

Der Portugiese war vorher im Trikot von den Wolverhampton Wanderers tätig und war vorher bei den Leões von Sporting CP aktiv. Mit Raubtieren scheint der Schlussmann es also zu haben.

Obwohl der in Beira Litoral geborene Keeper bereits 33 Jahre alt ist, kann er für seinen neuen Arbeitgeber die langgesuchte Konstanz auf der Torwartposition sein. Schon bei der Europameisterschaft 2021 zeigte er eindrucksvoll, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Patrícios Ausstrahlung ist die eines Weltklassetorhüters. Er besitzt eine Ruhe, die sich auf seine Vorderleute auswirkt, Schwächen hat er kaum welche. Wenn überhaupt dann ist es das Abfangen von Flanken, bei denen der Portugiese teilweise etwas zu zurückhaltend ist. Dies hat aber vor allem einen Grund: Der 33-Jährige versucht sich in diesen Szenen frühzeitig nach hinten abzusetzen und auf den Torschuss zu reagieren.

Ein Libero hinter der Abwehrkette ist der Europameister von 2016 beileibe nicht. Im Schnitt befindet er sich laut Datenanbieter fbref.com bei Abwehraktionen 11,4 Meter vor seinem Kasten. Dennoch beherrscht er die klassischen Torwarttugenden wie kaum ein Zweiter.

Seine Torwarttechnik ist sehr sauber und man merkt dem Portugiesen an, dass er sein Handwerk versteht. Das zeigt sich bei vermeintlich einfachen Szenen, die er durch seine runden Abläufe leicht aussehen lässt. Aber auch bei komplexen Paraden wie jene aus dem EM Finale von 2016, als Patrício seine Weltklasse unter Beweis stellte.

Mit Ball am Fuß wird er oft unterschätzt. Hier gehörte er gerade bei langen Pässen zu den konstantesten Keepern der Premier League und konnte somit relativ unscheinbar den Pressingdruck der Gegner aushebeln.

Patrício kann für die AS Roma mit seiner Erfahrung die langersehnte Konstante im Tor sein. Obwohl er in der letzten Premier League-Saison nicht mehr so herausragend wie die Jahre zuvor war, könnte das geringere Spieltempo der Serie A ihm entgegenkommen.

Zudem dürfte er als Portugiese ein verlängerter Arm von Neutrainer José Mourinho sein und wichtiger Verbündeter in der Kabine. Auch wenn sich im Sommer viel bei der Roma geändert hat und wohlmöglich eine unruhige Saison bevorsteht, dürfte Rui Patrício der entscheidende Ruhepol im Team werden.

 

Yusuf Demir: Der neue Pedri?

von Henri Hyna

Hätte man mich als Barça-Fan vor einigen Wochen gefragt, auf welchen Spieler ich mich in der neuen Saison am meisten freue… die Antwort wäre mir schwer gefallen. Ilaix Moriba, der sich bereits Ende der letzten Saison wichtige Spielminuten verdiente? Oder Álex Collado, der endlich dem Kader der ersten Mannschaft angehört? Oder werden es die nächsten Entwicklungsschritte bei einem Ronald Araújo oder Óscar Mingueza sein, welche ich kaum erwarten kann?

Heute, zwei Tage vor dem ersten Ligaspiel gegen Real Sociedad, sieht alles anders aus. Ilaix wurde aufgrund von Schwierigkeiten bei den Vertragsverhandlungen in die zweite Mannschaft geschoben, Collado bekam in der Vorbereitung kaum Spielzeit und Mingueza ist verletzt. Einzig Araújo nutzte die Vorbereitung, um sich für die nächste Saison in Stellung zu bringen.

Allen genannten Spielern wurde – in meiner Gunst – der Rang abgelaufen von einem 18-jährigen Österreicher, der eigentlich nur für die zweite Mannschaft eingeplant war. Allerdings nutzte der von Rapid Wien ausgeliehene Yusuf Demir die Vorbereitung herausragend.

Ronald Koeman soll bereits nach den ersten Einheiten hellauf begeistert gewesen sein. So spielte der 1,73m große Linksfuß in mehreren Testspielen von Anfang an, darunter die Partie gegen Juventus Turin um die Joan Gamper Trophäe. Dabei wurde Demir auf verschiedenen Positionen eingesetzt – zuerst als rechter Flügel, gegen Juventus dann überraschend als zentraler Mittelfeldspieler.


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Überzeugen konnte Demir in jedem Spiel und auf jeder Position. Den österreichischen Nationalspieler zeichnet vor allem seine Kreativität aus. In jeder Situation findet Demir eine Lösung, in engen Räumen findet er sich nicht nur zurecht, sondern brilliert in ihnen.

