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Krise bei Espanyol: Vom Europa-League-Teilnehmer zum Absteiger

Eine denkwürdige Spielzeit geht allmählich zu Ende. Die Ligue 1 brach die aktuelle Saison bekanntlich während der Corona-Pandemie ab, die Bundesliga setzte als erste Top-Liga die Saison weiter fort, ehe die restlichen großen Ligen Europas nachzogen.

Die wichtigen Entscheidungen um die Meisterschaften, internationalen Plätze sowie Auf- und Abstiege stehen bevor.

In LaLiga ist eine dieser Entscheidungen inzwischen gefallen: Espanyol Barcelona steigt aus dem spanischen Oberhaus ab und muss den Gang in die zweite Liga antreten. Damit verliert die Liga eine Mannschaft, die seit 1994 ununterbrochen ein Teil der spanischen Eliteklasse war und 2007 sogar im UEFA-Cup-Finale stand.

Dies ist ein Gastbeitrag von Pascal Martin.
Eine Grafik von Toni Maass (@redrevo96 / © Footyrenders).


 

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Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Bereits in den vergangenen Jahren entwickelte sich der Nachbar des FC Barcelona immer mehr zu einer grauen Maus. Dabei sah vor knapp einem Jahr alles noch ganz anders aus.

Die Mannschaft aus der Hauptstadt Kataloniens landete in der Vorsaison auf dem siebten Rang und spielte damit nicht nur die beste Spielzeit seit 14 Jahren, sondern erreichte einen der begehrten Plätze für den internationalen Wettbewerb. Ein Grund zur Freude, könnte man denken.

Doch im Nachhinein hätten sich die Anhänger der „Blanquiazules“ wohl mit einem anderen Platz ebenfalls zufriedengegeben. Ein Blick auf die verkorkste Saison von Espanyol Barcelona, die mit dem Abstieg in die zweite Liga endete.

 

Kurze Vorbereitung wird früh zum Verhängnis

Ein ausschlaggebender Grund für die misslungene Spielzeit war die kurze Vorbereitung, die Espanyol aufgrund der Europa-League-Qualifikation hatte. Während die meisten Ligakonkurrenten erst in den Anfangszügen oder mitten in ihrer Vorbereitung steckten, absolvierten die Katalanen nur eine Woche nach ihrem ersten Testspiel bereits das erste Pflichtspiel der Saison.

Die Qualifikationsrunde überstanden die „Periquitos“ zwar problemlos und lösten das Ticket für die Europa-League-Gruppenphase, doch der unvorteilhafte Mix aus Vorbereitung und Saisonstart zeigte bereits in den Anfangswochen der Liga negative Auswirkungen auf die Resultate der Barceloner.

Zudem kam erschwerend hinzu, dass die starke Vorsaison Interesse von außerhalb anzog und andere Klubs nicht nur auf die Spieler, sondern auch auf Trainer Rubi aufmerksam wurden, der für den Höhenflug verantwortlich war. Ligakonkurrent Betis Sevilla warb Rubi ab und machte den 50-Jährigen zum Nachfolger von Quique Setién.


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Wenige Wochen später und kurz vor Ende der Transferperiode sicherten sich die Andalusier außerdem die Dienste von Espanyols Torjäger Borja Iglesias, der in der Erfolgssaison stolze 17 Treffer in der Liga erzielte und damit als nahezu unersetzlich galt. Darüber hinaus wechselte Innenverteidiger Mario Hermoso in Spaniens Hauptstadt zu Atlético Madrid.

Nur für diese beiden Spieler nahmen die „Blanquiazules“ in dem Sommer über 50 Millionen Euro ein – und hätten diese auf dem Transfermarkt gut reinvestieren können, was sie jedoch nicht taten.

Als Hermoso-Ersatz wurde der junge Fernando Calero für acht Millionen Euro von Real Valladolid geholt, der dort eine starke Premieren-Saison in LaLiga spielte. Im Sturm wechselte Jonathan Calleri auf Leihbasis (plus einer Kaufoption in Höhe von 22 Millionen Euro) vom CD Maldonado aus Uruguay nach Barcelona.

Außerdem kam für etwa zehn Millionen Euro der Flügelspieler Matías Vargas aus Argentinien, der für die nötige Kreativität in der Offensive sorgen sollte. Wenige Monate später sollte sich herausstellen, dass keiner dieser Neuzugänge zu überzeugen wusste.

