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FC Bayern: San mia unsympathisch?

Marmor, Stein und Eisen bricht, nur der Hass auf den FC Bayern nicht. So sehr den Bayern der Erfolg anhaftet, so groß ist auch die Abneigung. Doch warum wird der Klub überhaupt so verteufelt und ist die bundesweite Abneigung eigentlich gerechtfertigt? Ein Blick auf die größten Vorwürfe.

Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias Fries & Lukas Salfinger von nullzueins.net, ein sehr empfehlenswerter Blog über Rückstände im Fußball.

 

„Der FC Bayern kauft die Liga kaputt.“

Im Sommer ist Erntezeit, doch schon jetzt im Winter sieht sich Landwirt Salihamidzic die Früchte der anderen Bundesligisten an, ob nicht doch ein Spieler reif für den FC Bayern geworden ist.

War in den letzten Jahren vor allem der BVB-Baum besonders ertragreich, so sieht dieses Jahr jener der anderen Borussia besonders vielversprechend aus. Neuhaus, Elvedi, Salihamidzic reibt sich vor gierig die Hände und schreibt beide auf seine Ernteliste für den Sommer.

So oder so ähnlich, sind wohl die Alpträume aller Fans deren Mannschaften gerade eine gute Saison spielen. Am Ende des Jahres kommt ja sowieso der FCB und kauft die eigene Mannschaft auseinander, womit man wieder mit jahrelanger Aufbauarbeit eine Mannschaft zusammenstellen muss, die eventuell den Titel angreifen kann.


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Doch für diese Aufbauarbeit setzt ein Verein wie Borussia Mönchengladbach natürlich auch nicht nur auf Kräfte aus der eigenen Jugend. Wo der FC Bayern gierig auf Gladbach, Dortmund und Co. schaut, bedient sich Gladbach etwa beim FC Basel, RB Salzburg oder Freiburg.

Und Freiburg wiederum bedient sich an den Talenten aus der zweiten Liga, und so weiter und so fort. Der Unterschied bei den Bayern ist eben nur, dass sie in diesem Kreislauf aus Kaufen-und-Verkaufen-müssen, das Ende der Nahrungskette darstellen. Die Bayern müssen nicht verkaufen.

Und wenn man sich diese Urangst aller Bayern-Verfolger einmal statistisch ansieht, offenbart sich ein ganz anderes Bild. Eine Statistik der Bild aus dem Jahr 2019 zeigte, dass der BVB 16 Spieler im Kader hatte, die sie direkt aus der Bundesliga gekauft hatten.

Damit waren die Dortmunder die Mannschaft, die bei weitem am meisten bei der Konkurrenz wilderte. Danach folgten Hoffenheim, Düsseldorf, Augsburg etc. Die Bayern waren mit acht Spielern aus der Bundesliga nur im Mittelfeld dieser Statistik.


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Klar, der FC Bayern kauft vielleicht nicht die meisten Spieler aus der Bundesliga, dafür jedoch die besten. Ein Transfer wie der von Leon Goretzka tat den Schalkern natürlich ungleich mehr weh, als hätte man damals Guido Burgstaller abgeben müssen.

Somit kann man den Vorwurf “Die Bayern kaufen die Liga kaputt”, nicht völlig entkräften. Quantitativ tun sie dies nicht, qualitativ sehr wohl.

 

„Die Dominanz des FC Bayern sorgt für Langeweile!“

Es gibt inzwischen Kinder, die haben nie einen anderen Meister als Bayern München erlebt. Acht Jahre hält die Serie inzwischen an. Darin waren Saisons, in denen die Bayern praktisch als unschlagbar galten und schon im März den Meisterteller in die Höhe streckten.

Doch zwischen den Rekordsaisons waren auch immer welche dabei, in denen sich der Bayern-Kader im Umbruch befand, in denen gerade nicht der perfekte Trainer auf Bank saß, die Bayern also durchaus verwundbar waren. Man erinnere sich an die Saison 2018/19.

Der BVB hatte nach einer fantastischen Hinrunde, zwischenzeitlich neun Punkte Vorsprung auf die Bayern. Die Bayern kämpften sich anschließend wieder an die Dortmunder heran, bis es am 27. Spieltag zum Duell um die Tabellenführung in München kam.


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Und dort ging der BVB sang- und klanglos mit 0:5 unter. Die Meisterschaft für die Schwarz-Gelben war dahin, die Bayern bauten ihre Meister-Serie weiter aus.

Selbiges kann in dieser Saison beobachtet werden. Die Bayern haben nach dem Triple-Gewinn enorme Formschwankungen und gerade in der Defensive gehörige Probleme. Trotzdem schafft es niemand der Konkurrenten die Situation auszunutzen und sich an die Spitze zu setzen.

