Nach der Auslosung der Champions League Gruppenphase gab es viele langer Gesichter in Leipzig. Keines der hochgehandelten Top Teams aus Madrid oder gar der große FC Barcelona wurde in die Leipziger Gruppe gelost.

Stattdessen sind es „nur“ Zenit St. Petersburg, Olympique Lyon und Benfica Lissabon. Eine vermeintlich leichte Gruppe meinten viele. Von der besten Europa-League-Gruppe aller Zeiten war sogar scherzhaft die Rede.

Dabei könnte sich insbesondere der portugiesische Vertreter als großer Stolperstein herausstellen, der RB Leipzig das Weiterkommen streitig machen kann.
 

Das ist Benfica

 
Das Team aus der Hauptstadt Portugals nahm wie so häufig in der jüngeren Vergangenheit im Sommer eine Wandlung durch.

Nach einem turbulenten Start in die vergangene Spielzeit trennte man sich von Erfolgscoach Rui Vitória, der bereits vier Jahre am Tejo, der Flussmündung an der Lissabon liegt, tätig war.

Sein Nachfolger Bruno Lage führte das den Rekordmeister wieder in die Erfolgsspur.

In 28 Partien in der vergangenen Saison hatte Lage einen Schnitt von sagenhaften 2,43 Punkten pro Partie. Zusätzlich brachte der ehemalige Jugendtrainer Benficas zahlreiche Talente aus den eigenen Reihen hervor, die er mittlerweile in das Team integriert hat.

João Félix ist hier sicher der bekannteste Name. Mit gerade mal 19 Jahren wechselte er im Sommer für knapp 130 Millionen Euro zu Atlético Madrid. Er ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs.

Denn Benfica hat mit der Eröffnung des Caixa Futebol Campus im Jahre 2006 die Jugendarbeit sukzessive gefördert und kann nun aus einem reichhaltigen Fundus an Talenten schöpfen. Florentino Luís, Gedson Fernandes, Rúben Dias und Ferro zählten bereits in der letzten Saison zu den wichtigen Stützen der Meistermannschaft.

Dahinter scharren Teenager wie Nuno Tavares, Jota und ein gewisser Úmaro Embaló, an dem RB Leipzig schon vor knapp zwei Jahren dran war, mit den Hufen.
 

So könnte Benfica gegen RB Leipzig spielen

 
Die Portugiesen werden wie bereits in der letzten Saison im 4-4-2 mit einer echten Spitze, Haris Seferović, und einer hängenden Spitze, namentlich Neuzugang Raúl de Tomás, auflaufen.

Auf den Außenpositionen gelten Rafa Silva auf links und Pizzi auf rechts als gesetzt. Dahinter spielen der junge Florentino und Samaris, oder der ebenso blutjunge Gedson Fernandes, als Doppelsechs.

Epizentrum der Benfica-Offensive ist die rechte Angriffsseite um Pizzi, der bereits nach fünf Spieltagen sieben Scorerpunkte vorzuweisen hat. Seferovic zieht es im Angriffsverlauf auch oft auf den rechten Flügel, wodurch das Zentrum durch einen der beiden Sechser und den einrückenden Flügelstürmer gefüllt wird.

Dieser einrückende Flügelspieler ist Rafa Silva, der in der vergangenen Liga NOS Saison 17 Treffer erzielte. Der Portugiese kann RB Leipzig vor allem durch seine Kaltschnäuzigkeit und klugen ballfernen Bewegungen gefährlich werden.

Die schnellen Angriffe durch die Mitte und über den rechten Flügel werden durch extrem offensive Außenverteidiger garniert. Alejandro Grimaldo und André Almeida bereiteten letzte Saison 12 bzw. 11 Tore vor.

Altmeister Andreas Samaris sichert diese Angriffe in der Regel vor der Abwehr ab, wodurch Seferovic, Pizzi & Co. glänzen können.

Gegen den Ball formiert man sich im 4-4-2 und versucht sehr frühzeitig Druck auf die Innenverteidiger auszuüben. Schafft man es nicht den flachen Spielaufbau zu verhindern, schieben die Sechser nach, wobei Florentino hier eine Sonderrolle einnimmt.

Der junge Portugiese ist überaus stark in dynamischen Zweikämpfen und kann mit seiner Physis den Gegner bereits in der eigenen Hälfte festschnüren. Schaffen es Kampl & Co. ihn zu überspielen, ist man bereits einen großen Schritt weiter.

In der Restfeldverteidigung ist man nämlich nicht mehr ganz so stark aufgestellt, da die Außenverteidiger dann weite Wege gehen müssen.

