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Die besten U20 Talente im linken Mittelfeld in 2021

Im vorletzten Teil unserer Serie über die 110 besten Talente 2021 widmen wir uns dem linken Mittelfeld. Fans auf der ganzen Welt lieben trickreiche Dribbler mit Flair und dem gewissen Etwas. Besonders in Spanien sollte in den nächsten Jahren kein Mangel an aufregenden Flügelstürmern herrschen: gleich drei unserer besten zehn Linksaußen kommen von dort.

Sie und die weiteren sieben Spieler in unserer Liste eint herausragendes Talent. Doch jeder der Youngster interpretiert die Position auf seine ganz eigene Weise. In den kommenden Jahren werden sie die Fußballwelt begeistern.

 

Die 10 besten Talente im linken Mittelfeld:

Ander Barrenetxea – Real Sociedad
Ansu Fati – FC Barcelona
Bryan Gil – SD Eibar
Khvicha Kvaratskhelia – Rubin Kazan
Talles Magno – CR Vasco da Gama
Nathanaël Mbuku – Stade Reims
Bukayo Saka – FC Arsenal
Kamaldeen Sulemana – FC Nordsjælland
Naci Ünüvar – Ajax Amsterdam
Alan Velasco – CA Independiente

>>> Lest auch die anderen Teile unserer Talente-Serie <<<

Ander Barrenetxea Analyse

Oyarzabals Erbe? Ander Barrenetxea im Porträt

Ander Barrenetxea im Kurzprofil
Verein: Real Sociedad
Stärken: Dribbling, Flanken
Schwächen: Disziplin

Irgendetwas scheint man in der Jugendarbeit Real Sociedads richtig zu machen. Ein Großteil des Profiteams der Basken setzt sich schließlich aus Spielern der eigenen Nachwuchsabteilung zusammen. Mit Mikel Oyarzabal führt die Jungs aus San Sebastián ein Eigengewächs als Kapitän aufs Feld.

Das Interesse zahlungskräftiger Klubs an dem brandgefährlichen Linksaußen dürfte auch im nächsten Sommer wieder gewaltig sein. Einen möglichen mittelfristigen Nachfolger für Oyarzabals Platz in der Offensivabteilung hat Real Sociedad bereits in der Hinterhand: Ander Barrenetxea Muguruza.

Der Offensivakteur ist in vielerlei Hinsicht ein relativ typischer Absolvent der Nachwuchsabteilung von Real Sociedad: In San Sebastián geboren und aufgewachsen, nicht besonders groß (1,78 Meter), schnell, wendig, technisch stark und taktisch versiert. So lässt sich der U-21-Nationalspieler Spaniens kurz und bündig beschreiben.

In dieser Saison schafft Barrenetxea bereits recht regelmäßig den Sprung ins La-Liga-Team, auch einige Startelfeinsätze kann der 19-Jährige schon für sich verbuchen. Bevorzugt spielt der Rechtsfuß auf dem linken offensiven Flügel, ist jedoch auch als Rechtsaußen einsetzbar.

Von einem der beiden Flügel aus sucht der Baske gerne den Lauf hinter die gegnerische Kette – entweder in Richtung Tor oder an die Grundlinie. Sein Timing bei diesen Tiefenläufen ist häufig sehr stark und auch wenn er nicht durch einen Steckpass eines Mitspielers bedient wird, verschafft er Letzterem dadurch Platz.

Kommt er zur Grundlinie durch, sorgen seine flachen oder hohen Hereingaben für Alarm vor dem gegnerischen Tor. Überhaupt weiß sein Passspiel zu gefallen – mit beiden Füßen. Auffällig viele Schüsse seiner Mitspieler bereitet der Offensivmann nämlich mit seinem nominell schwächeren linken Fuß vor (siehe understat.com).

 

 

Sehr beeindruckend sind Ander Barrenetxeas Fähigkeiten im Dribbling. Mit starkem Fintieren, vielen Kontakten und schnellem Antritt kann er gegnerische Abwehrreihen aufreißen. Kein Wunder, dass der junge Baske mit drei erfolgreichen Dribblings pro Spiel zu den spielfreudigsten Flügeln Europas gehört (92. Perzentil).

Auch durch eigene Abschlüsse sorgt der Tempodribbler für Torgefahr. Nicht selten agiert er als Abnehmer von Hereingaben vom gegenüberliegenden Flügel, kann jedoch auch seinen eigenen Abschluss kreieren.

Zwar findet man den Teenager zum Start seiner Aktionen zumeist nahe einer der beiden Seitenlinien. Er hat jedoch auch seine Stärken, wenn er neben den eigenen Mittelstürmer einrückt. Aufgrund seiner guten Orientierung und seinem starken Verhalten in engen Räumen, wäre ein häufigerer Einsatz im Zentrum, etwa als Hängende Spitze, durchaus denkbar.

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Barrenetxeas Schusstechnik ist ansehnlich, im Nachwuchsbereich hat er bereits einige schöne Fernschusstore erzielt. Doch übertreibt er es mit Schüssen aus großer Distanz nicht und sucht eher den Weg in den Strafraum.

Insgesamt spielt der Außenbahnspieler sehr umtriebig. Stets sieht man ihn in Bewegung, ob Freilaufen in eigenem Ballbesitz oder Anlaufen des Gegenspielers im Pressing. Bei Letzterem agiert er sehr aggressiv aber manchmal noch etwas ungeschickt. Vergleichsweise häufige Fouls sind das Resultat.