Symptomatisch dafür ist der zurückliegende 18. Spieltag. Die Bayern fahren einen Pflichtsieg gegen Schalke ein und das gesamte Konkurrentenfeld patzt. Die Bayern enteilen der Konkurrenz also auch in ihren Schwächephasen.

Den Bayern selbst, kann man schwer einen Vorwurf machen für diese Situation. Um wieder mehr Spannung in die Liga zu bringen, müsste man viel weiter oben ansetzen. Durch die enormen Einnahmen, die Top-Vereine wie Bayern München, Real Madrid oder etwa der FC Liverpool durch die Champions-League und die damit verbundenen Marketingrechte verdienen,

sind sie für die nationale Konkurrenz vor allem finanziell viel zu weit enteilt. Die Bayern hatten etwa in der Saison 2019/20 einen Umsatz von 634 Millionen Euro. Zum Vergleich, die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga, Eintracht Frankfurt, hatte gerade einmal einen Umsatz von 174 Millionen Euro.

Man müsste also jahrelang in der Champions-League spielen, um finanziell weiter an die Bayern heranzurücken. Der BVB hat dies in den letzten zehn Jahren vorgezeigt, trotzdem sind sie mit 365,7 Millionen Euro noch meilenweit von den Münchenern entfernt.


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Auch die anderen großen Ligen wie die spanische Primera Division, die Serie A, sowie die Premier League, haben dasselbe Problem. In jeder dieser Ligen gibt es, wenn überhaupt, eine Hand voll Vereine die um den Titel mitspielen kann. Der Rest, hat schon rein finanziell nicht die nötigen Mittel dafür.

Um wieder mehr Spannung in die Liga zu bringen, müsste man also eine bessere Verteilung der Gelder umsetzen. Die Einnahmen aus den TV-Rechten, wären hier eine gute Möglichkeit gewesen, den ersten Schritt zu gehen. Durch die Corona-Pandemie wurde es aber nichts mit einer großen Reform, die eine gerechtere Verteilung zugunsten der kleineren Vereine bedeutet hätte.

Die Schuld trifft hier also nicht unbedingt den FC Bayern, obwohl dieser natürlich immer intensiv gegen eine Reform der TV-Gelder-Verteilung lobbyiert. Viel mehr müsste man bei den hohen Einnahmen aus den Europapokalen auch an die kleinen Vereine denken, damit diese in den nationalen Ligen nicht zu weit abgehängt werden.

 

„Der FC Bayern hat nur Erfolgsfans!”

Ja, die Stimmung in der Allianz Arena beschreibt man wohl am besten mit dem Wort „Understatement“. Die Anhänger der Bayern werden oft als Event-Fans oder Opern-Publikum bezeichnet und das nicht immer zu unrecht. Wenn man schon einmal in der deutschen Stadien-Landschaft unterwegs war, merkt man schnell, dass es in bedeutend kleineren Arenen weit lauter zugeht als in München.

Grund dafür ist wohl auch der anhaltende Erfolg der Bayern. Dadurch zieht man natürlich auch sogenannte Erfolgs-Fans und Event-Fans an, die nur auf der Welle des Erfolgs mitschwimmen wollen und sofort wieder weiterziehen, wenn dieser einmal ausbleibt.


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Außerdem ist das eigene Stammpublikum inzwischen daran gewöhnt, dass ein Sieg gegen Mainz oder Freiburg keine Besonderheit mehr darstellt und somit kein Anlass für Ekstase auf den Rängen bedeutet.

Für die Bayern-Fans muss dafür schon ein Champions-League Abend her oder zumindest ein 5:0-Sieg mit mindestens 3 Traumtoren. Erst dann geht der Bayern-Fan zufrieden nach Hause.

Aber diese Entwicklung ist nicht dem FC Bayern allein vorbehalten. Real Madrid hat dasselbe Problem, wenn nicht noch ausgeprägter. Dort werden die eignen Spieler schon mal bei einer 2:0-Führung ausgebuht, wenn die Spielweise nicht dem exzellenten Geschmack des Publikums entspricht.

 

„Der FC Bayern ist nur wegen seiner Millionen so gut!“

Profifußball kostet Geld, viel Geld sogar und es wird jedes Jahr teurer. Deswegen sind Mannschaften wie der FC Bayern natürlich im Vorteil, wenn es darum geht die besten Spieler zu verpflichten. Im Gegensatz zu vielen englischen Vereinen oder Mannschaften wie RB Leipzig, hatte der FC Bayern aber nie einen großen Investor, der als Mäzen dafür sorgte, dass man mit viel Geld schnell an die Spitze kommt.