 

Der Faktor Zeit als ständiger Begleiter

Nach dem Abgang von Trainer Rubi entschied sich Espanyol für eine Lösung aus den eigenen Reihen. David Gallego wurde aus der zweiten Mannschaft an die Seitenlinie in der spanischen Eliteklasse befördert und kam mit der Intention, einen offensiven Fußball spielen zu lassen.

Doch die kurze Vorbereitung sowie die schmerzhaften Abgänge der Leistungsträger machten es dem langjährigen Erstligisten schwer, den eigenen Rhythmus zu finden und Espanyol wurde nur wenige Spieltage nach dem Ligaauftakt auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Nur ein Sieg aus den ersten acht Spielen in der neuen Saison – deutlich zu wenig für die Katalanen. Die sportliche Leitung sah sich früh gezwungen, Gallego bereits wieder zu entlassen und im Anschluss Pablo Machín als dessen Nachfolger zu präsentieren.


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Machín, der zuvor beim FC Girona und FC Sevilla tätig war, brachte sein favorisiertes 3-5-2-System auch nach Barcelona. Doch das Experiment mit dem neuen Trainer scheiterte schneller als gedacht.

Machín blieb seiner Spielphilosophie treu, jedoch fehlte dem Coach ausreichend Zeit zur Umsetzung. Somit standen lediglich fünf Punkte aus zehn Ligaspielen auf der Habenseite von Machín, dessen Amtszeit nur etwa zweieinhalb Monate andauerte und noch vor dem Jahreswechsel endete.

In der Folge wurde Abelardo als neuer und inzwischen dritter Trainer binnen eines halben Jahres vorgestellt – es war der nächste Versuch, den Klub noch irgendwie vor dem Abstieg zu retten.

 

Espanyol in der Krise: Verspätete Investitionen auf dem Transfermarkt

Doch Abelardo hatte das gleiche Problem, mit dem bereits seine Vorgänger zu kämpfen hatten und woran diese scheiterten: Es war nicht genügend Zeit da, um die Mannschaft optimal vorzubereiten. Nur kurz nach Neujahr ging es bereits ins Derby gegen den FC Barcelona.

Es wurde ein Weckruf für den Tabellenletzten, der den großen Nachbarn mit einem späten 2:2-Unentschieden ärgerte.

Ausgerechnet Lei Wu sorgte für den Ausgleich in der Schlussphase – der Angreifer, der nach dem Iglesias-Abgang mehr in den Fokus rückte und überwiegend bemüht war, jedoch eher glücklos blieb. Am 31. Spieltag sorgte der Chinese im Auswärtsspiel bei Betis Sevilla für einen der Fehlschüsse der Saison.


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Lei Wu und seine Teamkollegen bekamen im Winter neue Mitspieler an die Seite gestellt, denn Espanyol wurde mit einer halbjährigen Verspätung auf dem Transfermarkt aktiv und gab das im Sommer eingenommene Geld aus. Mit hohen Investitionen gingen die Katalanen voll ins Risiko, um den drohenden Abstieg doch noch abzuwehren.

Zu Beginn der Transferzeit wurde Stürmer Raúl de Tomas von Benfica Lissabon mit einer Ablösesumme um die 20 Millionen Euro zum Rekordeinkauf der Vereinsgeschichte.

Zum Abschluss der Wechselperiode stießen der beim FC Getafe gesetzte Innenverteidiger Leandro Cabrera für neun Millionen Euro sowie Adrián Embarba aus der zweiten Liga von Rayo Vallecano für zehn Millionen hinzu.

Der Tabellenletzte der LaLiga hatte damit im Winter weltweit die fünfhöchsten Ausgaben.

 

Espanyol-Sportdirektor Fransisco Rufete scheitert im Alleingang

Abelardo, der bei seiner vorangegangenen Station bereits Deportivo Alavés in der ersten Liga hielt, blieb mit Espanyol in seinen ersten drei Ligaspielen ungeschlagen. Das machte nicht nur Hoffnung für die restliche Spielzeit, auch fand der Neu-Trainer einen verstärkten Kader vor.

Das deutliche Ausscheiden in der Europa League im Sechzehntelfinale gegen die Wolverhampton Wanderers im Februar diesen Jahres war ein kleiner Dämpfer für die Mannschaft, die sich für die Rückrunde einiges vorgenommen hatte.

Der 50-Jährige stellte auf ein konservatives System mit zwei Viererketten und einem Sturm-Duo um. Espanyol begann häufiger zu punkten und verkürzte den Abstand auf die Konkurrenz, doch das Tabellenschlusslicht blieb Tabellenschlusslicht.