Im Team von Coach Imanol Alguacil findet das baskische Toptalent ein enorm entwicklungsförderndes Umfeld – besonders für Offensivspieler – vor. Die gestiegenen Leistungskurven von Mikel Oyarzabal, Alexander Isak oder auch Martin Ødegaard in den blau-weißen Trikots sprechen Bände. Die Fußballwelt kann sich mittelfristig also auf einen weiteren hochspannenden Flügelstürmer aus der Talentschmiede der Txuri-Urdin freuen.

Ander Barrenetxea wurde analysiert von Christian Stein


Ansu Fati Analyse

Barcelonas Wunderkind: Ansu Fati in der Analyse

Ansu Fati im Kurzprofil
Verein: FC Barcelona
Stärken: Torgefahr, Kaltschnäuzigkeit
Schwächen: Defensivverhalten

Jüngster Torschütze des FC Barcelona, jüngster Torschütze der spanischen Nationalelf und jüngster Torschütze in der Champions League – früh übt sich gut. Der 18-jährige Anssumane Fati Vieira könnte die nächste Dekade auf der Flügelposition des FC Barcelona prägen.

2012 wechselte der im westafrikanischen Guinea-Bissau geborene Ansu Fati vom FC Sevilla nach Barcelona. Als der 1,78 Meter große Flügelspieler eigentlich noch in der U19 aktiv war (er wäre dort noch immer spielberechtigt), ging es in der Saison 2019/20 – ohne Zwischenschritt bei Barça B – hoch zu den Senioren.

Dabei stellte Fati sofort seine Qualitäten unter Beweis: In 24 Spielen erzielte er sieben Tore und brachte die bei Barcelona so dringend benötigte Direktheit zum Tor. Was zeichnet Ansu Fati dabei aus? Der spanische Nationalspieler scheint ein eingebautes Navigationsgerät zu haben, welches nur ein Ziel kennt: Das gegnerische Tor. Seine Dribblings, Tiefensprints und auch sein Passspiel – alles dient dem Ziel, das gegnerische Tor zu attackieren.

Das spiegelt sich auch in den Statistiken wieder: Letzte Saison lag Fati mit 0,22 Expected Assists nur hinter Lionel Messi (bei den Stammspielern), diese Saison liegt er mit 0,41 (bei einer sehr kleinen Sample Size) sogar vor ihm. Ansu Fatis xG per 90 Minuten lag letzte Saison mit 0,33, und diese Saison mit 0,37, immer in der Spitze der Mannschaft.

Dazu kommt, dass der Flügelspieler kaltschnäuzig vor dem Tor agiert. In beiden Spielzeiten überperformt er seinen xG-Wert sogar noch deutlich, da seine Abschlüsse auch aus schlechten Situationen extrem präzise sind. Für einen Spieler seines Alters bleibt er sehr ruhig und hat ein überaus stabiles Decision-Making.

Besonders für einen Flügelspieler, der seinen Gegenspielern in der Jugend athletisch extrem überlegen gewesen sein dürfte, ist das beeindruckend. Luft nach oben besitzt das Wunderkind vor allem in der Defensive.

Hier ist es nicht der Einsatz, der nicht stimmt – es ist das Grundverständnis, an dem Barças Nummer 22 noch arbeiten muss. Wann doppeln wir den Ballführenden, wann verfolge ich den Laufweg meines Gegenspielers und wann übergebe ich ihn an meinen Außenverteidiger? Ansu Fati zeigte sich durchaus bemüht und zeigt im Anlaufen auch ein sehr gutes Timing. Wenn er jedoch überspielt wurde und zurückarbeiten muss, war es nicht immer schön anzusehen.

Doch das größte Problem derzeit ist ein anderes: Ansu Fati spielt nicht. Wegen eines Meniskuseinrisses, erlitten am 7. November im Spiel gegen Betis Sevilla, wurde der spanische Nationalspieler in der Halbzeit ausgewechselt. Seitdem konnte Fati nicht mehr mit der Mannschaft trainieren.

Wird Trainer Ronald Koeman auf die Situation angesprochen, antwortet er nach anfänglichem Optimismus zunehmend schmallippiger: Man solle Fati Zeit geben, er solle erst richtig fit werden. Barça-nahe Quellen berichteten bereits, dass sich Ansu bereits einer zweiten Operation unterziehen musste.

Seine Zukunft nach der Rückkehr ist ebenfalls nicht geklärt – sein Vertrag läuft nur noch bis 2022 und eine vorzeitige Verlängerung soll das Mega-Talent abgelehnt haben. Seine Karriere könnte sich also noch in viele Richtungen entwickeln, wobei Ansu Fati auf dem Feld nur eine Richtung kennt: Die zum gegnerischen Tor.

Ansu Fati wurde analysiert von Henri Hyna

Bryan Gil Analyse

“Spaniens bester Fußballer”: Bryan Gil in der Analyse

Bryan Gil im Kurzprofil
Verein: SD Eibar
Stärken: Dribbling, Flair
Schwächen: Physis

Die spanische Sportzeitung Mundo Deportivo fragte die Barça-Fans unter ihren Lesern im Februar in einer Umfrage nach ihrem Wunschtransfer. Satte 85% stimmten für Bryan Gil. Ihr Club teilt diesen Wunsch. Laut Mundo Deportivo soll Barcelona in den vergangenen Jahren über 40 Dossiers über den 20-jährigen Flügelstürmer angefertigt haben.

Barça-Scout German Ballabriga schwärmte in einer Radioshow des katalanischen Senders Cadena SER: „Im Moment ist er Spaniens bester Fußballer und ich vergleiche ihn mit Neymar.” Ein großes Lob für einen Spieler, der in dieser La Liga Saison erstmals regelmäßig von Anfang an spielt.