Dabei weiß der Österreicher immer wieder zu überraschen – mal löst er sich per kleinräumigem Dribbling, dann sucht er den Doppelpass oder spielt den Ball direkt in die Tiefe. Das macht ihn für den Gegner unausrechenbar. Dazu kommt eine gute Ballbehandlung sowie sehr gute Agilität, sodass ihn die meisten Gegenspieler gar nicht zu packen bekommen. Dadurch fällt dann auch kaum ins Gewicht, dass Demir kein (herausragender) Sprinter ist und noch sehr schmächtig.

Gewissermaßen kann Demir der neue Pedri sein – auch der 18-jährige Spanier setzte sich letzte Saison völlig überraschend durch. Dabei agierte Pedri zuerst als nahezu konstant einrückender Flügelspieler, bis er sich später im zentralen Mittelfeld gegen Konkurrenz wie Philippe Coutinho und Miralem Pjanic durchsetzte. Auch bei Demir könnte ein Trumpf sein, dass er auf mehreren Positionen einsetzbar ist.

Es wäre jetzt schon überraschend, wenn Barça am Ende der Saison nicht die 10 Millionen Euro schwere Kaufoption ziehen würde. Möglich ist bei diesem Verein alles (außer große finanzielle Sprünge), jedoch überzeugte Demir in der Vorbereitung auf ganzer Linie. Messi ist weg, Agüero, Dembéle und Ansu Fati sind (noch) verletzt und im zentralen Mittelfeld scheint er ebenfalls bereits vor Pjanic und Puig zu stehen.

Die Chancen stehen gut, dass der 1,73m große Dribbler sofort Minuten in der ersten Mannschaft sammeln wird. Wer weiß, vielleicht darf Demir am Sonntag sogar direkt von Beginn an spielen – vor Entscheidungen dieser Art schreckte Ronald Koeman noch nie zurück.

 

Erik Lamela: Der Rabona-König

von Till Oppermann

Es ist besonders aufregend Sportlern zuzusehen, die eine spezielle Technik perfektioniert haben. Bei Erik Lamelas letztem Tor im Trikot der Tottenham Hotspur kam die Fußballwelt in diesen Genuss.

In der 33. Minute des North London Derbys gegen Arsenal flankten die Spurs in den gegnerischen Strafraum. Eng bedrängt von zwei Gegenspielern nahm Lucas Moura den Ball an. Zwar wollte Lamela neben ihm in die Tiefe starten, doch Moura gelang es unter Druck nur einen unsauberen Pass in den Rücken des Argentiniers zu spielen.

Lamela musste abstoppen, um das Zuspiel kontrollieren zu können. Als er den Ball erreichte befanden sich zwischen ihm und dem Tor drei Verteidiger und Arsenal-Keeper Bernd Leno. In den meisten Fällen wäre der Angriff an dieser Stelle beendet gewesen. Aber nicht für Erik Lamela.

Der 29-Jährige zog seinen linken Fuß hinter sein rechtes Standbein und beförderte das Spielgerät durch die Beine des ersten Verteidigers und vorbei an Bernd Leno Millimeter über der Grasnarbe in die lange Ecke. Es war der perfekte Rabona – die Premier League wählte den Treffer wenig später zu ihrem „Goal of the Season“.

Kaum ein Spieler im Weltfußball beherrscht diesen Trick so gut wie Erik Lamela. Es war sein letztes Highlight in England. In der kommenden Saison wird der 25-fache argentinische Nationalspieler für den FC Sevilla spielen. Vorher machten ihn seine technischen Fähigkeiten über Jahre zu einem der unterhaltsamsten Spieler der englischen Liga.

Wann immer es geht, sucht der Argentinier das Dribbling. Wahrscheinlich ist das einer der Hauptgründe, warum sein neuer Trainer Julen Lopetegui es kaum erwarten kann, Lamela in seinem 4-3-3-System auf dem rechten Flügel oder im offensiven Mittelfeld einzusetzen. Denn obwohl seine Mannschaft in der Regel das Tempo kontrolliert, gelang es ihr zu selten, die tiefstehenden gegnerischen Defensivreihen auszuhebeln, um Tore zu erzielen.

Auch als Konterspieler überzeugt Lamela mit hohem Tempo und großer Zielstrebigkeit beim Versuch, das Feld schnell zu überbrücken. Die Genauigkeit seines Passspiels fällt indes qualitativ etwas ab – sein expectedAssists-Wert liegt bei 0,11 pro Spiel, 59 Prozent der Spieler in den Top-Fünf-Ligen auf seiner Position sind besser. In den letzten Jahren konnte der Argentinier selten eine ganze Saison durchspielen, häufig plagten ihn Verletzungen.

Wenn er dann doch auf dem Platz stand, spielte er stets mit großer Leidenschaft und Herz. Das macht ihn auch gegen den Ball zu einem guten Spieler, pro Spiel gelingen Lamela knapp 22 Pressures und 2,69 erfolgreiche Tacklings. Mit diesen Aktionen und seinen aufregenden Dribblings kann er jederzeit die gesamte Mannschaft mitreißen.