Stattdessen haben die Bayern seit den frühen Neunzigern kontinuierlich gut gewirtschaftet. Gepaart mit den sportlichen Siegeszügen begann eine Art Kreislauf des Erfolgs. Die Bayern spielen erfolgreich, verkaufen daher mehr Tickets und Trikots, finden daher mehr Sponsoren, womit sie ihre Einnahmen steigern und wieder bessere Spieler kaufen können.

Und die Bayern haben das Geld nicht einfach verschleudert, sondern sind sorgsam damit umgegangen. Bei der Verpflichtung absoluter Top-Stars war mal jahrelang nicht bereit, die ganz großen Summen à la Real Madrid, Barcelona und Co. zu zahlen.

Dadurch wurde es zwar Mitte der 2000er schwieriger international zu bestehen, aber man häufte keine Schulden an und wirtschaftete weiter gesund. Sieht man sich etwa dazu die momentane Finanzsituation des FC Barcelona an merkt man, dass dies wohl keine unkluge Entscheidung war.

Erst im Jahr 2007 entschied sich Uli Hoeneß, die Spardose zumindest etwas aufzumachen. „Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicher nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen“, sagte Hoeneß damals. Mit mittleren Wahnsinnspreisen hat man dann Franck Ribery, Luca Toni und Arjen Robben bekommen.

Durch den Wahnsinn am Transfermarkt, sind die Wahnsinnspreise von damals aber inzwischen die Schnäppchen von heute geworden. Also bedient sich der FC Bayern eines neuen Tricks.

Man holt viele Spieler einfach ablösefrei und zahlt weder Wahnsinns- noch Schnäppchenpreis. Damit hat man unter anderem schon Lewandowski und Goretzka bekommen. Und inzwischen können sich die Bayern auch einen 80 Millionen Transfer wie Hernandez locker leisten.

In dieser Woche wurde bekannt, dass der FC Bayern inzwischen in die Top 3 der umsatzstärksten Vereine der Welt aufgestiegen ist. Also auch der finanzielle Höhenflug scheint weiterzugehen.

 

Fazit: Ist die Kritik am FC Bayern berechtigt?

Mit der Überlegenheit und Dominanz der Bayern steigt natürlich Tag für Tag auch der Hass dem Verein gegenüber. Doch selbst dieser Umstand scheint die Münchener nicht zu stören. Inzwischen gehört die Abneigung fast mit zum Markenbild. Das Motto des FC Bayern heißt ja schließlich auch “mia san mia” und nicht “mia san alle”. Eine Abgrenzung gegenüber den anderen, ist hier also durchaus erwünscht.

Und statt immer nur auf die negativen Eigenschaften des FC Bayern zu schauen, könnte man als Fan auch durchaus mal darauf blicken, ob es den eigenen Verein überhaupt noch gäbe, wenn der FC Bayern nicht wäre. Die Bayern halfen schon etlichen Vereinen die finanziell in Nöten geraten waren.

So erließ man 1860 München damals die Ablöse für die Allianz Arena, Borussia Dortmund lieh man zinsfrei zwei Millionen Euro. Für Vereine wie St. Pauli oder Union Berlin kam man regelmäßig für Benefizspiele vorbei, um Geld in die klammen Klubkassen zu spülen. “Inzwischen haben wir mit etlichen Benefizspielen und Aktionen ja die halbe Liga vor dem Ruin gerettet im Laufe der Jahrzehnte.” sagte Hoeneß.

Der FC Bayern ist also nicht das Monstrum der Liga, auch wenn sie durch ihre Außendarstellung oftmals dazu beitragen, dass man weiter daran glaubt.

Beispielshaft zu nennen sind da etwa die Anrufe von Hoeneß im Doppelpass. Und dass Karl-Heinz Rummenigge nicht mehr zum Sympathieträger der Nation aufsteigen wird, ist auch jedem klar, egal ob mit oder ohne Taucherbrille.

Wenn man den FC Bayern kritisieren will, dann sollte man lieber auf wirklich wichtige Punkte eingehen. Etwa das Trainingslager in Katar, wo der FCB jedes Jahr wieder auf Menschenrechte vergisst, nur um “perfekte Trainingsbedingungen” zu haben.

Oder auch das Flirten des Vereins mit einer eventuellen Super-League und auch ganz aktuell, der Vorwurf, dass es einen geheimen Transferpakt zwischen den Top-Teams Europas gibt. Und von den Steuersünden von Uli Hoeneß wollen wir hier gar nicht anfangen.

Titelbild © Getty Images

Dies war ein Gastbeitrag von Tobias Fries & Lukas Salfinger von nullzueins.net, ein sehr empfehlenswerter Blog über Missstände im Fußball.


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