Ausgeliehen von seinem Jugendclub Sevilla verzauberte Gil bei seinen Einsätzen für Eibar sogar den Nationaltrainer. Obwohl er bei der U21-Europameisterschaft im spanischen Team gesetzt gewesen wäre, verhalf Luis Enrique dem jungen Andalusier im März zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Gil selbst war von seiner Einladung so überrascht, dass er den ersten Anruf des spanischen Verbandes verpasste. Zwei Mitspieler erzählten ihm, dass Enrique am Telefon sei. Gil hielt das für einen schlechten Scherz. „Ich war sauer und habe sie ignoriert.“

Als sich dann herausstellte, dass seine Kollegen Recht hatten brach er vor Freude in Tränen aus. Den Platz in der Nationalmannschaft verdiente sich Bryan Gil mit seinen Leistungen für Eibar. Bei den Basken spielt er zumeist im linken Mittelfeld, wurde im Laufe der Saison allerdings auch schon auf anderen Positionen eingesetzt.

Barça-Scout Ballabriga schwärmte von dieser Vielseitigkeit: „Er kann als Flügelstürmer, Linksverteidiger und im Zentrum spielen. Das ist sehr beeindruckend.“ Besonders mit dem Ball bringt Gil dabei außergewöhnliche Fähigkeiten mit. Mit 8,51 progressive carries pro Spiel überbrückt er in Ballbesitz mehr Feld als 89% der Angreifer in den fünf besten europäischen Ligen.

Ebenso beeindruckend ist seine Stärke im Dribbling: Im Durchschnitt überdribbelt er pro Spiel 2,44 Mal einen oder mehrere Gegenspieler. Damit ist Gil besser als 83% der Angreifer in den größten Ligen. Doch man wird ihm nicht gerecht, wenn man sein Spiel nur mit Statistiken beschreibt. Seine kleinen Bewegungen mit dem Fuß, schnelle Körpertäuschungen, Tempo- und Richtungswechsel geben Gil ein ganz besonderes Flair. Mit weit vorgebeugtem Oberkörper und wehender Mähne besitzt er einen großen Wiedererkennungswert.

Obwohl er mit Eibar auf dem letzten Tabellenplatz steht, sorgt Gil immer wieder dafür, dass Angriffe oder das Aufbauspiel über seine linke Seite sehr sehenswert sind. Mit kurzen, perfekt getimten Pässen bereichert er das Kombinationsspiel. Weil er wegen seiner Fähigkeiten am Ball stets von zwei Verteidigern gestellt werden muss bevor er zum Dribbling ansetzt, schafft er hinter sich regelmäßig viel Platz für hinterlaufende Außenverteidiger, die dann ungestört Flanken können.

Mit 1,75 Meter und 67 Kilogramm gehört Gil körperlich nicht zu den durchsetzungsfähigsten Spielern. Wird er körperlich gestellt oder in Kopfballduelle gezwungen, zieht er meist den Kürzeren. Trotzdem gelingt es ihm mit geschicktem Anlaufverhalten, Gegner regelmäßig ins Pressing zu zwingen.

Julen Lopetegui, Trainer bei Gils Stammverein Sevilla, kann seine Rückkehr kaum erwarten. Um sich vor einem Transfer zu schützen, versucht Sportdirektor Monchi Gil derzeit von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen, bei der seine Ausstiegsklausel von 35 Millionen auf mindestens 100 Millionen erhöht würde. Noch zögert Gil bei der Unterschrift. Lopetegui hofft auf Beistand von ganz oben: „So Gott will, spielt er nächste Saison bei uns.“

 Bryan Gil wurde analysiert von Till Oppermann

Khvicha Kvaratskhelia – Georgiens Superstar-Hoffnung

Khvicha Kvaratskhelia im Kurzprofil
Verein: Rubin Kazan
Stärken: Dribbling, Konterspiel
Schwächen: Abschluss

Kakhaber Kaladze, Shota Arveladze oder Levan Kobiashvili. Dinamo Tiflis, einst einer der erfolgreichsten Vereine der UdSSR, hat schon so manchen georgischen Exportschlager hervorgebracht. Mit Khvicha Kvaratskhelia schickt sich aktuell der nächste Dinamo-Export an, einen bleibenden Eindruck in Europa zu hinterlassen. Sogar der Borussia aus Dortmund und dem FC Bayern wird schon Interesse nachgesagt.

Nachdem der Georgier schon mit 16 für den Traditionsverein Dinamo debütierte, schloss sich Kvaratskhelia dem Ligakonkurrenten Rustawi an. Nach vielversprechenden Leistungen folgte eine Leihe in die russische Premier Liga. Für die Lokomotive aus Moskau etablierte sich der Teenager zwar als Rotationsspieler, auf eine feste Verpflichtung konnte man sich allerdings nicht einigen.

Rubin Kazan zögerte daher im Sommer 2019 nicht lange, den Linksaußen unter Vertrag zu nehmen. Lokomotives damaligen Trainer Yuri Semin soll das angeblich zum Weinen gebracht haben.

In Tatarstan hat sich Kvaratskhelia unter dem erfahrenen Übungsleiter Leonid Slutski dementsprechend schnell durchgesetzt und überzeugt mit bislang sieben Toren und dreizehn Vorlagen in 51 Spielen, in denen er durchschnittlich 64 Minuten zum Einsatz kommt.