Bleibt Erik Lamela fit, wird er in der kommenden Saison einer der spannendsten Spieler in einer Liga, die nach Barcelonas Chaos- und Reals verhaltenem Transfersommer so offen ist wie selten.

 

Mike Trésor Ndayishimiye: Zweiter Anlauf in Belgien

von Alexander Rudies

Drei Jahre ist es her, dass Mike Trésor Ndayishimiye die Jugend des RSC Anderlecht verließ. Fünf Jahre lang wurde er beim ehemaligen belgischen Serien-Meister ausgebildet. Seit seinem Abgang befindet sich der Klub im Umbruch, die Tabellenplätze Vier, Acht und Drei sind die schlechtesten dieses Jahrtausends. Für Ndayishimiye ging es seitdem jedoch nur bergauf.

Seine erste Saison als Profi-Spieler verbrachte er beim damals zweitklassigen NEC Nijmegen in den Niederlanden und empfahl sich direkt für eine Leihe zu Erstligist Willem II. Nach einer starken Debüt-Saison dort war die Kaufoption von 0,5 Millionen Euro ein Schnäppchen.

In der letzten Saison konnte Willem II die starke Vor-Saison nicht bestätigten; musste gegen den Abstieg kämpfen. Ndayishimiye machte in dieser schweren Phase nochmal einen Schritt und war mit seinen vier Treffern und vor allem elf Vorlagen neben Stürmer Vangelis Pavlidis der wichtigste Faktor für den Nicht-Abstieg.

In diesem Sommer bekundeten einige Vereine ihr Interesse am 22-Jährigen. Aus der Bundesliga wurde zum Beispiel Bayer Leverkusen immer wieder mit dem Belgier in Verbindung gebracht. Den Zuschlag erhielt letztlich jedoch der KRC Genk. Ndayishimiye ist zurück in Belgien.

Genk stellte in der vergangenen Saison den zweitbesten Angriff der belgischen Pro League. Jeder Spieler aus dem genialen Offensivtrio um Linksaußen Theo Bongonda, Rechtsaußen Junya Ito und Stürmer Paul Onuachu war an über zwanzig Toren direkt beteiligt. Im von Trainer John van den Brom favorisierten 4-2-3-1 darf Ndayishimiye aus diesem Traum-Trio nun ein Quartett machen.


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Ndayishimiye passt perfekt ins Spiel Genks, die sich ins letzte Drittel kombinieren. Die Flügelspieler rücken dafür in die Halbräume ein. Der Zehner, also Ndayishimiye, genießt derweil viele Freiheiten und soll die kleinräumigen Kombinationen in den Halbräumen unterstützen. Noch ist Genks Spiel etwas rechtslastig, sodass Ndayishimiye auffällig viel mit Ito kombiniert und bereits ein super Verständnis mit ihm entwickelt hat.

Ndayishimiye ist in seiner Positionsfindung sehr intelligent. Meist positioniert er sich bereits so, dass er direkt aufdrehen kann und ist hervorragend orientiert, wodurch er sinnvolle Anschlussaktionen ausführen kann.

Er löst sich aus Drucksituationen, passt diagonal und kreativ, beherrscht aber auch simple Pässe und ragt im Passen-und-Gehen, also im Passen und anschließend direkt wieder einen passenden Raum besetzen, heraus.

So brilliert er auf engem Raum und kann denselben Angriff einleiten und vollenden. Noch dazu ist er handlungsschnell und nutzt seinen nominell schwächeren linken Fuß ähnlich gefühlvoll und präzise wie den rechten.

In die Liga startete Ndayishimiye mit zwei Assist-Doppelpacks. Beim 3:4 gegen Oostende bereitete er das 1:0 per zentimetergenauer Flanke vor und schlug dann die Ecke vor dem zwischenzeitlichen 3:2. Gegen Kortrijk wurde er zur Halbzeit beim Stand von 0:1 eingewechselt und war mit zwei abermals perfekten Ecken der Architekt des 2:1-Comeback-Sieges.

Auch in der Champions-League-Quali gegen Shakhtar Donetsk bereitete er einen Treffer vor, diesmal wieder per Flanke. Ndayishimiye beherrscht es bereits, wenn die Flügelspieler einrücken selber situativ auf den Flügel auszuweichen, dort seinen Antritt zu nutzen und herausragende Flanken zu schlagen. Seine Rolle im Kombinationsspiel macht aber schon jetzt fast noch mehr Spaß beim Zusehen.

In der Champions League darf man das leider nicht sehen. Für den KRC Genk war gegen Shakhtar Donetsk Schluss. Dafür wird man in der Europa League vertreten sein und sich in der Liga Chancen ausmalen, ganz oben mitzuspielen. Mike Trésor Ndayishimiye kann dabei bereits ein Schlüsselspieler sein und in einem wunderbar anzuschauenden Team brillieren.

(Titelbild: © IMAGO Images)


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