Nach der rund dreimonatigen Corona bedingten Zwangspause holten die „Periquitos“ vier Zähler aus den ersten vier Spielen.


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Nach der 0:1-Niederlage am 31. Spieltag bei Betis Sevilla und drei Spielen in Folge ohne Sieg war Schluss für Abelardo, der in dieser Saison der erfolgreichste Trainer bei Espanyol war und immerhin 20 Punkte in der Liga einfuhr.

Ende Juni nahm Sportdirektor Fransisco Rufete, der all die Trainer- und Transferentscheidungen in den ganzen Monaten mit zu verantworten hatte, die Aufgabe dann selbst in die Hand und versuchte das fast Unmögliche noch möglich zu machen.

Doch der 43-Jährige scheiterte, nach vier punktlosen Spielen seit seiner Übernahme stand der erste Abstieg nach 27 Jahren fest – ausgerechnet nach einer 0:1-Niederlage gegen den großen Nachbarn FC Barcelona am 35. Spieltag.

Auch unter der Regie des Interimstrainers wurde ein weiteres Problem nicht abgestellt, welches sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit zog: Der Tabellenletzte hat nämlich die wenigsten Siege nach eigener Führung vorzuweisen. 15 Mal gingen die Katalanen in Führung, doch nur fünf Mal gewannen die Barceloner am Ende auch.

Ebenso oft endeten die Spiele mit einem Unentschieden oder einer Niederlage. Dabei gingen wichtige Punkte im Abstiegskampf verloren, die am Ende für den Klassenerhalt fehlten.

 

Der Blick nach vorne

Wie geht es für die „Blanquiazules“ nach dem feststehenden Abstieg nun weiter? Es ist davon auszugehen, dass im Sommer ein großer Umbruch ansteht.

Die Suche nach einem neuen Trainer wird erneut von vorne losgehen, wenn Rufete auf seine ursprüngliche Position zurückkehren wird. Zahlreiche Spieler werden dem Klub nicht in die zweite Liga folgen.

Die Einnahmen aus diesen Abgänge werden dem kleinen Nachbarn des FC Barcelona jedoch dabei helfen, für die zweite Liga eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen.

Außerdem gibt es im Hintergrund noch den Besitzer Chen Yansheng, der den Verein Anfang 2016 übernahm und damals vor der Insolvenz rettete.


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Über die vergangenen Jahre brachte der Milliardär die Katalanen wirtschaftlich langsam wieder auf Kurs und sorgte unter anderem mit der Verpflichtung des chinesischen Stürmers Lei Wu, aus finanzieller Sicht, für einen Coup.

Ob die großen Ambitionen des Besitzers und der sportliche Abstieg seines Vereines auch in Zukunft weiterhin in Einklang zu bringen sind, wird sich zeigen.

Der Chinese sprach nur einen Tag nach dem feststehenden Abstieg in einer Videobotschaft zu den Fans und übernahm Verantwortung für die desolate Saison. „Durch unermüdlichen Einsatz und harte Arbeit wird die Mannschaft in die erste Liga zurückkehren, wo der Klub aufgrund seiner Geschichte zweifelsohne stehen sollte“, sagte der Besitzer außerdem.

Jedenfalls kann sich der Absteiger auf seine erfolgreiche Jugendarbeit verlassen, die in den vergangenen Jahren immer wieder gute Spieler hervorgebracht hat – darunter beispielsweise den umworbenen Mittelfeldspieler Marc Roca, der ebenfalls zu den Verkaufs-Kandidaten zählen wird.

Auch in dieser Spielzeit feierten bereits wieder einige Talente ihre Debüts und könnten möglicherweise bei der Mission Wiederaufstieg eine gewichtige Rolle spielen.


Dies war ein Gastbeitrag von Pascal Martin


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Pascal Martin
Pascal Martin
Ein Hamburger Junge, der es im Regen nicht ganz so gerne aushält und sich lieber nach der Sonne sehnt. Während eines mehrmonatigen Auslandsaufenthaltes in Sevilla nicht nur das Wetter genossen, sondern auch zwei spannende Vereine besucht.

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1 comment

  1. Jeg elsker bloggen din. Flott jobb. I’m also a big fan of writing down goals and keeping up with them for that very same reason–to see my progress and get encouraged to keep going. If there’s no feeling of progress, then motivation can dwindle before you accomplish what you set out to. Great article!

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