Kvaratskhelias offensichtlichste Stärke ist das Dribbling. Mit wahnwitzigen 14 versuchten Dribblings pro 90 Minuten führte er die russische Elite-Liga in der letzten Saison mit großem Vorsprung an. Obwohl er nur etwas mehr als die Hälfte dieser Aktionen erfolgreich abschließen kann, ist allein die schiere Anzahl bemerkenswert und eine verlässliche Quelle für vielversprechende Angriffe.

Im Konterspiel legt sich der georgische Nationalspieler den Ball gerne oft weit vor, um somit seine durchschnittliche Geschwindigkeit mit Ball am Fuß zu kompensieren. Als rechtsfüßiger Linksaußen schlägt der 20-Jährige kaum Flanken. Viel mehr zieht er es vor, mit dem Ball am Fuß vom linken Halbraum in den Strafraum zu schneiden oder entlang der Grundlinie Richtung Tor zu marschieren.

Zwar erleichtert die Auslinie den gegnerischen Verteidigern in solchen Fällen die Abwehrarbeit, doch Khvicha weiß sich aufgrund der angesprochenen Dribble-Stärke sowie seiner Größe von 1,83 Meter durchaus zu behaupten. Nicht umsonst kreiert kein anderer Spieler in der Premier Liga mehr Chancen (2,1 pro 90 Minuten). Im Strafraum versteht es ხვიჩა კვარაცხელია exzellent, Kontakt zu suchen und Elfmeter herauszuholen.

Auch in den Kategorien erfolgreicher Schlüsselpässe (0,71) und Expected Assists (xA, 0,31) kann er ordentliche Werte aufweisen. Als allzu torgefährlich hat sich der Südkaukasier allerdings noch nicht bewiesen. Entscheidungsfindung und Timing lassen beim Abschluss noch zu wünschen übrig.

Wiederholt nimmt es der verspielte Georgier mit zu vielen Gegenspielern auf und ist dann in Ermangelung anderer Optionen, zu wenig aussichtsreichen Abschlüssen gezwungen. Treffer in zwei aufeinanderfolgenden Länderspielen gegen Spanien und Griechenland Ende März könnten hier möglicherweise auf eine Trendumkehr hindeuten.

Sollte Georgiens Fußballer des Jahres 2020 seine Torgefährlichkeit tatsächlich nachhaltig verbessern und die Zweckmäßigkeit seiner Dribblings steigern können, steht einer erfolgreichen Karriere in Europas Top-5-Ligen fußballerisch nichts mehr im Weg.

Khvicha Kvaratskhelia wurde analysiert von Amadeus Marzai

Talles Magno Analyse

Brasilien-Talent Talles Magno: Vascos nächster Star-Export?

Talles Magno im Kurzprofil
Verein: CR Vasco da Gama
Stärken: Flair, Spielverständnis
Schwächen: Torgefahr

Vom Morro do Tuiuti, der sich mitten im Stadtgebiet Rio de Janeiros erhebt, kann man eine spektakuläre Aussicht auf das Oval des Maracanã-Stadions genießen. Am Hang windet sich, wie an so vielen Hügeln Rios, eine Favela. Lange Zeit war Tuiuti das Zuhause für Beschäftigte aus der Industrie oder dem öffentlichen Sektor.

Doch die Wirtschaftskrise der 1980er brachte Arbeitslosigkeit in das Viertel, das noch dazu mit dem stadtweiten Problem der Drogenkriminalität und damit einhergehender Polizeibrutalität konfrontiert wurde. In diese Szenerie wurde 2002 Talles Magno Bacelar Martins hineingeboren.

Neun Jahre später wurde dieser nach einem überzeugenden Probetraining in die Akademie des lokalen Erstligisten Vasco da Gama aufgenommen. Zu deren Stadion ist es von Tuiuti nur knapp einen Kilometer den Hügel herab.

In der Jugendabteilung des Gigante da Colina entwickelte sich Talles prächtig und schaffte es vorbildlich, Schule, Futsal und seine Fußballkarriere unter einen Hut zu bringen. Mit gerade einmal 16 feierte das Talent sein Erstligadebüt und wurde zu Vascos jüngstem Debütanten im 21. Jahrhundert.

Wenig später hatte Talles mit zwei Treffern Anteil am Heimtriumph der brasilianischen U17 bei der Weltmeisterschaft 2019. Anschließend avancierte er für Vasco, die schon Romário und Philippe Coutinho hervorbrachten, zum Stammspieler und zog zunehmend das Interesse vom alten Kontinent auf sich. So wurden schon der FC Sevilla, Lyon, Leverkusen, die Roma oder Liverpool mit dem Wunderkind in Verbindung gebracht.

Talles, in der Jugend oft als Neuner eingesetzt, kommt als Profi in der Regel als Linksaußen zum Einsatz, kann allerdings auch auf dem rechten Flügel, als Stoßstürmer, Hängende Spitze und sogar als Zehner eingesetzt werden. Neben dieser Vielseitigkeit überzeugt der Carioca vor allem mit seinen Fähigkeiten im Dribbling.


 

Der 18-Jährige hat einen überragenden „First Touch“, den er mit Kreativität und Spielfreude paart. Nicht umsonst wurde Bacelar Martins schon mit Neymar verglichen und von Vascos Anhänger*innen Magico getauft.

55% seiner Dribblings kann der inversive Außenspieler für sich entscheiden, ein sehr ordentlicher Wert wenn man bedenkt, dass er schon jetzt zu den Schlüsselspielern seines Teams gehört. Nur vier Spieler in Brasiliens Eliteklasse gehen häufiger ins Dribbling, nur neun Akteure werden häufiger gefoult.