Die „Sicherheitsnadel“ Samaris kann hier meist noch etwaige Löcher stopfen, doch wenn RB Leipzig es schafft, mit großer Wucht und vielen Spielern zu kontern, kann man Benfica definitiv vor Probleme stellen.

Am wichtigsten wird es aber sein, dass man die Offensive der Águias in den Griff bekommt. In der vergangenen Saison erzielte diese 103 Tore nur allein in der Liga. Derzeit ist man schon wieder bei 11 Toren nach vier spielen.

Es ist also davon auszugehen, dass RB Leipzig mindestens zwei Tore schießen muss, um im Estádio da Luz siegreich zu sein.

Zumal verlor Benfica nur ein einziges Heimspiel in der vergangenen Saison. Es kommt also ein ordentliches Stück Arbeit auf Nagelsmanns Team zu. Von einem einfachen Los kann hier keine Rede sein.
 

Auf diese drei Spieler muss RB Leipzig achten

 
Florentino Luís

Einer der Senkrechtstarter der vergangenen Spielzeit war Mittelfeldmann Florentino Luís. Der mittlerweile 20-Jährige ist seit Bruno Lages Amtsantritt zum Stammspieler auf der Sechs gereift. Seine Qualitäten im Spielaufbau zeichnen sich vor allem durch ihre Einfachheit aus.

Er initiiert keine Angriffe wie Samaris, sondern leitet das Spielgerät meist mit zwei Kontakten weiter und hält den Spielfluss am Laufen.

Dabei ist sein Bewegungsspiel und Freilaufverhalten auf einem ordentlichen Niveau, wobei er hier noch Verbesserungspotenzial hat.

Defensiv kann ihm bei Benfica kaum einer das Wasser reichen. In dieser Saison kommt er im Schnitt auf unglaubliche 4,3 Interceptions pro Partie.

In gewisser Weise kann man ihn mit Real Madrids Casemiro vergleichen. Florentino, dessen Ausstiegsklausel bei 120 Millionen Euro liegt, ist die versteckte Schaltzentrale Benficas, der RB Leipzig mit seiner Mischung aus Physis und technischer Beschlagenheit vor Probleme stellen kann.

Pizzi

In der Offensive wird Pizzi der Strippenzieher sein. Bereits in der vergangenen Saison war er einer der torgefährlichsten Spieler der Mannschaft und war mit 19 direkten Torvorlagen Europas bester Vorlagengeber.

Die rechte Seite ist daher Benficas Trumpf. Pizzi besitzt ein feines Füßchen, mit dem er Schnittstellenpässe und Lupfer hinter die Abwehrkette spielen kann. In der Liga spielt er im Schnitt 3 Key Passes pro Spiel. Da er im Angriffsverlauf gerne in den Halbraum bzw. die Mitte schiebt, muss die Zuordnung der Leipziger stimmen.

Insofern muss sowohl der Sechser als auch der Linksverteidiger der Leipziger auf der Lauer sein und Pizzi stören, wenn er in die jeweilige Zone kommt.

Doch Vorsicht sollte hier geboten sein, schließlich hinterlaufen die Außenverteidiger Pizzi gerne und nutzen den freigewordenen Raum.

Alejandro Grimaldo

Der Verkauf des spanische Linksverteidiger gilt für viele als einer der größten Fehler, die der FC Barcelona in der jüngeren Vergangenheit gemacht hat.

Man ließ ihn nämlich 2016 für die läppische Summe von 2,1 Millionen Euro nach Lissabon ziehen. Mittlerweile gilt Grimaldo als einer der besten Linksverteidiger Europas.

Der 23-Jährige, der am 20. September seinen Geburtstag feiert, besitzt einen enormen Offensivdrang und spielt bei Benfica die drittmeisten Key Passes (1,5). Darüber hinaus gibt er fast zwei Schüsse pro Spiel ab. Der Mann ist also eher Außenstürmer, könnte man denken.

Doch auch defensiv weiß er mit seiner Schnelligkeit und einer gesunden Zweikampfhärte zu gefallen. Bisher zeigte er 3,8 Tacklings pro Partie und ist weiterhin mit über 80% Passquote sehr passsicher.

RBL wäre also gut beraten, die eigenen Angriffe nicht über die eigene rechte Seite zu initiieren.

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Written by Sascha
Ist für Taktikanalysen, Scoutingberichte und schlechte Wortspiele zuständig. Eigene Grammatik ist so ausbaufähig wie Swanseas letztjährige Tabellenplatzierung – und entsprechend ist hier keine Aussicht auf Besserung.