Denn trotz seiner Größe von 1,87 Meter ist Talles sehr agil und versteht es, explosiv die Richtung zu wechseln. Seinen athletischen Körper kann er einsetzen, um das Spielgerät abzuschirmen oder um als guter Kopfballspieler Gefahr auszustrahlen. Allerdings ist sein Abschluss noch verbesserungsbedürftig, Torgefahr verkörpert der Schlaks noch zu wenig.

Vascos Nummer 11 verfügt über den Antritt eines Jaguars, der ihn in Kombination mit seinem ausgeprägten Spielverständnis zu einer gefährlichen Konterwaffe macht. Selbst mit dem Ball am Fuß muss er kaum Geschwindigkeit oder Ballkontrolle einbüßen, eine seltene Begabung.

Talles versteht es zudem exzellent, zwischen den gegnerischen Verteidigungslinien ein phantomartiges Dasein zu fristen, nur um im geeigneten Moment in den freien Raum zu stoßen. Das und seine Stärke als Kurzpassspieler prädestinieren ihn für die Rolle eines Raumdeuters à la Roberto Firmino.

Und wer weiß, vielleicht wird der fußballerisch unberechenbare Rohdiamant Bobby bald nach Liverpool folgen. Durch Vascos Abstieg könnte sich ein millionenschwerer Wechsel nach Europa beschleunigen. Gar nicht Mal so schlecht für einen Jungen aus Tuiuti.

Talles Magno wurde analysiert von Amadeus Marzai

Nathanael Mbuku Analyse

Frankreich-Talent Nathanaël Mbuku: Undercover in der Ligue 1

Nathanaël Mbuku im Kurzprofil
Verein: Stade Reims
Stärken: Dribbling, Kombinationsspiel
Schwächen: Devensiv-Zweikämpfe, Kreativität im Passspiel

Die Ligue 1 genießt den Ruf als Sammelbecken der vielversprechendsten Talente der Welt. Der Talent-Pool ist mittlerweile so groß, dass einzelne Spieler in diesem fast schon untergehen können. Das gilt auch für Nathanaël Mbuku.

Mbuku wurde erst am 16. März 19 Jahre alt. In den Top-5-Ligen Europas gibt es in dieser Saison nur fünf andere U19-Spieler mit mehr Einsatzzeit. Diese fünf Spieler sind Florian Wirtz, Bukayo Saka, Pedri, Eduardo Camavinga und Jérémy Doku. Ein ziemlich bekanntes Quintett. Warum hört man also im Vergleich zu diesen Spielern so wenig von Mbuku?

Die Gründe sind vielschichtig. Zum Einen spielt er bei Stade Reims, einem Verein, der deutlich weniger Aufsehen erregt als Arsenal oder der FC Barcelona. Reims hat allerdings durchaus einen gewissen Appeal. Nach dem Aufstieg 2018 führte Trainer David Guion eine hervorragend zusammengestellte Mannschaft in der Ligue 1 auf Platz acht und fünf.

Problem für Mbuku: Grundlage des Erfolgs ist eine sehr gut organisierte Defensive. Für Offensivspieler gibt es somit weniger Chancen, ihre Statistiken aufzuhübschen. Hinter 14-Tore-Stürmer Boulaye Dia und den jeweils an sechs Treffern beteiligten Mathieu Cafaro und Arbër Zeneli ist Mbuku mit seinen drei Toren und zwei Vorlagen schon der nächstbeste Angreifer der rouges et blancs.

Im Kontext seiner Mannschaft sehen Mbukus fünf Torbeteiligungen direkt besser aus, als sie es in vielen anderen Teams würden. Aufgrund des Defensiv-Fokus Reims ist auch bei Mbuku zuerst der Blick auf die Verteidigungsarbeit logisch. Der Franzose kongolesischer Abstammung zeichnet sich dabei durch eine hohe Arbeitsrate aus.

Er ist nicht der beste Zweikämpfer aber weiß sich dem System entsprechend zu positionieren und fängt so einige Bälle ab. Im Anlaufen könnte er noch bessere Winkel nutzen, aber für einen 19-Jährigen überwiegt insgesamt ein sehr positiver defensiver Eindruck.


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Kommen wir nun aber zu dem, wofür Mbuku eigentlich auf dem Platz steht: Dem Offensivspiel. Ein Stat zum Start: Mbuku verbucht diese Saison im Dribbling eine Erfolgsquote von 76,2%. Das ist der mit Abstand beste Ligue 1-Wert für Flügelspieler mit mindestens 1000 Einsatzminuten. Der Zweitplatzierte Dimitri Payet weist einen Wert von 68,2% auf. In den Top-5-Ligen Europas steht nur ein Flügelspieler vor Mbuku: Wolverhamptons Adama Traoré, mit 76,8%.

Die nicht ganz so gewagte Schlussfolgerung: Nathanaël Mbuku ist ein herausragender Dribbler. Der Linksfuß hat nicht nur einen niedrigen Körperschwerpunkt, sondern vor allem eine überragende Balance. Teilweise wirkt es im Dribbling so, als würde Mbuku schon auf dem Boden liegen, nur um dann nochmal zu beschleunigen und am Gegenspieler vorbeizuziehen.

Niedriger Körperschwerpunkt, großartige Balance und unglaublicher Antritt sind aber nur ein Teilaspekt seines Spiels. Hinzu kommt, dass er diese Fähigkeiten sowohl auf dem linken Flügel im klassischen Eins-gegen-Eins, als auch eingerückt im Halbraum einsetzen kann.

Mbukus Vororientierung ist gut, grandios sind derweil seine Positionierungen im Mannschaftskonstrukt sowie die Positionierung zum Ball, die es ihm ermöglicht, schnell in offene Stellungen zu kommen. Im Halbraum hilft er so auch im Kombinationsspiel sehr indem er viele Bälle intelligent weiterleitet.

Probleme sind noch seine fehlenden kreativen, progressiven Ideen im Passspiel sowie das Finden von Abschlusspositionen. Nathanaël Mbuku ist jedoch schon jetzt einer der besten Dribbler und Ballbesitz-Sicherer Europas. Darüber darf gerne mehr gesprochen werden.

Nathanaël Mbuku wurde analysiert von Alexander Rudies

Bukayo Saka Analyse

Arsenals zukünftiger Leader? – Bukayo Saka in der Analyse

Bukayo Saka im Kurzprofil
Verein: FC Arsenal
Stärken: Flexibilität, Kreativität
Schwächen: Kaltschnäuzigkeit

Im Norden Londons hat man schon bessere Zeiten erlebt. Der Arsenal FC hat den Anschluss an die europäische Spitze inzwischen endgültig verloren und findet sich diese Saison sogar nur noch im tabellarischen Mittelfeld der Premier League wieder. Umso überraschender, dass sich ausgerechnet in dieser Phase ein Talent in den Fokus gespielt hat, das nach langer Zeit mal wieder das Potenzial eines zukünftigen Weltklassespieler besitzt.

Der Engländer Bukayo Saka soll die Leidenszeit der Gunners beenden und eine neue Generation der „Young Guns“ anführen. Der 19-jährige Linksfuß spielt seit seinem siebten Lebensjahr für den Arsenal FC und debütierte im November 2018 für die erste Mannschaft.

Zunächst als Linksverteidiger eingesetzt, entwickelte sich Saka in den letzten Monaten zu einem flexibel einsetzbaren Offensivallrounder. Beeindruckend ist dabei vor allem sein rasanter Aufstieg.

Von Kurzeinsätzen in den Pokalwettbewerben über kurzzeitige Leistungslöcher, bis hin zu sich stetig steigernden Einsatzminuten: Saka durchlief die herkömmlichen Phasen eines jungen Talentes – tat dies allerdings in einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit. Er avancierte nicht nur zum Stammspieler, sondern ist mit 19 Jahren bereits jetzt konstanter Leistungsträger und Schlüsselspieler.

Dabei agiert Saka für sein Alter sehr reif und kaum wie ein klassisches „Talent“. Er verzichtet auf extravagante Aktionen und besticht durch ein hohes Maß an Effizienz und offensivem Output. Wettbewerbsübergreifende sieben Tore und acht Vorlagen konnte Saka in dieser Saison bereits erzielen. Ein hervorragender Wert in Anbetracht der allgemeinen offensiven Probleme seiner Mannschaft.

Zählt man nun auch noch die 3,61 „Shot Creating Actions“ (Aktionen, die direkt zu einem Torschuss führen) dazu, wird klar, welch hohen Stellwert Saka für Arsenals Angriff besitzt.

Unter Trainer Mikel Arteta wechselt Saka auf dem Papier immer wieder zwischen der Position des rechten und linken Flügelspielers im 4-2-3-1. In der Praxis rotiert er im flexiblen Offensivspiel Arsenals jedoch regelmäßig mit den anderen Offensivspielern und kreiert gerne aus dem Zentrum.

Dank seines sehr guten Raumgefühls und seinem ausgeprägten Fußball-IQ gelingt es Saka immer wieder, den Ball zwischen den gegnerischen Linien zu empfangen und von dort aus mit Tempo auf die Abwehrkette zuzulaufen. Hier kann er mit seiner Kreativität und starken Passqualität die schnellen Stürmer mit Schnittstellenpässen in Szene setzen oder selbst in Abschlusspositionen dribbeln.

Defensiv macht sich Saka seine Erfahrung als Linksverteidiger zum Vorteil. Er agiert clever im Eins-gegen-Eins und schafft es häufig, seinen Gegner auf die Außenbahn zu drängen. Dazu kommt seine sehr gute Physis, die ihn auch spät im Spiel noch zu entscheidenden defensiven Sprints vbefähigt und für eine generell hohe Arbeitsrate sorgt.

All diese Fähigkeiten in Kombination lassen Bukayo Saka, der jüngst auch für die A-Nationalmannschaft Englands nominiert wurde, wie einen sehr kompletten Offensivspieler wirken, der nur wenige Schwächen aufweist. Entscheidend wird es sein, dieses hohe Level in den kommenden Monaten zu bestätigen.

Bisher konnte Saka von den schwachen Leistungen Arsenals profitieren und wurde von Fans und Medien häufig als einziger Lichtblick gesehen. Sofern er es schafft, in der nächsten Saison den wichtigen nächsten Schritt zu gehen und dabei die garantiert auftretenden Formtiefs zu überwinden, kann Saka über Jahre hinweg das Gesicht des „neuen“ Arsenal FC werden.

Bukayo Saka wurde analysiert von Marius Fischer

Kamaldeen Sulemana Analyse

Kamaldeen Sulemana: Nordsjællands Flügelstürmer-Juwel

Kamaldeen Sulemana im Kurzprofil
Verein: FC Nordsjælland
Stärken: Antritt, Eins-gegen-Eins
Schwächen: T echnische und taktische Grundausbildung

Im Februar 2020 schloss sich Kamaldeen Sulemana dem FC Nordsjælland an und verließ somit die ghanaische „Right-to-Dream-Akademie”, welche eng mit dem dänischen Verein kooperiert. Die Akademie ist in Afrika sehr bekannt und angesehen, da sie den talentiertesten Spielern des Kontinents eine professionelle Fußball-Ausbildung ermöglicht. Sulemana selbst kickte einzig auf der Straße, bis er von einem Vermittler der Akademie entdeckt wurde.

Dass es Sulemana an einer professionellen Ausbildung in der Jugend fehlt, ist unverkennbar. Dies zieht allerdings nicht nur negative Konsequenzen nach sich. Die Liebe und Einstellung zum Spiel seitens des Ghanaers definiert sich durch Unbekümmertheit, Flair, Kreativität und vor allem eins: Spaß.

Er legt eine Art „Catch me if you can“-Attitüde an den Tag und erinnert in diesem Aspekt stark an Neymar. Sobald der 19-Jährige den Ball erhält, sucht er das direkte Duell mit dem Gegenspieler. Er hat auch kein Problem damit, sollten es mehrere auf einmal sein.

Im Eins-gegen-Eins ist Sulemana eine absolute Waffe. Kreativität, Flair und auch die nötige Athletik bringt er mit. Hinzu kommt ein gewisses Selbstvertrauen in die Dribbelkünste und ein hohes Maß an Mut. Gerade mit seinem explosiven Antritt ist er auf den ersten Metern kaum zu stoppen. Aufgrund seiner mangelnden Ausbildung wirken seine Bewegungsabläufe und die dazugehörige Technik teilweise aber etwas unorthodox und noch nicht komplett ausgeprägt.

In Folge dessen leidet auch seine Ballkontrolle etwas. Für einen Spieler seines Profils äußerst ungewöhnlich aber einfach erklärbar: Mit jeder Trainingseinheit auf Profi-Niveau verbessert sich Sulemana, gerade in den Grundlagen. In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison wirkte der Westafrikaner schon deutlich flüssiger in Sachen Bewegungsabläufe und Ballbehandlung. Auch sein taktisches Verständnis hatte sich verbessert.

Allerdings sucht Sulemana nicht nur das Eins-gegen-Eins auf dem Flügel, sondern startet auch gerne Tiefenläufe aus dem Halbraum. Aufgrund dieser Fähigkeit wird er mittlerweile auch in einem 3-5-2 System als linker Außenstürmer eingesetzt. Mit seiner Dynamik und dem stark verbessertem taktischen Verständnis agiert er aus der neuen Ausrichtung heraus mittlerweile auch als wichtiger Pressingspieler der Tigrene.

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In Kombination mit all diesen Eigenschaften und einem immer besseren Umschaltverhalten gegen, wie mit dem Ball, stellt Sulemana eine attraktive Option für pressing- und umschaltorientierte Teams wie zum Beispiel Bayer 04 Leverkusen dar.

Nach Vernehmen von mehreren Medien war ein Wechsel im Winter 2020 kurz vor dem Abschluss, doch kam schlussendlich nicht zu Stande. Der Schritt wäre nicht zwingend zu früh gekommen, allerdings ist ein weiteres Halbjahr in Dänemark zum Schleifen an manchen Attributen mehr als nur förderlich für Sulemana.

In der Zeit bis dahin wird Sulemana die Zeit nutzen müssen, bessere Entscheidungen im Anschluss an seine Dribblings zu fällen und den Ball schon etwas früher abzugeben.

Ebenso müssen seine Grundlagen weiter entwickelt werden. Auch wenn der 19-Jährige über eine gute Schusstechnik und Zug zum Tor verfügt, wäre eine weitere Ausprägung seiner Torgefährlichkeit wünschenswert.

Kamaldeen Sulemana wurde analysiert von Jan Perret

Naci Ünüvar: Ajax Amsterdams große Offensivhoffnung

Naci Ünüvar im Kurzprofil
Verein: Ajax Amsterdam
Stärken: Kreativität, Eins-gegen-Eins
Schwächen: Körperlichkeit

22. Januar 2020. Im niederländischen Pokal trifft Ajax Amsterdam auf den Drittligisten Spakenburg. In der Schlussphase kommt der gerade einmal 16-jährige Naci Ünüvar zu seinem Profi-Debüt für Ajax und avanciert mit seinem Treffer zum 7:0-Endstand zum zweitjüngsten Torschützen in der Vereinsgeschichte der Amsterdamer.

Jünger war bei seinem ersten Treffer nur Ryan Gravenberch, Ünüvar liegt in diesem Ranking knapp vor illustren Namen wie Clarence Seedorf, Mathijs de Ligt oder Marco van Basten.

Bereits mit 15 Jahren wurde Ünüvar, gemeinsam mit anderen großen Ajax-Talenten wie Gravenberch oder Kenneth Taylor U17-Europameister. Im Finale gegen Italien konnte er sogar einen Treffer beisteuern – schon in seiner ganzen Karriere war der Niederländer mit türkischen Wurzeln seinen Gleichaltrigen um einiges voraus.

Nicht umsonst gilt Ünüvar als eines der größten Talente in der aktuellen Ajax-Nachwuchsgeneration. Auch wenn der Joker-Einsatz gegen Spakenburg bisher sein einziger für die Profis blieb, scheint der Durchbruch des jungen Flügelspielers nur noch eine Frage der Zeit zu sein.


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Primär ist der 17-Jährige auf dem linken Flügel zu Hause, kann aber auch als Zehner spielen. Als Linksaußen zieht er gerne nach innen, er agiert zentraler als andere, „klassische“ Flügelspieler. So kann er auch von dieser Position als Spielmacher auftreten.

Die größte Stärke Ünüvars sind nämlich seine Schnittstellenpässe, mit denen er teilweise an die Zehner vergangener Fußballgenerationen wie Deco oder Michael Laudrup erinnert. Meistens spielt er diese Bälle mit seinem starken rechten Fuß, auch gerne mit dem Außenrist.

Als Rechtsfuß auf der linken Spielfeldseite erklärt sich auch Ünüvars Hang, mit und ohne Ball immer wieder zentraler zu spielen als andere Flügelspieler. Aber auch seine hervorragende Kreativität tut hier ihr Übriges. Mit einer Körpergröße von nicht einmal 1,70 Meter ist Ünüvar sehr beweglich und hat einen niedrigeren Körperschwerpunkt. Im Dribbling ermöglicht ihm das viele schnelle Richtungswechsel, er ist im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu fassen.

Bei Ajax sehen viele in Ünüvar den legitimen Nachfolger von Hakim Ziyech. Als spielstarker, inverser Flügelspieler bietet sich der Vergleich mit dem zu Chelsea abgewanderten Marokkaner tatsächlich an, beide Spieler sind sich relativ ähnlich.

In naher Zukunft, spätestens zur nächsten Saison, dürfte Ünüvar dann den Schritt zu den Ajax-Profis schaffen und sich nach und nach in der Startelf festsetzen. Dort dürfte die Reise für den 17-Jährigen aber noch nicht vorbei sein.

Seitdem er unter den Augen von Lionel Messi im Jahr 2019 als 16-Jähriger die A-Jugend des FC Barcelona im Alleingang abfertigte, sollen die Katalanen Ünüvars Entwicklung aufmerksam verfolgen. Und auch in der Nationalmannschaft dürfte Ünüvar in Zukunft um Titel spielen können, er gehört zu einer sehr talentierten Generation an niederländischen Nachwuchskickern.

Naci Ünüvar wurde analysiert von Simon Bosse

Independientes nächster Verkaufsschlager? Alan Velasco in der Analyse

Alan Velasco im Kurzprofil
Verein: CA Independiente
Stärken: Dribbling, Mentalität
Schwächen: Passspiel

CA Independiente gehört zu den berühmtesten Vereinen in ganz Südamerika und brachte Anfang der 2000er unter anderem Diego Forlán und Sergio Agüero hervor. Die beiden Stürmer zählen heute noch zu den teuersten Verkäufen des Vereins aus Buenos Aires.

Auch ein Ezequiel Barco schaffte bei Los Diablos Rojo den Durchbruch und verdient sein Geld mittlerweile in der amerikanischen MLS. Drei Jahre nach dessen Abgang scheint man in der argentinischen Hauptstadt den nächsten Rohdiamanten in den eigenen Reihen zu haben, der abermals eine Menge Geld in die Kassen spülen dürfte.

Der junge Alan Velasco zählt zu den besten Talenten Argentiniens und gilt als ähnlich wie einst „Kun“ Agüero als großer Hoffnungsträger im Verein.
Obwohl solche Vergleiche immer mühsam sind und sich der Fußball seit dem Durchbruch des späteren Atlético-Stürmers stark verändert hat, lassen sich zumindest in Sachen Mentalität Parallelen zwischen beiden Spielern ziehen.

Der Linksaußen strahlt auf dem Platz ein ungeheures Selbstvertrauen aus und geht selbst in engen Spielen voran. Im Achtelfinal-Hinspiel der Copa Sudamericana ebnete er seinem Team durch einen Treffer und eine Vorlage den Sieg und zerrte auch beim Ausscheiden seines Teams gegen Lanús an den berühmten Ketten.

Ohne große Anlaufzeit hat der heute 18-Jährige den Sprung vom Jugend- in den Herrenfußball geschafft und zeigt vor allem mit dem Ball am Fuß keinerlei Angst. Unbekümmert geht Velasco immer wieder ins Dribbling und versucht seine Gegenspieler auszuspielen. Dabei ist der in Quilmes geborene Linksaußen nicht an seine Hauptposition gebunden. Mit seinen zackigen Bewegungen und schnellen Drehungen zieht es ihn oft in die Mitte, von wo aus er Steckpässe spielt oder selbst den Abschluss sucht.

Seine Fähigkeit, in engen Räumen die Übersicht zu bewahren und aus dem Stand plötzlich zu explodieren, ist sicherlich seine größte Stärke. In der Copa Diego Maradona startete kein Spieler so viele Dribblings pro 90 Minuten wie das argentinische Talent (11,41). In jenem Pokalwettbewerb erzielte er in vier Spielen fünf Tore und war insgesamt der zweitbeste Torschütze.

Wenn Velasco eine Schwäche hat, dann ist es seine Entscheidungsfindung im Passspiel. Der Argentinier ist am besten, wenn er die einfachen Dinge macht und kurze Pässe spielt. Er hat noch keine so große strategische Weitsicht im Passspiel und ihm fehlt es noch an der Reichweite, um seine Mitspieler in der Tiefe zu bedienen.

Dies ist letztlich der Grund, wieso seine optimal Position noch immer unklar ist. Im Zentrum wird ihm sein Selbstvertrauen im Dribbling oft zum Verhängnis, da er den Ball sehr lange hält und hier unter Zeitdruck gerät.

Am Flügel fallen etwaige Ballverluste nicht so sehr ins Gewicht, weshalb ein Einsatz als Linksaußen in der aktuellen Phase seiner Entwicklung wohl die beste Option sein dürfte. Ansonsten gibt es keinen Zweifel daran, dass Alan Velasco dem Status des Talents bald entwachsen und seinem Heimatverein ähnlich wie Agüero, Barco oder Forlán eine Menge Geld in die Kassen spülen wird.

Alan Velasco wurde analysiert von Sascha Felter

 


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(Titelbild: © IMAGO Images)

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